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INTERVIEW: DAS GREGORY PORTER FEELING ITS WIEDER DA


combo - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 06.03.2020

Es gibt nur wenige Künstler, die es schaffen, Musik zu machen, die zeitlos und zugleich doch vollkommen zeitgenössisch ist. Der Sänger und Songwriter Gregory Porter gehört ganz sicher in diese Kategorie und verfügt über eine der fesselndsten und souligsten Baritonstimmen der Gegenwart.


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Fotos: ERIC UMPHERY & AMI SIOUX

Beinahe vier Jahre sind verstrichen, seit Gregory Porter mit „Take Me To The Alley“ sein letztes Album mit frischem Eigenmaterial herausgebracht hat. Vier Jahre, in denen der Sänger nicht untätig war. Denn in diesem Zeitraum nahm er für Decca den wunderbaren Nat-King-Cole-Tribut „Nat King ...

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... Cole & Me“ auf und veröffentlichte zudem zwei europäische Konzertmitschnitte: „Live In Berlin“ und „One Night Only: Live At The Royal Albert Hall“. Mit seinem sechsten Studioalbum „All Rise“, das einen brillanten Mix aus Jazz, Soul, Blues und Gospel bietet, kehrt er nun endlich zurück zu von ihm selbst verfassten neuen Songs, in denen er sein Herz auf der Zunge trägt. Die Texte sind von Porters Alltagsphilosophie durchtränkt und handeln vom wahren Leben. Am 10. Juli gastiert der zweifache Grammy-Gewinner bei Klassik am Dom in Linz. Mit combo sprach er über sein neues Album, die Wirkung von Texten, Erfolg, seine Idole, gute Ratschläge, die Genialität von Popmusik und seine außergewöhnliche Stimme.

combo: Noch vor ein paar Jahren warst du ein Rising Star in der Jazzszene. Heute bis du ein Weltstar, und das nicht nur in der Jazzszene. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Gregory Porter: Ja, es ist ziemlich interessant. Ich habe meine Musik nicht für ein breiteres Publikum ausgelegt. Das war nicht mein Plan. Es war etwas, das organisch passiert ist. Mit den Jahren wuchs meine Hörerschaft. Remixe, mein Schreiben und die Art und Weise, wie ich mich dem Jazz nähere, haben dazu beigetragen. Ich denke nicht an das Genre, wenn ich schreibe und singe. Ich schreibe nur, was sich gut anfühlt, schön fließt und in der Tradition des Jazz steht bzw. in der Tradition des Gospels, Blues und der Soul-Musik.

combo: Was hat sich durch den Ruhm und Erfolg für dich persönlich verändert?

Gregory Porter: Ganz gleich wo ich auf der Welt unterwegs bin - mehr jedoch noch in Europa - kennt man mich und das finde ich eigentlich ganz schön. Ich bin in den großen Städten und in den USA ziemlich bekannt, zum Beispiel in Los Angeles, New York City, Chicago. Was sich noch verändert hat, sind die Möglichkeiten, durch die Musik mit vielen Leuten in Kontakt zu kommen. Ich habe die Chance, mit Menschen zu kommunizieren, die nicht mehr am Anfang ihrer Karriere stehen. Das hat mich auf die Idee gebracht, meinen eigenen Podcast „The Hang“ herauszubringen. Darin spreche ich mit Künstlern aus vielen verschiedenen Genres und Disziplinen. Ich denke, mein hoher Bekanntheitsgrad ist interessant.

combo: Versuchst du, jungen Musikern und Künstlern Ratschläge zu geben?

Gregory Porter: Ja. Ich gebe gerne Ratschläge und sage den Leuten immer, sie sollen an ihre Musik glauben. Es gibt so viele Möglichkeiten. Ich rate jungen Musikern, darüber nachzudenken, was es ist, das sie einzigartig macht, und was ihre Musik für sie persönlich bedeutet. Beides ist wichtig. Sei stolz darauf, denn das ist automatisch das, was dich einzigartig macht und dich von jedem anderen Sänger, Saxofonisten oder Schlagzeuger auf dem Markt unterscheidet.

Achte darauf, was dich einzigartig macht. Denn das macht dich als Künstler aus.


DER WICHTIGSTE RAT, DEN ICH JE BEKOMMEN HABE, KAM VON MEINER MUTTER.


- GREGORY PORTER -

combo: Wer hat dir Ratschläge gegeben?

Gregory Porter: Ich habe mir von vielen unterschiedlichen Leuten Ratschläge geholt. Einige sind bekannt, andere nicht. Manche Ratschläge waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal Ratschläge. Ich denke immer noch, dass der wichtigste Rat, den ich je bekommen habe, von meiner Mutter kam, als ich noch sehr jung war. Sie sagte: „Singe und verstehe, was du singst. Singe aus deinem Herzen.“ Es reicht nicht, nur mit dem Herzen zu singen und emotional zu sein, sondern du musst verstehen, was du singst. Wenn es aus deinem Mund kommt, glaube es. Wenn du das tust, wirkt das, was du singst, automatisch authentisch. Ich schreibe meinen Namen unter alles, was ich gesagt habe. Dazu stehe ich!

combo: „All Rise“ ist dein sechstes Studioalbum und erscheint im April. Was erwartet uns?

Gregory Porter: Ich präsentiere auf dem neuen Album meine Band zusammen mit einem großartigen Orchester. Nicht bei jedem Song, aber bei vielen. Manchmal ist das Orchester auch ein sanfter Begleiter.

combo: Das London Symphony Orchestra, richtig?

Gregory Porter: Ja, und es ist das erste Mal, dass ich meine Band und ein Orchester auf einer Aufnahme kombiniere. Man hört großartige Arrangements von meinem Produzenten Troy Miller (Anm.: produzierte schon für Laura Mvula, Jamie Cullum, Emeli Sandé). Ganz wesentlich hört man aber meine Handschrift, meinen Stil und für ein Gregory-Porter-Album ist es ein ziemlicher Zufall, dass man den Gospel, Blues, Soul und Jazz hört. Ganz ohne Kalkül. Denn ich habe nicht einmal versucht, zu sagen: „Ok, lass uns zwei Jazz-Nummern, viermal Soul und zweimal R&B auf das Album geben.“ Ohne es auch nur zu versuchen, kam die Musik einfach so heraus. Auf dem Album finden sich Geschichten über meine Familie, es gibt einen Song über Liebesverlust, Optimismus in der Liebe, soziale Lieder und ich stelle fest, dass diese Songs meine Persönlichkeit widerspiegeln. Das ist genau das, was sich auf dieser Platte immer wieder unkalkuliert abspielt. Das sind die Dinge, die ich herausholen und sagen möchte. Unsere erste Veröffentlichung „Revival“ wird manchmal als eher populär beschrieben, aber wenn man darüber nachdenkt und es sich genau anhört, erinnert es im Stil an mein drittes Album „Liquid Spirit“. Ein Song, den man ganz einfach auch an einem Sonntagmorgen um 11:00 Uhr in einer Kirche in Kalifornien, New York oder Atlanta spielen könnte.


MARVIN GAYE KANN EINEN DAZU BRINGEN, DIE POLITIK DES GHETTOS ZU BEGREIFEN.


- GREGORY PORTER -

combo: Du hast einmal gesagt, dass Musik eine Art Medizin ist und der Weg zur Heilung holprig. Wie meinst du das?

Gregory Porter: Ich glaube, es gibt Schriftsteller, die über echte menschliche Lebensumstände nachdenken. Denk zum Beispiel an einen Schriftsteller wie Bob Dylan. Er schreibt Lieder, die sich auf schwarze Frauen mittleren Alters und weiße Burschen im Teenageralter beziehen. Das sind Lieder über menschliche Erfahrungen, nicht nur über ein einzelnes Individuum. Wenn man Songs über das gerechte Leben schreibt, über die menschliche Erfahrung der Höhen und Tiefen des Lebens, dann wird es eine bestimmte Form von Psychologie geben. Es wird einige Ratschläge geben, es wird eine Anleitung zum Leben geben. Unsere Geschichte. Über Geschichte. Ein großartiges Lied kann dir Wahrheiten näherbringen und die Lust in dir wecken, dich tiefer mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Ich denke zum Beispiel an einen Künstler wie Hugh Masekela. Er hat eine Platte namens „Colonial Man“ (1976) herausgebracht. Da möchte man einfach nur ein Geschichtsbuch in die Hand nehmen, um mehr über die Geschichte Südafrikas und Afrikas im Allgemeinen und die des Kolonialismus zu erfahren. Und es gibt auch Lieder und Platten, die einen dazu bringen können, die Liebe in einem tieferen Sinn zu erforschen. Sie können einen sogar an die städtische Umgebung denken lassen. Marvin Gaye kann einen dazu bringen, die Politik des Ghettos zu begreifen. Das ist das Leben, wie man es kennt.

combo: Was ist die tiefere Bedeutung deines Songs „Revival“? Es ist die erste Single und der Vorreiter zum neuen Album. Der Song ist bereits erschienen und klingt sehr vielversprechend.

Gregory Porter: „Revival“ bezeichnet die Überwindung von Selbstzweifeln und Unsicherheit, indem man sich die Aspekte ansieht, die einem Kraft geben, gleich ob es sich um Religion, Familie oder Kultur handelt. Eine Sache, an der man festhält, die einem die Kraft gibt weiterzumachen. Die eine Person, die dir die Stärke gibt und dir erlaubt, zu erkennen, wer du wirklich bist. Es ist eine Aufforderung an den Zuhörer, sich wieder mit diesem Thema zu beschäftigen, zu erkennen, wer man ist, und sich selbst wieder zu erneuern. Ich habe neulich eine große Rede von Martin Luther King gehört und er sagte: „Schreiben Sie Ihre eigene Emanzipation. Hier geht es darum, sich selbst zu erheben.“ Finde einen Weg, um einige Touchdowns zu erzielen. Es ist eine Aufforderung, um sich aus einer schwierigen Situation, in der man sich befinden könnte, zu befreien.

combo: War es für dich schwierig, die Songs für dein neues Album auszuwählen?

Gregory Porter: Das geschah ganz organisch. Es gibt noch andere Lieder, bei denen wir mit der Aufnahme begonnen haben, aber am Ende hatten wir schon 15, 16 Lieder. Also mussten wir aufhören. Das ist meine Vorgehensweise. Es gibt einige Leute, die können immer weitermachen, 60 Lieder aufnehmen und am Ende 15 auswählen. So arbeite ich aber nicht. Ich habe noch viel mehr Lieder zur Auswahl, aber das ist es, was ich in diesem Moment sagen wollte, und ich bin stolz auf die Musik und hoffe, dass die Fans sie mögen werden.

combo: Hast du deine Fans im Sinn, wenn du ein Album machst? Jetzt, wo dein Publikum immer größer wird? Haben sie irgendwelche Erwartungen?

Gregory Porter: Ich denke nicht wirklich über die Erwartungen der Fans nach. Ich habe selbst eine gewisse Erwartungshaltung, um authentisch und einzigartig zu sein. Und ich glaube, dass das auf die richtige Art und Weise geschehen kann. Ich glaube, ich kann neue Fans und die Fans, die ich bereits habe, mit meiner Musik begeistern. Ich muss meine Streifen oder Farben nicht ändern. Ich grabe einfach tiefer, schaue vielleicht weiter und versuche, die Dinge zu finden, die ich fühle. Und dann mache ich eine Platte daraus. Die Genres, die ich gewählt habe, sind der Jazz, der Gospel und der Blues. Die Geschichte dieser Musik ist so umfangreich und lang. Mir werden nie die Themen ausgehen, die ich ansprechen möchte, und ich hoffe, dass die Zuhörer das verstehen.


ICH HABE NAT KING COLE GEHÖRT, ALS ICH EIN KIND WAR. ER WAR EIN MUSIKALISCHES IDOL FÜR MICH.


- GREGORY PORTER -

combo: Nat King Cole ist ein wichtiger Künstler in deinem Leben. Eine Art Vaterfigur in musikalischer Hinsicht. So wichtig, dass du das Album „Nat King Cole & Me“ aufgenommen hast. Was waren die Gründe, aus denen du dich für ihn entschieden hast? Warum Nat?

Gregory Porter: Ich habe Nat King Cole gehört, als ich ein Kind war. Er war für viele Jahre ein musikalisches Idol für mich und ist es immer noch. Und ich denke an seinen musikalischen Einfluss auf die Musik, die ich in der Vergangenheit geschrieben habe, selbst auf die Musik auf dieser Platte. Es war eine Ehre für mich, „Nat King Cole & Me“ zu machen. Ich war auch sehr aufgeregt, weil es darum ging, zu meinem eigenen Schreibprozess zurückzukehren und die Dinge zu sagen, die ich sagen wollte. Die Melodien, die ich singen möchte. Die meisten der Lieder, die ich aufgenommen habe, sind meine eigenen, und das hat mir wirklich Freude gemacht.

combo: Gibt es noch andere Idole oder Künstler, die dich persönlich und deine Musik beeinflusst haben? Gregory Porter: Es gibt Soul-Künstler,

Künstler in den Genres Jazz, R&B, Gospel, Künstler wie Nina Simone - ich beschäftige mich immer wieder mit ihrer Musik. Außerdem Donny Hathaway, Marvin Gaye, Leon Thomas. Vielleicht gibt es in Zukunft einmal eine Platte, die genau jenen Künstlern die Ehre erweist, die Wegweiser ihres Genres sind, denn ihre Botschaft ist so universell, ihre Stimme und ihr Stil einzigartig. Es gibt noch viele andere Künstler, deren Musik mich anspricht und mit denen ich mich beschäftigen möchte.

combo: Warum singst du Jazz und nicht Pop? Ist Pop musikalisch und stimmlich zu einfach für dich?

Gregory Porter: Nein, es gibt absolute Genialität in der Popmusik. Die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit der Zuhörer in den ersten Sekunden eines Liedes zu fesseln und bis zum Ende aufrechtzuerhalten, ist genial. Um etwas Außergewöhnliches zu sagen, ist diese Musikrichtung großartig. Manchmal berücksichtigen Popsänger diese Aspekte nicht einmal, sie bedenken die Zuhörer nicht. Mir gefällt, dass populäre Musik auch soziale Musik ist. Es gibt eine bestimmte Wahrnehmung von allem und ich schaue nicht auf die populäre Musik herab. Das Beste von ihr findet den Weg an den richtigen Platz. Und manchmal findet die beste Popmusik auch Eingang in den Jazz oder den Americano. Ein kultiger Song, den die Menschen auf der ganzen Welt hören wollen. Für mich ist das kein Schimpfwort, und offen gesagt war der Jazz einst die populärste Musik auf dem Planeten, und vielleicht wird er es irgendwann auch wieder sein. Ich betrachte mich selbst als Jazzsänger bei allem, was ich tue, selbst wenn es etwas mit mehr Pop-Einfluss, mehr Funk oder Blues ist. Ganz zu Beginn, wenn ich mich dem Schreiben zuwende und vor dem Mikrofon stehe, fühle ich mich wie ein Jazzsänger.

combo: Woher hast du eigentlich deine Singstimme?

Gregory Porter: Ich kultivierte meine Stimme schon als ich noch klein war beim Singen in der Kirche. Sowohl meine Mutter als auch mein Vater hatten wunderschöne Stimmen. Ich habe meinen Vater selbst nie singen gehört, aber auf seiner Beerdigung hörte ich die Leute sagen, dass er ein großer Sänger war. Ich mag den Gedanken, dass das die eine Sache ist, die ich von ihm bekommen habe. Deshalb habe ich das Lied „Dad Gone Thing“ geschrieben, und ich sage in dem Lied, dass er mir nichts anderes beigebracht hat als zu singen. Das ist eine optimistische Art, die väterliche Abwesenheit zu betrachten, die ich in meinem Leben gespürt habe. Er hat mir etwas gegeben, das jetzt meine Familie versorgt. Ich fühle mich gut dabei.

combo: Du singst nicht nur, du komponierst auch deine eigenen Songs. Wie können wir uns das vorstellen? Was kommt zuerst, Text oder Melodie?

Gregory Porter: Für mich die Idee. Text und Melodie kommen zur gleichen Zeit zustande. Ich weiß nicht, wie. Manchmal gehe ich zu Fuß, fahre mit dem Fahrrad oder mit dem Auto und Text und Melodie kommen einfach so aus mir heraus. Oft genauso, wie sie dann auf der Platte sind. Ich muss sie einfach festhalten, wenn sie kommen, und darf nicht dagegen ankämpfen.

combo: Musst du sie aufschreiben?

Gregory Porter: Ich muss sie aufschreiben oder aufnehmen, manchmal greife ich sogar zum Telefon einer anderen Person und singe hinein.

combo: Wie würdest du deine bisherige musikalische Reise beschreiben?

Gregory Porter: Meine Musik gab es schon, bevor jemand zugehört hat. Bis jetzt war sie magisch. Ich hatte den Erfolg, den ich jetzt habe, nie im Sinn. Ich wusste gar nicht, dass das möglich sein könnte. In der Lage zu sein, diese Art von Erfolgsmomenten zu haben, sei es bei den Grammys, mit Plattenverkäufen oder mit einer Einladung in ein Zimmer mit Quincy Jones oder Stevie Wonder. Es ist für mich eine magische Reise.


ICH HABE DAS GEFÜHL, DASS ICH EINE MISSION HABE.


- GREGORY PORTER -

combo: Was motiviert dich, weiterhin Musik zu machen und neue Platten herauszubringen?

Gregory Porter: Ich möchte nicht zu wichtig klingen, aber ich habe das Gefühl, dass ich eine Mission habe, über Liebe und Leben und vielleicht ein bisschen über Politik nachzudenken. Ich reise so viel um die Welt, wie ich muss. Ich habe das Gefühl, dass die Leute sagen: Mach weiter. Sie scheinen zu spüren, dass ich die Aufgabe habe, zu singen und zu schreiben. Das ist meine Motivation. Sowohl von außen als auch von innen. Die Musik hilft zuerst mir, bevor sie jemand anderem hilft. Die Dinge, über die ich singe, beinhalten eine Botschaft, die ich zuerst bekomme.

combo: Du bist bereits 2015 in Linz aufgetreten und hast zusammen mit George Benson vor diesem beeindruckenden Dom gesungen. Hast du irgendwelche Erinnerungen an diesen Abend?

Gregory Porter: Nun, ich hatte keine Angst. Ich erinnere mich an den Auftritt. George Benson ist ein richtiger Star mit unzähligen Nummer-Eins- Hits auf der ganzen Welt und ein Idol von mir. Ich bereite mich üblicherweise vor einer Show vor, aber ich wollte auch George Bensons Show sehen. Es war schwierig, meine Aufwärmübungen und Vorbereitungen zu machen und zeitgleich auch seine Show sehen und genießen zu können. Dennoch, der ganze Abend war wirklich traumhaft schön für mich und wir haben uns danach gut unterhalten. Es war einfach toll, in seiner Gesellschaft zu sein und mit ihm auf der Bühne zu stehen.

combo: Hast du noch andere Idole, mit denen du in naher Zukunft die Bühne teilen möchtest?

Gregory Porter: Ich halte einfach meinen Geist wach und meine Arme, Augen und Ohren offen. Solche Dinge kommen oft von selbst zu mir. Stevie Wonder stand auf meiner Liste, und ehe ich mich versah, stand ich mit ihm auf der Bühne. Das Gleiche passierte mit Herbie Hancock. Vielleicht sollte ich das den Meistern, die ich noch immer um mich habe, mitteilen. Ich bin offen für jeden der großen Künstler.

combo: Welche Songs wirst du in Linz spielen? Wird es eine Mischung oder wirst du deinen Schwerpunkt auf das neue Album legen?

Gregory Porter: Es wird eine Mischung sein. Wir werden uns natürlich stark auf das neue Material konzentrieren, aber die Leute wollen auch einige meiner älteren Songs hören, also wird es mit Sicherheit eine Mischung. Ich freue mich schon sehr darauf, wieder in Linz aufzutreten.

GREGORY PORTER

Das neue Album „All Rise“ erscheint am 17. April 2020

Für diese Einspielung vereinte Gregory Porter die Talente seiner langjährigen, treuen Bandkollegen mit einer handverlesenen Bläsersektion, einem zehnköpfigen Chor und den Streichern des London Symphony Orchestra. Ein brillanter Mix aus Jazz, Soul, Blues und Gospel.

KONZERTTIPP

Gregory Porter & Band Klassik am Dom am Domplatz Linz Tickets unter www.klassikamdom.at