Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 7 Min.

INSIGHTS: Protec Trading


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 25.02.2021

Für längerfristige Positionen, die weite Stopps fordern, ist das Verlustrisiko in der Eröffnungsphase hoch. Auf der anderen Seite weiß man aus Erfahrung, dass hochgehebelte Tagespositionen durchaus längerfristig laufen können und oft große Gewinne bedeuten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie schon stark im Gewinn liegen müssen und man ihnen dadurch auch Raum in die Gegenrichtung geben kann. Wie also bringt man langfristige Positionen in den Markt, ohne sie den notwendigen weiten Anfangsstopps aussetzen zu müssen?


Artikelbild für den Artikel "INSIGHTS: Protec Trading" aus der Ausgabe 3/2021 von Traders. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Traders, Ausgabe 3/2021

KURZ- UND LÄNGERFRISTIGE HANDELSSTRATEGIEN KOMBINIERT

Handelslogik

Wenn wir ein ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Traders. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2021 von Neues eSports-Zertifikat. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neues eSports-Zertifikat
Titelbild der Ausgabe 3/2021 von TEIL 2: Die richtige Trading-Maschine. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEIL 2: Die richtige Trading-Maschine
Titelbild der Ausgabe 3/2021 von Etikettenschwindel bei den Weltindizes. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Etikettenschwindel bei den Weltindizes
Titelbild der Ausgabe 3/2021 von Der grofte Zertihkate-Round-Table 2021. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Der grofte Zertihkate-Round-Table 2021
Titelbild der Ausgabe 3/2021 von Das steckt hinter dem Short Squeeze bei GameStop & Co. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Das steckt hinter dem Short Squeeze bei GameStop & Co
Titelbild der Ausgabe 3/2021 von TRADERS´ Talk. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TRADERS´ Talk
Vorheriger Artikel
Die Trading-App von Profis fiir Profis
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel TEIL 5: Die Ivy-Strategie von Meb Faber
aus dieser Ausgabe

... gutes Trading-Signal haben, dann müssen wir handeln, um Geld zu gewinnen. Und sobald wir mit einer Position im Markt stehen, müssen wir sie mithilfe einer Handelslogik managen. Eine vordefinierte strenge Abfolge von Tätigkeiten, die der Händler bei jeder Aktion am Markt ausführt, hilft dem Trader, von der Spekulation Abstand zu halten. Er erhält mit Hilfe einer Handelslogik Sicherheit, indem er nach festen Regeln agieren, diese backtesten und auswerten kann. Sobald nach seiner Strategie ein Trading-Signal ausgelöst wird, kann er den Trade nach einem festgelegten Regelwerk managen.

Die einfachste Form des Handelns eines Trading-Signals besteht darin, eine Position zu eröffnen und – damit der Händler das Risiko kontrollieren kann – gleichzeitig eine Stopporder in den Markt zu stellen. Wenn der Kurs gegen ihn läuft, wird die Position ausgestoppt und man erhält einen Verlust, der je nach Berechnung genau dem zugelassenen Maximalverlust der Position entspricht. Läuft der Markt so, wie der Händler es prognostiziert hat, dann läuft die Position in den Gewinn. Diesen Gewinn hat er aber noch nicht realisiert; es ist erst einmal ein Buchgewinn und solange die Position offen ist, kann er sich schnell wieder auflösen.

Was soll der Händler jetzt tun? Er hat einen Gewinn auf einer offenen Position, jederzeit kann der Kurs wieder in die andere Richtung laufen und den Eröffnungsstopp im Verlust auslösen. Ein gutes Risikomanagement verlangt einen nicht zu großen Maximalverlust pro Trade, also liegt der Eröffnungsstopp bei einem Trade oft nahe am Einstiegspunkt.

Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten, mit einer Position im Gewinn umzugehen. Man kann den Stopp zum Beispiel auf den Eröffnungskurs nachziehen und wird dann bei einer Gegenbewegung ohne Verlust, aber auch ohne Gewinn ausgestoppt. „Außer Spesen nichts gewesen” ist hier wörtlich zu nehmen.

Man könnte, je nachdem wie weit der Gewinn schon gelaufen ist, einen Teil davon absichern, indem man den Stopp zum Beispiel unter ein letztes Zwischentief setzt. Oder man benutzt einen Trailing-Stopp, der dem aktuellen Kurs automatisch folgt. Bei einer Gegenbewegung wird der Teil des Gewinns, der dann noch übrig ist, realisiert.

Oder man realisiert den Gewinn mit einer Take-Profit-Order, nachdem ein vordefiniertes Kursziel erreicht wurde. Viele Händler arbeiten mit der sogenannten 1:2-Regel: Das zu realisierende Kursziel entspricht dem doppelten Verlustrisiko, das man mit dem Eröffnungstopp definiert hat.

Der Umgang mit den schon aufgelaufenen Gewinnen offener Positionen entscheidet über Erfolg oder Misserfolg beim Handel. Realisiert man die Gewinne zu früh, dann bleiben sie zu klein, um die Verluste der negativen Trades auszugleichen. Realisiert man sie nicht, laufen viele wieder in die Gegenrichtung, der Gewinn schmilzt weg und der Trade wird ein Verlust. Setzt man den Stopp zu nahe am aktuellen Kurs, dann ist es besser, die Position mit noch etwas mehr Gewinn gleich zu verkaufen; denn ein zu naher Stopp wird auch mit sehr hoher Sicherheit ausgelöst.

Protec Trading ist nun eine Handelslogik, die alle oben genannten traditionellen Methoden beinhaltet, aber auch genau die oben besprochenen Probleme löst. Das Ziel ist, eine oder mehrere Positionen mit möglichst geringem Risiko in den Markt zu bringen. Zum besseren Verständnis sollen aber noch zwei grundlegende Begriffe des Protec Tradings geklärt werden.

Läufer

Ein Läufer ist eine Position, die man lange laufen lassen will. Wir erwarten am Markt zum Beispiel einen Trend, der über mehrere Tage oder Wochen laufen könnte. An Tiefbeziehungsweise Hochpunkten – je nach Handelsrichtung – dieses Trends versuchen wir Läufer in den Markt zu bringen. Die Laufzeit wird vom Markt vorgegeben; wir ziehen nur von Zeit zu Zeit die Stopp-Loss-Order auf ein dem Markt angepasstes Niveau.

Läufer können, wenn sie ins Laufen kommen, große Gewinne bedeuten. Das Problem: Um sie in den Markt und zum Laufen zu bringen, braucht es normalerweise weite Eröffnungsstopps und die Zwischenkorrekturen in einem übergeordneten Trend müssen diese überstehen. Man muss ihnen also genügend Raum in die Gegenrichtung geben, was eine enge Absicherung dieser Positionen unmöglich macht.

Protektoren

Ein Protektor ist eine Position, die nur zum Schutz der Läufer und zum Ausgleich der häufig vorkommenden Verluste durch das Auslösen von Eröffnungsstopps eingesetzt wird. Mit Protektoren versuchen wir also gar nicht, große Gewinne zu erzielen: Protektoren werden von Hand ausgelöst, sobald ein Gewinn mit dem ersten Impuls am Markt in die von uns erwartete Richtung erscheint.

Protec Trading

Der Name Protec leitet sich ab von Protection und Technik. Diese Methode soll das Handelskapital des Händlers schützen, indem die Eröffnungsverluste möglichst vermieden und die offenen Gewinne möglichst realisiert werden.

Die Grundidee ist, dass wir versuchen, Läufer, die an einem übergeordneten Trend oder einer Bewegung teilhaben sollen, mit Hilfe von Protektoren in den Markt zu bringen. So vermeidet man die großen Verluste, die man einem Läufer durch weite Eröffnungsstopps zugestehen müsste.

Bei den meisten Trades oszilliert der Marktpreis kurz nach Eröffnung um den Einstiegspreis einer Position. Handeln wir geeignete Trading- Signale wie zum Beispiel Zielzonen – also Wendepunkte –, so wird sich der Kurs nach unserer Eröffnung mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest einmal in die erwartete Richtung entwickeln, bevor er dann möglicherweise doch in Richtung Stopp-Loss-Order läuft und uns aus dem Markt holt. Durch die folgende Handelslogik können wir bereits in diese erste Bewegung hinein verkaufen; hier nehmen wir, was der Markt bietet: kleine Gewinne durch schnell realisierte Protektorpositionen, die den Start der Läuferpositionen ohne Verlust ermöglichen.

Die einzelnen Phasen

Phase 1: Eröffnung der Position

Wir haben also ein Trading-Signal, das wir handeln möchten. Wir eröffnen nun nicht eine Position im Markt, sondern teilen sie in zwei bis vier Positionen auf. Wir teilen unsere normalerweise gehandelte Trading-Position in ein oder zwei Läufer beziehungsweise Protektoren auf (siehe Bild 1). Alle Positionen werden mit dem entsprechend unserem Risikomanagement berechneten Maximalverlustrisiko mit einer Stopporder abgesichert. Werden wir zu diesem Zeitpunkt ausgestoppt, verbuchen wir einen Verlust.

Phase 2: Realisierung von Protektor 1 und Stopp auf Einstand

Sobald ein erster Gewinn auf den Positionen ausgewiesen wird, der genügend groß ist, dass die Positionen auf Einstand abgesichert werden können, verkaufen wir den ersten Protektor und ziehen bei den übrigen Positionen den Einstiegsstopp auf Einstand. Ab diesem Zeitpunkt haben wir zwei Läufer und einen Protektor im Markt, die alle verlustfrei ausgestoppt werden, sollte sich der Markt gegen uns entwickeln.

Phase 3: Realisierung von Protektor 2 und Stoppnachzug Läufer 1

Eine größere Bewegung in die richtige Richtung, ein starker Impuls, dessen Dynamik langsam nachlässt: Jetzt verkaufen wir Protektor 2 (siehe Bild 2) und ziehen gleichzeitig den Stopp von Läufer 1 unter ein letztes Zwischentief. Jetzt haben wir nur noch zwei Läufer im Spiel; der eine ist auf Einstand abgesichert, der andere im Gewinn unter dem letzten Tief des zugrunde liegenden Trends.

Phase 4: Realisierung der Läufer

Bei Läufer 1 wird ein Trailing-Stopp benutzt oder der Stopp jeweils unter das letzte Tief im Trend nachgezogen. Irgendwann wird diese Position also automatisch verkauft. Läufer 2 verlässt den Markt durch unsere Entscheidung: Wir verkaufen ihn, wenn wir aus verschiedenen Gründen der Meinung sind, dass wir ihn realisieren sollten. Das kann beispielsweise ein sehr weit gelaufener Trend oder ein Trendbruch sein. Läufer können sehr lange im Markt bleiben – von mehreren Tagen oder Wochen bis zu Monaten.

Dabei ist wichtig zu wissen, dass nur sehr wenige Trades überhaupt über Phase 2 hinauskommen. Weil wir die Stopps aller Positionen nach der Realisierung von Protektor 1 nachziehen, werden die meisten Trades danach ausgestoppt.

Was aus diesen Trades bleibt, ist der kleine Gewinn von Protektor 1. In der Summe sollten all diese kleinen Gewinne die selten ausgelösten Verluste aus den Eröffnungsstopps ausgleichen. Gewinne im Handelskapital werden also mit Protektor 2 und vor allem mit den Läufern generiert.

Variationen

Protec Trading auf verschiedenen Zeitstufen:

Beim Protec Trading als Daytrader würden wir Tagesläufer mit Hilfe von Scalping-Protektoren in den Markt bringen. Beim Protec Trading von Positionsläufern – die mehrere Tage, Wochen oder Monate laufen – würden wir sie mit Hilfe von Day- oder Swing Trades zum Laufen bringen.

Protektoren in die Gegenrichtung:

Protektoren können nicht nur beim Start der Läufer eingesetzt werden, sondern auch in die Gegenrichtung des Läufers zu dessen Schutz, zum Beispiel bei drohenden Zwischenkorrekturen.

Geeignete Trading-Signale beim Protec Trading:

Natürlich müssen die verwendeten Trading-Signale und die angewandte Art des Protec Tradings aufeinander abgestimmt sein. Auch sollte man eine Vorstellung davon haben, wie sich der gehandelte Markt bewegt und in welcher Phase er sich gerade befindet, um die Variablen des Protec Tradings entsprechend zu optimieren. Die oben beschriebene Methode funktioniert besonders gut in Zielzonen, also an möglichen Wendepunkten wie Unterstützungen und Wiederständen.

Fazit

Die Funktion der Handelslogik in Bezug auf den konstanten Trading-Erfolg wird von vielen Tradern unterschätzt.

Es ist erstaunlich, wie viele Ideen darüber kursieren, welches nun die besten Trading-Signale sind, während die Handelslogiken kaum eine Rolle spielen.

Wer seine Trades nach einer festen Regel realisiert, hat keine Chance auf Langstreckenläufer, also zum Beispiel auf 1000 Punkte Gewinn in einem Index. Wer die Gewinne nicht nach einer festen Regel realisiert, läuft Gefahr, die Gewinne immer wieder hergeben zu müssen. Marktphasen ändern sich und einmal funktioniert die eine Variante besser als die andere und umgekehrt. Der Positions- oder Swing Trader lässt kein Scalping oder Daytrading zu und der Scalper oder Daytrader hält keine Positionen über längere Zeit. Der kurzfristige Trader will Sicherheit in Form regelmäßiger kleinerer Gewinne, der langfristig orientierte Händler hält nichts von Tagesgewinnen. Dabei löst die eine Strategie die Probleme der anderen und umgekehrt.

Was ist nun neu oder speziell an Protec Trading gegenüber den heute eingesetzten klassischen Handelslogiken? Zwei grundlegende Punkte sind hier zu erwähnen:

1. Das Verlustrisiko in der Startphase von Trades kann durch Protec Trading wesentlich reduziert werden.

2. Durch den Einsatz unterschiedlicher Positionsstrategien in derselben Handelsaktion kann der Händler kurzfristige und längerfristige Handelsstrategien – und umgekehrt – miteinander kombinieren und erhöht dadurch seine Erfolgschancen.

Das Trading-Signal bestimmt den Moment des Markteintrittes. Sobald ein Trade eröffnet ist, zählt nur noch die Handelslogik, also der strategische Umgang mit der offenen Position. Durch Protec Trading eröffnet sich dem Händler eine neue Spielwiese bezüglich der bis heute meist linear eingesetzten Handelslogiken.

Stephan Böschenstein


Stephan Böschenstein ist Diplom-Ökonom und seit den frühen 1990er-Jahren an den internationalen Finanzmärkten tätig. 2006 veröffentlichte er im TRADERS´ seine Diplomarbeit über die Charttheorie Flash Formation Fractals, die heute weltweit eingesetzt wird. Seit 18 Jahren gibt er Trading-Kurse und Seminare, in denen er Privatanleger und Trader zu professionellen Händlern ausbildet.

www.flashtrade.ch


© Jirapong – stock.adobe.com