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INTERVIEW: Wie viel Futter braucht ein Hund?


Mein Hund & Ich - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 19.06.2019

Auch das hochwertigste Futter ist nur dann gesund, wenn es in der richtigen Menge serviert wird. Wie viel aber ist richtig? Wir haben Dr. Cornelia Ewering, Tierärztin und Ernährungsexpertin bei Mars Petcare, dazu befragt


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Bildquelle: Mein Hund & Ich, Ausgabe 4/2019

Erstaunlich, aber wahr: Ein Neufundländer braucht im Vergleich mit der Deutschen Dogge nur die Hälfte an Energie. Die Futtermenge richtet sich unter anderem nach dem Bewegungsdrang


Die richtige Futtermenge ist individuell und hängt unter anderem ab von Rasse, Größe, Alter, Gesundheitszustand und Bewegungsdrang. Wichtig für alle Hunde ist: Ein gesundes Gewicht zu halten ist entscheidend ...

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Gibt es eine Formel, wie viel Kalorien ein gesunder, erwachsener Hund pro Tag zu sich nehmen sollte, um sein Gewicht zu halten?
Ja, die gibt es. Ernährungswissenschaftler nennen das „den Erhaltungsbedarf decken“. Dieser Bedarf definiert sich aus dem Grundumsatz (= Ruheumsatz) plus dem Energiebedarf für Verdauung und Muskeltätigkeit bei artgerechter und thermoneutraler Haltung. Das bedeutet, dass man einem Hund Energie über den Erhaltungsbedarf hinaus zusätzlich bereitstellen muss für Wärmeproduktion, Leistung (abhängig vom Aktivitätslevel) und Sonderfälle wie Reproduktion, also mögliche Aufzucht von Welpen. Die Formel zur Berechnung des Erhaltungsbedarfs ist auch noch abhängig vom Alter des Hundes, seiner Rasse, der Felllänge, dem Körpergewicht und der Körpergröße. Kleine Hunde brauchen mehr Energie pro Kilogramm Körpergewicht als große Hunde. Diese Tatsache berücksichtigt die Formel durch das Hinzufügen des sogenannten metabolischen Körpergewichtes. Keine andere Säugetierspezies weist nämlich eine so große Bandbreite auf wie der Hund – von einem bis zu hundert Kilogramm Körpergewicht ist bei über 400 Hunderassen nämlich alles möglich. Der Erhaltungsbedarf für normalgewichtige Hunde unter drei Jahren liegt durchschnittlich bei 130 kcal ME/kg0.75. Zur Erklärung: kcal steht für Kilokalorien, ME für Metabolisierbare, also verdauliche Energie, kg für Kilogramm Körpergewicht und die Hochzahl 0.75 stellt sicher, dass das metabolische Körpergewicht berücksichtigt wird. Bei Hunden zwischen drei und sieben Jahren liegt der Bedarf bei 115 kcal ME/kg0.75 und bei Hunden, die älter als sieben Jahre sind, bei 100 kcal ME/kg0.75. Übergewichtige Hunde benötigen weniger als 90 kcal ME/kg0.75. Deutsche Doggen, als Vertreter großer, aber auch lebhafter Rassen, liegen am obersten Ende der Skala mit einem Bedarf von 200 kcal ME/kg0.75. Neufundländer, die so schwer werden können wie Doggen – aber viel phlegmatischer sind –, brauchen erstaunlicherweise nur die Hälfte der Energie, nämlich 105 kcal ME/kg0.75. Achtung: Diese Daten wurden an Hunden in Zwingerhaltung erhoben, die sich tatsächlich mehr bewegen als so mancher Hund in Privathaushalten. Deshalb benutzen Futtermittelhersteller zunehmend reduzierte Energieempfehlungen als Grundlage für die Berechnung ihrer Fütterungsempfehlungen.

DIE EXPERTIN

DR. CORNELIA EWERING
(im Bild mit mit ihrem Cocker Spaniel Woody) ist Tierärztin und seit über 20 Jahren Ernährungsexpertin bei Mars.

Um Hundehalter bei der verantwortungsbewussten Fütterung zu unterstützen, haben manche Hersteller von Fertignahrung die Kalorien pro 100 Gramm angegeben. Plus Fütterungs empfehlungen. Was muss ich abziehen oder zufügen, wenn mein Hund besonders quirlig oder besonders träge ist?
Fragen Sie beim Hersteller Ihrer Futtersorte nach, ob die Fütterungsempfehlung auf der Verpackung für einen weniger aktiven Hund berechnet wurde. Wenn dies der Fall ist und Ihr Hund ist sehr quirlig, darf er als Daumenregel zehn bis 15 Prozent mehr Futter bekommen. Diese Menge können Sie auch ungefähr abziehen, wenn die Kalkulation der angegebenen Futtermenge für einen deutlich aktiveren Hund berechnet ist, Ihr Hund aber eher der ruhige Typ mit einem Stammplatz auf Ihrem Sofa ist. Regelmäßiges wöchentliches Wiegen hilft dabei, sicherzustellen, dass Ihr Hund nicht zu viel und nicht zu wenig Futter nach seiner Futterumstellung bekommt. Sollte das Körpergewicht über fünf Wiegetermine konstant geblieben sein, haben Sie sein Normalgewicht gut gehalten.

Wie viel weniger Futter braucht ein kastrierter Hund?
Am besten fängt man gleich nach der Operation mit Korrekturmaßnahmen an, denn das Risiko für einen kastrierten Hund, Übergewicht zu entwickeln, verdoppelt sich, verglichen mit dem Risiko eines „intakten“ Hundes. Als Faustregel gilt, die tägliche Energiezufuhr um ein Drittel zu reduzieren. Etwa 20 bis 30 Prozent weniger Energie benötigt ein Hund nach der Kastration. Der Appetit ist gesteigert – die Bewegungsunlust allerdings leider auch. Ärgerlicherweise ändert sich infolge der hormonellen Umstellung die Zusammensetzung des Körpergewebes. Der höhere Anteil an Körperfett bei weniger Muskelmasse führt zu einem geringeren Energiebedarf pro Kilogramm Körpergewicht. Wird die Futtermenge vor der Kastration beibehalten, ist das Übergewicht bereits vorprogrammiert.

Prozentual gesehen muss ein kleiner Hund viel mehr Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen als ein großer, um den Stoffwechsel am Laufen zu halten


Auf der Couch verbraucht der Hund logischerweise weniger Kalorien als beim Sport


Hundesenioren und gemütliche Zeitgenossen haben einen geringeren Energiebedarf als junge und sehr aktive Hunde


Wenn ich weniger Fertigfutter gebe, damit ich Reserve für Leckerbissen habe, ändert sich dann das Verhältnis der notwendigen Nährstoffe? Bzw. ist auch in einer kleineren Ration (oder weniger Pellets) alles drin, was ein Hund an Nährstoffen braucht?
Hier gilt es zu unterscheiden. Leckerlis, die einen funktionalen Nutzen haben und täglich gegeben werden, sollten nicht mehr als zehn Prozent der Energie liefern, die der Hund täglich benötigt. Hierzu gehören meist Leckerlis, die die Zahnpflege oder die Gelenkfunktion unterstützen. Bei Einhalten der auf der Verpackung angegebenen Fütterungsempfehlung sind diese Produkte so konzipiert, dass man auf der sicheren Seite ist. Wenn auf Dauer zehn Prozent vom Alleinfuttermittel abgezogen werden! Reine Belohnungshappen oder Beschäftigungskausnacks für Hunde, die ab und zu gegeben werden, sind schwerer zu kalkulieren. Die beliebten Büffelhautknochen sind entgegen landläufiger Meinung für Hunde gut verdaulich und können schnell bis zu 50 Prozent der Tagesration an Kilokalorien liefern (je nach Größe des Hundes und des Kauknochens). Schade, dass hier keine Fütterungsempfehlungen gegeben werden, die es interessierten Tierhaltern ermöglichen, ein Gefühl für die Verfütterung akzeptabler Mengen zu entwickeln. Wenn sehr regelmäßig Leckerlis eingesetzt werden, sind Hinweise zur Fütterungsempfehlung auf der Verpackung oder die Frage zur Kaloriendichte beim Hersteller hilfreich. Es gibt Computerprogramme (z. B. der Fütterungskalkulator auf ) zur individuellen Berechnung des Energiebedarfs Eines Hundes. Anhand dieser Information kann der Halter die Kilokalorien durch den Snack von den Kilokalorien durch die anzupassende Menge Fertigfutter abziehen. Oder noch einfacher: eine Menge vom Trockenfutter abwiegen, die dann als Belohnung verfüttert werden kann. Trockenfutter im Napf einfach so zur Verfügung zu stellen, ist wirklich eine verpasste Chance. Es eignet sich prima für die Erziehung und Beschäftigung des Hundes, ist ausgewogen und hat eine Fütterungsempfehlung, das Rundum-sorglos-Paket. Auf lange Sicht sollten Ergänzungsfuttermittel, also Leckerlis jeglicher Art, die sehr oft gegeben werden, nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Energie liefern. Das Fertigfutter um diese Menge dauerhaft zu reduzieren, ist unproblematisch.

Trockenfutter lässt sich ganz einfach von der Tagesration abzweigen und als Belohnungshappen verwenden


Fotos: istockphoto.com