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Innsbruck HOCH ZWÖLF


Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 16.11.2019

Die Nordkette, der gewaltige Felsriegel über Innsbruck dient als eine der größten vertikalen Freiluftsportanlagen der Welt. Es gibt keine Jahreszeit, in der man sich dort nicht austoben könnte. Und eigentlich ist ein Jahr viel zu wenig, um alle Gipfel und Hänge bis ins Detail kennenzulernen. Aber wenigstens versuchen sollte man es, ob Gast oder Einheimischer. Selbst wenn es nur eine Tour pro Monat ist. Ein Karwendel-Kalender


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Am Goetheweg ist Innsbruck noch in Sichtweite – trotzdem befindet man sich in einer anderen Welt.


Foto: Tirol Werbung/Hans Herbig

Januar: Seefelder Spitze: Die Suche nach der Frühform ...

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Genau genommen gehört die Seefelder Spitze (2221 m) nicht zur Nordke tte, aber derart enge Defi nitionen sind was für Pedanten und Pfennigfuchser. Gerade zum Winterautt akt ist die Skitour auf die Seefelder Spitze zu praktisch, um sie zu weit westlich liegen zu lassen. Denn bis zum Seefelder Joch (2060 m) verläutt die Tour durch das schon im Dezember präparierte (und off bis ins Frühjahr schneebedeckte) Skigebiet Rosshütte, was sie quasi immun gegen die zu Winterbeginn off grassierende Schneearmut macht. Die wenig fordernden 1000 Höhenmeter lassen sich zudem während des Skibetriebs mit Hilfe von Zahnradbahn und Schlepplitt beliebig verkürzen. Vom Joch führt der Weg schließlich über einen nicht allzu anspruchsvollen Grat zum Gipfel – auf dem möglicherweise aber auch noch andere Skitourengeher nach ihrer Frühform suchen.

einfach |1000 Hm |6,2 km (einfach) 21/2 Std. (Aufstieg)

Ausgangs- und Endpunkt : Rosshütte-Talstation: (1220 m)

Einkehr: Hocheggalm (1545 m), Rosshütte (1760 m)Route: Talstation – Familienabfahrt – Hocheggalm – Speichersee – Rosshütte – Seefelder Joch (2060 m) – Seefelder Spitze

Hinweis: Tourengeher sollten die speziell ausgewiesenen Parkplätze an der Talstation (1220 m) nutzen. Der Ausgangspunkt ist per Flixbus bestens erreichbar.

Tourenkarte Hefmitte: 11

Endspurt auf dem Kamm zwischen Seefelder Joch und Seefelder Spitze


Fotos: Michael Pröttel, Tirol Werbung/Rainer Simon

Februar: Seegrube: Schwitzen auf der Piste

Die Pistenskitour auf die Seegrube ist eine echte Rarität.


Die Pistenskitour auf die Seegrube direkt oberhalb von Innsbruck ist, nun ja, sagen wir: speziell. Zum einen ist sie eine echte Rarität. Denn die Talabfahrt wird nicht beschneit, was bei dem südexponierten Hang bedeutet, dass der Schnee häufi g erst oberhalb von 1200 Metern beginnt. Ein Aufstieg ab der Talstation (860 m) ist nur in besonders schneereichen Wintern für mehrere Wochen am Stück möglich. Dafür herrscht an sonnigen Tagen schnell T-Shirt-Wetter; und der Firn ist Dauergast. Außerdem geht es aufwärts über weite Strecken über die – abwärts eher selten genutzte – Zweier-Abfahrt direkt unterhalb der Gondelbahn entlang, auf der ein 200 Höhenmeter währendes Steilstück durchaus als Spitzkehrentraining dienen kann. Mit insgesamt knapp 1050 Höhenmeter fällt die Tour ohnehin durch das Rasterttfür blutige Anfänger. Und wer sich unterfordert fühlt, kann noch zur Hafelekarspitze aufsteigen – und die Kleine Karwendeldurchquerung anschließen (siehe März).

einfach |1045 Hm |5,4 km (einfach) |2 Std. (Aufstieg)

Ausgangs- und Endpunkt: Talstation Nordkettenbahn (860 m)

Einkehr: Seegrube (1905 m)

Route: Talstation – Zweier-Abfahrt – Sessellitt – Piste 7 – Seegrube

Hinweis: Die Buslinie J und die Hungerburgbahn fahren bis zum Ausgangspunkt an der Talstation der Nordkettenbahn. Abfahrt am besten über die Dreier-Piste.

März: Kleine Karwendeldurchquerung: Winterwildnis

Am Hafelekar liegt einem Innsbruck förmlich zu Füßen.


Von der Bergstation Hafelekar (2269 m) ist es nur eine Viertelstunde mit geschulterten Skiern bis auf die Hafelekarspitze (2334 m) – und schon ist die Zivilisation Lichtjahre entfernt. Etwas östlich vom Gipfel beginnt an einer kleinen Scharte die Kleine Karwendeldurchquerung mit einer steilen, felsendurchsetzten Skiabfahrt hinab ins Gleirsch- oder Hafelekar. Hinunter und herum um jene Felszacken namens Gleirschzähne, staunen, auff ellen, Aufstieg zur Mandlscharte (2277 m) im Osten. Abfellen, Helm auf, runter, staunen. Wer will kann gen Süden über Arzler Scharte und durch die Arzler Reise zur Arzler Alm und zur Hungerburgbahn-Talstation abfahren. Nur: Wer will das schon? Deshalb: Weiter gen Osten und die Pfeishütte (1922ttm) hundert Meter weiter unten liegenttlassen, staunen, wieder auff ellen, erst fl ach, dann steiler werdend zum Stempeljoch (2215) hinauf. Nächster Adrenalinschub. Erst eng und steil, dann breiter und nicht mehr ganz so steil hinab zu Issanger und Issjöchl (1668 m), staunen, und auf Forstwegen vorbei an den Herrenhäusern durch das Halltal, so weit der Schnee noch trägt.

schwierig |800 Hm |2290 Hm |15 km |5 Std.

Ausgangspunkt: Bergstation Hafelekar (2269 m)

Endpunkt: Parkplatz Halltal (780 m)

Route: Bergstation Hafelekar – Scharte Gleirschkar – unterhalb Gleirschzähne – Mandlscharte – in der Pfeis – Stempeljoch – Issanger – Issjöchl (1668 m) – Herrenhäuser – Halltal – Halltal-Parkplatz. Rückfahrt am besten mit Regionalbus 502 (sonn- und feiertags 503), der zehn Gehminuten vom Halltal-Parkplatz entfernt mehrmals pro Stunde nach Innsbruck verkehrt; www.ivb.at)

April: Karrinne: Gleiten im Firn

Ohne Figln funktioniert ein April über Innsbruck nicht. Figln ist – auch wenn es obszön großen Spaß bereitet und sich für Außenstehende vielleicht anders anhört – keineswegs etwas Unanständiges. Es ist nur das Akronym für Firngleiten, wozu es neben Hose, Helm und Handschuhen vor allem zwei Dinge braucht: 1. Firn, den die Frühjahrssonne verlässlich hinsulzt, und 2. Gleiter, also Kurzski mit einer am hinteren Ende montierten Bindung. Als derart leichte, sogar mit steigeisenfesten Bergstiefeln zu fahrende Abstiegshilfen sind Figl eigentlich die perfekten Begleiter für Frühjahrsbergtouren wie etwa drüben an der Birkkarspitze. Doch in Innsbruck haben es die örtlichen Touristiker irgendwie geschatt , das Figln im Bereich der Bergbahnschneise und dort besonders in der bis zu 70 Prozent steilen Karrinne fest im Veranstaltungskalender von Einheimischen und Touristen zu verankern. Laut dem Marketingmanager der Nordkettenbahn kommt es sogar durchaus ötter vor, dass die 80 Paar Leihfi gl ausgebucht sind. Wer selbst nicht fi gln möchte, der kann auch einfach zusehen: Figln, vor allem das inzwischen gängige Gruppenfi gln, sieht so aus, als wären ungeübte Skifahrer ständig damit beschätt igt, bremsen zu lernen.

Hinweis: Figl werden normalerweise ab April auf der Nordkette verliehen. Für Figler und Skifahrer gibt es zu dieser Zeit dann auch spezielle Preise.

An der Nordkette wird Figln immer beliebter. Spaß macht es aber auch wie hier an der Birkkarspitze.


Fotos: Innsbruck Tourismus, Bene Höflinger

Mai: Hüttenrunde: Das Almenquartett

Die Knödl auf der Arzler Alm sollte man sich nicht entgehen lassen.


Selbst viele Innsbrucker wissen nicht, dass der Stadt Innsbruck mehrere an der Nordkette verstreute Almen gehören. Wobei sie natürlich jeder kennt. Vier davon lassen sich während einer Wanderung (oder mit leichten Umwegen auch per Mountainbike) verbinden, zum Beispiel so: Vom Nordketten-Parkplatz (860 m) zur Arzler Alm (1067 m), die selbst noch mit Kinderwagen, Kraxe und zwei nörgelnden Grundschulkindern im Schlepptau in weniger als einer Stunde zu erreichen ist und sich Gerüchten zufolge dank Grillabend, Streichelzoo und Spielplatz zur größten Geldgrube Tirols seit Schließung der Silbermine in Schwaz entwickelt. Wer das Alm-Quartett sammeln möchte, sollte Partner und Kinder an dieser Stelle nun zurücklassen, denn bis zur Bodensteiner Alm (1661 m) geht es weitere 600 Höhenmeter durch den Wald. Auf dem Weg hinüber zur schon im Jahre 1441 erwähnten Hött inger Alm (1487 m) zweigt man rechtzeitig rechts auf den Wanderweg ab, da man sich sonst schnell von E-Bikern belästigt fühlt. Wander- und Berglaufweltmeister können von der Höttinger Alm ausgehend theoretisch noch die füntte Stadtalm – die Möslalm (1262) – besuchen. Dafür ist jedoch die Nordkette am Frau-Hitt el-Sattel (2235 m) zu überqueren, also hin und zurück. Mit Maikondition geht es lieber über den Nisslsteig und die Umbrüggler Alm hinab zum Ausgangspunkt – wo wahrscheinlich schon mehr oder weniger sehnsüchtig die Kinder warten.

einfach |850 Hm |5 Std.

Ausgangs- und Endpunkt: Talstation Nordkettenbahn (860 m)

Einkehr: diverse Optionen

Route: Talstation Nordkettenbahn (860 m) – Arzler Alm (1067 m) – Weg 216 – Bodensteiner Alm (1661 m) – Hött inger Alm (1487 m) – Nisslsteig – Umbrüggler Alm (1123 m) – Talstation

Juni: Halltal: Bergbau, Botanik und Bettelwurf

Früher Kloster, heute Alpengasthaus: St. Magdalena im Halltal


Fotos: Tirol Werbung/Maria Kofler, hall-wattens.at

Im Grunde wäre das Halltal noch einmal einen eigenen Kalender wert. Denn es ist ein aus bergsportlicher Sicht sehr demokratisches Tal: Jeder kann wählen, was ihm gefällt. Der Kulturinteressierte zum Beispiel erfreut sich an der Vergangenheit als Salzabbau-Region, von der noch heute Herrenhäuser, Soleweg und Ladhütten zeugen. Hobby-Botaniker bewundern die im Juni besonders eindrucksvolle Blumenpracht am Issanger auf rund 1600 Metern. Freunde des kontrollierten Felskontakts fi nden einen auch für Anfänger geeigneten Klettergarten sowie einen ziemlich gelungenen, nicht zu schweren Klett ersteig hoch zur Bettelwurtt ütte. Diese dient gleichzeitig als Zwischenstation für Gipfelstürmer auf dem Eisenweg (Schwierigkeit C/D) mit leichten Klett ereien zum Großen Bettelwurf (2726 m). Und wer mit der Familie oder einfach langsamer unterwegs sein möchte, wandert den wilden Fluss entlang einfach nur bis zur geschichtsträchtigen Kapelle des einstigen Klosters St. Magdalena (1287 m), blickt von dort auf den Klettergarten oder die am Felsen turnenden Gämsen, während er sich den hausgemachten Zirbenschnaps zu den Speckknödln schmecken lässt.

einfach |510 Hm |6,6 km |3 Std.

Ausgangs- und Endpunkt: Hall-Parkplatz (780 m)

Einkehr: St. Magdalena (1287 m)

Route: Hall-Parkplatz (780 m) – Solewanderweg – Bettelwurfeck – Fluchtsteig – St. Magdalena (1287 m) – retour

Hinweis: Der Ausgangspunkt Halltal-Parkplatz (Walderbrücke) ist heute mehr eine Art Besucherzentrum mit Infotafeln, die unter anderem über Naturpark, Klett ersteig und die Routen im Klettergarten aufklären; www.karwendel.org/halltal

Die Nordkette über Innsbruck ist einer der Hauptgründe für den hohen Anteil an Sportlern unter Innsbrucks Studenten.

Juli: Karwendel Höhenweg: Schwärmen lernen

Wichtige Grundregel beim Beschreiben von Bergtouren: Nicht zu sehr ins Schwärmen geraten. Der Karwendel Höhenweg mit seinen bis zu sechs Tagesetappen, 64 Kilometern und 3700 Höhenmetern ist aber – immer schön sachlich bleiben – nicht so ganz schlecht. Start am Bahnhof in Reith bei Seefeld und durch den Wald Richtung Nördlinger Hütte, ganz ehrlich: Da ist landschatt lich eindeutig noch Lutt nach oben. Nördlinger Hütte, Ursprungssattel, Eppzirler Scharte, Solsteinhaus, okay, schon ziemlich gut. Gipfelstürmerweg, Frau-Hitt -Kar, oooh, dieser Blick auf Innsbruck, Goetheweg, ja, sollte man gesehen haben, auch wenn Goethe nie hier war. Und weiter geht’s, Pfeishütte, grandios, Wilde-Bande-Steig, uiuiui, diese Felsabstürze, Bettelwur tt ütte, Hallerangerhaus, ach, was, pfeif‘ auf sachlich! Mehr Karwendel geht einfach nicht! Nur der ewige Hatsch zurück nach Scharnitz ist irgendwann echt mies.

mittel |3700 Hm |3850 Hm |64 km 4–6 Tage

Ausgangspunkt: Reith (1120 m)

Endpunkt: Scharnitz (964 m)

Route (mit Einkehr-/Übernachtungsoptionen): Reith – Schartlehnerhaus – Nördlinger Hütte (2239 m) – Ursprungsa ttel (2087 m) – Kuhloch – Eppzirler Scharte (2102 m) – Höllkar – Solsteinhaus (1806 m) – Gipfelstürmerweg – Frau-Hitt -Kar – Julius-Pock-Weg – Restaurant Seegrube (1905 m) – Hafelekarhaus (2269m) – Goetheweg – Mühlkarscharte – Mandlscharte (2277 m) – Pfeishütte (1922 m) – Stempeljoch (2215 m) – Wilde-Bande-Steig – Lafatscher Joch (2081 m) – Bettelwurtt ütte (2077 m) – Lafatscher Joch – Hallerangerhaus (1768 m) – Kastenalm (1220 m) – Isar-Ursprung (1160 m) – Gleirschhöhe – Scharnitz Bahnhof (964 m)

Hinweis: Zum Ausgangspunkt in Reith per Bahn. Buchung der Hüttenplätze wird unbedingt empfohlen. Schnelle Geher schaff en die Tour auch in ein bis zwei Tagen weniger.

August: Von der Rumer zur Lattenspitze: Spitzen sammeln

Kann etwas Dunkelschwarz sein? Beim Westgrat auf die Rumer Spitze (2454 m) ist die Klassifi zierung »Schwarzer Bergweg« jedenfalls nicht untertrieben. Davon zeugt das deutsche Pärchen, das verkramptt am Grat sitzt und entgegen des Eindrucks beteuert: »Alles okay!« Davon zeugt auch, dass an der ungesicherten Felsschneide mit Klett erstellen im II. Grad trotz akuter Wolkenlosigkeit kaum Betrieb ist. Am Gipfelkreuz schließt nur der alte Bergfex auf, der schon im Winter mit Skiern oben war. Von der etwas einfacheren Ostseite kommen zwei Bergläufer und meinen – es ist noch nicht mal zwölf: »Schon der siebte Gipfel heute.« Tatsächlich bereitet das Gipfelsammeln versierten Berggängern hier – im Umkreis der grandiosen Pfeishütte – besondere Freude. Wer von der Hafelekar-Bergstation über den Goetheweg zur Rumer Spitze hinüberquert, kann unterwegs noch Hafelekar- und Mandlspitze mitnehmen. Und nicht weit östlich davon lassen sich Thaurer Joch-, Pfeiser- und Lattenspitze einsacken. Wobei die mit Stahlseilen entschärtten Anstiege zu letzteren beiden ebenfalls eher dunkelschwarz sind. Dafür sieht man hier an diesem Tag auch keinen anderen Menschen.

Für Gipfelsammler ist die Pfeishütte ein perfekter Ausgangspunkt.


Fotos: Tirol Werbung/Hans Herbig, Tirol Werbung/Jens Schwarz

schwierig |1000 Hm |2630 Hm 7 Std.

Ausgangspunkt: Bergstation Hafelekar (2269 m)

Endpunkt: Bushalt Thaur Isserbrücke (640 m)

Einkehr: Pfeishütte (1922 m), Thaurer Alm (1464 m)

Route: Goetheweg – Mandlscharte – Arzler Scharte – Rumer Spitze – Pfeishütte (Abstecher) – Stempeljoch (2215 m) – Pfeisspitze (2347 m) – Lattenspitze (2330 m) – Törl – Thaurer Alm – Haselbergsteig – Thaur

Tourenkarte Heftmitte: 1

September: Kleiner Solstein: Besuch bei den Unterschätzten

Die Neue Magdeburger Hütte ist eine jener Hütten, die abseits der Weitwandertouren und Seilbahnschneisen viel zu wenig Beachtung fi ndet. Dabei ist sie 1. hervorragend für Bahnfahrer vom Bahnhof Hochzirl in einer Train&Hike-Tour erreichbar, 2. neben einem Spielplatz auch mit allerlei Getier von Hasen bis Lamas ausgestattet und damit höchst kinderfreundlich, 3. auch per Mountainbike erreichbar, was 4. den Kleinen und Großen Solstein zu Train&Bike&Hike-Touren macht. Beide Gipfel sind von der Hütte aus gut erreichbar, wobei der Kleine Solstein (2637 m) seltsamerweise nicht nur höher ist als der Große (2541 m), sondern der Weg dorthin wegen einiger ausgesetzter und teils mit Drahtseilen gesicherter Stellen auch mehr Tritt - sicherheit verlangt. Zudem ist er trotz des eher niedlichen Namens der höchste Punkt der Nordkette. Merke also: Wer auf den Kleinen Solstein steigt, kann von der Scharte zwischen den beiden Solsteinen schnell noch einen Abstecher zum Großen Solstein machen. Umgekehrt ist das nicht so einfach der Fall.

schwierig |1900 Hm |22 km 9 Std.

Ausgangs- und Endpunkt: Bahnhof Zirl (922 m)

Einkehr: Neue Magdeburger Hütte (1637 m), Solsteinhaus (1806 m)

Route: Hochzirl – Hörbstenböden – Kirchberger Alm – Neue Magdeburger Hütte – Hött inger Schützensteig – Kleiner Solstein (2637 m) – Scharte – Großer Solstein (2541 m) – Solsteinhaus – Solnalm – Hochzirl

Tourenkarte Heftmitte: 2

Seinem Namen zum Trotz ist der Kleine Solstein fast hundert Meter höher als der Große Solstein.


Fotos: Dominik Prantl, Innsbruck Tourismus/Christian Vorhofer

Oktober: Innsbrucker Klettersteig: Drahtseilakt

Gegen Ende des Klettersteigs verlangt Frau Hitt nochmal alles ab.


An dieser Stelle wird es Zeit, über Frau Hitt zu reden. Die Dame soll zu Lebzeiten ein derart fi eses Weib gewesen sein, dass gegen die Tirolerin sogar König Watzmann verblasst. Natürlich ereilte sie als gerechte Strafe der in Bergsagen übliche Petrifi kationsprozess, womit ihr Werk jedoch keineswegs beendet war. Heutzutage stellt sie sich am Ende eines mit C/D bewerteten Klett ersteigs als Zugabe des Innsbrucker Klett ersteigs in den Weg.

Wer zu ihr gelangt, hat den Hauptteil bereits bewältigt. Der Einstieg, eine fast senkrecht, aber gut versicherte Felswand der Schwierigkeitsstufe C, ist der Auftakt zu einem drei-bis fünfstündigen Drahtseilakt. Dieser verläutt fortan meist direkt auf dem Grat der Nordkette, ttim Süden fast 2000 Meter tiefer die wuselige Stadt, auf der anderen Seite die Einsamkeit des Karwendelgebirges. Nach etwa zwei Dritteln bietet der Steig am Langen Sattel zudem den Luxus, sich entscheiden zu dürfen: hinab zur Seegrube? Oder es auf dem zweiten, kürzeren und eher schwereren Teil mit Frau Hitt aufnehmen?

mittel |600 Hm |960 Hm 6 Std.

Ausgangspunkt: Bergst. Hafelekar (2269 m)

Endpunkt: Seegrube (1905 m)

Einkehr: Seegrube

Route: Bergstation Hafelekar – Einstieg Klettersteig – Kaminspitzen (bis 2445 m) – Kemacher (2480 m) – Langer Sattel (2258m) – Westliche Sattelspitze – Frau Hitt – Frau-Hitt -Sattel – Schmidhuber-Steig – Seegrube Die Fahrt zum Hafelekar kostet 18,60 Euro.

Tourenkarte Heftmitte: 3

November: Trailrunning Rauschbrunnen: Laufeinheit

Der Gasthof Rauschbrunnen eignet sich optimal als Ziel für einen Trailrun.


Innsbruck versteht sich nicht nur als Alpenhaupt-, Olympia-, und Universitätsstadt, sondern auch als so eine Art Trailrunningmetropole. Vom 30. April bis 2. Mai fi ndet sogar ein Trailrun-Festival statt , aber Innsbruck ist freilich eine Ganzjahres-Trailrunningmetropole. Eine der schönsten und garantiert wenig überlaufenen Strecken ist eine Kombination aus den bekannten Routen Knappentrail, Stangentrail und Rauschbrunnen-Runde. Sie beginnt wie diverse Trainingstouren der Westinnsbrucker am bekannten Planötzenhof, folgt dem Forstweg links, zweigt bei 860 Höhenmetern rechts Richtung Hött inger Bild ab und führt über Knappensteig, Forstweg und schließlich – rechts abbiegen! – einen letzten Pfadanstieg nach rund 330 Höhenmetern hoch zum Gasthof Rauschbrunnen (1088 m). Zurück geht es besser nicht – wie ausgeschildert – steil über die 15 Serpentinen, sondern in der ersten Kurve nach dem Rauschbrunnen geradeaus Richtung Kerschbuchhof – und ein paar hundert Meter vor diesem links über den Stangentrail zurück zum Ausgangspunkt.

mittel |420 Hm |10 km |80 min

Ausgangs-, Endpunkt und Einkehr: Planötzenhof (782 m)

Route: Planötzenhof – Bischof-Stecher-Weg – oberhalb Hött inger Bild – Knappensteig – Rauschbrunnen (1088 m) – Nähe Kerschbuchhof (dort links) – Stangensteig – Kollandbrunnen – Planötzenhof

Dezember: Klettern Martinswand: Zu Gast bei Mogli

Im erweiterten Umkreis von Innsbruck gibt es fast so viele Klettergärten wie Kare im Karwendel. Aber natürlich gibt es nur eine Martinswand, jene 500-Meter-Vertikale vor den westlichen Ausläufern der Stadt. Sie beherbergt gleich mehrere Klettergärten, von denen das Dschungelbuch mit mehr als 150 Routen alleine zwischen dem 6. und 8. Schwierigkeitsgrad unbestritten der bekannteste ist, während der ÖAV-Klettergarten vor allem Anfänger und Familien lockt. Die Martinswand liegt in Radldistanz zu Innsbruck, der Zustieg von den Parkplätzen direkt an der B171 dauert keine zehn Minuten, und mit dem Kaiser Max-Klett ersteig (E) gibt es auch für Freunde der Eisenwege eine Herausforderung. Vor allem aber kann an der Südwand tatsächlich off über das gesamte Jahr geklettert werden. Und wenn es wirklich mal schneit, bleiben immer noch die künstlichen Griff e des erst 2017 neu eröff neten Kletterzentrums Innsbruck.

An der Martinswand ist Klettern fast das ganze Jahr über möglich.


Fotos: Dominik Prantl, Innsbruck Tourismus