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INTERVIEW: „Kinder, reißt euch zusammen!“


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 52/2018 vom 21.12.2018

Sein Bestseller „Der Junge muss an die frische Luft“ kommt ins Kino:Hape Kerkeling im Exklusiv-Interview


Artikelbild für den Artikel "INTERVIEW: „Kinder, reißt euch zusammen!“" aus der Ausgabe 52/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 52/2018

IM UNRUHESTAND Hape Kerkeling (54) hat sich zurückgezogen. HÖRZU gab er eines seiner seltenen Interviews


„Meine Omas sagten immer: Bleib auf dem Teppich! Mach dein Ding!“


Endlich, da ist er wieder! Hape Kerkeling verabschiedete sich vor vier Jahren zu seinem 50. Geburtstag von der großen Showbühne. Für HÖRZU macht der Autor und Comedian ausnahmsweise einen großen Schritt zurück ins Rampenlicht und gibt ein Exklusiv-Interview. Anlass ist seine Autobiografie „Der Junge muss an die frische Luft“, die ...

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Endlich, da ist er wieder! Hape Kerkeling verabschiedete sich vor vier Jahren zu seinem 50. Geburtstag von der großen Showbühne. Für HÖRZU macht der Autor und Comedian ausnahmsweise einen großen Schritt zurück ins Rampenlicht und gibt ein Exklusiv-Interview. Anlass ist seine Autobiografie „Der Junge muss an die frische Luft“, die von Oscar Preisträgerin Caroline Link verfilmt wurde und an Weihnachten in die Kinos kommt (siehe Kinotipp S. 18 und Filmkritik S. 124). Das Werk über seine nicht wirklich unbeschwerte Kindheit ist wie ein Appell an alle Familien: Haltet zusammen! In HÖRZU spricht Kerkeling über die schwersten Stunden seiner frühen Jahre und verrät, wie sein Leben heute aussieht. Und dass er kürzlich ernsthaft über ein TV-Angebot nachgedacht hat. Gibt es doch noch ein Comeback? Wir sind gespannt.
HÖRZU: Herr Kerkeling, wie schön, Sie wiederzusehen! Wie geht es Ihnen? HAPE KERKELING: Danke, prächtig! Besser denn je.
Vermissen Sie die Bühne?
Nein. Sobald ich allerdings auf der Bühne stehe und beispielsweise wieder lese, denke ich: „Geil! Wieso mache ich das eigentlich nicht hauptberuflich?“

Die Chance haben Sie! Aber nun reden wir erst einmal über den neuen Film. Wenn Sie an einen Ort Ihrer Kindheit zurückkehren könnten, genauso wie er im Jahr 1972 war, welcher wäre das?
Der Laden meiner Großmutter Änne. Die alte Kasse möchte ich noch mal klingeln hören. Das Türglöckchen bimmeln. Die drolligen Geschichten der Kunden möchte ich noch mal erzählt bekommen. Den frisch gemahlenen Kaffee riechen. Und in die Gläser voller Süßigkeiten greifen. Ach, das wäre schön!
Bekamen Sie von Großmutter Änne Ratschläge, die Sie bis heute prägen?
Kümmere dich nicht um das, was die Leute sagen. Mach dein Ding! Und der Ratschlag meiner Oma Bertha: Bleib auf dem Teppich. Dann kann dir so schnell nichts den Boden unter den Füßen wegziehen.
Und was würden Sie mit Ihrer großen Lebenserfahrung von heute dem kleinen Hans-Peter von damals mit auf den Weg geben?
Ruhig Blut, Dicker! Wird schon.
Regisseurin Caroline Link hat den Freitod Ihrer Mutter im Film nicht ausgespart. Ihre Mutter nahm Tabletten und legte sich – ohne Sie noch einmal in den Arm zu nehmen – nebenan ins Bett, während Sie noch Fernsehen gucken durften. Haben Sie darüber vorher ausführlich mit der Regisseurin Caroline Link gesprochen?
Ja, Caroline ist sehr feinfühlig, hellhörig und eine sehr gute Filmhandwerkerin. Der Film verliert deshalb auch nicht in seinen schwierigsten Momenten diese geheimnisvolle Leichtigkeit. Er atmet irgendwie. Ich bin noch nicht dahintergekommen, wie sie es macht.
Sind Sie heute versöhnt mit diesem Moment Ihres Lebens? Auch versöhnt mit Ihrer Mutter?

HAPE ALS KIND

Exklusiver Blick ins Familienalbum
Geborgen im Ruhrpott:Hape Kerkeling wird 1964 in Recklinghausen als zweiter Sohn eines Tischlers und einer Floristin geboren. Schon als kleiner Junge beginnt er, Figuren zu entwickeln, und liebt Karneval (Mitte). Damals ahnt noch keiner, dass aus ihm einer der größten deutschen Entertainer werden wird.

Da ich grundsätzlich zur Versöhnung neige, lautet die Antwort Ja.
Mit welchen Gefühlen haben Sie den Film gesehen?
Vor der ersten Vorführung – übrigens in einem schönen Kino in Köln gemeinsam mit meiner Familie – war ich sehr angespannt. Eine komische Form von Lampenfieber hat mich da gepackt. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt. Und danach war ich begeistert. Insgesamt ist mir der Film eine Art Trost. Er wirkt wie von Licht durchflutet, ohne dabei im Geringsten kitschig zu sein.
Mussten Sie während des Films auch einmal weinen?
Emotional besonders mitgenommen hat mich die Geschichte meiner Oma Bertha. Wie sie als 72-Jährige nach dem Tod meiner Mutter einfach ihr Bündel schnürt, um völlig selbstverständlich, ohne zu klagen, meine Erziehung zu übernehmen – das hat mich umgehauen. Vielleicht ist das auch die Botschaft des Films: Kinder, reißt euch zusammen und haltet zusammen!
Wie bedeutend ist die Kindheit für das Leben eines Menschen?
Soweit ich weiß, sind die ersten 36 Monate die wesentlichen und wichtigsten. Unsere tiefsten Überzeugungen zum Leben entstehen in der Zeit. Ich habe genau daran eigentlich nur schöne Erinnerungen.
Und welche Rolle spielt Ihre Kindheit heute für Sie?

Da ich eher im Hier und Jetzt lebe und nach vorn schaue, ist das, was hinter mir liegt, zwar wichtig, aber eben auch abgeschlossen. Vielleicht wird es im Alter noch mal bedeutsam. Wer weiß?
Kam Ihnen schon während Sie das Buch schrieben die Idee, dass aus dem Stoff mal ein Film werden könnte?
Nein! Als Fernsehkind der 1970er-Jahre denke ich aber natürlich in bunten Bildern, und in meinem Berufsleben habe ich vor allem als Drehbuchautor gearbeitet, sei es für „Kein Pardon“, „Isch kandidiere!“ oder „Club Las Piranjas“. Also schreibe ich Bücher natürlich auch im Stil eines Skripts. Eher bildhaft. Ursprünglich wollte ich auch gar kein Buch über meine Kindheit schreiben, sondern über meine Berufsjahre. Als ich dann auf Seite 300 angelangt war, war ich gerade mal acht Jahre alt. An der Stelle habe ich es dann auch gut sein lassen. Es sollte ja kein Tolstoi werden.
Wie sehr haben Sie sich in die Filmproduktion eingemischt?
Hier und da habe ich zum Drehbuch meinen Senf dazugegeben. Eine spannende Entwicklung war das. Caroline Link hat in Berlin bei Kaffee und Kuchen mein gesamtes Familienfotoalbum auseinandergefleddert und abfotografiert. Wie sie halt so ist. Am allerersten Drehtag war ich in der Filmwohnung der Kino-Kerkelings. Das war ein bisschen spooky! Die sah geradezu erschreckend echt aus. Es war wie eine Zeitreise. Der Boiler über der Spüle. Der Kühlschrank. Selbst die Tischdecke.
Und wie gefällt Ihnen Ihr junges Ich, Julius Weckauf?
Der Julius! Er ist ein kleines Wunder. Wie er das Heitere und das Drama einfach so wegspielt. Bewundernswert.
Haben Sie ihm geholfen, sich auf die Rolle vorzubereiten?
Vor dem Dreh haben wir einige Zeit zusammen verbracht. Ich habe ihm etwas erzählt und vorgespielt.
Wie sieht Ihr Tag heute aus, wenn nicht gerade ein Film über Ihr Leben gedreht wird? An welchem Ort sind Sie dann am liebsten?
Wo mein Mann zu Hause ist, bin ich zu Hause. Und umgekehrt. Das kann Recklinghausen, Chicago oder auch gern mal Wien sein. Vor allem schreibe ich viel. Ansonsten halte ich es mit Evje van Dampen.
Einer Paraderolle von Ihnen, der bekannten Paartherapeutin. Was rät sie?
Arbeit, Arbeit, Arbeit!
Gibt es ein spruchreifes Projekt?
Derzeit arbeite ich an einem sehr persönlichen Stoff und an einer netten kleinen Filmidee. Ich lasse mich selbst überraschen, was dabei herauskommen wird. So bin ich halt.
Und gibt es etwas, wofür Sie noch mal vor die Kamera zurückkehren würden?
Sag niemals nie. Man hat ja bekanntlich schon Nilpferde kotzen sehen. You never know. Hach, aber einen Film würde ich schon gern wieder machen.
Kommen noch Anfragen für TV-Shows?
Letztens kam etwas von RTL, da wäre ich beinahe eingeknickt. Himmel, das war richtig gut geschrieben! Aber ich habe es nicht gemacht. Und das ist auch gut so.
Zu guter Letzt: Weihnachten steht vor der Tür. Wie werden Sie feiern?
Mit der Familie schön in Ruhe. Ein Baum mit Lametta, ein bisschen Gans mit Rotkohl. Mehr brauchen wir nicht. Ruhe! Frieden! Das ist Weihnachten für mich. Und ich möchte bitte nicht vollgelabert werden.


„Ob ich mal wieder vor der Kamera arbeite? Sag niemals nie!“


Filmszene: Der kleine Hape (Julius Weckauf) will seine depressive Mutter aufheitern