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Inspiriert von amerikanischen Limousinen: Custom-Bikes „One Way Machine“


Gasoline - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 24.01.2019

Während der AMD-Weltmeisterschaft, bei der die führenden Custom-Motorradbauer gegeneinander antreten, stehen immer die Gewinner der Kategorie „Freestyle“ im Vordergrund. Manchmal ist es aber auch lohnenswert, sich für die unteren Klassen wie „Modified Harley-Davidson“ zu interessieren.


Artikelbild für den Artikel "Inspiriert von amerikanischen Limousinen: Custom-Bikes „One Way Machine“" aus der Ausgabe 1/2019 von Gasoline. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Gasoline, Ausgabe 1/2019

Mit diesem Motorrad kann man sogar etwas längere Strecken zurücklegen


Der Evo-Motor von 1994 hat Zylinderkopfaufsätze, die Zylinderköpfe aus dem Knucklehead imitieren


Man könnte sagen, dass diese Konstruktionen prosaischer und weniger ausgefeilt sind. Andererseits sind sie keine „trailer queens“, die auf Anhängern von einem ...

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... Wettbewerb zum anderen gefahren werden. Mit den meisten Bikes der Kategorie „Modified HD“ kann man sogar längere Strecken einigermaßen bequem zurücklegen. Und was vielleicht am wichtigsten ist: Sie können ein Muster für Tausende Motorradfahrer sein (und sind es auch), die ihre Zweiräder individualisieren wollen. Sicherlich besitzen sie nicht so viele speziell angefertigte Komponenten, z. B. sehr kostspielige, aus einem Aluminiumblock herausgefräste Teile, aber dank dem Einfallsreichtum der Konstrukteure überraschen sie dadurch, dass sich mit einem relativ geringen Arbeits- und Finanzaufwand der Charakter einer Serien-Harley komplett verändert lässt.

Man muss zugeben: Diese beiden hier vorgestellten Motorräder sind nicht das beste Beispiel dafür, weil ihr Erbauer geradezu obsessiv höchste Qualitätsansprüche hegt und selbst die kleinsten Details viel Zeit und Geld in Anspruch nahmen. Wenn man sich aber nur die Grundzüge der Kons-truktionen zum Vorbild nimmt, ohne auf die Hunderte kleiner, individuell angefertigter Elemente zu achten, kann man seiner Harley diese individuelle Note verleihen.

Beide Konstruktionen, die wir hier näher betrachten möchten, fertigte Julian von Oheimb an – der Inhaber der Firma „One Way Machine“ (OWM). Mit seinen Werken traf er perfekt den aktuellen Zeitgeist. Heute erwarten die Kunden zuverlässige Motorräder mit guten Fahreigenschaften, die sich dabei durch eine klare Designsprache auszeichnen. Die Zeiten überladener Bikes, mit denen man nicht einmal ein paar Kilometer zurücklegen kann, scheinen sich definitiv dem Ende zu nähern.

Julian ist Diplom-Ingenieur, aber er ist keineswegs nur ein Theoretiker. Er kommt mit allen Arbeiten, die mit der Entstehung eines Custom-Bikes verbunden sind, problemlos zurecht. Dank seiner Fähigkeiten kann er alle Ideen kompromisslos umsetzen. Tatsächlich beeindrucken seine Bikes durch eine perfekte Verarbeitung, die eines „High-End“-Produkts würdig sind, und durch die Verwendung extravaganter, aber unaufdringlicher Details, die man erst nach längerem Betrachten wahrnimmt. All das ist das Ergebnis monatelanger Planung.

Der „La Salle“ zeichnet sich durch perfekte Verarbeitung aus


Das erste gebaute Motorrad ist die „La Salle“. Wie sein Schöpfer sagte: „Das ist meine Interpretation von Zweirädern, die früher in Boardtrack-Rennen starteten.“

In den letzten Jahren entstanden viele Bikes auf Basis des dankbaren Themas der „Boardtrack-Racer“. Meist sind es Konstruktionen mit bewährten Knucklehead- oder Panhead-Motoren. Es gibt nichts Einfacheres als eine Fusion schon existierender Vorbilder. Doch das ist nicht OWMs Vorgehensweise. Hier musste etwas Neues entstehen. Die Wahl fiel auf einen Softail-Rahmen aus den 1990er-Jahren. Um alle Hauptkomponenten zu bekommen, ließ Julian seine Kontakte in die USA wiederaufleben. Bald stand ein Rahmen im Idealzustand, ein Motor aus demselben Jahr und viele andere originale Harley-Komponenten in seiner Werkstatt.

Es begann mit der Überholung des Motors (Evo 1.340 cm³) und der Modifizierung anderer Elemente. Wie der Erbauer selbst zugibt, hat ihn die Arbeit so stark in Anspruch genommen, dass er die mit diesem Bike verbrachte Zeit nur so ungefähr auf etwa 500 Arbeitsstunden schätzen kann. Dieses Projekt entstand ohne jegliche Beachtung der Wirtschaftlichkeitsgrundsätze, aber dafür mit umso größerer Leidenschaft.

Das Motorrad wurde erstmals auf der „AMD World Championship of Custom Bike Building“ einem breiten Publikum vorgestellt und errang dort den zweiten Platz in der Klasse „Modified Harley-Davidson“. Weitere wichtige Preise hagelte es in den nächsten Monaten. Wir erwähnen hier nur zwei: „Beste Harley-Modifikation“ während der Bike Week Faak in Österreich und der zweite Platz, ebenfalls in der Klasse „Modifizierte HDs“, bei den Meisterschaften in Verona.

Bei dieser Gelegenheit sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der TÜV ein großes Hindernis beim Bau individueller Konstruktionen ist. Nicht alles stimmt mit den geltenden Vorschriften überein – diesen Eindruck gewinnt man sofort beim Betrachten so mancher zugelassener Motorräder. Bei OWM-Zweirädern kann man sich sicher sein, dass sie problemlos die Genehmigung des Prüfers erhalten haben.

„La Salle“ ist eine Fahrmaschine, die alle Wünsche erfüllt. Es ist ein zeitlos schönes Bike, das klassische Elemente mit Verarbeitung auf höchstem Niveau kombiniert. Zum Ganzen passen auch die Rockerboxen im Knucklehead Style, ganz zu schweigen vom coolen Tacho und den stilvollen Messing-Details. Sie verleihen dem Motorrad diesen „antiken“ Effekt.

„Ich habe viele Einzelteile entworfen und hergestellt“, erzählt der Erbauer. „Die wichtigsten von ihnen sind: die am Felgenring befestigte Hinterradbremsscheibe, der Lenker samt seiner Halterung, alle Messingteile und der Hinterradkotflügel. Viel Mühe kostete die Modifikation der hinteren Schwinge um ein 21-Zoll-Rad aufnehmen zu können. …Diese Liste ist lang …Nachdem ich alle Teile ausgearbeitet hatte, gingen sie: zum Pulverbeschichten, zum Lackieren, zum Verchromen und einige zum professionellen Polieren. Die Endmontage erfolgte schnell und ganz reibungslos. Ich kann sagen, dass die ‚La Salle‘ sich perfekt fährt, und zwar nur deswegen, weil die ursprüngliche Softail-Geometrie erhalten blieb, ohne ausgefallene Lenkkopfwinkelveränderungen und nur mit minimalen Veränderungen des Radstands. Ganz original ist auch die unter dem Getriebe verborgene Hinterradaufhängung. Ich habe absichtlich auf Breitreifen oder andere Teile verzichtet, die sich negativ auf das Fahrverhalten auswirken könnten. Diese charakteristischen Reifen habe ich hauptsächlich wegen ihres Aussehens gewählt, aber in meinem Bike bewähren sie sich gut. Um ehrlich zu sein – ihr einziger Nachteil ist, dass sie bei mehr als 120 km/h etwas laut sind. Als ich die Arbeit begann, hatte ich keinen Kunden für dieses Motorrad. Und offen gesagt, befasste ich mich mit diesem Thema nicht. Ich habe es für die AMD-Meisterschaft und ein bisschen zur Eigenwerbung gebaut. Der Käufer fand sich von alleine und schneller, als ich dachte. Es wurde von einem glücklichen Kunden aus Rumänien gekauft“, sagte Julian mit einem leichten Lächeln.

Wie sich die Zeiten ändern: Ein Motorrad, das auf Boulevards in Hollywood garantiert viele zum Staunen brächte, fährt jetzt auf den Straßen von Bukarest. Die dortige Reaktionen sind kaum vorstellbar.

Für dieses Projekt wurden die Reifen hauptsächlich aufgrund ihres Aussehens gewählt


Zahlreiche Messingelemente verleihen einen „historischen” Effekt


Es ist unglaublich, wie wenige Elemente den Charakter eines Serien-Harleys vollständig verändern können


„Brougham“ – so nannte Julian sein nächstes Werk.

Wenn jemand in den 1950er-Jahren in den USA eine wichtige Persönlichkeit war oder seine Nächsten beeindrucken wollte, kaufte er sich einen Cadillac Eldorado. Und wenn er ein Millionär war, entschied er sich für die besonders exklusive und handgefertigte Version: den Eldorado Brougham.

Mit seinen vier Scheinwerfern (was damals eine Ausnahme war) und den hohen Heckflossen repräsentierte dieses Modell Stil und Reichtum. Er kostete mehr als ein Rolls-Royce. Genau dieses großartige Beispiel eines amerikanischen Autos war die Inspiration für den Bau des nächsten Bikes. Warum gerade der Brougham? …Oder genauer gesagt: der 1958er Cadillac Eldorado Brougham?

„1993 habe ich die Vereinigten Staaten zum ersten Mal besucht. Ich flog mit meinem Vater dorthin, und wir besuchten einen alten Freund. In der Nachbarschaft gab es eine Hot-Rod-Werkstatt, und da, in einer dunklen Ecke, stand dieser äußerst seltene Eldorado Brougham. Das Auto machte einen gewaltigen Eindruck auf mich. Es ist ein wahres Design-Meisterwerk in der Automobilgeschichte. In diesem Modelljahr gab es Selbstmördertüren hinten. Der Werkstattinhaber schwor auf alle Heiligkeiten, dass dieses Exemplar einst dem Hollywood-Star Clark Gable gehörte. Wie auch immer, die Silhouette dieses Wagens ging mir nicht mehr aus dem Kopf.“

Autos waren eine Inspiration für viele Custom-Bikes. Oft war das Ergebnis aber – um es milde auszudrücken – nicht überzeugend. Beispielsweise, wenn das Zweirad eine direkt aus dem Auto „transplantierte“ Heckflosse besaß. Das sieht nur grotesk aus. Wenn der Wagen nur mit seiner Klasse und interessanten Linien inspiriert, ist es etwas ganz anderes.

Als Basis für dieses Projekt verwendete Julian das Softail-Deuce-Modell aus dem Jahr 2001 mit nur 900 Kilometern Laufleistung. Der Chef des Harley-Showrooms, in dem er dieses Motorrad erworben hatte, gratulierte ihm sogar persönlich zum erfolgreichen Kauf. Wenn er wüsste, dass diese völlig originale und fast neue Harley bald auseinandergenommen und komplett modifiziert werden würde, hätte er sie vermutlich nicht hergegeben.

Als Inspiration für den „Brougham“ diente die teuerste Version des Cadillac Eldorado


Aus dieser Perspektive ist deutlich zu erkennen, dass Modelle, die in Boardtrack-Rennen starteten, die Inspiration für den „La Salle“ waren


Die hintere Bremsscheibe ist Julians Werk


Am Anfang wird der Rahmen erstmal von allem Überflüssigen befreit und die Schweißnähte überarbeitet. Beim Durchsehen des Lagers seiner Werkstatt fand Julian einen alten Tank einer DKWs aus den 1930er-Jahren, den er sofort zum bereits in groben Zügen existierenden Gesamtkonzept hinzufügte. Natürlich musste er komplett überarbeitet und an den Rahmen angepasst werden. Anstelle eines einfachen Schraubverschlusses befindet sich hier jetzt ein Ornament, das eigentlich die Kühlerfigur eines Oldtimers war. Die meisten Elemente stammen aus Katalogen von Aftermarket-Firmen, ihre sorgfältige Auswahl verdient aber ein Lob. Der stylische Sitz traf aus den USA ein, der hintere Kotflügel ist ebenfalls ein gekauftes Teil, wurde aber umgestaltet und mit eigens gefertigten Halterungen ausgestattet. Räder (vorne 21”, hinten 19”) sind Produkte der „Smooth-Serie“ aus dem Harley-Katalog und sind mit Firestone-Reifen der Serie Vintage versehen. Die Gabel stammt von HD Dyna, ist aber stark modifiziert. Auf Basis von Julians Entwurf wurde ein spezieller Scheinwerfergrill gefräst. Der Lenker ist ein OWM-Produkt, und man kann ihn in einer verchromten oder schwarzen Version bestellen. Die Firma Beringer lieferte die Lenkeramaturen sowie die Vorderradbremse und SSC die hintere Bremse, die gleichzeitig als Zahnrad dient. Das Luftfiltergehäuse und die entsprechende Abdeckung des Zündsystems kommen von Mooneyes, während die Auspuffrohre Julians Werk sind.

Mooneyes lieferte dieses charakteristische Luftfiltergehäuse


Zwei in einem: Die Bremsscheibe dient gleichzeitig als Zahnrad


Es stellt sich heraus, dass man mit einer sorgfältigen Teileauswahl aus Katalogen von Aftermarket-Firmen ein hervorragendes Ergebnis erzielen kann


Ein umgebauter alter Tank eines DKWs aus den 1930er-Jahren. Anstelle eines einfachen Schraubverschlusses hat er jetzt ein Ornament, das früher die Kühlerdekoration eines Oldtimers war


Der charakteristische Scheinwerfergrill entstand nach Julians Entwurf


Die Basis für dieses Custom-Bike war der HD Softail Deuce aus dem Jahr 2001 mit einer Laufleistung von nur 900 Kilometern


Der „Brougham“ gewann auf der „AMD World Championship of Custom Bike Building” in der Klasse „Modified Harley-Davidson”


Man verwendete Firestone-Reifen aus der Vintage-Serie


Auspuffrohre wurden komplett in Eigenregie hergestellt


Dieses Motorrad wird eindeutig von der oberen visuellen Linie definiert, da der Umriss des ausgearbeiteten und wohlgeformten Tanks schön mit dem Einzelsitz harmoniert. Der wichtigste Akzent der unteren Linie sind hingegen die geraden Auspuffrohre.

Alle Elemente haben eine tadellose Optik und befinden sich genau an den richtigen Stellen. Dieser Softail-Umbau ist einfach meisterlich umgesetzt worden. Mit dieser Meinung stehen wir nicht alleine da, da dieses Motorrad nur eine Woche nach seiner Fertigstellung bei der AMD-Weltmeisterschaft die Auszeichnung mit dem höchsten Preis in der Klasse umgebauter Harleys erhielt.

Julian kann mit sich selbst zufrieden sein: erst der Vize-Weltmeistertitel für die „La Sal-le“ und ein Jahr später der Weltmeistertitel für die „Brougham“.

Homepage: www.onewaymachine.com
Fotos: www.pixelfetisch.de