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Interview: FacetoFace Ramona Petzelberger


FFussball Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 09.07.2020

„Diese Erfahrungen haben mich unfassbar reifen lassen.“


Ihre Krankengeschichte ist lang, ihr Durchhaltewillen umso größer.
Ramona Petzelberger ist eben ein echtes Ruhrpott-Original.

Artikelbild für den Artikel "Interview: FacetoFace Ramona Petzelberger" aus der Ausgabe 4/2020 von FFussball Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FFussball Magazin, Ausgabe 4/2020

Ramona, Du gehörst zu den Aushängeschildern des Frauenfußballs im Ruhrgebiet. Wie hast Du mit dem Fußball angefangen?
Ramona Petzelberger: Meine gesamte Familie war und ist sehr sportlich und sportbegeistert, da spielte der Ball früher schon immer eine wichtige Rolle. Anfangs habe ich häufig mit meinem Cousin gespielt, auch in der Halle, in der meine Oma und Mutter damals Sportstunden gegeben haben. Zudem gab es direkt einen ...

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... Bolzplatz bei meinen Großeltern vor der Tür, auf dem ich dann mehr oder weniger groß geworden bin.

Immer am Ball und nicht aufzuhalten: „Ich habe viel über mich und meinen Körper gelernt. Die vielen Verletzungen machten mich stets stärker.“


Erinnerst Du Dich noch an Dein erstes Spiel im Verein?
Ja, mein erstes Spiel war für die Bambini des PSV Essen. Ich hatte vorher noch nie mittrainiert, also kannte ich meine Mannschaft auch nicht. Da ich das einzige Mädchen war, haben mich alle Jungs andauernd angeguckt und nicht mit mir gesprochen. Als sie dann gemerkt haben, dass ich doch nicht so schlecht war wie sie dachten, haben sie mir auch mal den Ball gegeben und mich mitspielen lassen. Von da an durfte ich direkt in der ersten Elf mitspielen.

Wie reagierten Deine Eltern auf Deinen Wunsch, Fußball spielen zu wollen?
Mein Papa war anfangs dagegen und hat mich mehrfach gefragt, ob ich das wirklich wolle. Er hatte das stereotypische Bild vom Frauenfußball im Kopf. Meine Mutter hat ihn dann mehr oder weniger dazu überredet, mich zum Training gehen zu lassen. Sein Bild hat sich dann aber schnell gewandelt, als er die Entwicklung mitangesehen hat. Heute ist er mein größter Befürworter und Unterstützer.


„Der Wechsel nach Essen war dann für mich ein neues Kapitel, in dem ich sehr viel lernen und mich entwickeln sollte.“


Wie ging es dann mit Deiner Karriere weiter?
Ich musste bisher schon einige Umwege und Abzweigungen nehmen. Anfangs ging es sehr schnell: Ich machte mit 16 Jahren mein Debüt in der Bundesliga für Bad Neuenahr, spielte gleichzeitig in der Jugendnationalmannschaft und war schnell Stammspielerin im Verein. Es lief sehr gut. Auch die ersten Jahre in Leverkusen waren super. Dann hatte ich immer wieder mit Verletzungen verschiedenster Art zu kämpfen. Der Wechsel nach Essen war dann für mich ein neues Kapitel, in dem ich sehr viel lernen und mich entwickeln sollte. Es gab auch hier immer wieder Rückschläge, die teilweise auch einfach unglücklich waren, aber ich muss sagen, ich nehme sehr viel aus dieser Zeit mit und habe auch einfach das Gefühl, dass es mich sehr weit vorangebracht hat. Ich bin immer noch heiß und brenne, vielleicht sogar mehr denn je! Deswegen bin ich gespannt auf das, was noch kommt.

Fit halten in Coronazeiten: „Ich habe das Glück, dass ich zu Hause sehr gut ausgestattet bin, was Fitnessgeräte und Gewichte angeht.“


Es ging ja dann auch in der Nationalmannschaft schnell aufwärts…
Das stimmt. Ich wurde damals beim Länderpokal für einen Kaderlehrgang der U15/U16 Nationalmannschaft gesichtet. Daraufhin blieb ich dabei und durchlief alle Jugendteams von der U16 bis zur U20 Nationalmannschaft. Wir gewannen die U17- und U19-Europameisterschaft und wurden Vize-Weltmeisterinnen bei der U20- WM. Es waren wirklich wunderbare Erlebnisse und Erfahrungen!

Wie war es, im eigenen Land eine Weltmeisterschaft bestreiten zu können?
Es war ein absoluter Traum. Da ich mich im Sportunterricht ein paar Tage vor dem letzten WM-Vorbereitungslehrgang dann aber verletzte, konnte ich leider nicht daran teilnehmen. Es tat unfassbar weh, insbesondere weil meine Mitspielerinnen in der Heimat vor den Augen von Familien und Freunden quasi um die Ecke spielten und am Ende sogar Weltmeister wurden.

Das Thema Verletzungen spielt seither leider eine sehr große Rolle in Deiner Karriere…
Leider ja. In der Zeit in Leverkusen begann alles mit einer bakteriellen Infektion, die meinen Körper lahmlegte. Niemand wusste so wirklich, was mir damals fehlte, sodass es sich schon über Monate zog, um überhaupt herauszufinden, was das Problem war. Als ich dann über mehrere Wochen ein Antibiotikum gegen die Infektion nehmen musste, war mein Körper erst einmal komplett labil und musste aufgebaut werden. Daraus folgten immer wieder Probleme und Verletzungen verschiedenster Art, weil mein Körper noch nicht das leisten konnte, was eigentlich von ihm verlangt wurde. Nachdem das überwunden und ich wiederhergestellt war, gab es dann Verletzungen, die einfach zum Sport dazugehören und teilweise auch gar nicht zu verhindern sind. Irgendwo gehören solche Rückschläge ebenso wie Niederlagen ja zum Sport dazu. Wichtig ist eben immer nur, was es mit dir macht und wie du darauf reagierst.


„Ich weiß, was es heißt, für etwas wirklich zu brennen, zu glauben und sich nicht aufzugeben.“


Wie bist Du mit diesen zahlreichen Rückschlägen umgegangen?
Ich hätte gerne viel mehr Spiele absolviert, häufiger mit meiner Mannschaft auf dem Platz gestanden und mich eingebracht. Dem trauere ich allerdings jetzt nicht nach, weil ich weiß, dass es nichts bringt und ich vom Grundsatz her positiv eingestellt bin. Des Weiteren aber auch, weil diese Erfahrungen mich anderweitig unfassbar haben reifen lassen. Ich weiß, was es heißt, für etwas wirklich zu brennen, zu glauben und sich nicht aufzugeben, was Leidensfähigkeit und Geduld bedeutet. Ich habe viel über mich und meinen Körper gelernt, meine Lebensführung und viele mentale Aspekte. Ich bin jedes Mal stärker aus der Reha gekommen als ich es zuvor war. Deswegen war es sicherlich einerseits eine Behinderung meiner Karriere, andererseits aber auch immer wieder ein Antrieb - sogar für mein gesamtes Leben.

Trotzdem konntest Du mit Deinem Wechsel nach Essen einen weiteren großen Schritt tun.
Ja, definitiv. Ich hatte eine gute Zeit in Leverkusen, brauchte aber auch nach fünf Jahren etwas Neues. Essen stand für Entwicklung, das wollte ich auch. Von daher war der Schritt dahin die perfekte Lösung für mich. Es ist meine Heimatstadt und ich kam auch gleichzeitig wieder „nach Hause“. Das war allerdings nicht ausschlaggebend. Die ambitionierte und hungrige Mannschaft, die ich zum großen Teil schon kannte, das ganze athletische Konzept dahinter und auch das Wissen, dass alles für die bestmögliche Entwicklung getan wird, hat mich beeindruckt.

Saisonauftakt 2019/20: Ramona Petzelberger gewinnt im Bundesligaspiel mit der SGS Essen gegen Bayer Leverkusen mit 3:1. Sie selbst steuerte den Treffer zum 3:0 bei.


Was machst Du, wenn Du nicht mit dem Fußball beschäftigst?
Ich studiere Psychologie und bin dann eine vielbeschäftigte Studentin (lacht). Außerdem arbeite ich als Teilzeitkraft am Jugendzentrum bei Bayer Leverkusen in der Sportpsychologie. Da fallen auch einige Sachen an, die unter der Woche bearbeitet werden müssen.

Zuletzt wurde sehr viel über „Equal Pay“ geredet. Wie denkst Du darüber?
Es ist ja ein grundsätzliches Thema im Sport, dass viele Sportarten nur als Teil der Männerwelt angesehen werden und die männlichen Teams den „Standard“ setzen. Diese geschlechtsspezifischen Stereotype, die dahinterstecken, haben sich im Laufe der Zeit zum Glück ja schon verändert. Das sollte auch weiterhin ein Ziel unserer Gesellschaft sein. Denn am Ende kommt es darauf an, worin meine Leidenschaft liegt und ich mein Herz stecke und nicht, dass ich mich den gesellschaftlichen Standards beugen muss. Es hindert vielleicht auch häufig junge talentierte Mädchen daran, sich in einer Sportart zu verwirklichen und zu partizipieren.


„Da ich sehr gern abwechslungsreich frühstücke, nutze ich die Zeit, um einiges auszuprobieren.“


Hast Du sportliche Vorbilder?
Ja, Andres Iniesta. Ich bewundere seine Art Fußball zu spielen. Er hat eine Leichtigkeit und Eleganz, die die wenigsten haben. Er ist unglaublich spielintelligent, weiß jederzeit, was um ihn herum passiert und zaubert geniale Bälle aus dem Fuß. Ich liebe es, ihm beim Spielen zuzuschauen.

In Zeiten von Corona stand die Sportwelt still. Wie hast Du diese Wochen gemeistert?
Eigentlich waren meine Tage sehr abwechslungsreich. Die morgendliche Routine ist zwar immer gleich: Nach dem Aufstehen fahre ich meistens erst einmal eine Runde Fahrrad oder gehe Spazieren, bevor ich dann frühstücke. Da ich sehr gerne Frühstück zubereite und sehr abwechslungsreich esse, nutze ich die Zeit, um einiges auszuprobieren. Danach hatte ich viel Zeit, um für die Uni und den Job Dinge zu lernen oder zu erarbeiten und konnte viel lesen und weitere Themen vertiefen. Außerdem trainiere ich viel, gehe Laufen, fahre Fahrrad und mache am Nachmittag meist Krafteinheiten. Mir wurde also nie langweilig.


Fotos: SGS Essen, privat

Fotos: privat

Foto: foto2press / Mirko Kappes