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INTERVIEW: „Wir würden gerne Flugzeuge von Airbus bestellen“


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 06.12.2019

Nach Einschätzung von Ryanair-Chef Michael O’Leary ist die Pleitewelle unter den Airlines nicht vorbei. Das verriet er AERO-INTERNATIONALMitarbeiter Kurt Hofmann im Interview. Norwegian sieht er als nächstes Opfer, die eigene Airline-Gruppe dagegen als gut aufgestellt. Nur das Grounding der Boeing 737 MAX ist für ihn ein Problem


INTERVIEW

Artikelbild für den Artikel "INTERVIEW: „Wir würden gerne Flugzeuge von Airbus bestellen“" aus der Ausgabe 10/2020 von Aero International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Aero International, Ausgabe 10/2020

AERO INTERNATIONAL: Sie haben 210 Boeing 737 MAX 200 bestellt, ein für Ryanair entwickeltes Sondermodell der MAX 8 mit elf zusätzlichen Sitzen. Wie beeinflusst Sie das globale Grounding dieses Flugzeugmusters?

MICHAEL O’LEARY: Wir hätten im nächsten Sommer 60 Flugzeuge in ...

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... Betrieb haben sollen. Diese Anzahl mussten wir auf 30 senken, was vielleicht wiederum auf nur 20 Maschinen reduziert werden könnte. Die 737-MAX-Verzögerungen sind derzeit die größte Herausforderung für Ryanair. Ich glaube nicht, dass wir unser erstes Flugzeug bis März 2020 bekommen werden. Es könnte April werden. Wir rechnen jedoch immer noch mit der 737 MAX für den Sommer 2020.

Werden die Vorgaben zur Aufhebung des Flugverbots Probleme machen?
Es ist wahrscheinlich, dass die 737 MAX im Sommer 2020 wieder in Betrieb genommen wird – zumindest in Nordamerika. Die Herausforderung für uns ist jedoch, dass wir mit der 737 MAX 200 eine besondere Variante mit mehr Sitzplätzen bestellt haben. Deren Rezertifizierung wird zwei bis drei Monate länger dauern. Dass wir mit Boeing über Schadenersatz sprechen, ist natürlich klar.

Wie kompensieren Sie den Verlust der neuen Flugzeuge im Sommer?
Um die Kapazität in der Zwischenzeit abzudecken, haben wir die Mietverträge von sieben Boeing 737-800 verlängert und den Verkauf von weiteren sieben 737-800 verschoben. Das bedeutet, dass wir für den nächsten Sommer mindestens 14 zusätzliche Flugzeuge haben.

Wie sollen die ersten 737 MAX bei Ryanair eingesetzt werden?
Einige der ersten MAX-Flugzeuge sind für die Tochtergesellschaften Buzz mit Sitz in Polen und Malta Air geplant. Sie werden in den Farben von Malta Air lackiert.

Benötigen Sie noch mehr Flugzeuge als die bestellten MAX? Airbus-CEO Guillaume Faury und sein Verkaufschef Christian Scherer haben Sie ja kürzlich in Dublin besucht …
210 Bestellungen genügen, um in den nächsten fünf Jahre gut über die Runden zu kommen. Dann werden wir weiter sehen. Wir würden sicherlich gerne Airbus-Flugzeuge ordern, aber die Auftragsbücher von Airbus sind bis 2023 voll. Die Airbus-Leute sind wirklich nett. Sie haben aber vor allem Leasingfirmen in Irland besucht.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung von Buzz und Malta Air?
Buzz war dieses Jahr sehr profitabel, da der Chartermarkt in Polen immer noch stark ist. Die Airline hat vom Scheitern der Small Planet Airlines im vergangenen Jahr und der Thomas-Cook-Pleite in diesem Jahr profitiert. Malta Air startete erst im Juni dieses Jahres. Ryanair wird seine Flugzeuge mit Basis in Frankreich, Deutschland und Italien auf das AOC des maltesischen Luftfahrtunternehmens übertragen. Was bedeutet, dass die Piloten in Malta niedrigere lokale Steuern zahlen als in Irland, Frankreich oder Deutschland. Malta Air soll in diesem Winter bis zu 60 Flugzeuge betreiben.


„Natürlich sprechen wir wegen der MAX mit Boeing über Schadenersatz“ Ryanair-Chef Michael O’Leary


Preiskämpfe sind für Michael O’Leary nichts Neues. Auch in Wien rechnet er mit einer Beruhigung


FOTOS: HELMUT FOHRINGER/GETTY IMAGES, BASTIAN DING/AIRTEAMIMAGES

Apropos Thomas Cook. Werden weitere Airlines Pleite gehen – und welche?
Norwegian. Ich denke, das wird in diesem Winter geschehen. Es hängt aber vom Ölpreis ab. Wenn er auf 50 US-Dollar pro Barrel fällt, könnten sie überleben. Wenn er auf 60 oder 70 US-Dollar steigt, werden sie in die Pleite fliegen. Sie haben kürzlich fünf Flugzeuge verkauft und damit ihre Liquidität um 50 Millionen US-Dollar verbessert. Damit kann man aber gerade mal die Treibstoffrechnung für eine Woche bezahlen. Auch hat Norwegian gezeigt, dass Langstreckenflüge von Low-Cost-Airlines nicht funktionieren.

Ihre Tochter Lauda macht auch enorme Verluste. 2019 sollen es noch immer rund 80 Millionen Euro sein, sogar ein Verlust von 25 Millionen Euro im nächsten Jahr ist möglich. Wie sieht Ihre Planung in Wien aus?
Unsere Investition in Österreich ist bedeutend und Lauda ist bereits auf dem zweiten Platz hinter Austrian Airlines. Wir wollen hier in den nächsten fünf Jahren zur Nummer eins werden. Die Flotte im Sommer 2020 wird aus 15 Airbus A320 von Lauda und vier Boeing 737-800 von Ryanair bestehen. Da viele A320neo an Fluggesellschaften ausgeliefert werden, gibt es ältere A320ceo auf dem Leasingmarkt zu günstigen Konditionen.

Welche Höhe hat eine Leasingrate, damit sie attraktiv ist?
Wenn eine Airline eine A320ceo-Leasingrate von 175 000 US-Dollar pro Monat zahlt, verdient sie Geld. Jede Rate unter 200 000 US-Dollar ist gut.

Wie ist es zu der Entwicklung in Wien gekommen?
Das zusätzliche Wachstum in Wien entsteht in der Folge des Zusammenbruchs mehrerer europäischer Fluggesellschaften. Lauda nutzt den Vorteil, dass Level und Eurowings ihre Flotten in Wien reduzieren und Adria Airways, Thomas Cook und XL Airways Konkurs anmelden mussten. Wir gehen davon aus, dass wir für den Sommer 2020 etwa 100 neue A320-Piloten und 200 zusätzliche Flugbegleiter benötigen, die auf unsere Stützpunkte in Palma de Mallorca und Wien aufgeteilt werden.

Wenn aber ein Teil der neuen Kapazität in Wien nicht benötigt wird?
Dann werden die Flugzeuge auf andere Airports umstationiert. Wenn Norwegian bankrott geht, eröffnet sich die Möglichkeit, Flugzeuge an neuen Standorten zu platzieren. Ein Flugzeug ist mobil. Aber die Lauda-Teams müssen auch mobil sein. Eine Priorität ist die Effizienzsteigerung bei Lauda. Bei Ryanair haben wir rund fünf Crews pro Flugzeug. Bei Lauda sind es aufgrund des Dienstplans fast sieben Crews. Wir werden diese Effizienz erreichen, aber Lauda muss dazu immer flexibel sein.

Ist dieser gegenwärtige Konkurrenzkampf in Wien außergewöhnlich?
Lauda befindet sich in ihren meisten Märkten in einem Preiskampf. Das ist auch in Wien der Fall. Diese Preiskämpfe werden sich beruhigen. Wir als Ryanair haben viele Preiskriege durchgemacht. Das sind Zyklen. Aber Wien und Deutschland sind die verrücktesten Märkte, die wir im vergangenen Jahr gesehen haben. Wir machen uns hier in Wien aber keine allzu großen Sorgen um den Wettbewerb, denn es gibt keine Konkurrenz für Lauda. Wenn Lauda jedoch vier Euro mehr pro Passagier verdienen könnte, wäre die Fluggesellschaft rentabel. Im aktuellen Jahren werden wir 6,5 Million Passagiere ab Wien befördern. Das Aufkommen wird 2020 und 2021 auf 10 Millionen anwachsen. Austrian Airlines transportiert übrigens 14 Millionen Passagiere.

Apropos rentabel. Bei Lufthansa Tochter Eurowings läuft es ja auch nicht so rund …
Ha! Eurowings? Das wird in dem gegenwärtigen Format auch nicht funktionieren. Zu viele Flugzeuge, zu viele Strecken. Hätte Lufthansa nur 40 Prozent von Air Berlin übernommen, dann würden sie es schaffen, aber so nicht. Deutschland ist einer von 80 Märkten für uns. Mein Gott, wir wachen jetzt nicht jeden Morgen in der Früh auf und fragend uns zitternd, wie es uns heute im deutschen Markt ergehen wird. Und übrigens, diese Steuer für CO2 in Deutschland würde ja nicht nur unsere Ticketpreise erhöhen, auch die des Monopolisten Lufthansa. Fakt ist, wir beleben den Markt.

Wird die Diskussionen über Flug-Scham und Nachhaltigkeit beim Reisen Auswirkungen auf Ihr Geschäft haben?
Bei der Flugscham gibt es abgesehen von Skandinavien keine Anzeichen, dass Menschen deswegen nicht mehr fliegen. Reisen mit dem Flugzeug wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit Wachstum verbunden sein.

Das klingt so, als wäre alles gut für Ryanair.
Ja. Das Geschäft läuft prima. Das Passagieraufkommen ist stark, die Ticketpreise sind im Keller, die Ölpreise fallen auch. Die nächsten ein, zwei Jahre könnten durchaus gut sein. Aber wie gesagt: Die 737 MAX ist das größte Problem.