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INTERVIEW: „SATIRE zielt nach oben, nie nach unten“


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 22/2019 vom 24.05.2019

Exklusiv:OLIVER WELKE über die „heute-show“, seinen Lieblingsgast und wo seine Schmerzgrenze liegt


Artikelbild für den Artikel "INTERVIEW: „SATIRE zielt nach oben, nie nach unten“" aus der Ausgabe 22/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 22/2019

SCHARFZÜNGIG
Seit 2009 hat Oliver Welke 307 „heute-shows“ und zwölf Specials moderiert



»Ich sag in der Show nichts, was ich nicht auch privat denke.«
OLIVER WELKE, MODERATOR


Seit zehn Jahren bringt sie ihre Fans zum Schmunzeln – und Politiker zum Schwitzen: Die „heute-show“ mit Oliver Welke (53) hat allen Grund zu feiern! Anlässlich des Jubiläums traf HÖRZU den Moderator zum Exklusiv-Interview.
HÖRZU: Herr Welke, was passiert am 7. Juni in der Jubiläumsshow, und welcher Politiker ist Ihr Gast?

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... Wir haben Markus Söder eingeladen. Das ist ein toller Gast, weil er zu den Politikern zählt, die uns die meiste Sendezeit geschenkt haben. Er ist einer der Top 10. Außerdem bekommen wir in der Show endlich mal 45 Minuten Sendezeit. Die kommen immer zusammen. Es gibt sicher unterschiedliche Humorfarben in der Show, aber selbst der albernste Gag wird immer noch eingebunden in eine Themenstrecke, die eine klare Haltung hat. Meine Haltung ist die, dass ich als Moderator nichts sage, was ich nicht auch privat über bestimmte Themen denke. Deswegen kann sie nicht von mal zu mal wechseln. Es gibt kein „Goldenes Buch der Satiretabus“. Was man darf und was nicht, muss man sich als Redaktion jede Woche neu erarbeiten. Die wichtigste Regel ist: „Satire zielt nach oben, aber nie nach unten.“ Klingt zwar schon etwas abgedroschen, stimmt aber immer noch. In erster Linie ist es ein Privileg, das machen zu dürfen. Schade ist bloß, dass eine öffentliche Debatte über Satire nur anspringt, wenn irgendein beleidigter Präsident Anzeige erstattet oder wenn, wie im Fall der „heute-show“, jemand über gekreuzigte Osterhasen klagt. Wirkliches Interesse an Satire entsteht meist im Zusammenhang mit der berühmten Frage: „Was darf sie?“ Aber ich will nicht meckern, denn die Zuschauer, auch die, die uns nicht mögen, haben wenigstens Emotionen wegen uns. Und wenn es negative sind. Viele Formate lösen gar keine aus. Ich bin wenig überraschend für Satirefreiheit und fand Merkels Äußerung unsäglich – weil es zu dem Zeitpunkt völlig egal war, wie sie das Erdog˘an-Gedicht persönlich findet. Und es klang wie eine Vorverurteilung. Aber dafür hat sie sich ja entschuldigt und sogar zugesagt, dass sich so etwas nicht wiederholen wird. Insofern habe ich das letzte Gerichtsverfahren nicht mehr hundertprozentig nachvollziehen können. Im Gegensatz zum Rechtsstreit mit Erdog˘an. Nein, aus dem Fall lässt sich das so nicht ableiten, weil gerade das Beispiel Böhmermann belegt, wie viel Satire erreichen kann. Nach dem Schmähgedicht und der Debatte darüber wurde ein Paragraf aus dem deutschen Strafgesetzbuch entfernt. Da sage noch mal einer, solche Sendungen könnten nichts bewegen. Die definiert sich von selbst. Jeder Witz, der mit menschlichem Leid verbunden ist, geht gar nicht. Wir waren am Tag der Fukushima-Katastrophe auf Sendung. Damals kannte man noch nicht das ganze Ausmaß – aber wir haben das Thema natürlich ausgespart. Erst als eine Woche später die ersten deutschen Parteien anfingen, Fukushima für Wahlkampfzwecke auszubeuten, konnten und mussten wir Gags darüber machen. Milde amüsant. Wir wollten schon länger aufhören mit dem ‚Bernd‘-Björn-Gag, aber jemand hatte mir erzählt, dass es Höcke tatsächlich ärgert. Deswegen haben wir es noch eine Weile durchgezogen. AfD-Gags inhaltlicher Art sind jedoch bedeutend wichtiger als das. Dieser Diskussion muss sich jede Satiresendung stellen. Wenn sich immer mehr Menschen in eine diffuse „Die da oben machen, was sie wollen“-Stimmung reinsteigern, hat Satire größere Verantwortung. Man muss sorgfältiger prüfen, ob harte Kritik gerechtfertigt ist und ob es noch um die Sache oder schon zu sehr gegen eine Person geht. Ohne beim Schreiben völlig zu verkrampfen.

INTERVIEW
Oliver Welke (r.) mit Mike Powelz, Chefreporter von HÖRZU


»Witze, die mit menschlichem Leid verbunden sind, gehen gar nicht.«
OLIVER WELKE, MODERATOR


Das ZDF über seine Erfolgsshow

„Oliver Welke und seinem Team“, so Programmdirektor Norbert Himmler, „gelingt es jede Woche, das aktuelle Nachrichtengeschehen humorvoll-ironisch zuzuspitzen und auf Missstände in Politik und Gesellschaft aufmerksam zu machen. Das geht manchmal an oder auch mal über die Schmerzgrenze, aber das ist das Wesen der Satire. Die Reife einer Gesellschaft zeigt sich auch im Umgang mit ihrer Satire.“

PREISWÜRDIG
Lutz van der Horst (l.) und Hans-Joachim Heist (r.) nehmen 2017 die GOLDENE KAMERA für die „heute-show“ entgegen


FOTOS: WEBER/ZDF, WEYCHARDT/GOLDENE KAMERA