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Institut analysiert Wettbewerbsbedingungen im Transportsektor: Private Logistiker ausgebremst


Schiffahrt Hafen Bahn und Technik - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 09.09.2019

Die überwiegend mittelständischen Speditionsbetriebe fühlen sich im Wettbewerb zu staatlich kontrollierten Logistikkonzernen benachteiligt. Dabei geht es nicht nur um „Megaplayer“ wie die Deutsche Bahn und die Deutsche Post, sondern auch um Terminal- und Hafenbetreiber in den deutschen See- und Binnenhäfen, welche sich teilweise in öffentlichem Eigentum befinden. Sie würden „historisch gewachsene monopolartige Vorteile“ genießen. „Ihr Marktanteil beträgt mehr als 52 %“ und ihre Marktbeherrschung sei „weit fortgeschritten“.


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Bildquelle: Schiffahrt Hafen Bahn und Technik, Ausgabe 6/2019

Bild: SUT Archiv

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Zu diesem Schluss kommt der Verein zur Förderung des Wettbewerbs in einer Studie zur „Situation der privatwirtschaftlich finanzierten Spedition in Deutschland“. Darin werden die voneinander abweichenden Wettbewerbsbedingungen dargestellt, die zwischen privaten und staatlich abhängigen Logistikern herrschten. Dabei stützt sich die 1970 gegründete Wettbewerbsvereinigung auf eine Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen des Speditionsgewerbes. Exakt die Hälfte der Befragten antworteten unisono: „Der Staat mischt mit Steuergeldern mit und vernichtet das mittelständische Speditions- und Transportgewerbe“. Ergänzend wurden Erhebungen und Analysen des Fraunhofer-Forschungsinstituts hinzugezogen. Nach Angaben der Vereinigung ist die Logistik der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland. Die Branche erwarten für 2019 beim Umsatz ein Allzeithoch von 279 Mrd. Euro.
Der Staat sei im Segment der Logistik maßgeblich an operativ tätigen Unternehmen wie DHL und Schenker beteiligt, die zum Post- und Bahnkonzern gehörten. Beide Gruppen hätten sich in den zurückliegenden Jahrzehnten „mit großem Vorsprung zu Marktführern im deutschen Logistikmarkt entwickelt“. 2001 habe die Bahn den Mischkonzern Stinnes einschließlich Schenker für 2,5 Mrd. Euro gekauft. Der Wettbewerbsverein prangerte damals die „fragwürdige Mittelbeschaffung für den Kauf an“. Die DB-Cargo-Tochtergesellschaft BTT habe Vorteile in der Gefahrgutlogistik, weil der Regress durch Staatshaftung ersetzt werde. Auch die Volkswagen-Konzernlogistik wird als halbstaatliches Unternehmen eingestuft, ebenso die französische staatliche Bahnlogistiktochter Geodis.
Die Post sei im Speditionsbereich durch verschiedene Zukäufe aktiv tätig und zwar mit dem Einstieg bei DHL 1998, dem Erwerb von Danzas 1999 und Exel 2005, wird in der Untersuchung festgehalten. Damit baute der Konzern sein Portfolio für weltweite Luft- und Seefrachtgeschäfte sowie in der Kontraktlogistik aus. Auch wenn der Bund keine direkten Anteile an der Post besitze, hält die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an der Post noch rund 21 %. Die KfW gehöre nämlich dem Bund und den Ländern.
Im Marktsegment logistischer Mehrwertleistungen von Terminaldiensten werden in der Untersuchung die 20 größten Unternehmen dieses Bereichs unter die Lupe genommen. Allen voran werden die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), BLG Logistics Group einschließlich Eurogate angeführt, die „in einigen Bereichen, insbesondere dem Landbesitz, immer noch historisch gewachsene monopolartige Vorteile genießen“. Bei den Binnenhäfen zählen ebenfalls öffentliche Hände zu den Eigentümern. Namentlich genannt wird die Duisburger Hafen AG, die mit Tochtergesellschaften weltweit agiere. Bei RheinCargo handele es sich um ein Gemeinschaftsunternehmen der ebenfalls ganz oder mehrheitlich in öffentlichem Besitz befindenden Häfen Köln, Neuss und Düsseldorf. Auch die Terminalaktivitäten der Bahntochter Schenker tangierten die private Spedition. Die privatwirtschaftlich finanzierten Speditionen hätten aufgrund der Analyse höhere Kostenstrukturen und seien daher bei der Akquisition von Aufträgen oft im Nachteil. Denn die staatlichen und teilstaatlichen Logistiker seien durch mögliche Quersubventionierungen des Mutterkonzerns im Kostenvorteil. Die Logistiksparten der Bahn und der Post würden zudem „sehr aggressiv“ auftreten, agierten „präsenter“ und „kaufen Marktanteile“. Hinzu komme, dass aufgrund von Firmengeflechten die Verlader mitunter ihre Transportaufträge bevorzugt an konzernabhängige Logistiker vergeben, wird in dem Bericht festgehalten.
Bemängelt wird zudem, dass die Monopolkommission, die die Bundesregierung in wettbewerbspolitischen Fragen berät, zwar das Geschäftsgebaren bei Bahn und Post regelmäßig untersuche, jedoch „nicht explizit die Situation im Logistikmarkt und die Stellung von Schenker“. Positiv wertet der Wettbewerbsverein hingegen die wiederholt unterbreitete Empfehlung der Monopolkommission, Netz- und Transportsparten der Bahn zu trennen und das Logistikund Schienengütergeschäft zu privatisieren. Damit würden bestehende Wettbewerbsverzerrungen beseitigt. 2015, mehr als 20 Jahre nach der Bahnreform, bemängelte die Monopolkommission beispielsweise einen immer noch fehlenden Wettbewerb im deutschen Schienenverkehr, erinnerte der Wettbewerbsverein in seiner Analyse zur aktuellen Situation privater Logistiker in Deutschland. Er fügte hinzu: „Wie wichtig es ist, dass mittelständische Transport- und Speditionsunternehmen in privater Inhaberschaft gleiche Wettbewerbschancen im Verhältnis zu Logistikunternehmen mit staatlicher Beteiligung haben müssen“
Firmenneugründungen, so genannte Start-ups, forcierten den technischen Fortschritt auch in der Logistikbranche, wovon die Spedition insgesamt profitiere. Selbst die staatlichen und halbstaatlichen Logistiker würden sich derer bedienen. Dabei stehen Online-Frachtplattformen im Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit.