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INTER ARMA: Angepisster Alptraum


Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 17.04.2019

Ist das noch Doom, oder war es das sowieso nie? INTER ARMA forcieren mit SULPHUR ENGLISH den kreativen Befreiungsschlag – und das so brutal und widerborstig wie nur irgend möglich. Neben Engstirnigkeit prangert Sänger MIKE PAPARO (xxx) noch Volksvertreter mit Mundgeruch an und spricht offen über mentale Probleme.


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Bildquelle: Metal Hammer, Ausgabe 5/2019

Die beste Art von Musik entsteht oft aus starken Gefühlen heraus. Dreimal dürft ihr raten, welche Emotionen Inter Arma umtreiben. Ist es Liebe? Ist es Spaß? Weder noch. Das Quintett aus Richmond, Virginia, ist mächtig angefressen, weswegen das jüngste Werk SULPHUR ENGLISH auch als Mittelfinger ...

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... an die Menschen verstanden werden soll. Fragt sich, an welche Leute? „Im Grunde richtet sich dieses Statement an Heavy Metal, weil wir viel von ihm so stagnierend finden“, erläutert Frontmann Mike Paparo. „Die Leute wollen unsere Musik immer in eine Schublade stecken oder ihr ein Etikett anheften. #Oh, sie sind eine Doom Metal-Band.‘ Oder: ‘Sie sind eine Sludge Metal- Band.‘ Oder: ‘Sie sind dies, sie sind jenes.‘ Wir wollen das nicht, das ist langweilig. Basierend darauf wollten wir, dass das Album extremer ist – was eine Richtung ist, die wir sowieso eingeschlagen hatten.“ Denn bevor auch nur ein kleines bisschen Musik geschrieben wurde, war den Metallern eindeutig klar, dass sie garstiger und abgefuckter werden wollen. „Solche Sachen hören wir selbst, da kommen wir her und stehen drauf. Eine Menge moderner Musik – sei es nun Metal oder Punk oder was auch immer – klingt sehr geschliffen, nicht sonderlich gefährlich. Wir wollten, dass diese Platte anders ist“, betont Mike.

Dahinter können Inter Arma getrost einen Haken machen. SULPHUR ENGLISH ist in der Tat ein widerborstiger, schwer zu verdauender Brocken Stahl geworden. Aufgabe erfüllt. Doch mit der nunmehr vierten Studioplatte wollen die Jungs von der US-Ostküste nicht nur anecken. Ihnen stand auch der Sinn nach mehr musikalischer Radikalität. „Manche von uns sind wirklich besessen von echt grober, kaputter Musik“, offenbart Paparo. „Wir wollten einfach, dass das mehr durchscheint. Dass all unsere Einflüsse mehr ans Licht kommen. Wir alle lieben Death- und Black Metal. Und dieses Mal sollte das durchdringen.“ Inhaltlich watschen die fünf Extrem-Metaller unter anderem Politiker ab. Allein der Albumtitel und zugehörige Song machen das deutlich, erläutert Mike: „‘Sulphur English’ war ein Arbeitstitel für den Song. Ich wollte mit etwas anderem aufwarten und habe lediglich zwei Wörter miteinander kombiniert, um auf raffinierte Art ‘stinkende Redekunst‘ zu sagen. Es blieb jedoch als Albumtitel dort oben kleben, weil TJ(Childers, Schlagzeuger – Anm.d.A.) dachte, dass es so cool und weit draußen ist.“ Wenn Worte nach Schwefel müffeln, drängt sich der Schluss auf, dass diejenigen, die diese Worte absondern, Teufel sind. Paparo will diesbezüglich nicht widersprechen: „Wir prangern damit definitiv das aktuelle politische Klima in den Vereinigten Staaten an. Aber das kann auch auf eine Vielzahl anderer Orte angewendet werden. Es ist absolut ein Kommentar zu Trump, aber ebenso zu im Grunde jeder Art von Politiker, die geistesgestörtes Kauderwelsch ausspuckt.“ An dieser Stelle muss der Autor einen Gedanken der guten Greta Thunberg einbringen. Sinngemäß sagte die Aktivistin, Politiker würden sich nur um ihre Macht scheren. „Größtenteils bin ich einer Meinung mit ihr“, pflichtet Mike bei. „Ich bin mir sicher, es gibt Politiker, die Gutes für die Menschen tun wollen. Aber für gewöhnlich können sie nicht an den Punkt gelangen, an dem ihre Stimmen gehört werden, denn sie werden einfach durch die Art daran gehindert, wie Politik ist. Im Spiel der Politik muss man Ärsche küssen. Viele solcher Stimmen werden übertönt – und das ist eine Schande. Besonders in den Vereinigten Staaten. Leute auf progressiven Plattformen werden als verrückte Kommunisten oder Sozialisten dämonisiert. Das vergrault die Menschen.“

Das andere große Thema auf SULPHUR ENGLISH ist Depression. Schreihals Mike lebt im Prinzip schon sein ganzes Leben damit – und als Inter Arma das neue Album geschrieben haben, befand er sich in einem tiefen Loch. Um sich selbst aufzubauen und Mut zuzusprechen, schrieb er den Text zu ‘Citadel’. „Ich habe das Stück im Kern wie eine Hymne angelegt.“ Diese hätte sicher auch Bill Bumgardner gebrauchen können. Der unter anderem für die Doom-Band Indian und die Sludger Lord Mantis tätige Drummer beging 2016 Selbstmord. Ihm und dem im selben Jahr verstorbenen Bell Witch-Schlagzeuger Adrian Guerra widmen Inter Arma dieses Album. Man stand einander ziemlich nahe, wie Mike verrät: „Auf unserer ersten Tour, die wir 2014 mit Indian unternommen haben, sind wir sehr enge Freunde mit Bill und seiner Band geworden. Und unser damaliger Bassist Joe kannte Adrian, seit sie Teenager waren. Sie waren zusammen in ihrer ersten Band. Auf unserer zweiten Konzertreise überhaupt spielten wir ein paar Shows mit Bell Witch in Washington und Oregon.“ Hinsichtlich der Todes ursache von Guerra hält sich Mike lieber bedeckt. Er kennt sie zwar, doch die Familie von Adrian möchte nicht, dass sie öffentlich wird. So wollen wir es belassen – und stattdessen aus dem wunderschönen ‘Citadel’ zitieren: „A fire burns deep in the citadel of my heart / I will break free from captivity / I will weather the storm / I will shake free from detritus / I will harness the wild flame.“


Foto: J. Wharton (PR)