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INTERVIEW: „Strohhut und Schürze – da hat keiner mehr Bock drauf“


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 31/2018 vom 03.08.2018

Sieht so der moderne Gärtner aus? Ein Interview mit Tristan Heinen-Bizjak, dem Gesicht der Landgard-Initiative „Blumen – 1000 gute Gründe“.


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„1000 gute Gründe“-Gärtner Tristan Heinen-Bizjak lebt beruflich und privat Begeisterung für Pflanzen vor.


Fotos: Blumen – 1000 gute Gründe

Die zahlreichen Facetten des Tristan Heinen-Bizjak: Gesicht der Kampagne „Blumen – 1000 gute Gründe“, Gärtnermeister, Betriebsleiter, Familienvater, Tattoo- und Heavy-Metal-Fan.

In den Videos der Landgard-Initiative, zu finden auf YouTube, Instagram oder Facebook, hat er stets einen lockeren Spruch auf den Lippen und besticht mit Fachwissen, das er an den Endverbraucher weitergibt, damit Blumen und Pflanzen wieder „hip“ werden.

TASPO Online-Redakteur Christian Mannsbart sprach mit dem umtriebigen Gärtner über Berufsklischees, ursprüngliche Pläne und weshalb sich Betriebe der Grünen Branche an die eigene Nase fassen müssen, um junge Menschen zu begeistern.

TASPO: Sie entsprechen nicht dem gängigen Klischee eines Gärtners. Wie ist die Resonanz innerhalb der Branche? Gibt es schräge Blicke in Richtung der vielen Tattoos?
Tristan Heinen-Bizjak: Das alte Klischee ist das, was den Beruf für junge Leute am wenigsten attraktiv macht! Viel und hart arbeiten an allen erdenklichen Tagen, am besten mit Strohhut auf und Schürze an. Da hat heute keiner mehr Bock drauf. Die Qualität der heutigen Gärtner liegt ganz woanders. Es geht um soziale Kompetenz, wirtschaftlich denken, rechnen und planen können und mit einem lebenden, tollen Produkt Kunden begeistern.

Wir haben heute im Betrieb Tablets, Smartphones, Roboter, vollautomatische Transportanlagen, Computer hier und Steuergeräte da. Das ist Gartenbau in der heutigen Zeit. Und wenn man das draufhat, macht es gar nichts aus, auch mal ein bisschen tätowiert zu sein, Heavy Metal zu hören und vielleicht etwas anders auszusehen.

TASPO: Warum sind Sie Gärtner geworden?
Tristan Heinen-Bizjak: Ursprünglich wollte ich mal Grafikdesigner werden, habe aber damals keinen geeigneten Ausbildungsplatz gefunden. Gleichzeitig habe ich aber auch Spaß am Gartenbau entdeckt. Als Schüler arbeitete ich bereits bei Bert Schmitz Gartenbau in Kerken, und hier bot sich nach meinem Fachabitur die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen. Das hat mir super gefallen, und so bin ich in der Grünen Branche geblieben.

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TASPO: Hätten Sie sich träumen lassen, einmal das Gesicht einer generischen Kampagne für Blumen und Pflanzen zu werden? Wie sahen Ihre Pläne vor Ihrem Engagement aus?
Tristan Heinen-Bizjak: Davon bin ich natürlich erst mal nicht ausgegangen, jedoch vertrete ich die klare Auffassung: „Wer nichts macht, darf auch nicht meckern“.

Wenn die Initiative „Blumen – 1000 gute Gründe“ nicht auf mich zugekommen wäre, hätte ich mich bestimmt anders versucht einzubringen, um für mehr Blumen und Pflanzen beim Endverbraucher zu werben. Ein Ansatz war zum Beispiel die Gründung der „Hortarier“. Hier war ich Gründungsmitglied und habe neben der Stärkung der acht Gruppenbetriebe auch Überlegungen angestellt, die Pflanze als Produkt noch stärker in den Fokus beim Verbraucher zu rücken. Die Zielsetzung der generischen Kampagne passt daher perfekt zu meiner persönlichen Einstellung.

TASPO: Ist Ihr Engagement ein Full-Time-Job oder lässt es noch die Zeit für ein eigenes Geschäft? Immerhin sind Sie ja Gärtnermeister …
Tristan Heinen-Bizjak: Mein Alltag als Betriebsleiter und „Junior-Chef “ (auch als Nichtfamilienmitglied) im Betrieb Bert Schmitz ist klar mit betrieblichen Dingen strukturiert, jedoch spielt „Blumen – 1000 gute Gründe“ immer eine Rolle und kann nicht klar abgegrenzt werden. Aber das soll es auch nicht. Die Vorbereitung von Drehtagen und Überlegungen, mit welchen Themen wir die Initiative weiterbringen, ist zwar zusätzliche Arbeit, spielt jedoch ohnehin auch im Betrieb immer eine Rolle. Beide Funktionen sind eng miteinander verbunden und lassen sich gut kombinieren – sie ergänzen sich mitunter sogar. Der Betrieb Bert Schmitz ist zudem ein Mitgliedsbetrieb der Erzeugergenossenschaft Landgard, die „Blumen – 1000 gute Gründe“ initiiert hat.

TASPO: Wie kann man sich den Arbeitstag von Tristan in seiner Funktion als „1000 gute Gründe“-Gärtner vorstellen?
Tristan Heinen-Bizjak: Wie gesagt, beide Funktionen kann ich nicht klar abgrenzen. Ich habe regelmäßigen Kontakt zu meinem „Frisurenzwilling“ Carsten Hanke. Er ist der Social Media Manager der Initiative bei Landgard, und wir sind im ständigen Austausch zu anstehenden Drehs und speziellen Aktionen. Diese werden gezielt vorbereitet – sei es durch Kontaktaufnahme zu Kollegen oder Recherche zu einzelnen Themen, Trends und saisonalen Pflanzen. Dann treffen wir uns zum Dreh mit Produzent und Kameramann und drehen dann an einem Tag aktuell drei bis vier passende Clips für meinen YouTube-Kanalwww.youtube.com/ tristanrocktdengarten sowie die Social Media-Kanäle der Initiative wie Facebook und Instagram.

TASPO: Welchen Beitrag können Sie und andere Gärtner abseits der Kampagne leisten, um junge Menschen für Blumen und Pflanzen zu begeistern?
Tristan Heinen-Bizjak: Das Wichtigste ist, dass man als Gärtner privat wie beruflich das Thema Pflanze und Garten vorlebt. Kinder müssen wieder für Blumen und Pflanzen begeistert werden. Wir müssen ihnen zeigen, dass unsere Produkte „hip“ sind und zum Leben dazugehören. Dazu zählt auch, Schulklassen den Betrieb zu zeigen, Ausbildungsplätze anzubieten und attraktiv zu bewerben.

„Blumen – 1000 gute Gründe“ hat hier ebenfalls viele Ideen im Bereich Influencer Marketing, wo immer wieder Betriebe gesucht werden, die für Blogger und YouTuber mal die Türe öffnen. Darüber hinaus wollen wir das ganze Thema Ausbildung und Beruf im Produktionsgartenbau noch dieses Jahr in meinem Kanal zum Thema machen. Nicht zuletzt geht es auch für Gärtner darum, mal freche Pflanzenkonzepte zu entwickeln, die junge Leute ansprechen.

Man muss sich halt mal an die eigene Nase fassen, sich einen Kopf machen und in Bewegung kommen. Dann erst kann auch was passieren. Neue, junge Käuferschichten erschließen, heißt auch, neue Wege zu gehen. Da muss frischer Wind in die Bude.

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