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Inklusion und Kindeswohlgefährdungsmeldung – Ein Erfahrungsbericht


Gemeinsam leben - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 03.07.2019

Finnan besuchte seit dem ersten Schuljahr die reguläre Grundschule in der Helmholtzstraße in München. Er hat eine Körperbehinderung (Zerebralparese), bewegt sich mit einem Rollstuhl und Gehstöcken fort. Er ist ein selbständiger Junge, der möglichst „normal“ behandelt werden will. Zunächst sah alles nach einem Paradebeispiel für Inklusion aus. Nach mehreren personellen Wechseln kommt es zu Beginn des vierten Schuljahres zu erheblichen Differenzen. Die Schule und das Tagesheim melden daraufhin eine Kindeswohlgefährdung beim Jugendamt, die nach Prüfung sofort wieder eingestellt wird. Wir leben seitdem in ...

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... Kanada, wo mein Sohn ohne großes Aufhebens eine reguläre Schule besucht.

1 Die selbstverständliche Inklusion – Eine Vorgeschichte

Inklusion war zunächst nie ein Thema, so selbstverständlich war sie für uns.

Mein Sohn kam mit einer Zerebralparese zur Welt. Während dies sicherlich zusätzliche medizinische und therapeutische Entscheidungen sowie Versorgungen mit sich brachte, wuchs er immer in normalen Umfeldern auf. Er kam mit anderthalb Jahren in eine liebevolle Krippe und anschließend in einen hervorragenden regulären Kindergarten. Ich weiß nicht, ob wir einfach Glück hatten. Ich dachte immer, dass das normal sei.

Daher war auch eine Einschulung in eine reguläre Grundschule selbstverständlich für uns. Wir fanden schnell eine passende Schule mit angeschlossenem Tagesheim in unserer Nähe und fühlten uns sehr willkommen. Mir fiel die unaufgeregte und einladende Einstellung der Schulleiterin auf. Später stellte sich heraus, dass sie im engsten Familienkreis mit dem Thema Behinderung und Inklusion aufgewachsen war. Etwas skeptisch war ich höchstens bei den Forderungen, alles Mögliche an Unterstützung zu beantragen, was nur irgendwie ging (Schulbegleiter, Fördermaßnahmen, heilpädagogische Maßnahmen etc.), worauf insbesondere der Leiter des Tagesheims bestand. Ich wollte den Einrichtungen entgegenkommen, behielt mir aber vor, die Unterstützung mit zunehmendem Alter und Selbständigkeit zu reduzieren. Ich wollte nicht, dass mein Sohn aufwächst mit der Erfahrung, Unterstützung haben zu müssen, wenn er auch ohne sie zurecht kommen könnte.

2 Wenn Inklusion an Personen hängt

Im ersten Schuljahr war alles gut.

Dann verließ die berührungsangst-freie Schulleiterin die Schule. Die neue Schullei- terin hatte nicht in dem Umfang mit Inklusion zu tun gehabt. Aufgefangen wurde das nur durch eine neue, absolut großartige Klassenlehrerin.

Diese verließ die Klasse ebenso nach einem Schuljahr. Die neue Klassenlehrerin hatte nicht nur wenig Erfahrung als Lehrerin (gerade erst die universitäre Bildung abgeschlossen), sondern auch eine wenig greifbare Haltung zur Inklusion. Unser Konstrukt bekam spürbare Risse. Hinzu kam, dass sowohl Schule als auch Tagesheim weiterhin auf das gleichbleibende Ausmaß an Individualbegleitung und Fördermaßnahmen bestanden. Gleichzeitig preschte mein Sohn mit Nachdruck in seiner Selbständigkeit voran. Immer öfter wollte er alleine zur Schule gehen, ob per Rollstuhl, per Gehstöcken, per Tram. Er wurde sensibler für Zwischentöne von ungleicher Behandlung – insbesondere wenn man ihn „schonte“, d.h.ihm nicht die selben Aufgaben übertrug wie anderen Kindern. In seiner Freizeit schwamm er, wir machten stundenlange Wanderungen im Voralpenland und trotz seiner Bewegungseinschränkungen wuchs er zu einem kräftigen, lebensbejahendem und entschlossenen Jungen heran.

Im vierten Schuljahr (Herbst 2016): Wieder eine neue Klassenlehrerin. Sie kam als neue Konrektorin an die Schule. Als Lehrerin sehr erfahren, mit Inklusion nicht.

3 Die Eskalation

Ein offener Konflikt entstand. Er entzündete sich an mehren Punkten:

• Finnans Schulbegleiterin erkrankte kurz nach Schuljahresbeginn – das Finden einer Vertretung gestaltete sich schwierig. Finnan wurde daher von vielen Dingen, wie z. B. Sportunterricht und Ausflügen ausgeschlossen, obwohl es durchaus möglich gewesen wäre, ihn teilhaben zu lassen, wie in der Vergangenheit bereits geschehen. Auf meine Nachfrage hin reagierte die Klassenlehrerin brüsk und sagte sinngemäß, dass sie nicht für Finnans individuelle Unterstützung zuständig sei und es auch nicht ihre Aufgabe sei, pflegerische Hilfestellungen zu geben. Ich erklärte ihr, dass Finnan gar keinen pflegerischen Unterstützungsbedarf hat. Sie bestand darauf, dass weder sie noch die zwei begleitenden Studentinnen dafür da seien, Finnan zu helfen. Auch sagte sie, dass es nicht Aufgabe der anderen Kinder sei, immer auf Finnan Rücksicht zu nehmen.
• Sowohl die Schule als auch das Tagesheim beharrten weiterhin auf Begleitung und Maßnahmen in einer Art und Weise, die uns Eltern unter Beantragungs-Druck setzte und sämtliche Mitgestaltung und ein Gefühl von „Gehörtwerden“ entzog.
• Meine Einstellung, Finnan in seinem Wunsch nach Selbständigkeit zu unterstützen und zu ermutigen, wurde mir zunehmend angekreidet und heftigst kritisiert. Dinge, die Finann zu Hause und in seiner Freitzeit völlig selbstverständlich machte, waren in der Schule undenkbar und nicht erwünscht. So wollte man ihn möglichst wenig laufen lassen (weil es angeblich nicht gut für ihn sei und ihn zu sehr erschöpfe), oder man hielt ihn z. B. nicht dazu in der Lage, sich sein Mittagessen am Buffet zu holen.
• Finnan reagierte zunehmend verzweifelt auf diese Art von „Entfähigung“. Er spürte zum ersten Mal in seinem Leben, dass seine Behinderung und seine Defizite sehr im Vordergrund standen und fing an, mit Aggressionen sich selbst gegenüber zu reagieren. Wir erfuhren, dass er sich einige Male selbst würgte und entwertende Bewertungen sich selbst gegenüber machte. Ein Verhalten, das wir weder Zuhause noch zuvor irgendwo sonst erlebt hatten. Die Schule und das Tagesheim kreideten mir diese Reaktion an – sie meinten, dass Finnan zu wenig Unterstützung bekäme.
• Es wurde schwierig, klärende Gespräche zu führen. Teilweise wurden wir wochenlang hingehalten, bis wir einen Termin bekamen. Mehrere Male saßen bei Ankunft auf einmal vorher nicht angekündigte, teilweise uns nicht bekannte Personen in der Gesprächsrunde. Insbesondere die Schulleiterin berief sich regelmäßig auf die „Rechtsabteilung“.

Als Mutter habe ich durchgehend beobachtet, dass Finnan dann aufblüht, wenn er gefordert wird, wenn man ihm Dinge zutraut und – inklusive Scheitern und Fallen – probieren lässt. Ohne dabei allzuviel Aufsehen darum zu machen oder ihn akribisch zu beobachten, sondern ihm die Chance zu geben und ihn selbst seine Grenzen aufspüren und verschieben zu lassen. Wenn hingegen immer jemand in seiner Nähe ist, wie im Fall von permanenter Schulbegleitung, erfährt er diese Chance nicht in diesem Ausmaß und ruft daher sein Potential und seine Fähigkeiten gar nicht komplett ab. Es gibt ihm das Gefühl, unfähig zu sein, was verständlicherweise zu einer starke Frustration führen muss.

Natürlich dachten wir über einen Wechsel an eine andere reguläre Schule nach. Ich tendiere grundsätzlich dazu, Lösungen zu finden, und so probierte ich zunächst weiter, die Situation mit der Schule und dem Tagesheim zu kitten. Ich glaube, was mich dabei besonders traf, war noch nicht mal die Schärfe des Konflikts oder die verschiedenen Ansichten zur Inklusion, sondern dass überhaupt nicht vorgesehen war, Eltern als gleichwertige Partner zu behandeln und ihre Wünsche zu hören. So gab es zum Beispiel, auf meinen Vorschlag hin, Gespräche von einer inklusions-erfahrenen Organsation (z. B. PAR Tizipation) unterstützen/ moderieren zu lassen, keine Reaktion.

Immer wieder verwies ich auf die Grundsätze von Inklusion und dass es dabei nicht nur um das Fördern, sondern auch um das Fordern bzw. Zutrauen geht. Ein Vertreter des Trägers des Tagesheimes (d.h.der Stadt München) sagte irgendwann schließlich zu mir, dass ich mich ja viel mit Inklusion beschäftigt habe, aber dass Inklusion nicht mehr als ein Modewort sei (wörtlich). Ich hakte nach – Finnans Vater kann diese Aussage bestätigen. Der Vorgesetzte tat In klusion als unmöglich ab, wenn man kein Personal habe. Der Tagesheimleiter fügte hinzu, dass das Tagesheim sich auch gar nicht als inklusive Einrichtung verstehe (ebenfalls wörtlich).

4 Der Anruf vom Jugendamt

Ohne weitere Klärungsversuche informierte mich die Schulleiterin, dass das Tagesheim und die Schule eine Kindeswohlgefährdung gemeldet hatten. Kurze Zeit später folgte der Anruf des für unseren Bezirk zuständigen Jugendamtes.

Ich glaube der Tiefpunkt dieser ganzen Situation war für mich während des ersten vom Jugendamt anberaumten Gespräches. Es fand an der Schule statt, neben den Vertreterinnen des Jugendamtes nahmen der Leiter des Tagesheimes und die Klassenlehrerin teil. Ich hatte eine Bekannte mitgebracht, da Finnans Vater nicht teilnehmen konnte.

Es waren noch nicht mal die Worte, die so verletzend waren. Es war die Art und Weise des Tagesheimleiters und der Klassenlehrerin, die Mimik und Gestik, die verächtlichenden oder ironisch-abfälligen Schnaufer zwischen den Zeilen, die mir die ganze unterschwellige Aggression dieses Schul-/ Nachmittagsbetreuungs-Settings vor Augen hielten. Es war die Tatsache, dass der Erzieher und die Lehrerin meines Kindes sich weigerten, mir die Kindeswohlgefährdungsmeldung überhaupt zukommen zu lassen. Sie wollten nicht über die konkreten Inhalte der Meldung sprechen. Ich musste im Anschluss des Gespräches formal einen Antrag auf Akteneinsicht beim Jugendamt stellen, um die Gefährdungsmeldung einige Wochen später überhaupt lesen zu können.

Das Erstgespräch endete ohne nenneswertes Ergebnis. Tatsächlich sagte der Tagesheimleiter im Anschluss, dass er sich ja einen anderen Ausgang gewünscht hätte – nämlich, dass ich endlich zustimmen würde, mehr Individualbegleitung für Finnan zu beantragen.

Ich beschloss nach dem Gespräch, die zwei Vertreterinnen des Jugendamtes nochmal zu kontaktieren. Ich bat um ein Elterngespräch ohne die Klassenlehrerin und den Tagesheimleiter, um in Ruhe durch die einzelnen Punkte der Meldung zu gehen und sachlich Stellung zu ihnen nehmen zu können.

Dieses Elterngespräch fand kurz vor den Weihnachtsferien 2016 im Jugendamt statt und war von der Atmosphäre her freundlich und entspannt. Wir gingen den Wortlaut der Meldung durch und Finnans Vater und ich konnten in Ruhe auf die Punkte eingehen und zusätzliche Informationen geben. Die gesamte Meldung war mehr oder weniger ein Angriff auf mich als Mutter. Die Vorwürfe beinhalteten:

• Dass ich die Behinderung meines Sohnes nicht akzeptieren und nicht auf seine Bedürfnisse eingehen könne

• Dass ich keine gute Bindung zu ihm hätte, mich einem „problematischen Leistungsgedanken“ verschrieben hätte und nicht auf seine emotionalen Bedürfnisse eingehen könne

• Dass ich in einem Blog öffentlich über seine Fortschritte schreibe und die pädagogische Arbeit diskreditiere

Auffällig war, dass die Meldung vom Tagesheim kam, aber Punkte aus der Schulsituation enthielt. Auf Nachfrage sagte die Jugendamt-Mitarbeiterin, dass die Schule entgegen der Behauptung der Klassenlehrerin gar keine offizielle Meldung gemacht hatte, sondern lediglich eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hatte. Die Mitarbeiterin konnte daher auch nicht sagen, warum die Klassenlehrerin bei dem ersten Gespräch an der Schule überhaupt dabei war.

Wir vereinbarten einen Termin für einen Hausbesuch – die beiden Damen boten an, dass nur eine von ihnen kommen würde, um es für Finnan etwas entspannter zu machen.

5 Die Einstellung des Falles

Der Hausbesuch fand Anfang 2017 bei mir statt, Finnans Vater war dabei auch anwesend. Es war eine angenehme Atmosphäre. Wir boten an, dass die Jugendamt-Mitarbeiterin auch alleine mit Finnan sprechen könnte, aber sie fand das gar nicht notwendig. Sie informierte uns am Ende des Besuches darüber, dass sie das Verfahren einstellen und dies dem Tagesheim mitteilen würde. Aus der Einstellungsmeldung ging klar hervor, dass Finnan und ich eine liebevolle und enge Bindung haben, dass er in einem stimulierenden und auf ihn angepasstem Umfeld aufwächst und dass an meiner Unterstützung seiner Entwicklung kein Zweifel bestand.

6 Die Kanadareise

Ich hatte über Jahre aktuelle wissenschaftliche Evidenz und interessante Therapieansätze zu der Behinderung meines Sohnes recherchiert. Aus diesen Recherchen entstand schließlich der Plan, für drei Monate nach Kanda zu gehen, um zwei spezifische Behandlungsmethoden auszuprobieren.

Auch als wir in Kanada waren, machte uns die Schulleiterin die Beurlaubung/ Befreiung vom Unterricht schwer. Auffällig daran war das komplette Desinteresse an Finnans Entwicklung. Keine Nachfrage und auch als wir ihr – wie von ihr gefordert – Finnans Zeugnis aus Kanada zukommen ließen, keine Rückmeldung. Das Zeugnis war deutlich besser als das letzte aus der deutschen Grundschule – ich hätte erwartet, dass sie Finnans positive Entwicklung zumindest zur Kenntnis nehmen würde. Als dann klar war, dass Finnan in Deutschland nicht mehr schulpflichtig war (da wir unseren Aufenthalt bis zum Ende des Schuljahres verlängert hatten), gab es nur noch eine knappe E-Mail der Klassenlehrerin an Finnans Vater mit der Aufforderung, Finnans Sachen aus der Schule abzuholen. Wir waren zu dem Zeitpunkt für den Sommer zurück in München und Finnan hatte sich sehr darauf gefreut, seine alten Schulfreunde zu sehen und sich von ihnen zu verabschieden. Die Klassenlehrerin informierte den Vater darüber, dass Finnan nicht mehr in die Schule kommen dürfe, auch nicht nur kurz um sich zu verabschieden. Ich ließ mir daraufhin zur Klärung einen Termin beim Schulamtsdirektor geben, der sich in dieser Sache (wie zuvor) hinter die Schule stellte.

7 Aus drei Monaten werden 24 … und mehr

Finnan ist im kanadischen Schulsystem absolut aufgeblüht und wir sind nicht wieder nach Deutschland zurück gekehrt. Seine selbst-aggressiven Gesten und Beschimpfungen traten hier nicht ein einziges Mal wieder auf. Wie weggeblasen. Für mich war es zunächst fast schon verdächtig einfach, ihn hier schulisch unterzubringen. Es war so seltsam, auf einmal Verständnis und Unterstützung für meine Wünsche zu spüren, anstatt Widerstand. Die Selbstverständlichkeit, mit der Eltern hier sowohl auf Schulebene, aber auch auf der administrativen Ebene der Schulbehörde gehört werden, hat mich tief beeindruckt. Es ist hier bei Weitem nicht alles perfekt, z. B. sind nur die wenigsten Schulgebäude barrierefrei. Aber darüber, ob Inklusion richtig oder falsch ist, ob sie Kindern nützt oder schadet, würde man hier nie diskutieren.

Inklusion ist ein Wert, der tief in der multikulturellen kanadischen Gesellschaft und eben auch im Schulsystem verankert ist. Der Fokus ist dabei immer auf dem „Wie“ – wie kann Inklusion erfolgreich sein? Wie bezieht man alle möglichen Gruppen in Entscheidungsprozesse ein? Wie kann man Daten erheben, um den Erfolg zu messen?

Auch wenn das Leben zwischen zwei Kontinenten bei Weitem nicht immer einfach ist – ich bin dankbar, dass Inklusion für uns wieder selbstverständlich ist.

patricia@pyrka.net