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Insel der Abenteuer


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 37/2021 vom 10.09.2021

GESCHICHTE

Artikelbild für den Artikel "Insel der Abenteuer" aus der Ausgabe 37/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 37/2021

Unberührte Wälder: So grün sah die Insel noch vor wenigen Jahrhunderten aus

Für viele ist Manhattan der Inbegriff einer pulsierenden Metropole. Auf der 21,6 Kilometer langen und maximal 3,7 Kilometer breiten Insel zwischen Hudson River und East River tobt das Leben, sie ist der am dichtesten besiedelte Stadtteil New Yorks. Statistisch drängen sich auf einem Quadratkilometer 27.000 Menschen. Hochhäuser wachsen wie Gebirge aus Beton in den Himmel und werfen ihre Schatten in Straßenschluchten, in denen der Verkehrslärm nie verstummt. Dort wo heute die Skyline das Bild der Stadt prägt, begann vor über 400 Jahren die Geschichte von Manhattan. „Mannahatta“, das Land der vielen Hügel so nannte das indigene Volk der Lenape in seiner Sprache Algonkin das Eiland, seit vielen Hundert Jahren sein Zuhause. „Sie betrieben Feldwirtschaft an verschiedenen Orten“, sagt der Landschaftsökologe Eric Sanderson, der seit 1999 die Entwicklung Manhattans erforscht. Damals ragten noch ...

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... Kastanien, Eichen und Hickory-bäume in die Höhe. Die Biodiversität sei erheblich gewesen, erklärt Eric Sanderson: „Es gab 54 unterschiedliche Ökosysteme.“ Wölfe, Pumas und Schwarzbären streiften durch die dichten, von über 100 Kilometer Flüssen und 300 Quellen durchzogenen Wälder, in denen 70 Baumarten wuchsen und über 150 Vogelarten lebten. Im Wasser tummelten sich Biber, Otter, Heringe, Forellen und Aale.

Der erste Europäer, der sich dem Idyll näherte, war Giovanni da Verrazzano. Der italienische Seefahrer suchte eigentlich für den französischen König eine Nordpassage nach Asien, als er 1524 die amerikanische Ostküste erreichte. Es dauerte weitere 85 Jahre, bis der Grundstein für den Wandel der Insel gelegt wurde.

1524

DIE SCHATZINSEL

Am 12. September 1609 erreichte Henry Hudson ihr Ufer. Der Brite segelte im Auftrag der Holländer. Die horchten auf, als er ihnen nach seiner Rückkehr von den vielen Tieren auf Mannahatta berichtete, denn der Handel mit Fellen von Ottern oder Bibern war lukrativ. Also gründeten sie dort 1625 eine Handelsstation, erste Siedler kamen. „Sie brachten viel Neues mit“, so Sanderson. „Eine völlig andere Kultur, die zu Konflikten führte, aber auch Ratten und Krankheiten. Das beeinflusste die Umwelt enorm und ist einer der histo-

1664

Der Holländer Peter Stuyvesant führte die Kolonie so erfolgreich, dass die Briten sie ihm streitig machten – er ergab sich widerstandslos rischen Wendepunkte Mannahattas.“ Mit bitteren Folgen für das Urvolk der Lenape, das in den folgenden Jahrzehnten aus der Region verdrängt wurde.

1626 kaufte der Generalsekretär der niederländischen Westindien-Kompanie den Ureinwohnern die Insel für den Gegenwert von 600 Gramm Silber ab. „Es ist unklar, ob die Lenape die Intentionen der Holländer verstanden“, so Sanderson. Die Insel hieß ab da Nieuw Amsterdam. Unter Generaldirek- tor Peter Stuyvesant f lorierte der Handel. Das rief die Kolonialmacht England auf den Plan, die 1664 vier Kriegsschiffe schickte. Ohne holländischen Widerstand ging die Insel an die Briten und hieß fortan New York. Als 1775 die Amerikanische Revolution ausbrach, diente die inzwischen zweitgrößte Stadt der Kolonien den Briten als Militärstützpunkt. „Wichtig war sie wegen des Hafens.“ Dieser garantierte auch nach dem Krieg den wirtschaftlichen Aufschwung.

EIN GITTER AUS STRASSEN

„Den größten Wandel durchlebte Manhat- tan dann im 19. Jahrhundert. Er begann mit dem Commissioners’ Plan.“ Noch war die Stadt ein Flickenteppich von Höfen mit unverbundenen Straßen. Doch 1811 wurde der Masterplan umgesetzt – Manhattan erhielt sein berühmtes Straßengitter: zwölf schnurgerade Trassen von Nord nach Süd, verbunden durch 155 in West-Ost-Richtung, die diese rechtwinkelig kreuzen. Felsen wurden gesprengt, Häuser abgerissen, Sümpfe trockengelegt. „Sie planten Platz für weitaus mehr Menschen ein, als auf der Insel lebten. Der Mythos, dass New York groß denkt, hat hier seine Wurzeln“, so Sanderson. Manhattan bereitete sich auf die Massen vor.

Die kamen, als 1825 der Eriekanal eröffnet wurde, der den Eriesee mit dem Hudson River verband: „Er stärkte New York als zentralen Handelsplatz und wurde das Tor für die Einwanderung.“ Allein 1850 wurden in New York 212.796 Immigranten registriert. Der dringend benötigte Wohnraum wurde dank einer Erfindung des New Yorkers James Bogardus geschaffen: Das Bauen mit Gusseisenskelett machte Häuser mit mehr Stockwerken als den bis dahin üblichen fünf bis sechs Etagen möglich. Als Mitte der 1850er zudem ein Aufzug mit Absturzsicherung entwickelt wurde, wuchs Manhattan in die Höhe.

KRISEN UND NEUANFANG

Die Weltwirtschaftskrise bereitete dem Bauboom 1929 ein jähes Ende. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann sich New York mit dem Einzug der Vereinten Nationen am East River ab 1950 zu erholen. Doch ab den späten 1960ern wurde die Stadt zum sozialen Brennpunkt. Drogen, Arbeitslosigkeit und Kriminalität vertrieben viele Bewohner. Die Eröffnung des World Trade Center läutete 1973 ihren langsamen Wiederaufstieg ein. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 trafen die New Yorker tief. Das brennende World Trade Center hüllte ihre Stadt in Rauch. Aber auch die Finanzkrise 2007 erschütterte ihr Selbstbewusst- sein. Doch Manhattan wäre nicht Manhattan, hätte es aufgegeben. 2014 wurde das One World Trade Center eröffnet. Es ist, wie sollte es anders sein, mit 541 Metern Gebäude der Stadt. Und nach pandemie, die über Peter Stuyvesant Monate das sonst verwaltete ab 1647 so die unter ihm Leben zum Stillstand zwang, wurde nun der florierende Kolonie „Vaccine Summer“ gefeiert, der Geimpften.

JOHANNA WAGNER

1776

1797

1932

1950