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INTERVIEW: Einfaches Spiel für Investoren


manager magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2018 vom 26.10.2018

INTERVIEW Headhunter Christoph Zeiss über Fehler im Umgang mit aktivistischen Fonds à la Elliott.


Artikelbild für den Artikel "INTERVIEW: Einfaches Spiel für Investoren" aus der Ausgabe 11/2018 von manager magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: manager magazin, Ausgabe 11/2018

KOPFSACHE
Christoph Zeiss (44) ist Managing Partner der Personalberatung Heads. Das Unternehmen gehört zu den führenden deutschen Headhuntern bei der Suche nach Vorständen und Aufsichtsräten.

Herr Zeiss, lassen Sie sich als Personalberater von aktivistischen Investoren engagieren?
CHRISTOPH ZEISS Selbstverständlich, aber wir schauen uns schon an, ob es sich um langfristig engagierte Ak tivisten handelt, die viel Gutes tun können, oder um frag würdige Geschäftsmodelle, ...

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Herr Zeiss, lassen Sie sich als Personalberater von aktivistischen Investoren engagieren?
CHRISTOPH ZEISS Selbstverständlich, aber wir schauen uns schon an, ob es sich um langfristig engagierte Ak tivisten handelt, die viel Gutes tun können, oder um frag würdige Geschäftsmodelle, die nur auf schnellen Gewinn aus sind.
Also Elliott, die bei Thyssen-Krupp auffällig geworden sind, eher nein? Unternehmen wie die Groupe Bruxelles Lambert, die vor einiger Zeit bei Adidas oder Gea eingestiegen ist, eher ja?
So sehen wir es. Die GBL, lange geführt von Albert Frère, ist ein seriöser aktiver Investor. Die Belgier und andere aus der Branche agieren professionell als Auftraggeber und suchen Spitzenkräfte aus ganz Europa oder sogar weltweit für Spitzenjobs.
Aktivisten wie Elliott kommen aktuell nach Deutschland wie Bären zum Honig. Woran liegt’s?
Ich glaube, viele sehr aggressive Aktivisten merken, dass ihre Geschäftsmodelle in den USA schwieriger werden, weil man sie dort wirkungsvoller abwehrt. Hierzulande herrscht in den Aufsichtsräten oft zu großes Harmoniestreben, da haben sie mit den gleichen Methoden noch ein einfacheres Spiel.
Was machen die Amerikaner besser im Kampf gegen Aktivisten?
Board Member in den USA scheuen sich heute nicht mehr vor Konflikten, zeigen oft mehr Stehvermögen und Geschlossenheit. Sie haben gelernt. Wenn Angreifer Dissonanzen erkennen – etwa zwischen Vorstand und Aufsichtsrat –, machen sie sich die zunutze. Man braucht im Aufsichtsrat geradlinige Persönlichkeiten, das sollte man bei der Auswahl berücksichtigen.
Gibt es überhaupt genug Aufsichtsräte auf dem Markt, die Statur haben und wissen, wie man mit Aktivisten umgeht?
In Deutschland gibt es sicher zu wenige. Wer kompetente Räte haben will, die auch mit aktiven Investoren umgehen können, muss oft auf die USA ausweichen und in Kauf nehmen, dass sie nur Englisch sprechen. Ich glaube, dazu gibt es heute kaum eine Alternative, denn die Angriffe der aggressiven Finanzaktivisten werden eher zunehmen.
Sind es nicht auch jahrelang schlecht geführte Unternehmen wie ThyssenKrupp oder Gea, die Angreifer anlocken?
Sicher. Gute Unternehmensführer müssen Aktivisten voraus sein, wie es Joe Kaeser bei Siemens versucht, indem er auf Anforderungen des Kapitalmarkts frühzeitig reagiert. Und natürlich kann man von langfristig orientierten aktiven Investoren auch lernen. In solchen Fällen sollte es keine Berührungsängste geben.
Viele Finanzinvestoren wie Blackrock sind derzeit noch stumme Anteilseigner. Erwarten Sie hier mehr Engagement?
Blackrock oder andere Großinvestoren werden jeden Tag noch professioneller und nehmen damit natürlich auch mehr Einfluss. Das wird Auswirkungen auch auf die Aufsichtsräte haben – was nicht schlecht sein muss. Denn was ist ein aktiver Investor anderes als ein Eigentümer, der nicht Teil der schweigenden Mehrheit sein will?
Nicht selten ist ein Aktivist auch jemand, der nur schnell Geld für sich herausschlagen will. So hat sich Elliott beim Arzneihersteller Stada teuer heraus kaufen lassen. Bei Uniper drohen die Amerikaner dem Vorstand mit Sonderprüfungen und ver suchen, ihre monetären Inte ressen durchzusetzen. Wo ist da der Mehrwert für das Unter nehmen?
Für uns ist es in solchen Fällen ganz einfach. Wenn kein Beitrag zum Unternehmenswert möglich oder erkennbar ist, werden wir nicht tätig. Da muss man schlicht konsequent sein.

Das Interview führte mm-Redakteur Martin Noé.


FOto: Wolf Heider-Sawall / Wirtschaftswoche