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INTERVIEW: BERLIN HAT UNS FASZINIERT


tennisMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 120/2019 vom 18.10.2019

Im Juni 2020 findet an der Spree erstmals wieder ein großes Damenturnier statt – die Grass Court Championships Berlin. Der MacherEdwin Weindorfer über seinen großen Coup, die Rolle von Wimbledon, das Engagement von Kanzlerin Angela Merkel und die Hoffnung auf SteffiGraf


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Bildquelle: tennisMAGAZIN, Ausgabe 120/2019

BRINGT TENNIS IN DIE DEUTSCHE HAUPTSTADT: Der Grazer Edwin Weindorfer, 54, ist einer der Chefs der Agentur Emotion. Berlin als Austragungsort für ein großes Turnier war schon immer für ihn interessant.


MITARBEIT INGRID JUNE DUA LUCU

Edwin Weindorfer hat in diesen Tagen viel zu tun. Er pendelt zwischen Stuttgart, Österreich, Monte Carlo ...

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... und Mallorca. Er telefoniert pausenlos mit Wimbledon und Berlin. Er koordiniert ein Senior-Event für seinen Klienten Tommy Haas in Marbella. Eigentlich wollten wir uns direkt zum Interview treffen – Ende September beim Oktoberfest in München, bei dem er auf Einladung von Haas weilte. Aber am Ende wird es terminlich zu eng – also telefonieren wir.

Herr Weindorfer, im Juni 2020 findet in Berlin wieder ein WTA-Turnier statt, das Sie mit Ihrer Agentur Emotion organisieren. Es wurde oft darüber gesprochen, dass in der Hauptstadt ein großes Event fehlt. Jetzt ist es wieder da. Ist das für Sie eine Sensation?
Naja, Sensation, ich sage es mal so: Es war eine Verkettung von sehr positiven Faktoren, die dann im Endeffekt zu dieser tollen Geschichte führten. Wir haben jahrelang auch immer wieder auf Berlin geschielt. Wie Sie wissen, veranstalten wir, also die Agentur Emotion, das ATP 500-Turnier in Wien und das ATP 250-Event in Stuttgart. Später kam das Projekt auf Mallorca, unser WTA-Turnier in der Nähe von Palma, hinzu. Als Unternehmer hat uns Berlin aber schon immer fasziniert, diese pulsierende Großstadt, eine der größten Metropolen Europas. Ich habe dann gesagt, ich verkaufe die Mallorca-Lizenz, die ich vor fünf Jahren erworben hatte, an den All England Club in Wimbledon. Das war die Voraussetzung.

Das müssen Sie erklären.
Zunächst zu Mallorca. Wir haben uns gefragt: Wie können wir das Turnier auf Mallorca weiter verbessern? Es hat sich entwickelt von Jahr zu Jahr, aber ein Damenturnier auf Mallorca ist niemals so stark wie ein Herrenturnier. Das liegt auch an der Person Rafael Nadal und an dem Status von Herrentennis in Spanien. Obwohl wir dieses Jahr drei Tage ausverkauft waren mit Sharapova und Kerber, entschied ich mich dafür, die Lizenz zu verkaufen.

An Wimbledon.
Genau. Ursprünglich wollten wir das Turnier nach Budapest verkaufen. Da gab es aber Probleme und dann haben wir die Lizenz nach England veräußert. Wimbledon ha sich entschlossen, einen sogenannten Master-Plan auszurufen. Das bedeutet: Der All England Tennis Club wollte mehr Kontrolle über die Rasensaison bekommen, um die Championships weiter zu stärken. Das heißt: bessere Turniere mit mehr Preisgeld im Vorfeld und eine Stärkung der Zusammenarbeit mit WTA und ATP. Ein Credo war auch, gleiche Rasenbedingungen an allen – oder sagen wir an den meisten – Orten zu haben, um die Spieler noch gezielter über die Damen- und Herrenevents in der relativ kurzen, fünfwöchigen Rasensaison nach Wimbledon zu führen. Im Zuge dieses Master-Plans hat der Club auch die Lizenz von Antalya gekauft. Das ist die Lizenz, mit der nächstes Jahr in Bad Homburg das andere deutsche Damenturnier gespielt wird.

Klingt kompliziert.
Es ist ein bisschen kompliziert. Wollen Sie die lange Version hören?

Gerne.
Die WTA-Lizenz von Mallorca ist nicht die, die jetzt in Berlin ist. Die Mallorca-Lizenz wurde nach Birmingham geschoben und die Birmingham-Lizenz wanderte nach Berlin. Das hängt damit zusammen, dass Mallorca – und im nächsten Jahr Birmingham – zur Kategorie International Series gehören. Berlin hat eine höhere Wertung, ist ein Premier Series-Turnier mit mehr Preisgeld, spielt also beispielsweise in der gleichen Liga wie der Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart.

Wimbledon hatte die Lizenz, Berlin zu veranstalten. Wie kamen Sie ins Spiel?
Wimbledon hat ganz einfach gesagt: ‘Edwin, wenn du das schaffst, dass wir in Berlin ein starkes Turnier aufbauen können, dann glauben wir dir, dass die Lizenz von Birmingham, diese Premier Series-Lizenz, in Berlin langfristig besser aufgehoben ist.’ Birmingham stand schon immer im Schatten von London. Es ist eine kleine Stadt. So schlossen wir mit Wimbledon eine Vereinbarung, die über mindestens fünf Jahre geht und bis zu zehn Jahre laufen kann.

Um es abschließend zu verstehen: Wimbledon ist der Lizenzinhaber und Sie führen das Turnier als Veranstalter durch?
Im Grunde ja. Eigentlich gehört die Lizenz Octagon (eine der großen Spieler- und Turnieragenturen;Anm. d. Red. ). Wimbledon kümmert sich um die Lizenz. Ohne genau in die Vertragsdetails zu gehen – für uns ist wichtig, dass wir eine Vereinbarung mit dem All England Tennis Club haben, das Turnier zu veranstalten.

Was macht Sie sicher, dass Sie in Berlin erfolgreich werden?
Zunächst einmal: Wir haben schon vor einigen Jahren in Richtung Berlin geschaut. Wir haben unsere Büros in Wien, Graz, Palma und Stuttgart. Norddeutschland war für uns immer interessant. Hamburg, muss ich ganz ehrlich sagen, habe ich nie so spannend gefunden, aber Berlin hat diese Tradition. Es hat dort schon ein super Turnier gegeben. SteffiGraf hat neunmal gewonnen, stand elfmal im Finale. Wenn du auf die Anlage gehst, dann siehst du immer noch die Historie dieses Turniers. Es ist ähnlich, wie wir es in Stuttgart gemacht haben. Stuttgart war ein Turnier, das in die Jahre gekommen war. Es fand auf Asche statt, wo man keine Topspieler mehr bekommen hat. Wir haben es auf Rasen umgebaut und so mit Roger Federer und Rafael Nadal den Erfolgsweg wieder eingeleitet. Ähnliches passiert in der Hauptstadt mit dem Unterschied, dass der Centre Court in Berlin mehr als zehn Jahre brachgelegen hat, wenn man einmal von einer Davis Cup-Veranstaltung absieht.


DAS TURNIER IN BERLIN LAG ZEHN JAHRE BRACH


Wieviele Gespräche waren nötig, damit aus dem Plan, in Berlin wieder bedeutendes Tennis zu zeigen, Realität wurde?
Ich habe mich Anfang des Jahres mit Markus Zoecke (Sportdirektor LTTC Rot-Weiß Berlin;d. Red. ) getroffen. Er war mein erster Ansprechpartner. Am Anfang sagte er: ‘Puh Rasen, Edwin, ich verstehe ja, dass das unglaublich wäre, aber no chance.’ Aber nach ein, zwei Meetings mit dem Vorstand hat der Club verstanden, dass es die einzige Chance für diesen traditionsreichen Club ist, jemals wieder ein Topturnier zu bekommen. Denn diese Woche, in der Mitte positioniert zwischen Roland Garros und Wimbledon, ist die beste Woche, die es im Damenkalender gibt. Bei der ATP ist es das Gleiche: Bis auf Djokovic spielen alle Profis entweder in Halle oder in Queen’s. Bei den Damen haben bis auf Serena Williams alle in dieser Woche gespielt – entweder auf Mallorca oder in Birmingham. Dazu kommt jetzt: Berlin ist eine pulsierende Stadt, der Club hat eine super Infrastruktur.

GROSSE EHREN IN STUTTGART: Roger Federer und Edwin Weindorfer bei der „Returning to World No. 1“-Präsentation im Juni 2018 beim Turnier in Stuttgart.


Wie wird die Infrastruktur im LTTC Rot-Weiß Berlin genau aussehen?
Wir werden drei Rasen-Match-Courts bauen. Das ist die gewünschte Kapazität und es wurde alles von der WTA abgesegnet. Zusätzlich haben wir – und da müssen wir der Stadt Berlin danken – im Umfeld von Rot-Weiß diesen Tennisclub der Wasserfreunde in Spandau gesichtet. Der Club liegt auf städtischem Boden im Olympiagelände. Dort werden wir drei Rasencourts errichten, die für die Qualifikation mitverwendet werden, aber auch für Training zur Verfügung stehen. Sie liegen ungefähr zehn Minuten Fahrzeit mit dem Auto entfernt.

Wer baut die Plätze und welche Rolle spielt Wimbledon?
Gebaut werden die Rasenplätze von der Firma Engelmann Rasensportplatzpflege. Die haben schon erfolgreich unsere Plätze in Stuttgart gebaut, machen auch in Stuttgart den gesamten Platzservice und die Instandhaltung. Engelmann hat auch die Courts auf Mallorca gebaut und sind offizieller Partner mit Wimbledon-Zertifikat. Es gibt also eine enge Kooperation mit Wimbledon, die sich im Laufe der letzten sechs Jahre entwickelt hat. Die Wimbledon-Greenkeeper sind involviert, auch in Berlin, wo der Umbau der Aschenplätze in Rasencourts Ende September begann. Der Rasen wurde eingesät. Das Material wurde aus Surrey, aus England, geliefert. Ziel ist es, mit den letzten Sonnenstrahlen des Oktobers noch den Grundstock für einen guten Rasen ein halbes Jahr später zu liefern. Ganz klar: Wir wollen wie in Stuttgart gemeinsam mit Wimbledon die besten Plätze bauen. Der All England Tennis Club, wir als Veranstalter und die Stadt Berlin finanzieren die Courts.


WENN STEFFI GRAF KOMMT, FREUEN WIR UNS


Wie hoch ist der Faktor zu bewerten, dass im SteffiGraf-Stadion gespielt wird?
Das ist in Anbetracht der Historie schon sehr bedeutungsvoll. In der derzeitigen Konstellation wird das SteffiGraf-Stadion im ersten Jahr 5.000 Zuschauer beherbergen. Es gibt die Möglichkeit, bis auf 7.000 Plätze auszubauen. Wir werden uns diese Option offenhalten, wenn das Turnier hervorragend läuft.

Funktioniert denn die alte Technologie noch, bei der man die oberen Tribünen ausfahren konnte?
Um ehrlich zu sein, wissen wir das nicht. Das muss erstmal eine technische Prüfung zeigen. Ansonsten kann man aber auch auf 7.000 Personen kommen, in dem man eine zusätzliche mobile Tribüne installiert.

Wird SteffiGraf eine Rolle spielen?
Das hoffen wir. Wir werden in jedem Fall mit ihr reden. Es wäre großartig, wenn wir Steffiin irgendeiner Art und Weise, für das Turnier begeistern und gewinnen könnten.

Ein anderer prominenter Name ist Angela Merkel. Wie ist es gelungen, sie als Schirmherrin zu bekommen?
Es hat damit zu tun, das jetzt eine der prestigeträchtigsten Damensportveranstaltungen in Berlin stattfindet. Tennis ist die Nummer eins-Sportart für Damen. Neun der Top-Ten-Verdienerinnen der Welt sind Tennisspielerinnen. Ich glaube, der Fakt, dass in der Bundeshauptstadt, in der auch die Bundesregierung angesiedelt ist, so ein großes Damensport-Event langfristig veranstaltet wird, hilfreich war. Da war auch der Club Rot-Weiß sehr hilfreich. Uns freut das enorm. Es verleiht dem Turnier ein gewisses Gütezeichen.

Ein zweites Rasenturnier findet in Bad Homburg statt. Wird es Synergien geben?
Eine der Synergien ist, dass beide Turniere – Berlin als Premier-Series-Turnier und Bad Homburg als International-Series-Turnier – unter dem Schirm von Wimbledon stehen. Das heißt, wir werden natürlich kooperieren. Es liegt nahe, dass die eine oder andere Spielerin, die in Berlin spielt, auch in der Folgewoche in Bad Homburg spielt. Wir hoffen, dass Angelique Kerber, die in dieser Kalenderwoche immer gespielt hat, auch in Berlin antritt, gemeinsam mit allen anderen starken deutschen Spielerinnen. Dafür spricht, dass Kerbers Management in Bad Homburg eine tragende Rolle bei der Ausrichtung spielen wird. Generell ist es eine Stärkung vom Tennisstandort Deutschland mit zwei neuen Turnieren, die dazukommen.

Ist Berlin und Bad Homburg das gleiche Konstrukt mit Wimbledon als großem Player in der Hinterhand?
Es ist das gleiche Konstrukt, wobei ich nicht weiß, wie sich Bad Homburg finanziell aufstellen wird und wie die zeitliche Komponente ist. Bei uns wird nach fünf Jahren evaluiert, wie erfolgreich es geworden ist und unsere Vereinbarung, die wir als Agentur Emotion mit dem Club Rot-Weiß als Gastgeber haben, beträgt ebenfalls fünf Jahre mit einer Verlängerungsoption, wenn die wirtschaftlichen Parameter und der Zuschauerzuspruch passen. In Bad Homburg findet das Finale übrigens am Samstag statt, weil es direkt vor Wimbledon ausgetragen wird.

Jahrelang schien es schwierig zu sein, in Berlin ein Turnier zu veranstalten, weil das Sponsoreninteresse gering schien. Was macht Sie diesmal hoffnungsvoll, dass sich Geldgeber finden? Oder gibt es die schon?
Es gibt keine konkreten Sponsorenzusagen, aber es gibt sehr großes Sponsoreninteresse. Das hat uns selbst überrascht, weil Berlin nicht viele internationale Konzerne beherbergt. Aber der Standort ist absolut attraktiv. Das spüren wir in all unseren Gesprächen mit den Partnern und mit möglichen Sponsoren. Unsere Strategie beruht auf Folgendem: Erstens auf die großen deutschen Unternehmen zugehen, die sagen, dass Berlin international eine spezielle Strahlkraft hat. Die zweite Säule sind die Wimbledon-Sponsoren und -partner, die in dieses Event integriert werden und Berlin alle sehr positiv gegenüberstehen. Der dritte Bereich sind Partner aus der Region, egal, ob das jetzt O2 oder der Axel Springer Verlag ist. Mercedes Benz Deutschland beispielsweise sitzt in Berlin, nicht in Stuttgart. Da gibt es für uns sehr starke Synergien. Unser Gesamtbudget im ersten Jahr liegt bei ungefähr vier Millionen Euro. Davon sind 1.000.000 Dollar Preisgeld. Das ist fast das Vierfache von Bad Homburg. Dieses Preisgeld ist ein großer Budgetposten und von den vier Millionen werden wir drei Millionen über Sponsoren finanzieren müssen. Den Rest werden TVRechte, Medienrechte, Ticketing und Hospitality ausmachen.

Sie klingen optimistisch, dass das Turnier wirtschaftlich wird.
Ich bin absolut optimistisch. Ich habe noch nie in meiner Karriere als Eventveranstalter und Eigentümer einer Eventagentur – uns gibt es nun immerhin schon seit 1991 – ein so starkes Interesse an einer Veranstaltung gespürt. Positiv stimmt mich, dass wir die Erfolgsgeschichte Rasen schon ein paar Mal durchexerziert haben. Stuttgart war zwischendurch in der Krise und wir haben dort einige Jahre lang kein Geld verdient. Aber wir haben das Turnier weiterentwickelt. Mittlerweile ist es ein erfolgreiches Produkt, auch wirtschaftlich. Das ist der erste Punkt. Zweitens: Ich glaube an die Kraft von Wimbledon, an die Kraft des Rasentennis, weil man ein besseres Paket hat. Die besten Spieler der Welt sind dabei. Sie wollen spielen. Das ändert alles. Das ändert die TV-Rechte, egal ob bei Eurosport oder bei den Öffentlich-Rechtlichen. Dadurch hast du einen Mehrwert für die Sponsoren. Entscheidend für mich ist: Es ist kein kurzfristiges Projekt, auf das man von Jahr zu Jahr schaut. Wir haben uns das Ziel gesetzt, das Turnier in den nächsten fünf Jahren rentabel zu machen. Wir haben keinen Druck. Wenn es im ersten Jahr keinen Titelsponsor gibt, dann verlieren wir nicht die Ruhe. Wir glauben langfristig an den Standort Berlin und das Turnier.

AUFSCHLAG IM STEFFI GRAF-STADION: So könnte es im Juni 2020 aussehen – Fotomontage des Centre Courts im LTTC Rot-Weiß Berlin.


Gibt es schon TV-Sender, die übertragen werden?
International hat die WTA die Medienrechte gebündelt. Außerhalb von Deutschland haben wir also kein Mitspracherecht. Wir sind, wie alle anderen Turniere, in den weltweiten Distributionskanälen der WTA Media verankert. In Deutschland selbst gehören uns die Übertragungsrechte. Da gibt es großes Interesse: von Eurosport, von Sky, aber auch von öffentlich-rechtlichen Sendern, wie wir in den letzten Wochen bei Gesprächen vernommen haben.

Wie werden Sie sich personell in Berlin aufstellen? Ist schon klar, wer als Turnierdirektor fungieren wird?
Wir haben verschiedene Rollen. Es wird eine Turnierbotschafterrolle und eine Turnierdirektorrolle geben. Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nichts spruchreif.

Es gibt noch ein weiteres Turnier, das Sie veranstalten…
…Wimbledon hat uns auch gefragt, ob wir das neue ATP-Turnier auf Mallorca ausrichten wollen, was wir ab 2020 tun werden. Wir sind schon seit über sechs Jahren Partner von Wimbledon und wir sind jetzt der stärkste Partner mit Stuttgart, mit Berlin und mit Mallorca. Darauf sind wir stolz. Alles, was im Interesse von Wimbledon ist, liegt auch in unserem Interesse. Eine starke Rasensaison mit den ATP-Turnieren von Stuttgart und Halle und den beiden neuen WTA-Events ist super für das deutsche Tennis. Das ist ein starkes Statement.

Muten Sie sich mit drei Turnieren in Folge – Stuttgart, Berlin, Mallorca – nicht ein bisschen viel zu?
Ich glaube, wir sind gut aufgestellt. Es geht ja nicht um meine Person. Wir als Emotion-Gruppe – da ist Herwig Straka, mein Partner, der Turnierdirektor in Wien auch dabei – haben inzwischen mit drei ATP-Turnieren, also Wien, Stuttgart und Mallorca, sowie einem WTA-Turnier in Berlin in Europa eine Führungsrolle übernommen. Darauf sind wir als Unternehmen stolz. Wir haben jetzt gerade ein neues Büro in Berlin eröffnet. Im Gegensatz zu anderen Veranstaltern richten wir in jeder Stadt, in der wir operativ tätig sind, ein eigenes Büro mit einem eigenen Event-Team ein. Das heißt, der Mercedes Cup wird unabhängig von Berlin und Mallorca mit dem Stuttgart-Eventteam veranstaltet. Da bin ich Turnierdirektor. Das Berliner Turnier wird unabhängig mit einem Berliner Team und mit einem eigenen Turnierdirektor stattfinden. Auf Mallorca, in Palma, haben wir seit fünf Jahren ein Büro. Das Eventteam dort besteht aus Spaniern, Deutschen und Österreichern. Dort ist Toni Nadal Turnierdirektor und bleibt es auch beim ATP-Turnier. Insofern haben wir kein Problem damit, in drei Wochen drei Turniere auf Rasen durchzuführen.

Sind in Berlin neben dem reinen Turnier weitere Aktivitäten auf der Anlage geplant?
Wir sind bekannt dafür, dass wir nicht nur reine Sporteventveranstalter sind. Es ist klar, dass es unsere Verantwortung in Zeiten wie diesen ist, nicht nur Sport zu präsentieren, sondern auch gesellschaftlich und wirtschaftlich etwas begleitend auf die Beine zu stellen. Wir werden einen Wirtschaftskongress integrieren. Wir werden einen gesellschaftlichen Abend veranstalten, wo alle Botschafter der Bundeshauptstadt eingeladen werden. Da reden wir wahrscheinlich über Diplomaten aus hundert Ländern, in denen Tennis, aber auch die Wirtschaft und das Gesellschaftliche in den Mittelpunkt rücken. Wir werden am Sonntag, dem ersten Turniertag, die Veranstaltung mit einen Opening Event einweihen.

Wen darf man erwarten?
Hoffentlich einige Wimbledonsiegerinnen (lacht ).

VITA EDWIN WEINDORFER

Der gebürtige Grazer bekam Mitte der 80er-Jahre ein Tennisstipendium an der University of Georgia, spielte Collegetennis und studierte Science und Business. Der zweimalige österreichische Mannschafts-Staatsmeister mit dem Grazer AK ging später nach Monte Carlo und veranstaltete Seniorenevents für die ATP. Die Firma Emotion, die er mit seinem Partner Herwig Straka leitet, gründete er 1991. Emotion ist Turnierveranstalter in Stuttgart, Mallorca, Wien (Herren) und Berlin (Damen). Die Agentur veranstaltet auch Davis Cup-Partien und Golfturniere der European Tour.


FOTO: EMOTION

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