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INTERVIEW: „Das Leben versteht man erst im Rückblick“


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 47/2018 vom 16.11.2018

Exklusiv:Jan Josef Liefers über seinen neuen Kinofilm „So viel Zeit“, den Tod seines Vaters, den Sinn des Lebens und die Macht der Musik


Artikelbild für den Artikel "INTERVIEW: „Das Leben versteht man erst im Rückblick“" aus der Ausgabe 47/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 47/2018

TAUSENDSASSA Liefers ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Musiker


Rock ’n’ Roll – und der Tod: Das sind die wichtigsten Themen in Jan Josef Liefers’ aktuellem Kinofilm „So viel Zeit“, der am 22. November startet. Die Geschichte: Im Leben des Musikers Rainer (Jan Josef Liefers) geht alles schief. Seine Frau hat einen anderen, sein Sohn findet ihn öde, und als wäre das nicht genug, eröffnet ihm seine Ärztin auch noch, dass er bald an einem Hirntumor sterben wird. ...

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Rock ’n’ Roll – und der Tod: Das sind die wichtigsten Themen in Jan Josef Liefers’ aktuellem Kinofilm „So viel Zeit“, der am 22. November startet. Die Geschichte: Im Leben des Musikers Rainer (Jan Josef Liefers) geht alles schief. Seine Frau hat einen anderen, sein Sohn findet ihn öde, und als wäre das nicht genug, eröffnet ihm seine Ärztin auch noch, dass er bald an einem Hirntumor sterben wird. Doch statt aufzugeben, beschließt Rainer, seine frühere Band Bochums Steine um die zerstrittenen Kollegen Bulle (Armin Rohde), Konni (Matthias Bundschuh), Thomas (Richy Müller) und Ole (Jürgen Vogel) noch einmal auf der Bühne zu vereinen. Im Gespräch mit HÖRZU verrät Jan Josef Liefers, welche Botschaft er mit diesem Film vermitteln möchte.
HÖRZU: Todkrank, ein mieser Vater, egoistisch – aber musikalisch. Ist das eine korrekte Beschreibung Ihrer neuen Rolle in der Tragikomödie „So viel Zeit“, Herr Liefers?
JANJOSEF LIEFERS: Ja. Rainer ist ein talentierter Musiker, aber als Mensch eher unbegabt. Deshalb ist ein schlechtes Gewissen Teil seiner Persönlichkeit geworden. Außerdem ist diese Figur in einem abrupt beendeten Traum vor vielen Jahren hängen geblieben. Denn Rainer hat es weder geschafft, seinen schlimmsten Fehler in etwas Gutes umzumünzen, noch, ihn zu verarbeiten.
Ist „So viel Zeit“ pure Unterhaltung, oder gibt Ihr Film auch Denkanstöße?
Für mich dreht sich der Film um drei Dinge: erstens um die Kraft der Musik, zweitens um die Kraft der Freundschaft und drittens um die Frage, wie man seine Lebenszeit sinnvoll nutzt. Im Alter von 16 ist das nicht so bedeutsam, aber wenn man 50 ist und dem Ende näher als dem Anfang, fragt man sich, wie man seine beschränkte Zeit wirklich sinnvoll einsetzen kann.
Was heißt das konkret?
Dass wir Menschen zwar ständig vorwärts leben, aber unser Leben erst im Rückblick verstehen – und es dann oftmals zu spät ist, um noch etwas zu korrigieren. Rainer versucht auf seine Art, mit der ihm verbleibenden Zeit alte Fehler auszubügeln. Insofern ist unser Film viel mehr als bloß Zeitvertreib. Denn es geht auch um Liebe und um die Erkenntnis, dass sie ebenfalls endlich ist. Die Kernfrage lautet: Was würdest du anders machen, wenn dir das Ende deines Lebens angesagt wird?
Haben Sie sich schon mal mit dieser Frage auseinandergesetzt?
Ja, als mein eigener Vater an Krebs erkrankte und später daran starb.

SEINE BAND IM FILM Rainer (Liefers, 2. v. l.) will die alten Kumpel von Bochums Steine mobilisieren


WETTLAUF GEGEN DIE ZEIT Der todkranke Rainer will einen schlimmen Fehler ausbügeln


Zwischen Diagnose und Tod hatte er noch drei Jahre – aber diese Zeit hat er nicht genutzt, um die ganze Klaviatur der heutzutage angebotenen Therapien durchzugehen, sondern sich für Lebensqualität statt für mehr Lebenszeit entschieden. Während der ihm bleibenden Spanne hat er manches besser gemacht als früher. Er wollte seine Enkel erleben, etwas mit ihnen unternehmen. Das fand ich bemerkenswert, und es deckt sich mit meinem Empfinden: Wir merken meist erst, was wichtig und bedeutsam ist, wenn es schon zu spät ist.
Wie hat diese Erfahrung Ihres Vaters Ihr eigenes Leben verändert?
Es hat uns einander viel näher gebracht. Während mein Vater auf das Lebensende zusteuerte, haben wir ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Heute fehlt er mir manchmal sehr, und mir ist schmerzhaft bewusst geworden, dass ich nun der einzige lebende Mann in unserer Familie bin. Aber mir war schon vor dem Tod meines Vaters eines klar: Wenn man im Alter gute Erinnerungen haben will, muss man jetzt dafür sorgen. Und obwohl man unmöglich alles richtig machen kann, auch Leute enttäuschen muss und den höchsten Ansprüchen nicht gerecht werden kann, lohnt es sich trotzdem, es zu versuchen.
Was haben Rock und Tod gemeinsam?
In der Musik liegt viel mehr, als wir mit Worten ausdrücken können, denn sie ist die Sprache der Seele. Oft entsteht sie aus Schmerz, aber manchmal auch aus über-schwänglicher Freude. Mit Musik können wir uns ausdrücken, wenn Worte nicht reichen. Und natürlich hat jeder große Komponist versucht, ein Requiem zu schreiben – und das Wissen um den Tod, aber auch die Angst davor, in Musik zu übertragen. Dasselbe gilt auch für die Freude. Und besonders für die Liebe, denn Musik schenkt uns Liebe.
Wie definieren Sie Rock? Als „pures Leben“?
Na ja, wenn man hört, dass Mick Jagger nur noch frisch gepressten Ingwersaft mit Karotten trinkt, ist das auch eine Form von Leben. In der Regel steht Rock für ein Leben auf der Überholspur: schneller, höher, weiter, Gas geben, saufen, Drogen und Sex. Aber all das ist ungeeignet für ein langes Leben. Wer auf ein Rockkonzert geht, kann mal die Sau rauslassen – und muss am nächsten Morgen trotzdem seine Kids zur Schule bringen. Als Konzertbesucher holt man sich einen Teelöffel von dem ab, worin Klischee-Rockmusiker täglich untergehen. Viele sind daher jung gestorben.
Was ist Ihre Religion? Die Musik?
Religion ist ein System, das wir uns geschaffen haben, um uns in einen höheren Zusammenhang zu stellen und gleichzeitig Regeln zu geben. Denn es ist schwer zu ertragen, dass wir nur zufällig existieren und dass sich die Evolution einen Scheiß dafür interessiert, ob wir glücklich werden. Meiner Meinung nach sehnen sich die Menschen nach einem System, bei dem jemand die Fäden in der Hand hat – jemand, der alles geschaffen hat, und unseren Weg vorzeichnet. Ich bin kein religiöser Mensch, und ich glaube in diesem Sinne nicht an einen Masterplan.
Träumt ein Künstler davon, auf der Bühne zu sterben?
Auf der Bühne muss es nicht sein, aber ohne Ankündigung mitten aus dem bunten Leben gerissen zu werden fände ich gut. Auch wenn es nicht leicht für die anderen ist. Peng – und aus!
Schlussfrage: Welcher Songtitel beschreibt Ihr Leben am besten?
„Shine On You Crazy Diamond“! Diesen Titel könnte ich mir auf meiner Beerdigung vorstellen.

Der Star hat auch eine eigene Band

Schon als Junge wollteJan Josef Liefers sein wie Jimi Hendrix, sang und spielte Gitarre. Seit 2006 tritt er mit der Band Radio Doria auf, die bereits mehrere CDs veröffentlicht hat. Mit der neuesten, „2 Seiten“, geht die Band 2019 auf Tour (r.). Alle Termine unterradio-doria.de

SEINE ECHTE BAND
Seit 2006 ist Jan Josef Liefers (M.) mit der Gruppe Radio Doria erfolgreich



FOTOS: S. 18: KOCH/PICTURE PRESS; S. 19: UNIVERSUM (2), UNIVERSAL MUSIC