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Inselhopping


Motorboot Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 07.03.2019

VON DER SPANISCHEN FESTLANDSKÜSTE AUF DIE BALEAREN

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Bildquelle: Motorboot Magazin, Ausgabe 4/2019

AZURA vor der Ruine des Castell de Cabrera auf der gleichnamigen Insel.


Die Spuren der touristischen Zivilisation nehmen zu – die Bebauung wird immer dichter, höher und hässlicher. Touristenmetropolen wie Alicante oder Benidorm lassen mit ihrer „Skyline“ beim Vorbeifahren Assoziationen an New York oder Chicago entstehen. Das ist sicherlich etwas überzeichnet, aber von maritimem Charme kann hier wirklich keine Rede mehr sein. Und das strahlt auch auf die Yachthäfen der Region aus, die häufig groß, modern und unpersönlich sind.
Um den von uns so geliebten ...

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Die Spuren der touristischen Zivilisation nehmen zu – die Bebauung wird immer dichter, höher und hässlicher. Touristenmetropolen wie Alicante oder Benidorm lassen mit ihrer „Skyline“ beim Vorbeifahren Assoziationen an New York oder Chicago entstehen. Das ist sicherlich etwas überzeichnet, aber von maritimem Charme kann hier wirklich keine Rede mehr sein. Und das strahlt auch auf die Yachthäfen der Region aus, die häufig groß, modern und unpersönlich sind.
Um den von uns so geliebten „Schnuckelfaktor“ zu finden, bedarf es etwas Glück. Genau das haben wir in der Marina del Este – ein hübscher kleiner Hafenort, der sogar einen Liegeplatz bietet, an dem wir längsseits festmachen können. Hier stimmt einfach alles: Lage, Schutz, Platz – und die Einstellung. Da das Hafenoffice am Sonntag geschlossen hat, übernimmt der Tankwart den Empfang. Er kann nicht nur ein paar Brocken englisch, sondern ist überaus freundlich. Da an der Tankstelle nicht viel zu tun ist, pflegt er in der Zwischenzeit die Beete und pflanzt neue Blumen ein.
Auf unserem Wege entlang der spanischen Küste beobachten wir auch, wie sich der touristische Mix entwickelt. Gehörte die Atlantikküste noch ganz den Spaniern und zu einem kleinen Teil den allgegenwärtigen Engländern, beginnt nun der deutsche Anteil zuzunehmen. Man erkennt das nicht nur in den Hafenbüros, sondern auch auf den Internetseiten und vor allem in den Speisekarten der Restaurants. Ein Beispiel hierfür ist der uns vorher unbekannte Ort Moraira, den wir nur anlaufen, um uns dort mit einem früheren Arbeitskollegen zu treffen. Er hat dort vor einiger Zeit ein Haus gekauft und seinen Wohnsitz hierhin verlagert. Er berichtet uns, dass etwa ein Drittel des Ortes von Deutschen bewohnt wird. Das hinterlässt auch sichtbare Spuren in den Supermärkten, wo deutsche Wurst und Brot zu kaufen sind. Außerdem hat sich drumherum eine Struktur von deutschen Dienstleistern wie Ärzten oder Handwerkern angesiedelt. Manche sollen selbst nach Jahrzehnten noch nicht einmal spanisch sprechen können, da sie nur mit deutschen Kunden zu tun haben. Moraira gefällt auch uns gut, was allerdings weniger an dem deutschen Faktor liegt, sondern mehr am Ort selbst und dem fantastischen Liegeplatz im Hafen: längsseits und gleich an der Hafeneinfahrt, sodass man auf dem Achterdeck fast der Illusion verfallen kann, irgendwo einsam vor Anker zu liegen.

Auf einem Bild vereint: alt & neu, klein & groß, Motor & Segel in Cartagena.


Moraira ist auch unser Sprungbrett auf die Balearen. Wir bewältigen die gut 60 Seemeilen (115 km) nach Formentera in 6 ½ Stunden. Wir erwarten eine kleine verträumte Insel, aber der Betrieb im Hafen erstickt diese Vorstellungen erst einmal im Keim. Eine unglaubliche Anzahl unterschiedlichster Fähren sorgt mit hoher Taktfrequenz für Unruhe im Wasser und an Land. Erst zu später Stunde lässt das Treiben nach, um am nächsten Morgen kurz vor sechs Uhr mit dem Anlassen der Motoren wieder zu beginnen. Wir liegen allerdings sehr schön und verhältnismäßig ruhig in der Marina Formentera Mar, wo wir auch unsere Freunde mit der Segelyacht „Käpt’n Blaubär“ wiedertreffen. Sie haben ihren Vorsprung genutzt, um die Insel Ibiza zu umrunden und berichten von fantastischen Ankerbuchten sowie einem sehenswerten Ibiza Stadt – das wird unser nächster Hafen sein.
In Formentera begrüßen wir auch meinen ehemaligen Klassenkameraden Ulrich mit seiner Frau Christiane als unsere nächsten Gäste an Bord. Sie sind nach Mallorca geflogen und über Ibiza mit zwei Fähren nach Formentera gekommen.
Es gibt viel zu erzählen und gemeinsam fahren wir zum Leuchtturm „Faro de la Mola“ an der Ostspitze der Insel. Von den Klippen geht es über 100 Meter fast senkrecht in die Tiefe. Keine Befestigung, kein Geländer, keine Verbotsoder Warnschilder – ein kultureller Unterschied zum Anfassen.
Am nächsten Tag brechen wir bei herrlichen Bedingungen in Richtung Ibiza auf, das nur einen Steinwurf entfernt liegt. Die Schnellfähren brauchen dreißig 30 Minuten, aber wir lassen uns Zeit und kurven noch ein wenig an der Küste herum, bevor wir die Marina Ibiza ansteuern. Nur hier haben wir noch einen Liegeplatz bekommen, der allerdings seinen Preis hat: 565,- € pro Tag werden am Telefon aufgerufen – mit allen Nebenkosten liegen wir später bei etwa 600,- €.
Das ist natürlich der nackte Wahnsinn und mit Abstand der teuerste Liegeplatz, den wir jemals angelaufen haben. Immerhin begrüßen uns zwei Marineros bei der Einfahrt: einer hilft mit den Leinen an Land, der andere bringt die Mooringleinen per Schlauchboot zum Bug – den Service könnten wir durchaus öfter gebrauchen. Der Liegeplatz selbst ist vom Feinsten und unser Schiff fällt – wenn überhaupt – nur dadurch auf, das es mit seinen 23 Metern Länge deutlich kleiner ist, als all die Superyachten. Selbst mein größter Stromadapter ist hier noch eine Nummer zu klein …

Blick auf den Hafen von Ibiza Stadt.


Erhaben auf einem Hügel gelegen: die Kirche Parroquia de Sant Miquel Arcángel (Ibiza).


Ein Muss für jeden Mallorca Besucher: die alte Straßenbahn von Sóller nach Port de Sóller.


Wir wollen uns nur einen Cappuccino im „Cappuccino“ gönnen mit einem fantastischen Blick auf die spektakuläre Burg und „Dalt Vila“ (Altstadt) – und bleiben dann fasziniert dort hängen einschließlich eines frühen Dinners.
Die Preise sind im Gegensatz zur Marina ganz zivil, die Qualität hervorragend und der Service fast schon nett. Wenn wir noch heranwachsende Kinder hätten, wären auch diese restlos begeistert von der Freiluftdiskothek „Lio“ direkt nebenan. Bei einbrechender Dunkelheit stehen wir auf der Flybridge mit einem Brandy in der Hand und beobachten, wie nach und nach eine Armada von Autos die aufgebrezelte Damen- und Herrenwelt ausspuckt. Es geht überraschend leise und gediegen zu – weder von der Musik noch von den Gästen geht unbotmäßiger Lärm aus. Wir liegen hier absolut ruhig und schlafen hervorragend.
Mit einem Mietwagen erkunden wir einen großen Teil der Insel, deren hauptsächliches Kapital die Küsten und ihre Hafenorte darstellen. Dazu gehört das nordöstliche Portinatx mit dem Leuchtturm „Far des Moscater“ ebenso wie das karibisch anmutende „Platges de Compte“ an der Westküste, wo wir im „Sunset Ashram“ bei wummernden Klängen eine Kaffeepause einlegen und den Altersdurchschnitt schlagartig dramatisch erhöhen. Sant Antoni als heimliche Hauptstadt der britischen Ballermann Fraktion motiviert eher zum Gas geben und Vorbeifahren. Im Inneren der Insel laden dagegen verträumte kleine Orte wie Santa Gertrudis, San Miquel oder San Joan mit seinem in jedem Reiseführer erwähnten Restaurantgeheimtipp „Vista Alegre“ zum Verweilen ein.
Den absoluten Höhepunkt liefert Ibiza-Stadt selbst: seine hoch gelegene, riesige Festungsanlage mit der in Ober- und Unterstadt geteilten hübschen Altstadt ist ein absolutes touristisches Highlight. Von dort oben hat man einen herrlichen Blick über die Stadt Ibiza und die gesamten Hafenanlagen, die auch ein großes Kreuzfahrtterminal umfassen. Auf dem Wasser ist ständig etwas los: neben den schwimmenden Hochhäusern ähnelnden Kreuzfahrern pendelt ein Unzahl von unterschiedlichsten Fähren zwischen den Küstenorten und Inseln hin und her. Dazu laufen ständig Segel- und Motoryachten ein und aus und beschäftigen mehrere Marinas. Trotzdem wirkt Ibiza nicht hektisch, sondern besitzt eine entspannte Atmosphäre.
Unser Sprungbrett nach Mallorca wird Santa Eulalia an der Südostküste Ibizas. Santa Eulalia ist nach Ibiza-Stadt eher wieder touristische Normalkost. Am attraktivsten ist die sehr ansprechend ausgebaute Uferpromenade, wo sich ein Restaurant ans nächste reiht. Der relativ neu wirkende Yachthafen hat für große Gästeyachten leider nur eine außen liegende Pier, die von der Mole nicht gegen alle Windrichtungen geschützt wird. Aber wir haben Glück – außer einem schweren abendlichen Gewitter mit Sturmböen aus unterschiedlichen Richtungen bleibt es relativ ruhig. Als wir am nächsten Morgen ein vom Regen sauber gewaschenes Schiff erwarten, trauen wir unseren Augen kaum: überall rote Flecken von lehmigem Sand.
Offenbar hat der Wind wieder Unmengen des uns schon bekannten Saharasands mitgeführt. So ist erst einmal eine gründliche Schiffsreinigung angesagt, die mit vier Personen zwei bis drei Stunden andauert, bevor wir uns wieder halbwegs wohlfühlen.
Mit blitzblankem Schiff laufen wir nach angenehmen sechs Stunden Überfahrt im Naturhafen von Port Andratx auf Mallorca ein. Vier Marineros stürzen sich auf uns und die am Hafengrund verhedderten Mooringleinen. Schiffspapiere und Skipperausweis werden am Pier fotografiert. Kopiert wird hier nicht mehr und das Inkasso der Liegegebühr findet gleich mit Scheckkarte am Schiff statt. So lerne ich das Hafenoffice erst gar nicht kennen. Da der Liegeplatz jedoch mitten im Arbeitsbereich des Yachthafens liegt und wir keine Lust auf die damit einhergehende Geräuschkulisse haben, fahren wir am nächsten Tag weiter nach Palma. Die vor der Küste stehende Dünung schüttelt uns eine Stunde ordentlich durch, bis wir mit Welle von achtern ruhig in Palma einlaufen. Von vier Yachthäfen hat nur die Marina Moll Vell Platz für uns, was sich als Glücksfall herausstellt – sie liegt nämlich am nächsten zur sehenswerten Altstadt. Auch der Service ist vom Feinsten und die Liegegebühr im Verhältnis zum Angebot sehr moderat.

Einsamkeit an einer Boje im Naturhafen der Insel Cabrera südwestlich von Mallorca.


Versorgung im Naturschutzgebiet: die Bar Cabrera Cantina.


Mallorca-Urlaubers sollte die Fahrt mit der Ferrocarril de Soller von Palma nach Port de Soller gehören. Man muss kein ausgewiesener Eisenbahnfan sein, um dieser Strecke – einer Kombination aus Eisen- und Straßenbahnfahrt – etwas Interessantes abzugewinnen. Port de Soller besitzt einen vom Tramuntana Gebirge umgebenen, gut geschützten Naturhafen, einen großen Sandstrand und zwei Yachthäfen. Bei herrlichem Wetter herrscht eine fröhliche Sommerstimmung unter den zahlreichen Touristen. Die Mischung aus Bergen, Wasser und lebendiger Zivilisation erinnert ein wenig an die Schweiz. Von hier aus werden wir in ein bis zwei Wochen die Balearen in Richtung Barcelona verlassen.
Noch aber ist es nicht soweit. Die Häfen von Palma füllen sich mit majestätischen Großseglern, die sich zu dem in wenigen Tagen beginnenden Segelgroßevent in der Bucht von Palma einfinden. Eine solche Ansammlung von wunderschönen Schiffen ist eine Rarität und stellt eine absolute Augenweise dar. Bei völliger Windstille verlassen wir Palma mit Ziel Cala d’Or. Der Ort liegt an einer gewundenen, einstmals einsamen Bucht, die heute von allen Seiten bebaut ist und total vom Tourismus beherrscht wird. Im Hafenoffice hängt eine Bilderserie, die die Veränderung vom Urzustand bis heute eindrucksvoll aufzeigt.
In Cala d’Or lernen wir übrigens ein neues System der Liegegebührenberechnung kennen. Irgendwie kommt mir der Preis zu hoch vor und als ich in der Preisliste nachsehe, stelle ich fest, dass man uns entgegen unserer Schiffslängenangabe in der nächsthöheren Kategorie eingestuft hat. Meine Nachfrage wird damit beantwortet, dass man das immer so mache - aha. Wenn ich nur für meine wirkliche Schiffslänge bezahlen wolle, müsse ich das Schiff mit einer kürzeren Länge angeben. Ich denke zunächst, dass ich da etwas falsch verstanden habe, aber nein: man legt mir meine schriftliche Anmeldung vor und ich mache dann aus den wahren 23 Meter Länge handschriftlich falsche 22 Meter, um dann die Differenz zwischen falschen 24 Meter und wahren 23 Meter erstattet zu bekommen. Nicht verstanden? Macht nichts – da gibt es auch nicht viel zu verstehen. Fast unglaublich, aber wahr! Etwas befremdlich ist auch die Begründung dafür, warum der Stromanschluss am Steg nicht funktioniert: das läge an der falschen Polarität meines Schiffes, denn das sei ja ein amerikanisches Modell. Auch mein Hinweis, dass ich seit zehn Jahren in ganz Europa ohne jedes Polaritätsproblem unterwegs sei, kann diese absurde Theorie nicht erschüttern. Dann legt sich die Ruhe des Wochenendes über den Hafen und wir müssen zwei Tage lang die Batterien mit dem Generator nachladen. Von Cala d’Or aus fahre ich mit einem Mietwagen die östliche Ecke von Mallorca ab und besuche mit Cala Ratjada, Arta, Colonia de Sant Pere und Porto Cristo nochmal einige der Orte, die wir bei unserem allerersten Mallorca Aufenthalt vor dreißig Jahren kennengelernt haben. Dieser Urlaub war für uns ein echter Durchbruch, der das in unseren Köpfen verankerte Image der Insel schlagartig verschwinden und uns von Skeptikern zu Liebhabern dieser herrlichen Mittelmeerinsel werden ließ. Das kleine Hotel „Solimar“ in Colonia de Sant Pere gibt es immer noch, und der Ort liegt immer noch ein wenig abseits der ganz großen Touristenströme und hat viel von seinem damaligen etwas entrückten Charme behalten. Eine ganz andere Form von Entrücktheit bietet uns das Archipel der Isla Cabrera an der Südspitze Mallorcas. In diesem Naturschutzgebiet darf weder angelegt noch geankert werden. Lediglich an einer sehr beschränkten Anzahl von Bojen kann man mit Voranmeldung gegen Bezahlung festmachen. Die Bojen liegen in einem Naturhafen, der nur eine kleine Öffnung nach Norden aufweist und ansonsten etwa 330° von Bergen umgeben und damit gut geschützt ist. Die Ruhe und Abgeschiedenheit machen diesen Aufenthalt zu einem ganz besonders naturnahen Erlebnis. Wir baden in dem angenehm warmen und glasklaren Wasser.

Pralles Urlaubsleben in Porto Cristo auf Mallorca.


Abends besuchen uns die „Blaubären“ mit ihrem Dinghy und wir grillen gemeinsam an Bord. Die langsam untergehende Sonne verändert ständig den Lichteinfall und taucht die Ruine des über der Bucht thronenden Castell de Cabrera in unterschiedliche Schattierungen. Schließlich umfängt die dunkle Nacht und völlige Stille die wenigen Schiffe, die nur durch die weißen Punkte ihrer Ankerlichter auszumachen sind.
Da der hübsche Hafen von Cala Ratjada – unserem geplanten Sprungbrett nach Menorca – für unsere Schiffsgröße zu klein ist, fahren wir nach Porto Cristo und damit in das totale Kontrastprogramm zum Frieden von Cabrera. In Porto Cristo ist richtig was los: auf der nördlichen Seite der schmalen Bucht steppt der Touristenbär mit Läden, Restaurants, Fähren, Strandleben und Kindergeschrei. Auf der anderen Seite liegt der beschauliche Club Nautico mit seinen Liegeplätzen und verströmt eine gediegene maritime Atmosphäre.
Eine Besonderheit stellen die Gastliegeplätze dar, wo auch wir festmachen: eine in der Hafeneinfahrt liegende kurze Betonpier, die über eine Fußgängerbrücke mit dem Clubgelände verbunden ist. Der Schwell des entfernten Seegangs und insbesondere der ständig ein- und auslaufenden Touristenboote ist hier noch gut zu spüren und so tanzen wir am Liegeplatz etwas hin und her. Zum ersten Mal kann ich dabei den Mooringleinen etwas Positives abgewinnen, die durch ihre Länge eine gewisse Elastizität beinhalten und damit den Tanz auf dem Wasser ruckfrei gestalten. Unbedingt sehenswert sind die nur zehn Gehminuten entfernten „Coves de Drac“. Auch wer schon manche Tropfsteinhöhle rund um die Welt gesehen hat, dem wird die Drachenhöhle von Porto Cristo hinsichtlich Schönheit, Ausdehnung und Begehbarkeit unvergesslich bleiben. Den Abschluss bildet bei Kerzenschein live aufgeführte klassische Musik, die von einem auf einem unterirdischen See vorbeifahrenden Quartett gespielt wird. Über den gleichen See gleiten wir dann zum Ausgang und brauchen etwas Zeit, um von dieser bezaubernden kühlen Märchenwelt wieder in die heiße Wirklichkeit umzuschalten.

Die Crew

Jutta und Thomas Kittel aus Aukrug in Schleswig-Holstein haben mit ihrer Marlow 72 Explorer „Azura“ weite Teile Europas bereist. Mit ihrer Reise 2018 entlang der spanischen und der französischen Küste und zu den Balearen, nach Sardinien und Korsika wurden sie zum wiederholten Male Sieger in der Klasse Mastersport beim Fahrtenwettbewerb des DMYV. Thomas Kittel ist Mitglied der Sportbootvereinigung im DMYV (SBV) und beschreibt seine Fahrten in spannenden und interessanten Reiseberichten für die Leser der WasserSport.