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Inselrundfahrt zum Hornhecht


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Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 50/2022 vom 08.04.2022

HORNHECHT

Auf unserem Weg zur Ostseeküste fahren wir durch eine blühende Natur. Insbesondere die Rapsfelder leuchten herrlich gelb. Es ist nicht nur ein Mythos. Nein, es ist wirklich so: Blüt der Raps, dann ist der Hornhecht vor unserer Küste aktiv. Jedes Jahr aufs Neue tauchen die pfeilschnellen Jäger mit dem langen Schnabel an unseren Stränden auf, um abzulaichen. Auffällig ist, dass meist erst die größeren Exemplare auftauchen, dann folgen die kleineren. Also erst Klasse, dann Masse.

Zwar läuft die Hornhecht-Saison schon zwei, drei Wochen und die ganz Großen sind nicht mehr so zahlreich vorhanden. Trotzdem wollen wir ein paar von den leckeren Fischen mit den grünen Gräten für die Räuchertonne fangen. Allerdings spielt das Wetter nicht mit. Es ist starker Wind aus südwestlichen Richtungen gemeldet, teilweise mit Böen um die 6-7 Bft. Hornhechte sind wahre Augenjäger und eher bei ruhigen Bedingungen ...

Artikelbild für den Artikel "Inselrundfahrt zum Hornhecht" aus der Ausgabe 50/2022 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 50/2022

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... zu fangen. Hohe Wellen und trübes Wasser ist nichts Fotos: W. Krause für sie. Daher steuern wir zunächst den Strand von Niobe im Norden der Insel an, hier sollten wir mit schräg ablandigem Rückenwind gut fischen können.

„Hornhechte sind Augenjäger und eher bei ruhigen Bedingungen zu fangen.“

HORNHECHTE MÖGEN EINE SA-CHE GAR NICHT: STARKEN WIND

Doch leider werden wir beim Blick über den kleinen Deich schnell enttäuscht. Die Meteorologen haben sich mächtig verhauen und der Wind kommt eher aus West-Nordwest. Entsprechend hoch sind die Wellen und lautstark donnert die Brandung gegen die Küste. Hier wird´s nichts mit Hornhechten. Mist!

Also steuern wir den Strand von Presen im Osten der Insel an. Auf dem Parkplatz sehen wir dann auch schon einige Autos mit den üblichen, verdächtigen Angelaufklebern an den Rückscheiben der Fahrzeuge. Hier sind wir definitiv nicht allein und der ein oder andere Angelkollege wird hier bestimmt auch sein Glück probieren. Beim Weg zu unserem Angelplatz sehen wir schon einige Angler mit Wathosen im Wasser stehen. Der Wasserstand ist heute sehr niedrig. Der Wind weht so stark, dass das Wasser aus der westlichen Ostsee hinaus Richtung Osten gedrückt wird.

Um ein wenig in Ruhe angeln zu können, entscheiden wir uns, ein wenig weiter nach Norden zu gehen, Richtung Marienleuchte. Hier ist der Untergrund zum Fischen auf Hornis ideal. Sandflächen, über denen sich das Wasser trotz Wind schnell erwärmt und viele kleine Krautfelder, wo sich reichlich Nahrung findet. Im Kraut und auf den Algen legen die Hornhechte zudem ihre Eier ab. Die Wellen sind hier niedrig und beim Aufbauen des Angelgerätes kann man schon an der Oberfläche immer mal wieder Ringe von laichenden oder raubenden Hornhechten erkennen. Das sollte heute gut funktionieren!

DOPPELTE CHANCE MIT ZWEI RUTEN – UND EIN BISSCHEN BASTELARBEIT

Ich entscheide mich, mit zwei Ruten zu fischen. Zum einen möchte ich mit einem schwimmenden Sbirolino passiv angeboten mein Glück probieren, die andere Rute fische ich aktiv mit einem Blinker. So gehe ich häufig vor, um doppelte Chancen zu haben und um möglichst schnell das Fressverhalten der Fische an dem jeweiligen Angeltag herauszufinden.

Meine Sbirolinomontage ist simpel aufgebaut. Es kommt dasselbe Gerät zum Einsatz, wie wenn ich an einem Forellensee auf größere Entfernungen fische. Eine Steckrute mit einem Wurfgewicht um die 30 Gramm, eine Rolle der 30er Größe, bespult mit 0,20er monofiler Schnur. Der schwimmende Sbirolino dient als Wurfköder und kann auf große Distanzen geworfen werden. Als Verbindung zum Vorfach kommt ein „Float Connector Swivel“ zum Einsatz. Das sind spezielle Bauteile, bestehend aus einer Pilotkugel, in der ein Wirbel eingesetzt ist, um Schnurdrall auf dem Vorfach zu verhindern. Die dazugehörige Gummiperle schützt den Knoten vor Beschädigungen beim Auftreffen des Sbiros auf der Wasseroberfläche. Auf dem zirca 2,5 Meter langen Vorfach befindet sich ein Pilot. Beim Hornhechtangeln ist dieser im Idealfall oval und 17 Millimeter lang. Das reicht aus, um den Fischfetzen oder Wurm zu tragen.

Tipp zum Thema

SCHNELLE KÖDERFÜHRUNG

Wenn er Hornhechte an der Oberfläche sieht, wirft Fabian diese an und holt den Köder hinterm Sbirulino rasant ein, damit die schlanken Räuber auf den Köder aufmerksam werden.

Die zweite Rute wird klassisch mit einem Meerforellenblinker bestückt. Um die Bissausbeute zu erhöhen, verwende ich anstelle des Hakens spezielle Hornhechtwolle oder ein kleines, 8 bis 10 cm langes Stück monofiler Schnur hinter dem Blinker.

EIGENTLICH ERWARTET DIE HORN-HECHTE EIN DREI-GÄNGE-MENÜ

Ich will jetzt endlich fangen! An der passiven Rute biete ich gleich drei verschiedene Hornhecht-Leckereien an. Heringsfetzen, Speck und Seeringelwürmer. Die Pilotkugel wird nun auf eine Tiefe von circa 30 Zentimeter eingestellt und dann wird die Rute ausgeworfen und dank des Rückenwindes ganz entspannt auf der richtigen Stelle gehalten. Da ich die Hornhechte schon an der Oberfläche gesehen habe, biete ich meinen Köder bewusst flach an.

Auch meinen Blinker wähle ich etwas leichter, damit er nicht zu schnell tief absinkt. Auch hier ist der Rückenwind ideal, dank ihm kann ich mit leichten Modellen gute Wurfweiten erzielen.

Die Sonne scheint: Heute könnte es ein 50 erfolgreicher Angeltag werden. Doch leider kommt die Ernüchterung nach circa einer halben Stunde ohne jeglichen Biss. Auch die Angelnachbarn in der Ferne fangen nichts.

DIE HORNHECHTE VERRATEN SICH DURCH WIRBEL AN DER OBERFLÄCHE

Plötzlich ist Bewegung an der Oberfläche. Ich überwerfe schnell mit der Sbirorute die Kreise der sich an der Wasseroberfläche tummelnden Hornhechte. Nun beschleunige ich schnell die Montage wieder, um die Fische auf meinen Köder aufmerksam zu machen und lasse dann den Köder langsam absinken. Sofort fängt die Pilotkugel an zu „tanzen“ und im selben Augenblick fängt auch schon der Sbiro an zu wandern. Anschlag sitzt – sofort fängt der Hornhecht an zu springen und durchbricht immer wieder die Wasseroberfläche. An dem leichten Gerät sind die schlanken Silberpfeile wahre Kämpfer. Wenig später halte ich den ersten Fisch des Tages in meinen Händen. Geht doch!

Leider war es das auch schon wieder! Heute angelt zeitgleich mein Freund Basti auf der Insel. Er ist mit mehreren Freunden auf einem Campingplatz weiter südlich und fischt heute am Strandabschnitt zwischen Katharinenhof und Staberhuk. Also folgt als nächstes der Griff zum Telefon. Doch Basti geht nicht ran, ruft aber kurz danach zurück. „Was ist denn los?“ fragt die Stimme am anderen Ende. „Fangt ihr?“ erwidere ich. „Natürlich! Du nicht!?“, fragt Basti. „Hier ist nichts los!“ muss ich grummelnd eingestehen.

Okay, Platzwechsel! Es scheint, als wenn die Fische fressen, aber bei uns leider nicht präsent sind. Augenscheinlich läuft es südlich deutlich besser.

WAS IST DAS? ÜBERALL MENSCHEN, ÜBERALL AUTOS?!

Die Sachen sind schnell zusammengepackt und kurze Zeit später sitzen wir im Auto und fahren Richtung Staberhuk. Es ist heute Feiertag und die ganze Insel ist voll mit Tagestouristen und Urlaubern. Nach gefühlt einhundert Kurven befinden wir uns in der Nähe des Huks. Doch hier sind überall Menschen, überall Autos! So bleibt uns nur ein Parkplatz, der zirca 30 Fußminuten vom Staberhuk entfernt ist. Völlig verschwitzt erreichen wir dennoch das Ziel und treffen Basti und seine Freunde am Angelplatz. Jetzt geht es endlich so richtig los! Oder etwa doch nicht?

Ich sehe es schon an Bastis Blick. Irgendetwas stimmt nicht. Im Gespräch erzählt er mir, dass zirca seit einer halben Stunde bei ihm und seinen Freunden nichts mehr gebissen hat. Naja, nicht schön, aber was sollen wir jetzt sonst machen? Probieren!

Durch den stark ablandigen Wind und den damit verbundenen niedrigen Wasserstand liegen die großen, mit Kraut und Tang bewachsenen Steine trocken. Zwischen diesen herumzulaufen, erfordert volle Konzentration. Die Wassertiefe selbst auf größere Entfernung scheint ziemlich gering zu sein …

SCHWIMMENDER SBIROLINO MIT FORELLENBLINKER? WARUM NICHT!

Ich entscheide mich, mit dem schwimmenden Sbirolino und einem Piloten flach unter der Wasseroberfläche zu fischen. Auch für die aktive Rute fällt meine Wahl auf einen schwimmenden Sbirolino. Als Kunstköder verwende ich kleine Sbiroblinker/Sbiroblades, die gewöhnlich beim Angeln am Forellensee ihre Verwendung finden. Der große Vorteil: Ich kann diese Köder mit Hilfe des Sbiros auf große Entfernungen werfen, durch ihr geringes Eigengewicht pendeln sie im Flug kaum und es kommt nur äußerst selten zu Verwicklungen. Trotzdem lassen sie sich prima führen und entwickeln einen agilen Lauf unter Wasser.

Die Leichtgewichte sinken zudem nicht so schnell ab. Perfekt für flaches Wasser, oder wenn die Fische oberflächennah stehen. Um die Bissausbeute zu steigern schalte ich auch hier ein kleines Stückchen monofiler Schnur zwischen Kunstköder und Haken. Die Hornhechte versuchen immer wieder, den Köder zu attackieren. In ihrem harten Maul hält der Haken nur schlecht. Der Trick: Wenn ein Hornhecht den Köder nimmt, gleitet die Schnur durch das Maul und greift an der ersten möglichen Stelle. Das ist meist im Maul oder zumindest direkt im Maulbereich.

WAR IRGENDWIE KLAR: AN DER BRÜCKE STEHEN DIE HORNHECHTE GESTAPELT …

Zu meiner Überraschung fange ich auch gleich zwei schöne Hornhechte hintereinander. Auch meine passive Rute bringt zwei weitere tolle Fische. Doch dann herrscht auch hier wieder Flaute. Kein Horni weit und breit zu sehen! Es ist inzwischen spät am Nachmittag und ein eher ernüchternder Tag liegt hinter uns – Fische ja, aber wirklich schwierige Bedingungen haben heute vorgeherrscht. Nach dem erschwerten Fußmarsch zurück zum Auto befinden wir uns nun auf dem Wahrzeichen der Insel Fehmarn. Der Sundbrücke, und zwar in Fahrtrichtung Festland. Der Wind hat deutlich abgenommen und irgendwie überkommt Waldo ein Geistesblitz. „Fabi – wir halten nochmal an und gehen genau hier ins Wasser!“ Keine fünf Minuten später stehen wir mit unseren Wathosen direkt unter der Sundbrücke.

Was wir hier erleben, hätten wir uns nicht vorstellen können. Die Hornhechte scheinen im Sund gestapelt zu stehen. Fast jeder Wurf wird mit einem Biss belohnt! Ein wirklich versöhnlicher Tagesabschluss. Allerdings muss man sagen, dass wir hier auch nicht viel früher hätten angeln können. Zu stark war vorher der Wind. Egal, wir sind mega happy. Tolle Fische wurden gefangen, wir haben einen sonnigen Tag am Wasser verbracht – und nebenbei eine herrliche Inselrundfahrt unternommen.