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INTERVIEW: Auf dem Weg zu 100 Prozent Nachhaltigkeit


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 27/2018 vom 07.07.2018

Interview mit Dr. Svea Pacyna-Schürheck, Bereichsleiterin Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement bei Landgard, zum Thema Nachhaltigkeit. VonRenate Veth


TASPO: Welche Rolle messen Sie nachhaltigen Produkten in Zukunft bei? Worauf müssen sich Handel und Produktion einstellen?
Dr. Svea Pacyna-Schürheck: Nachhaltige Produkte sind für uns, den Markt und die Gesellschaft bereits seit Jahren ein zentrales Thema und werden mit unterschiedlichsten Schwerpunkten auch in Zukunft ein wichtiger Trend sein. Dabei werden sie zukünftig sicherlich sogar noch weiter an Bedeutung gewinnen, gerade mit Blick auf Themen, die national, europaweit und global intensiv politisch diskutiert werden. Beispiele hierfür sind etwa zu hohe Nitratgehalte im Grundwasser, Verwendung gesundheitlich bedenklicher Pflanzenschutzmittel oder auch die Umwelt- und Gesundheitsgefährdung von Mensch und Tier durch Kunststoffverpackungen und deren Entsorgung – und anderes.

Handel und Produktion müssen sich darauf einstellen, dass alle Aussagen zu Produkten messbar sein müssen und überprüft werden. Eine einmal getätigte Aussage muss einer solchen Prüfung jederzeit standhalten. Zusätzlich bedeutet es, dass jeder in der Wertschöpfungskette seinen individuellen Beitrag zur dauerhaften Verbesserung der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen leisten muss. Wir bei Landgard, unsere Erzeuger, der Handel und die ganze Branche müssen also davon ausgehen, dass uns die kontinuierliche Verbesserung unter nachhaltigen Gesichtspunkten in Zukunft dauerhaft begleitet.

TASPO: Inwieweit wird Nachhaltigkeit bei Pflanzen gerade neu definiert?
Dr. Svea Pacyna-Schürheck: Nachhaltig wird nicht neu definiert, weder bei der Pflanze noch bei anderen Produkten. Die Definition von Nachhaltigkeit ist über 300 Jahre alt und geht auf das Jahr 1713 und Hans Carl von Carlowitz zurück. Und in den allgemeinen Grundsätzen wird diese Sichtweise sicherlich auch die nächsten 300 Jahre bestehen bleiben.

Was sich aber immer wieder ändert und neu definiert wird, sind die Schwerpunkte der nachhaltigen Weiterentwicklung von Pflanzen. Letztes Jahr standen zum Beispiel besonders Biodiversität mit Blick auf Flora und Fauna und der Einsatz bestimmter chemischer Pflanzenschutzmittel im Fokus. Dieses Jahr dreht sich alles um Themen wie Verpackungen und die Minimierung des Kunststoffeinsatzes, erhöhte Nitratgehalte im Grundwasser und Arbeitsund Sozialbedingungen in Südeuropa und in Drittländern. Dies alles sind wichtige Themen, mit denen wir uns in der Branche intensiv befassen und auch in Zukunft weiter befassen müssen.

Spoga+Gafa TASPO Talk

Am 3. September, dem Messe-Montag der Spoga+Gafa in Köln 2018, treffen Sie auf das Thema Nachhaltigkeit undDr. Svea Pacyna-Schürheck beim gleichnamigen TASPO Talk. Sie ist eine der vier Experten, die von 10.45 bis 11.30 Uhr das Thema „Verbraucherwunsch Transparenz & Ehrlichkeit“ im Forum Gartencafé diskutieren. Moderiert von unserer Redaktion, sind außerdem mit dabei:Peter Opschroef , Gartenbaubetrieb,Michael Kuhndt , Konsumforscher,Tobias Theuerkauf , toom Baumarkt, Einkauf und Projektmanager Nachhaltigkeit. Was Sie sonst noch Im Forum Gartencafé auf der spoga+gafa erwartet, lesen Sie im TASPO GartenMarkt, der dieser Ausgabe beiliegt, auf Seite 2 und 3.
(rve)

TASPO: Wohin geht die Reise bei nachhaltigen Produkten und wie drückt sie sich in ihren Märkten aus?
Dr. Svea Pacyna-Schürheck: Es gibt eine kontinuierliche Weiterentwicklung nachhaltiger Produkte, die sich auch in Zukunft fortsetzen wird, immer gemessen an der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit zum jeweiligen Zeitpunkt. In den Märkten wird das bestehende Sortiment nachhaltiger Pflanzen bei der Auswahl der Kulturen grundsätzlich auch in Zukunft seine Gültigkeit haben.

Was sich jedoch verändern wird, ist die Art der Präsentation und der Kommunikation und damit der Umfang der Dienstleistung rund um die nachhaltigen Produkte. Damit verändern sich auch die Anforderungen an das Produkt, die Kultivierung und die Wertschöpfungskette.

TASPO: Im neuen C&C Markt Herongen gibt es eine Abteilung für nachhaltige Produkte, darunter sammeln Sie sowohl torffrei produzierte Anthurien als auch Orchideen in alternativen Papp-Verpackungen. Was umfasst die Abteilung genau? Wer darf dort ausstellen beziehungsweise welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?
Dr. Svea Pacyna-Schürheck: Nachhaltigkeit hat bei uns viele Gesichter, darum wird es eine abschließende, feste, dauerhafte Definition über den Umfang und den Inhalt des nachhaltigen Produktsortiments wohl auch nie geben. Es ist ein lebender Prozess, der einer ständigen Veränderung und Weiterentwicklung unterliegt.

Grundsätzlich müssen unsere nachhaltigeren Produkte aber natürlich bestimmte Kriterien in einem festgelegten Umfang nachweislich erfüllen. Die Kriterien werden mindestens einmal jährlich von uns angepasst und weiterentwickelt.


„Handel und Produktion müssen sich darauf einstellen, dass alle Aussagen zu Produkten messbar sein müssen und überprüft werden.“
Dr. Svea Pacyna-Schürheck, Bereichsleiterin Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement bei Landgard


TASPO: Was tut sich bei alternativen Verpackungen (Pappe statt Plastik) bei Landgard überhaupt, was bei torffrei gezogenen Pflanzen?
Dr. Svea Pacyna-Schürheck: Gerade im Bereich alternativer Verpackungen gibt es immer wieder neue Entwicklungen, die sehr spannend sind und auf die unterschiedlichsten Grundmaterialien wie zum Beispiel Pflanzenfasern, Milchbestandteile, Recycelmaterial setzen. Und dabei ist „Pappe“ nicht automatisch auch besser als „Plastik“.

TASPO: Werden sich die Anforderungen der Global-GAP-Zertifizierer oder -Zertifizierungen noch verschärfen? Auf was, meinen Sie, müssen sich Produzenten einstellen?
Dr. Svea Pacyna-Schürheck: Die Anforderungen werden sich möglicherweise erweitern und es könnten weitere Add-Ons hinzukommen, wie bereits GRASP (GlobalGAP Risk Assessment on Social Practice).

Sicher ist, dass die Forderung nach einer Zertifizierung eine grundsätzliche Voraussetzung zur Anlieferung im organisierten Handel/DIY-Bereich wird.

TASPO: Welche Anforderungen stellen die Einkäufer oder die Konsumenten an nachhaltige Pflanzen? Werden diese Anforderungen neu definiert? Zum Beispiel mit dem Footprint?
Dr. Svea Pacyna-Schürheck: Der Handel stellt die Anforderung, dass der kommunizierte Nachhaltigkeitsaspekt nachweisbar ist und eine tatsächliche Verbesserung gegenüber der konventionellen Produktion darstellt. Der Konsument erwartet eine leicht verständliche Erklärung der nachhaltigen Vorteile des jeweiligen Produkts, die zugleich authentisch ist. Das muss dann auch nicht immer ein Footprint sein.

Artikelbild für den Artikel "INTERVIEW: Auf dem Weg zu 100 Prozent Nachhaltigkeit" aus der Ausgabe 27/2018 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Dr. Svea Pacyna-Schürheck.


Foto: privat

TASPO: Immer mehr taucht das Stichwort „Glyphosatfrei“ bei Einkäufern auf. Auch die Bienenfreundlichkeit ist ein Thema. Inwieweit ist dieser Wunsch im Handel tatsächlich vorhanden und wie wird das kontrolliert?
Dr. Svea Pacyna-Schürheck: Der gesamte Handel wünscht sich für seine Kunden sichere und auch umweltschonende Produkte und dabei unterstützen wir ihn natürlich gerne.

Die entsprechende regelmäßige Kontrolle erfolgt dann über eine risikoorientierte Beprobung und Analyse in akkreditierten Laboren im Rahmen unseres langjährigen Rückstandsmonitoringsystems.

TASPO: Welchen Anteil hat zertifizierte Ware am Markt und wohin geht die Entwicklung?
Dr. Svea Pacyna-Schürheck: Der aktuelle Anteil an zertifizierter Ware variiert je nach Kunde und Vertriebsweg. Über den gesamten Markt hinweg dürfte der Anteil aber rund ein Drittel der Ware ausmachen.

Wir sind jedoch davon überzeugt: Langfristig wird der Trend in Richtung 100 Prozent Nachhaltigkeit gehen.

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