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INTERNATIONAL: DIE GROSSE POUND-FOR-POUND-DEBATTE: SIMPLY THE BEST


BoxSport - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 14.08.2019

Wer ist der beste Boxer der Welt? Vasiliy Lomachenko, Terence Crawford oder gar ein Dritter? In BOXSPORT diskutieren fünf Experten über die „Pound-for- Pound“-Rangliste und wer wirklich an Platz eins steht.


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Bildquelle: BoxSport, Ausgabe 9/2019

Als BOXSPORT sich in der Ausgabe Mai 2018 intensiv mit dem Thema „Pound for Pound“ beschäftigte und seine eigene Rangliste erstellte, stand ein Mann an der Spitze, der heute in Diskussionen um den gewichtsklassenübergreifend besten Boxer der Welt, nur noch selten genannt wird: Gennady Golovkin. Seitdem vergingen zwar nur 15 Monate, aber diese sind ein guter Indikator, für die Schnelllebigkeit des ...

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... Box-Geschäfts. Eine hauchdünne und umstrittene Niederlage gegen Canelo Alvarez im September des vergangenen Jahres und schon spielte „Triple-G“ für die meisten Fans und Experten kaum noch eine Rolle bei der Suche nach dem Besten der Welt. Das mag einerseits hart und unfair anmuten, zeigt andererseits aber auch wie eng die Leistungsdichte an der Spitze des Sports ist.

Seitdem ist es schwer eine klare Nummer eins auszumachen. In den meisten Diskussionen stehen vor allem zwei Namen an der Spitze: Vasiliy Lomachenko (Ukraine) und Terence Crawford (USA). Der 31-jährige „Loma“ gewann in gerade mal 14 Profikämpfen (13 Siege, eine Niederlage) WM-Titel in drei Gewichtsklassen. Aktuell dominiert der zweifache Olympiasieger das Leichtgewicht, ein Limit, für das er Angesichts seiner Physis eigentlich zu klein ist. Auch der 31-jährige Crawford kann auf WM-Titel in drei Gewichtsklassen verweisen. Die Besonderheit bei ihm: Im Halbwelter war er sogar unumstrittener Weltmeister, trug die WM-Gürtel aller vier großen Weltverbände gleichzeitig.

Doch wer ist aktuell die wahre Nummer eins? Und wie wichtig und sinnvoll ist eine Pound for-Pound-Rangliste überhaupt? Zu diesen und weiteren Fragen diskutieren Jack Culcay (Profi und Ex-Weltmeister), Bernd Bönte (langjähriger Manager), Rüdiger May (Ex-Profi und Trainer), Björn Jensen (Journalist und Box-Experte) und Martin Armbruster (Journalist und Box-Experte) in der großen BOXSPORT- Debatte.

„LOMA BRINGT ALLES MIT“

Pound-for-Pound-Rankings sind ein beliebtes Spielzeug, besonders für Fans und Journalisten. Es ist verlockend, wirklich den besten Boxer der Welt küren zu wollen. Doch es gibt auch ein Problem. Die Rangliste ist an Subjektivität kaum zu überbieten. Fragt man zehn Boxfans nach ihren Top 10, bestehen gute Chancen, dass man zehn unterschiedliche Listen vorgesetzt bekommt. Dennoch ist der Status, der beste Boxer Pound for Pound zu sein, eine ganz besondere Auszeichnung in der Szene.

„Das ist immer eine interessante Debatte, gerade weil sich über solche Ranglisten kontrovers diskutieren lässt“, findet Björn Jensen, auch wenn er persönlich einem solchen Ranking eher kritisch entgegenblickt. „In einem Sport, in dem es extra deshalb Gewichtsklassen gibt, damit man eine gewisse Gerechtigkeit herstellen kann und zusätzlich noch vier große Weltverbände existieren, die alle ihren eigenen Weltmeister küren, finde ich es schwierig, sich auf einen Boxer festzulegen, der übergreifend der Beste der Welt sein soll.“ Aus fachlicher Sicht kann Jensen den „Hype“ zwar nachvollziehen, gibt aber zu bedenken, dass auch die Qualität der Gegner in den 17 unterschiedlichen Gewichtsklassen variiere, „deshalb finde ich Poundes schwer, in meinem Urteil gerecht zu sein“.

Subjektivität ist hier das Stichwort, wie auch BOXSPORTAutor Martin Armbruster zu bedenken gilt: „Boxen ist grundsätzlich ein sehr subjektiver Sport, ob jetzt bei Punkturteilen oder bei solch einer Rangliste. Jeder hat seine Lieblinge und setzt andere Kriterien an, nach denen er Boxer beurteilt.“ Komplette Objektivität könne es daher nicht geben. „Wenn man das akzeptiert, hat so eine Rangliste ihre Daseinsberechtigung.“ Zudem sei es ein „schönes Spielchen und ein Anreiz für die Fighter, sich den Platz dort zu erkämpfen“.

Kein Wunder also, dass mit Jack Culcay ein aktiver Boxer durchaus ein Fan der Pound-for- Pound-Diskussion ist. „Ich finde das Ranking gut. So lässt sich der beste Boxer der Welt küren“, sagt „Golden Jack“ im BOXSPORTGespräch und gibt gleichzeitig Beispiele für eine Vergleichbarkeit, unabhängig der Gewichtslimits: „In jedem Kampfrekord kann man sehen, gegen wen ein Boxer gewonnen oder seine Titel verteidigt hat.“ Zudem spielt für den Ex-Weltmeister aus dem Berliner Agon-Stall auch der sogenannte „Eye-Test“ eine große Rolle, also die Frage, wie überzeugend und mit welchem Stil jemand geboxt hat. „Daher ist es meiner Meinung nach klar, dass Leute wie Canelo Alvarez oder Vasiliy Lomachenko zurecht so weit oben stehen“, sagt Culcay.

Doch gerade mit dieser Vergleichbarkeit hat Jensen seine Probleme, obwohl er gerne über verschiedene Qualitäten im Ring diskutiert. „Es ist immer schwierig Ranglisten aufzustellen, bei denen die Rahmenbedingungen so unterschiedlich sind. Das stört mich auch an der Debatte“, betont der Hamburger. Solche Diskussionen seien zwar interessant, aber mit einer gerechten Einschätzung tue er sich schwer. „Sport soll gerecht und fair sein, das ist er bei solchen Ranglisten oft nicht.“

Auch für den Ex-Profi und heutigen Trainer Rüdiger May ist das Ranking „ein zweischneidiges Schwert“, eben weil es sehr subjektiv ist. Dafür hebt der BOXSPORT- Experte aber noch einen anderen Aspekt hervor. „Anhand einer Pound-for-Pound-Diskussion lässt sich sehr gut feststellen, welche Gewichtsklassen aktuell am attraktivsten sind“, betont der ehemalige EU-Champion. Oftmals sei es laut May auch so, dass aus der besten Gewichtsklasse auch der insgesamt beste Boxer herkomme.

„Das Ranking gibt es schon seit vielen Jahrzehnten und es ist unter Boxsportfreunden natürlich auch eine sehr beliebte Diskussion“, sagt der ehemalige Klitschko-Manager Bernd Bönte. „Am Ende des Tages bleibt es eine subjektiv zusammengestellte Rangliste.“ Bönte vergleicht die Diskussion mit Debatten zum Thema, wie Champions aus verschiedenen Ären, beispielsweise Marvin Hagler gegen Canelo Alvarez oder Muhammad Ali gegen Tyson Fury, gegeneinander geboxt hätten. „Am Ende des Tages ist da nichts messbar, aber trotzdem macht es Spaß.“ Und eben weil es Spaß macht, wollten wir natürlich auch wissen, wen die Experten in ihren persönlichen Pound-for-Pound- Listen ganz oben stehen haben.

Bernd Bönte (Manager und Box-Experte)


Martin Armbruster (Journalist und Box-Experte)


Jack Culcay (Profiboxer und Ex-Weltmeister)


Björn Jensen (Journalist und Box-Experte)


Rüdiger May (Ex-Profi und Box-Trainer)


„Da gibt es für mich nur einen: Vasiliy Lomachenko“, sagt Bönte ohne Umschweife. „Er hat bereits mit seinen zwei olympischen Goldmedaillen und sei- ner unglaublich erfolgreichen Amateurkarriere bewiesen, dass er wie geschaffen für eine Profilaufbahn ist. Und das stellt er seitdem auch unter Beweis. Er bringt alles mit, was ein Poundfor- Pound-Star braucht. Wenn ich alle verschiedenen Facetten, wie Technik, Schlagkraft, Beweglichkeit oder ‚Ring Generalship‘ betrachte, dann ist er für mich in fast jedem Bereich die Nummer eins.“ Etwas anders sieht es Björn Jensen: „Lomachenko gehört ohne Zweifel dazu, aber wenn ich einen herauspicken muss, dann Terence Crawford.“ Der WBOWeltmeister im Welter- und ehemalige „Undisputed Champion“ im Halbweltergewicht ist für den Journalisten ein besonders „außergewöhnliches Paket“.

Canelo Alvarez (l.) kann vor allem auf ein beeindruckendes Resümee mit Siegen gegen 15 Weltmeister verweisen


Rüdiger May pflichtet hingegen Bönte bei. „Ich sehe aktuell Lomachenko vorn. Für mich ist immer der entscheidende Aspekt, wer der vollkommenste Boxer ist. Technisch, strategisch, taktisch und athletisch ist das Loma, da kommt aktuell niemand ran, auch Crawford nicht“, begründet der Coach. May legt den Fokus dabei gar nicht so sehr auf feste Statistiken und Zahlen, sondern beschreibt eine andere Herangehensweise: „Ich versuche immer meine Fantasie spielen zu lassen und rücke dann die Boxer außerhalb ihrer angestammten Gewichtsklassen zusammen. Wie würde beispielsweise ein Lomachenko im Schwergewicht oder ein Anthony Joshua im Leichtgewicht agieren? Das ist natürlich schwierig, weil physische Aspekte eine sehr große Rolle spielen. Doch wenn man alles zusammenführt, bliebe am Ende Lomachenko übrig, der alle besiegen würde.“

DOPINGSCHATTEN

Zustimmung erfahren Bönte und May auch von Martin Armbruster. „Loma ist immer noch die Nummer eins. Es geht vor allem darum, wie man eine solche Liste aufbaut und worauf man dabei achtet“, sagt der Journalist. „Für mich ist der ‚Matrix-Boxer‘ einfach komplett: Einzigartiger Kampfstil, starker und nicht aufgeblähter Kampfrekord, Titel in mehreren Gewichtsklassen und selbst im Leichtgewicht, mittlerweile seinem dritten Limit, schon Siege über starke Gegner. Das ist das komplette Pound-for-Pound- Paket und dazu ist er noch boxerisch in einer eigenen Liga. So eine Klasse ist ganz selten.“

Unten: K.o.-König Naoya Inoue ist der Shooting-Star Japans. Rechts: Cruiser- Dominator Oleksandr Usyk will noch in diesem Jahr sein Schwergewichts-Debüt geben


Während tatsächlich auch international das Duell um den Platz an der Sonne häufig Lomachenko vs. Crawford heißt, sieht Jack Culcay einen anderen Mann an der Spitze. „Ich habe Canelo Alvarez auf Platz eins. Boxerisch beeindruckt er mich ungemein und auch seine Erfolge und sein Kampfrekord sprechen für sich“, sagt der Ex-Champ im Halbmittelgewicht. Außerdem: Abgesehen von der lebenden Ring-Legende Manny Pacquiao, hat wohl kein aktiver Profi so viele starke Gegner in seinem Kampfrekord, wie der 29-jährige Canelo. Floyd Mayweather jr., Miguel Cotto, Erislandy Lara, Daniel Jacobs und natürlich zweimal Gennady Golovkin – das liest sich sehr beeindruckend.

Bernd Bönte hat dennoch eine ganz klare Meinung zum ak- tuellen „Kohle-König“ des Boxsports: „Canelo ranke ich nicht, weil ich einen überführten Doper nicht in meiner Pound-for- Pound-Rangliste führen möchte.“ Alvarez wurde im März 2018 zwei Mal positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet und musste das ursprünglich für Mai 2018 angesetzte Rematch gegen Golovkin damals absagen. Der Mexikaner beteuerte allerdings seine Unschuld und schob die positiven Tests auf verunreinigtes Fleisch in Mexiko. Culcay kann Böntes Haltung zu dem Thema nachvollziehen, sagt aber auch: „Er hat ja danach wieder geboxt und auch abgeliefert. Canelo hat zuletzt alle geschlagen. Abgesehen davon, spreche ich nur vom Boxerischen und da finde ich schon, dass er Platz eins verdient hat.“

Drei Stimmen für Lomachenko und je eine für Crawford und Canelo. Wenn es nach den BOXSPORT- Experten geht, ist Vasiliy Lomachenko die klare Nummer eins der Welt. Doch wie sieht es dahinter aus?

„Das ist eine sehr knappe Geschichte. Canelo, Golovkin und Crawford stehen alle eng beieinander. Oleksandr Usyk ist ebenfalls ein Kandidat, der Japaner Naoya Inoue auch. Die leichten Gewichtsklassen werden oft übersehen, wie Inoue sich bei der World Boxing Super Series (WBSS) schlägt, ist aber schon außergewöhnlich“, sagt May.

„Dahinter sind Unterschiede wirklich nur in Nuancen festzustellen. Wenn man das so betrachtet, wie ich das mache, also mit Fantasie-Matchups, wären das Wahnsinnsgefechte. Da würde ich am Ring kein Punktrichter sein wollen.“

VASILIY LOMACHENKO KÄMPFT AM 31. AUGUST GEGEN LUKE CAMPBEL UM DREI WM-TITEL IM LEICHTGEWICHT


Konkreter äußert sich Bernd Bönte: „Terence Crawford steht für mich auf Rang zwei. An Platz drei ist es ein sehr knappes Rennen zwischen Oleksandr Usyk und Naoya Inoue. Usyk gehört nach seinen Leistungen aus dem letzten Jahr, als er sich zum unumstrittenen Weltmeister im Cruisergewicht krönte, weit nach vorne, auch wenn man noch abwarten muss, wie er sich im Schwergewicht schlagen wird. Das wird keine leichte Aufgabe. Inoue dominiert in der WBSS. Auch er hätte Platz drei aktuell verdient. Auf Rang fünf sehe ich Errol Spence jr., den IBF-Weltmeister im Welter – ebenfalls ein grandioser Boxer.“

Zuletzt bezwang Terence Crawford (r.) Ex-Weltmeister Amir Khan klar durch K.o. in Runde sechs


KAMPF DER EPOCHEN

Der bereits mehrfach genannte Usyk ist auch für Jack Culcay ein heißer Kandidat. „Ich schätze ihn allein aus boxerischer Sicht stärker als die meisten Schwergewichtler ein und sehe ihn dort viele Fights gewinnen“, sagt der 33-Jährige. Björn Jensen stimmt ebenfalls ein Loblied auf den Ukrainer an: „Bei Usyk überzeugt mich das Gesamtpaket. Er ist ein attraktiver Kämpfer, der einen offensiven Stil verkörpert. Das gefällt mir sehr gut. Damit erinnert er mich an Mikkel Kessler“, schwärmt Jensen. „Er kann alles, ist athletisch, boxt attraktiv, aber nie zu vorsichtig.“ Usyk setze alles auf eine Karte, auch wenn er in der zwölften Runde hoch führt.

Für Martin Armbruster stehen hingegen vor allem Weltergewichtler weit vorne. „Dort haben wir Crawford und Spence jr. Beide sind sehr talentierte Boxer, aber besonders Crawford fehlt noch der echte ‚Signature Fight‘. Da müssen jetzt die großen Kämpfe kommen“, fordert der Box-Experte. Neben Golovkin und Canelo, nennt Armbruster auch Mikey Garcia, den ehemaligen Weltmeister in vier Gewichtsklassen, der zuletzt bei seinem Versuch, das Welter zu erobern, deutlich an Spence jr. scheiterte. „Er hat alles riskiert, ist zwei Limits aufgestiegen. Auch wenn er gegen Spence keine Chance hatte, gehört Mikey für mich trotzdem vorne rein“, sagt Armbruster.

Allgemein ist das aktuelle Niveau hoch, da sind sich die Experten einig. Aber wie würde die aktuelle „Pound-for-Pound- Klasse“ sich im historischen Vergleich mit denen aus anderen Epochen schlagen?

„Es ist natürlich immer sehr schwierig Boxer aus verschiedenen Perioden zu vergleichen“, gibt Bönte zu bedenken, sagt aber auch: „Wir haben im Boxsport momentan ein sehr hohes Niveau mit zahlreichen Top-Leuten. Lomachenko ist jetzt schon ein sicherer ‚Hall-of-Famer‘ und Usyk ist für mich der beste Cruisergewichtler seit Evander Holyfield. Das ist schon ein Top-Niveau.“ Allerdings müsste sich die heutige „Klasse“ auf jeden Fall hinter der Ära der 1980er-Jahre mit „Sugar“ Ray Leonard, „Marvelous“ Marvin Hagler, Thomas „Hitman“ Hearns und Roberto Duran an der Spitze, einreihen. „Das ist für mich nicht zu toppen“, betont Bönte.

„Ich frage mich häufiger, ob zum Beispiel Canelo gegen Marvin Hagler eine Chance gehabt hätte. Oder Lomachenko gegen Roberto Duran. Da sehe ich sie beide verlieren, auch wenn Loma wohl in jeder Epoche hätte mithalten können“, glaubt Armbruster.

„Die aktuelle Weltspitze bietet ein so hohes Niveau, dass es nicht von früheren Dekaden abfällt“, sagt hingegen Björn Jensen. „Ich glaube, dass wir in den 2010er-Jahren eine bessere Zeit haben als in den 2000ern. Durch Formate wie die WBSS wächst das Niveau, weil es nun mehr Vergleiche auf Top-Niveau gibt. International kann man sich als Boxfan aktuell nun wirklich wenig beklagen“, lobt der Journalist.

Einig sind sich die Experten besonders in einem Punkt: Die Besten müssen gegeneinander boxen! Ein Wunsch für die Zukunft, den wohl auch jeder Boxfan unterschreiben würde.

In Lauerstellung: Errol Spence jr. (r.) könnte sich im Ranking noch weiter hocharbeiten


Fotos: Getty Images (8), imago images/ Ed Gar (1)/ Apress (1), Ania Pospiech (1), Privat (2)