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Interview: Betriebsklima wird unterschätzt


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ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit - epaper ⋅ Ausgabe 9/2009 vom 07.04.2010
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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit, Ausgabe 9/2009

Dr. Michael Drupp ist Leiter des niedersächsischen AOK-Instituts für Gesundheitsconsulting in Hannover.

ÖKO-TEST: Rund ein Achtel aller Fehltage in den Betrieben geht auf Rückenschmerzen zurück. Was können Betriebe tun, um diese Ausfallzeiten zu verringern?
Drupp: Eine wichtige Voraussetzung ist: Das Management muss sensibel für das Thema sein. Durch eine Mitarbeiterbefragung und Arbeitsplatzbegehungen können die Probleme eingegrenzt und anschließend sollte in einem Gesundheitsmanagementprojekt gemeinsam mit allen Beteiligten nach Lösungen gesucht werden. Die können von ergonomischen Verbesserungen über arbeitsplatzbezogene Rückenschulen oder Stressbewältigung für belastete Mitarbeiter bis hin zum Coaching von Führungskräften reichen.

ÖKO-TEST: Rentiert sich dieser Aufwand für die Betriebe?
Drupp: Auf jeden Fall. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die an solchen Projekten beteiligten Mitarbeiter danach pro Jahr deutlich weniger krank waren. Auch Krankenkassen, die das mitfinanzieren, profitieren. Sie können für jeden investierten Euro bis zum 1,3-fachen allein beim Krankengeld sparen. Entscheidend ist aber, dass sich die Angebote gezielt mit den jeweiligen Problemen befassen. Nur Rückenschulen als Gießkannenangebot für alle rechnen sich nicht.

ÖKO-TEST: Welche Probleme sind besonders häufig?
Drupp: Das reicht von ergonomisch ungünstigen Arbeitsplätzen bis zu einem schlechten Betriebsklima. Es können Mobbing-Phänomene sein, aber auch konkrete Probleme mit Kollegen. Oder Ärger mit Vorgesetzten. Da sitzt einem dann sprichwörtlich der Chef im Nacken. Wichtig sind auch der Informationsfluss im Betrieb und die Arbeitsorganisation. Wir hatten den Fall eines großen Betriebs, der von drei auf vier Schichten umstellte, was die Mitarbeiterinnen völlig aus ihrem Rhythmus warf. Unspezifische Rückenerkrankungen und Arbeitsunfälle schnellten nach oben.

ÖKO-TEST: Also ist das Betriebsklima wichtiger als der ergonomisch korrekte Bürostuhl?
Drupp: Ich möchte da keine Prioritäten setzen. Fakt ist, dass die Bedeutung weicher Faktoren bisher unterschätzt wird. Wir haben in einer Studie in 15 Betrieben quer durch alle Branchen die Mitarbeiter befragt. Dabei zeigten sich deutliche Zusammenhänge zwischen unspezifischen Kreuz- und Nackenschmerzen und dem Betriebsklima. Von denjenigen, die gut mit den Kollegen auskamen, klagten 31 Prozent über Kreuzschmerzen. Bei denen zum Beispiel, die mit den kollegialen Beziehungen unzufrieden waren, lag die Quote bei 85 Prozent.

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