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INDONESIEN SELAYAR: IM STEILWAND-RAUSCH


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 40/2019 vom 08.03.2019

Endlose, fischreiche Steilwände und ein selbst geschaffenes Schutzgebiet – ein Franke setzt sich mit Herzblut für sein kleines Paradies in Südsulawesi ein. Barbara und Wolfgang Pölzer ließen sich in tiefste Tiefen hinabsinken.


Artikelbild für den Artikel "INDONESIEN SELAYAR: IM STEILWAND-RAUSCH" aus der Ausgabe 40/2019 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 40/2019

Prächtige Fächerkorallen wachsen an den bunten Steilwänden.


Das Tauchresort liegt ganz versteckt unterm Blätterdach.


Back to the roots – Tauchen für echte Männer und Abenteuer suchende Frauen! Frei von „Diving is fun“-Zwangsbeglückung und 18-Meter-Tieftauchgrenze. Dafür einfach mit purer Luft und gesundem Menschenverstand spektakuläre Steilwände genießen. Und wenn alles passt, dann ...

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... auch mal kurz und ohne Angst vor schulmeisterhaften Diveguides dem Hai unter der imaginären 40-Meter-Linie guten Tag sagen. Ja, das gibt’s tatsächlich noch!

Dort, wo sich die beiden Meere Floressee und Bandasee treffen, quasi am südlichsten Zipfel von Sulawesi, hat sich ein Franke seinen Lebenstraum erfüllt. Als der Nürnberger Jochen Schultheis vor über 20 Jahren halb Indonesien auf der Suche nach einem geeigneten Platz für eine eigene Tauchbasis abgeklappert hat, hat er wegen der vielen zerbombten Riffe vor Südsulawesi beinahe schon aufgegeben. Das Rückflugticket nach Deutschland war bereits gebucht, als ihn ein glücklicher Wink des Schicksals noch nach Selayar geführt hat. Vor allem die Südspitze der lang gestreckten, hier kaum besiedelten Insel, ragt einer Kompassnadel gleich gen Süden. „Überall, wo ich hier reingesprungen bin, war das Meer voller Fische und unversehrter Riffe“, schwärmt er auch heute noch von seinen ersten Eindrücken und beginnt so lautstark und eindrücklich zu lachen, dass man bald nicht anders kann, als mitzulachen. Jeder, der Jochen schon mal lachen gehört hat, weiß, wovon man spricht. Seine Lache ist so charakteristisch und einzigartig, dass man sie ihm schon für Werbezwecke abkaufen wollte.

Freilich haben wir nicht deswegen die zugegeben etwas mühsame Anreise auf uns genommen, doch einmal angekommen hat man die auch schnell vergessen. Bevor es in einem der drei Schnellboote aufs Meer hinausgeht, ist zum Eingewöhnen erst einmal Hausriff angesagt. Vom Ende des 150 Meter langen Steges sind es nur wenige Flossenschläge bis zur Riffkante. Senkrecht, lediglich von kleinen Stufen unterbrochen, verschwindet sie im wunderschönen Dunkelblau. Etwa 60 bis 80 Meter unter uns soll sie nach einem schmalen Absatz weiterhin senkrecht bis in rund 800 Meter führen, bevor sie schließlich wenige 100 Meter vor der Küste in einen 3000 Meter Tiefseegraben mündet.

Wir bremsen uns in 16 Meter ein, um einen ganz bestimmten Gorgonienfächer genau unter die Lupe zu nehmen. Schräg aus einem kleinen Canyon sprießend beherbergt er einige wenige der gerade einmal fingernagelgroßen Zwergseepferdchen. In zartem Rosa hebt sich das winzige Tierchen kaum vom dicht gewebten Gitternetz der Fächerkoralle ab. Allein die dunklen Augen und das geringelte Greifschwänzchen verraten es. Ein mal gesehen fällt es deutlich leichter, nach weiteren zu suchen und so haben wir bald drei Exemplare im Blick – fantastisch!

Verheißungsvoll leuchtet die Steilwandkante am Spot Shark Point. In 40 Metern Tiefe stehen spannende Haibegegnungen auf dem Plan.


Süß: junger Gelbbrauner Kofferfisch.


Nach geraumer Zeit folgen wir weiter der imposanten Steilwand, die mit den verschiedenstfarbigen Gorgonien, Schwämmen, Hart- und Weichkorallen bewachsen ist. Immer wieder bieten kleine Überhänge Versteck und Schutz für schlafende Soldatenfische, lauernde Juwelenzackenbarsche, aber auch Nacktschnecken und winzig kleine Grundeln. Ein Trupp Süßlippen wartet im Schatten einer ausladenden Tischkoralle geduldig auf einen kleinen Putzerfisch, der emsig Kunde um Kunde abklappert und sich dabei scheinbar todesmutig in aufgesperrte Mäuler und unter abgespreizte Kiemendeckel wagt. Eine sanfte Strömung unterstützt uns auf dem Rückweg und treibt uns fast in eine schwarz-weiß geringelte Seeschlange, die zum Atmen an die Wasseroberfläche schwimmt. Wieder zurück beim Steg lohnt es sich, noch etwas im ganz flachen Wasser zu bleiben und die Vielzahl an Fischen zu beobachten. Mehrere Dutzend verschiedener Arten an Falter-, Kaiser-, Doktor-, Schleim- und Lippfischen, Barschen, Grundeln und Skorpionsfischen tummeln sich unter den Balken, wuseln um die Stützpfeiler herum, weiden Algen ab, suchen nach fressbarem Kleingetier, liegen auf der Lauer oder verschlafen einfach nur den Tag. Der Flachbereich des restlichen Riffdachs ist großteils kahl und lediglich von wenigen sehr robusten Korallenarten bewachsen.

Nicht umsonst ist das Resort ein halbes Jahr lang geschlossen. Die teils heftigen Ostwinde zwischen Mai und Ende September türmen hier bis zu sechs Meter hohe Wellen mit entsprechender Zerstörungskraft auf. Nicht verwunderlich, denn ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass die nächste größere Landmasse Richtung Osten erst Westpapua in rund 2000 Kilometer Entfernung ist.

An den Sonnenaufgängen kann man sich einfach nicht sattsehen.


Das Riffdach ist ein wunderschöner Schnorchelspot!


ALLE FOTOS: W. PÖLZER

Putzig: Schwamm-Springkrebs.


IM TIEFEN REICH DER HAIE

Am nächsten Morgen geht’s rauf aufs Boot. Jochen möchte uns zum Shark Point führen, seinem absoluten Lieblingsplatz. Bereits nach wenigen Minuten stoppt das Boot hinter der Spitze der nächsten Halbinsel. Zügig folgen wir Jochen hinab zu einem Riffvorsprung im 20-Meter-Bereich, wo sich ein stattlicher Schwarm Schwarzer Schnapper im Strömungsschatten versammelt hat. Prächtige Weichkorallen wuchern mit ausladenden Gorgonien und bizarr abstehenden Peitschenkorallen um die Wette, während zahllose gelbschwarze Falterfische im Freiwasser davor nach Plankton schnappen. Zu gern hätte ich die Szenerie mit Kamera und Tauchbuddy eingefangen, Jochen drängt jedoch nach unten. Kopfüber geht’s tiefer und tiefer, bis er uns zu verstehen gibt, zwischen mannshohen Tonnenschwämmen Schutz zu suchen und abzuwarten. Er selbst paddelt noch ein gutes Stück weiter die Wand hinab, holt eine alte Plastikflasche aus der Tasche und beginnt darauf zu spielen wie der Teufelsgeiger höchstpersönlich.

Keine zwei Minuten später schälen sich dunkle Gestalten aus dem undurchdringlichen Graublau der Tiefe. Der alte Flaschentrick hat funktioniert! Eine Hand voll Grauer Riffhaie umkreist Jochen – das Zeichen für uns, endlich auch aufzuschließen. Majestätisch schwimmen die stattlichen Räuber zwischen uns, halten Ausschau nach der vermeintlichen Beute, checken uns genau ab, kommen dabei aber nie näher als etwa drei Meter. Etwa zeitgleich mit dem längst nötigen Aufstieg verlieren auch die Haie ihr Interesse am Geräusch der Plastikflasche.

Zügig tauchen wir höher. Wir lassen uns mit der Strömung um die Spitze der Halbinsel treiben, treffen dabei auf einzelne Weißspitzenriffhaie und landen punktgenau inmitten eines beeindruckenden Schwarms aus Stachelmakrelen. Hinter einer Biegung nimmt die Strömung zu. Längst ist die Steilwand in einen stetig flacher werdenden Hang übergegangen. Riesige Schwämme, drahtartige Peitschenkorallen und massive Blöcke prägen das Bild und dann heißt’s aufpassen: Wir treiben durch ein Reich schlafender Schildkröten. Anfangs begeistert – nach ein paar Minuten fast schon langweilig. Nahezu hinter jedem größeren Schwamm, Korallenblock oder kleinem Überhang lümmelt sich eine Suppenschildkröte. Die meisten lassen sich durch uns nicht stören, nur ein paar paddeln gemächlich hinaus in die Strömung, um sich bald wieder niederzulassen. Zwei blassgelbe Schaukelfische, eine gigantische Mördermuschel, einen stattlichen Leoparden-Stechrochen sowie eine Seekobra später kommt die Strömung nahezu zum Erliegen. Am anderen Ende der Halbinsel angekommen hat sich ganz nebenbei der Sicherheitsstopp erledigt und unsere Begeisterung für ein Wiederholen dieses Tauchgangs ganz drastisch erhöht.

Ein Glasfischschwarm sucht die schützende Nähe des Riffs.


Guckt grimmig: Sattel-Zackenbarsch.


JETZT ERST EINMAL PAUSE!

Wer hier am Ende der Welt tief taucht, braucht auch eine entsprechende Oberflächenpause. Und so hat es Jochen zu seinem Gesetz gemacht, immer rund sechs Stunden zwischen den beiden Bootsausfahrten verstreichen zu lassen. Klingt nach viel Zeit, macht aber Sinn, denn der Weg zur nächsten Druckkammer ist weit. So hat man auf jeden Fall Zeit, die wunderschöne Bucht mit ihrem knapp einen Kilometer langen Traumstrand in Ruhe zu genießen, und zwar wortwörtlich, denn im Resort wird man ausschließlich von den Naturgeräuschen aus dem Dschungel beschallt. Der Stromgenerator befindet sich fast zwei Kilometer entfernt in der Nachbarbucht und der Kompressor zum Flaschenfüllen läuft nur während der Bootsausfahrten. Ganz dazu passend ist es Jochen bereits vor über 15 Jahren gelungen, den Küstenstreifen rund zehn Kilometer um sein Resort herum als Meeresschutzgebiet ausweisen zu lassen. Dank seiner vehementen Bestrebungen soll bald sogar ganz Südselayar ausschließlich von seinen Bewohnern und nur mittels traditioneller Methoden befischt werden dürfen.

Wem zwei Tauchgänge pro Tag zu wenig sind, der kann zusätzlich nach Herzenslust auf eigene Faust das Hausriff erkunden, das sich besonders entlang der Abbruchkante auch hervorragend zum Schnorcheln eignet. Vor allem aber zum Nachttauchen ist es ein absolutes Muss! Seltene Bärenkrebse, farbenprächtige Garnelen und Langusten bevölkern dann die Überhänge gemeinsam mit riesigen Nacktschnecken und jeder Menge schlafender Fische.
Fazit: Selayar ist kein Tauchreiseziel „von der Stange“. Es bietet Tauchen wie früher – frei von Zwängen, aber mit Vernunft. Die abgelegene Insel ist ein Paradies für erfahrene Taucher und Ruhe suchende Natur-Genießer. Steilwandfreaks kommen hier genau so auf ihre Kosten wie Makro-Fans und Schnorchler.

REISE-FACTS

Die landestypischen Bungalows schmiegen sich an den wunderschönen Sandstrand.


LAGE

Das Selayar Dive Resort liegt an der Südostküste der Insel Selayar, die vor der Südspitze von Sulawesi liegt

TAUCHEN

Es werden täglich zwei Bootstauchgänge sowie unlimitiertes Hausrifftauchen angeboten. Die 20 Tauchspots erreicht man innerhalb von zwei bis zehn Minuten. Tauchen erfolgt ohne Gruppenzwang im Buddyteam. Es ist immer mindestens ein Guide mit im Wasser. Wegen teilweise starken Strömungen empfiehlt sich ein Riffhaken. Die Wassertemperaturen liegen zwischen 27 und 29 Grad Celsius – ein 3-mm-Anzug ist ausreichend
Boote: 3 GFK-Schnellboote für je 8 Taucher
Ausstattung: 6 Leihausrüstungen, nur nach Voranmeldung verfügbar
Flaschen: 12- und einige 15-Liter-Flaschen (gegen Aufpreis)
Preise: Zwei Bootsausfahrten mit Flasche und Blei sowie unlimitiertes Hausrifftauchen kosten 90 Euro pro Tag. Nachttauchen am Hausriff ohne Aufpreis.

WOHNEN

Das Tauchresort verfügt über sieben geräumige Strandbungalows aus Holz mit Ventilator, Kühlschrank, Terrasse und eigenem Freiluftbad sowie zwei nagelneuen Strandvillen aus Stein mit Klimaanlage. Die maximale Gästeanzahl liegt bei 18 Personen. Nebenkosten können vor Ort nur in bar in Euro, US-Dollar oder IDR bezahlt werden.
Das Resort hat von Mitte Oktober bis Ende April geöffnet.
Tipp: Von Oktober bis Dezember sind meist mehr Critter zu sehen, und im Oktober und April bestehen die besten Chancen für seltene Sargassum-Anglerfische am Hausriff.
Info:

ANREISE

Zielflughafen ist Jakarta, Mandao oder Bali. Von dort Flug nach Makassar, wo man am besten eine Nacht im Hotel verbringt. Am nächsten Morgen mit dem Bus (5 Stunden) und Boot (2,5 Stunden) zum Resort.

PREISBEISPIEL

Eine Woche (7 Nächte) im Selayar Dive Resort im Standard-Strandbungalow kostet inklusive Vollpension, 6 Tage Tauchen (zwei Bootstauchgängen/Tag sowie unlimitiertes Hausrifftauchen), Flug ab/ bis Deutschland, eine Hotelnacht in Makassar und allen Transfers ab 2555 Euro pro Person.
Info: Aquaventure Tauchreisen, Tel. 0511/69 09 99 00,

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Manta Reisen,


ALLE FOTOS: W. PÖLZER

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