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INVASIVE FISCHE: FREMDE GEFAHR


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 11.05.2018

Sie kommen fast unbemerkt, verdrängen andere Lebewesen und gefährden unsere Natur: „Invasive Arten“ sind einer der Hauptgründe für den rapiden Artenrückgang in Europa. Die BiologenPhillip Haubrock undStefan Linzmaier berichten über Bedrohungen durch die Eindringlinge in unseren Gewässern.


Artikelbild für den Artikel "INVASIVE FISCHE: FREMDE GEFAHR" aus der Ausgabe 60/2018 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 60/2018

Schwarzmundgrundeln wanderten über den Main-Donau-Kanal ein. Mittlerweile kommen sie in allen größeren Flüssen vor.


Die sogenannten „invasiven Arten“ gelangen meist durch Menschenhand in neue Gewässer und machen dort vor allem eines: Stress! Sie bringen nicht selten das gesamte Ökosystem durcheinander und schaffen ...

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... für einheimische Arten große Probleme. Dabei bergen verschiedene Arten unterschiedliche Risiken. Doch nicht nur die Ökosystem-Folgen variieren je nach Art, sondern auch die Wege, wie sie in unsere Gewässer kommen – sei es, dass sie gezielt besetzt oder von einem nahestehenden Gewässer durch Hochwasser herüberschwimmen. Manchmal werden Tiere mutwillig, aus Ignoranz, aus Platzgründen oder zwecks Hobbyaufgabe in ein Gewässer gesetzt. Dazu zählen so manche Aquarientiere wie Piranhas, die, wenn sie am Haken landen, beim Angler für Erstaunen sorgen. Dabei ist nicht gleich jede neue Art direkt problematisch. Manche von ihnen sind zum Beispiel wegen ihrer Umweltanforderungen an Warmwasserzuläufe gebunden und nicht in der Lage, sich aufgrund der kalten Winter zu etablieren. Auch wenn die Mehrheit der ausgesetzten Arten langfristig nicht bei uns überlebt, gibt es dennoch eine ganze Reihe, die zum Problem werden.

HEIMISCH ODER FREMD

Oft wird die Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 durch den Seefahrer Christoph Kolumbus als Grenze für die Einordnung heimischer und nicht heimischer Arten gesetzt. So gelten Arten, die nach 1492 in Europa eingeführt wurden, als „faunenfremd“ – und Arten, die vorher eingeführt wurden, als heimisch. Aber was hier fremd ist, ist anderorts heimisch. Ein gutes Beispiel für die Problematik mit invasiven Arten ist der europäische Wels oder Waller (Silurus glanis). In Ost- und Zentral-Europa gilt er als heimisch. In Südeuropa (Spanien, Frankreich und Italien) wird er hingegen als fremd betrachtet und für viele ökologische Probleme verantwortlich gemacht. Ob dies wirklich so ist, darüber scheiden sich die Geister.

Neuankömmlinge wirken sich oft auf die Bestände der bereits vorhandenen Arten in einem Gewässer aus und verändern diese. Manche der Veränderungen sind für die Gesellschaft oder speziell für uns Angler begrüßenswert, viele andere eher unerwünscht. So hat die Ankunft der Schwarzmundgrundel in den großen Flüssen Mitteleuropas Muschel- und Wasserinsektenbestände verringert, jedoch gleichzeitig zu einer Zunahme der Zanderpopulationen geführt. In einigen Fällen kann sich durch die Ankunft einer neuen Art das ganze Ökosystem verändern, so zum Beispiel wie bei der Einführung von Flussbarsch, Forellenbarsch, Hecht, Karpfen und Wels in Spanien, wodurch viele spanische Arten verschwanden.

Hinzu kommt, dass oftmals die Anwesenheit einer invasiven Art, einer weiteren neu hinzukommenden Art bei der Ansiedlung hilft. Um Schlimmstes zu verhindern, müssen Tiere entnommen, Bestände kontrolliert oder schlimmstenfalls ganze Gewässer kurzerhand trockengelegt werden.

UNWISSENHEIT KOSTET GELD

Besonnene Überlegungen im Vorfeld jeglicher Maßnahme sind jedoch äußerst wichtig! Schließlich werden hohe Summen öffentlicher Gelder in diverse Schutz-Projekte investiert, ohne tatsächlich eine positive Veränderung für die Natur oder Nutznießer wie uns Angler herbeizuführen.

Niemand ist öfter am Wasser, kennt die Bewohner seiner Gewässer besser oder sorgt sich mehr um die Gesundheit und den Bestand seiner Schützlinge als die vielen Fischwirte und Angler. Wären sich mehr Menschen darüber bewusst, was in unsere Teiche gehört und was eben nicht, könnte in Zukunft sehr viel Geld gespart und anderweitig sinnvoll zum Beispiel in Renaturierungsprojekte investiert werden. Mit etwas mehr Achtsamkeit könnte unseren Gewässern ein Schicksal wie Italien und Spanien, wo viele heimische Arten stark rückläufig sind, erspart bleiben.

Bedenkt man den globalen Trend zu wärmeren Temperaturen, werden zukünftig mehr fremde Arten in der Lage sein, sich zu etablieren, fortzupflanzen und auszubreiten. Daher sollten wir heute mehr denn je auf der Hut sein, um eventuelle spätere Katastrophen zu vermeiden.

LISTEN DER BEDROHUNG

In Deutschland und Österreich werden laut Bundesamt für Naturschutz 15 aquatisch lebende, invasive Arten in einer „Schwarzen Liste“ geführt. Auf dieser sind Arten vermerkt, die sich bereits etabliert haben, sich also vermehren und ausbreiten können und heimische Arten verdrängen. Die Dunkelziffer könnte jedoch regional womöglich beträchtlich höher sein. Neben bekannten Arten wie der Regenbogenforelle sind es vor allem die unbekannten Arten, die schnell problematisch werden.

Um die Öffentlichkeit für dieses Problem zu sensibilieren, wurden 2010 für Österreich und Deutschland jeweils schwarze Listen erstellt, in der Arten aufgelistet wurden, die heimische Arten direkt gefährden oder Lebensräume verändern. Sie enthalten eine Unterkategorie, die sogenannte „Alert List“, die definitiv invasive Arten festhält. In dieser wird zwischen der „Aktionsliste“ (wildlebend vorkommende invasive Arten, deren Vorkommen jedoch kleinräumig ist und für die Bekämpfungsmaßnahmen bekannt sind) und einer „Managementliste“ (invasive Arten, die kleinräumig verbreitet sind, es jedoch keine geeigneten Kontrollmaßnahmen gibt) unterschieden. Hinzu kommt eine sogenannte „Watch List“, quasi eine „Graue Liste“, auf der Arten festgehalten werden, die noch nicht wildlebend vorkommen, bei denen es jedoch wahrscheinlich ist, dass sie in Deutschland oder Österreich invasiv werden. In den Niederlanden sind zurzeit 26 gebietsfremde Fischarten vorhanden. Davon sind in etwa 50 Prozent gewollte Einführungen wie zum Beispiel der Zander. Andere Fälle sind aus Aquakultur oder Aquarien entkommene Arten, wie zum Beispiel der kleine Hundsfisch (Umbra pygmaea), der Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus) oder ungewollt eingewanderte Arten wie viele Grundeln, die von der Durchgängigkeit der europäischen Wasserstraßen profitieren. In der Schweiz sind zurzeit 15 eingeführte Arten präsent. Beeindruckender Weise machen diese 15 Arten dort ganze 25 Prozent der derzeitigen Fischarten aus.

ANDERE LÄNDER

Während wir im mitteleuropäischen Raum bereits Probleme mit invasiven Arten haben, warten vor allem in den südeuropäischen Ländern weitere Arten. Doch sind es nicht nur die Fische wie der getüpfelte Gabelwels (Ictalurus punctatus) oder der Koboldkärpfling (Gambusia affinis), die für uns gefährlich werden könnten. Vielmehr sind es Arten, wie der laichfressende, ungenießbare Große Höckerflohkrebs (Dikerogammarus villosus) oder die Rohre verstopfende Zebramuschel (Dreissena polymorpha), die vielerorts schon da sind. Schon jetzt beeinflussen sie Lebensgemeinschaften unter Wasser stark. In Zukunft könnten sie durch die globale Erwärmung allerdings zu einem noch viel größeren Problem werden.

Auch der farbenprächtige Bachsaibling zählt nicht zu unseren heimischen Arten.


SONDERFALL WELS

Ein etwas spezieller Fall ist der Wels (Silurus glanis). Er gilt zwar nicht als invasiv und wird in keiner für Deutschland oder Österreich relevanten Liste geführt, jedoch mehren sich die Anzeichen, dass der Besatz mit Welsen negative Auswirkungen auf die natürlich vorhandenen Arten hat. Ursprünglich aus Osteuropa und Asien stammend, wird dieser massive Größen erreichende Fisch bis Mitteldeutschland als heimisch betrachtet. Das heißt nicht, dass er auch gleich in jedes Gewässer (zum Beispiel kleinere stehende Gewässer) besetzt werden sollte. Auch das Einbringen in eine fremde Region kann zu invasivem Verhalten einer eingebrachten Art führen und heimischen Tieren und dem gesamten Ökosystem schaden.

Wels


DIE FREMDLINGE

Nicht nur gebietsfremde Arten sind ein Problem, sondern auch heimische Arten, die in für diese Art gebietsfremde Gewässer eingesetzt wurden – so zum Beispiel das Rotauge in der Schweiz. Sie gelten dort zwar als heimisch, konkurrieren aber in Gewässern, in die sie besetzt wurden und in denen sie zuvor nicht vorkamen, mit angestammten Arten. Im Folgenden haben wir wichtige Vertreter von nicht heimischen Arten aufgelistet, beschrieben und die potenzielle Gefährdung verdeutlicht.

Sibirischer Stör


SIBIRISCHER STÖR: (Acipenser baerii)

Ist in Mitteleuropa unbeständig präsent. Die Fangzahlen sind seit dem erstmaligen Fang im Jahr 1986 gestiegen. Die Ausbreitung basiert auf dem Entkommen aus der Aquakultur. Risiko ist das Potenzial zur Ausbreitung und die Kreuzung mit unserem heimischen Stör. Hybriden wurden im österreichisch-deutschen Verlauf der Donau gefangen. Der Sibirische Stör wird erst nach elf bis 28 Jahren geschlechtsreif. Die Gefahr der Fortpflanzung in Deutschland ist gering, eine Ausbreitung in Nebengewässer unwahrscheinlich, dennoch war der Sibirische Stör seit 1995 der am häufigsten gefangene Stör in Schleswig-Holstein.

► Gefährdete Region: Deutschland
► Herkunft: Sibirien
► Gefährdungsbarometer:

KATZENWELSE: (Ameiurus nebulosus und Ameiurus melas)

Die nachtaktiven „Katzen“-Welse stellen wenige Ansprüche an ihre Umwelt, können für Angler zur Plage werden. Der braune und schwarze Katzenwels stammt aus Nordamerika und gilt als etabliert. Ab 1885 in Osteuropa als potenzieller Speisefisch eingeführt. Erster wild gefangener schwarzer Katzenwels 1932 in den Niederlanden. Heutzutage wird besonders A. melas als Besatz für Aquarien und Gartenteiche angeboten (sehr widerstandsfähig gegenüber winterlicher Kälte und Wasserverschmutzung). Die Welse fressen die Brut anderer Fische, stehen durch ihr sonstiges Nahrungsspektrum in Konkurrenz zu Karpfen, sorgen für erhöhte Trübung und Veränderung der Gewässer. Sie erreichen hohe Bestandsdichten in Binnen- und Nebengewässern. Sie besiedeln vor allem die Uferbereiche. Katzenwelse sind häufig Überträger von Fischkrankheiten.

Katzenwels


► Gefährdete Region: ganz Mitteleuropa
► Herkunft: östliches Nordamerika
► Gefährdungsbarometer:

Rapfen


RAPFEN: (Aspius aspius)

Ursprünglich in Mittel- und Osteuropa heimisch, im Westen eine Fremdart, fand der Rapfen vermutlich aus Deutschland über den Rhein seinen Weg bis nach Basel, wobei er womöglich als Zielfisch im Rhein besetzt wurde. Zwar sind keine negativen Einflüsse bekannt, jedoch ist der Rapfen ein durchaus fähiger Räuber, weshalb ein Einfluss auf native Fische nicht ausgeschlossen werden kann.

► Gefährdungsbarometer:

GOLDFISCH: (Carassius auratus)

Aquarien- und Teichfisch, in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert etabliert, heutzutage weltweit verbreitet. Ernährt sich von Pflanzen und kleinen Tieren. Sehr fortpflanzungsfreudig, gelegentliche Kreuzungen mit heimischen Karauschen oder Giebeln (einzelne Exemplare können Längen von über 40 Zentimetern erreichen). Direkte Verbindung zwischen dem Vorkommen von Goldfischen und dem Rückgang an Amphibien. Verwandte Arten wie die Karausche wurden wegen ihrer Widerstandsfähigkeit in der Vergangenheit oftmals als Köderfische angeboten, sind jedoch seit einiger Zeit verboten.

► Gefährdete Region: Mitteleuropa, vor allem Deutschland und Österreich
► Herkunft: China
► Gefährdungsbarometer:

GRASKARPFEN: (Ctenopharyngodon idella)

Häufiger Aquakultur-Fisch, auf fünf Kontinenten weit verbreitet. Obwohl in Deutschland gezüchtet, stammen wilde Populationen, die in der Elbe gefangen wurden, aus tschechischen Beständen (im Jahr 2002 durch Hochwasser Rapfen Graskarpfen entkommen). Hat das Potenzial, Wasserunkraut kontrollieren zu können, jedoch ist das Besetzen verboten (Gefahr, dass gesamte aquatische Vegetation besonders am Ufer gefressen wird und Gewässer stark verändert). Kann eine Vielzahl von Parasiten übertragen. Fortpflanzung in der Schweiz bislang nicht bestätigt, dennoch große Sorgen, da Vegetation und Ökosysteme rapide verändert werden können.

Graskarpfen


► Gefährdete Region: D/A/CH
► Herkunft: China, Russland (Sibirien)
► Gefährdungsbarometer:

Sonnenbarsch


SONNENBARSCH: (Lepomis gibbosus)

Farbenfroher Kleinstbarsch, in seiner Heimat Nordamerika beliebter Köderfisch. Kam als Aquarienfisch nach Europa, erreicht in einigen Gewässern bis zu 20 Zentimeter Körperlänge und beeindruckende Bestandsdichten. Stellt wenige Ansprüche an seine Umgebung, bevorzugt jedoch klare, flache, vegetationsreiche Gewässer, laicht zwischen April und Juli. Hat trotz geringer Größe als Raubfisch oftmals direkten Einfluss auf das Nahrungsnetz: Er stellt Konkurrenz für heimische Fische dar und frisst gerne Laich und Jungfisch.

► Gefährdete Region: Deutschland und Österreich
► Herkunft: Nordamerika
► Gefährdungsbarometer:

SILBER- & MARMORKARPFEN: (Hypophthalmichthys molitrix und nobilis)

Aus Asien stammende „Karpfenartige“, wurden in den 1960er-Jahren nach Deutschland gebracht. Erwärmung des Klimas könnte dazu führen, dass sich beide Arten zunehmend bei uns wohlfühlen. Die Fähigkeit, sich bei uns fortzupflanzen, ist nicht mit Sicherheit ausgeschlossen, somit als potenzieller Schädling gelistet. Silber-/Marmorkarpfen (und Graskarpfen) stammen aus China, mit weltweit zunehmender Verbreitung. Durchschnittsgröße von 0,8 bis 1 Meter, Gewicht mehr als 50 Kilo: Die kampfstarken Fische sind Zielfische vieler Angler. Frisst hauptsächlich Phytoplankton. Lange wurde geglaubt, dass er in der Lage sei, Algenblüten zu verhindern. Kann jedoch durch Fressverhalten Gewässer stark verändern und Algenblüten auslösen. Reine Phytoplanktonfresser, somit wahrscheinliche Konkurrenz mit Weißfischen und Muscheln, die das Wasser filtern. Beide Arten erhöhen den Nährstoffgehalt von Gewässern. Bestände von Marmorkarpfen in Deutschland durch Besatzverbote und Fehlen passender Fortpflanzungsbedingungen rückläufig. In USA werden jedoch Gefährdungspotenzial und Kosten durch invasiven Marmor- und Graskarpfen offensichtlich.

Silberkarpfen


► Gefährdete Region: Mitteleuropa in Abhängigkeit vom Klimawandel
► Herkunft: Ostasien
► Gefährdungsbarometer:

+ „Kommen Karpfen nicht eigentlich aus Asien?“

Der Karpfen (Cyprinus carpio) gilt als die am weltweit dritthäufigsten verbreitete Art, nicht zuletzt, weil er als Zielfisch von vielen Anglern geschätzt wird. Zwar stammt der Karpfen ursprünglich aus dem asiatischen Raum, ist jedoch gar nicht so fremd in Europa – eine der ursprünglichsten Formen des Karpfens lebte vor 2000 Jahren in der Donau. Schon die Römer wussten um den Genuss dieser Art und brachten ihn auf ihren Feldzügen mit sich. Im 13. und 16. Jahrhundert züchteten und verbreiteten Mönche den Karpfen als Alternative zum Fleisch. Heutzutage sind die Varianten, seien es Spiegel- oder Koikarpfen, weltweit verbreitet und geschätzt. Bei uns als heimisch angesehen, gilt er in vielerlei Ländern als Plage, da er durch sein „grabendes“ Fressverhalten die Trübung in Gewässern verstärkt, Wasserpflanzen schädigt und damit die Struktur von Gewässern verändern kann.

KAULBARSCH: (Gymnocephalus cernua)

Hat sich mittels Ballastwasser durch Schiffe über sein natürliches Verbreitungsgebiet nördlich der Donau hinaus ausgebreitet, stellt durch die hohe Reproduktionsrate, die Fähigkeit sich an diverse Habitate anzupassen und einen breiten Speiseplan eine potenzielle Gefahr für heimische Ökosysteme dar.

► Gefährdete Region: ganz Mitteleuropa
► Gefährdungsbarometer:

Aland


ALAND: (Leuciscus idus)

In Frankreich, Deutschland und Holland vielerorts als Zierfisch Goldorfe für Teiche und Aquarien eingeführt. Konnte durch Hochwasser des Öfteren entkommen, bildete Schulen in klaren Gewässern, die er nun besiedelt. Die Art ist gegen viele Umweltbedingungen tolerant, die wirklichen Folgen immer noch unbekannt. Es wird davon ausgegangen, dass diese Art als harmlos einzustufen ist.

► Gefährdete Region: Mitteleuropa
► Herkunft: Mittel- und Osteuropa
► Gefährdungsbarometer:

FORELLENBARSCH: (Micropterus salmoides)

In Österreich etabliert und in Deutschland als unbekannt eingestuft, durch kommerzielle Seen mit Beständen der Forellenbarsche wird Status in Deutschland eventuell bald revidiert werden. Als berühmter Sportfisch in den USA weit verbreitet. 1880 wurde dieser spezialisierte Fischräuber erstmalig nach Europa gebracht, hat vor allem in Südeuropa negative Einflüsse auf die Bestände an Wasservögeln. Sein Fressverhalten führte in mehreren Orten zur Abnahme an Beständen bis hin zum Verschwinden ganzer Arten. Wird zu den 100 schlimmsten invasiven Arten gezählt.

Forellenbarsch


► Gefährdete Region: Mitteleuropa, in Abhängigkeit vom Klimawandel
► Herkunft: Nordamerika
► Gefährdungsbarometer:

SCHWARZMUNDGRUNDEL: (Neogobius melanostomus)

Schwarzmundgrundel


Im Süß- und Brackwasser etabliert und derzeit ein Vertreter der wohl bekanntesten und invasivsten Arten: Ursprünglich aus dem Schwarzen und Kaspischen Meer stammend. 1998 Exemplare an der deutschen Ostseeküste bei Rügen nachgewiesen und seit 2008 im Main-Donau-Kanal in den Rhein eingezogen. Nutzen die künstlichen Blocksteinschüttungen als Lebensraum. Ernähren sich vor allem von den (ebenfalls invasiven) Dreikantmuscheln und Dreihöckerkrebsen („Killershrimp“). Grundeln gelten als aggressive Fress-Maschinen. Ihr hohes Ausbreitungs- und Reproduktionspotenzial (geschlechtsreif nach drei bis vier Jahren) führt zunehmend zu Konkurrenz mit heimischen Arten, zum Verschwinden von Mollusken und zur Explosion von Raubfischbeständen (zum Beispiel Zander). Wechselwirkungen mit heimischen Arten (wie zum Beispiel dem Zingel) sind zwar denkbar, aber noch relativ unbekannt. Grundeln waren bis vor 15 Jahren noch nicht einmal im Rhein vertreten, machen heute bis 60 Prozent der Fänge von Rheinanglern aus. In den Niederlanden zunehmend Nahrungskonkurrenz mit heimischen Grundeln (vor allem im Fluss Meuse), gleichzeitig aber wichtige Nahrungsquelle für fischfressende Fische und Vögel. Ausblick: Tierschützer sehen keine Chance, der Grundel-Plage Herr zu werden.

► Gefährdete Region: Deutschland, Niederlande und Österreich
► Herkunft: Schwarzes Meer, Kaspisches Meer, Azow’sches Meer
► Gefährdungsbarometer:

REGENBOGENFORELLE: (Oncorhynchus mykiss)

Zweifelsohne der global am weitesten verbreitete und präsenteste Fisch. Als Ziel- und Speisefisch bekannt. Länge bis zu 80 Zentimetern und über zehn Kilo Gewicht. In der Schweiz ist die Regenbogenforelle in mindestens 29 Prozent der Seen präsent. Studien zeigen eine zunehmende Fähigkeit, sich bei uns fortzupflanzen. Sich selbst erhaltene Populationen wurden im alpinen Rheinsystem, in Bayern und Österreich gefunden. Starke Rivalität mit heimischer Bachforelle und anderen Salmoniden und Amphibien. Kreuzungen mit heimischen Arten sind nicht auszuschließen. Potenzial, Krankheitserreger in Gewässer einzuschleppen.

Regenbogenforelle


► Gefährdete Region: Mitteleuropa
► Herkunft: Kanada, westliches Nordamerika bis Mexiko
► Gefährdungsbarometer:

BLAUBANDBÄRBLING: (Pseudorasbora parva)

Erkennbar an dem typisch oberständigen Maul. Potenzieller Überträger diverser Krankheiten. Der relativ kleine Cyprinid stammt aus Ostasien, wurde versehentlich mit Lieferungen von Graskarpfen in Europa und speziell der Schweiz eingeschleppt. Aktive Verbreitung entstand durch den Nutzen als Besatz-, Futter-, Aquarien- und Köderfisch seit den 1980er-Jahren bei deutschen Teichwirten. Hat das Potenzial, Krankheiten in Gewässer einzuschleppen, zudem kommt es zu Nahrungsrivalität mit anderen Weißfischen. Durch Ernährung von Laich, Zooplankton und wirbellosen Tieren (Invertebraten) können Nahrungsbeziehungen in Gewässern auf Grund seiner Dominanz schnell verändert werden. Gilt deshalb als unerwünschte Art.

Blaubandbärbling


► Gefährdete Region: Mitteleuropa
► Herkunft: China
► Gefährdungsbarometer:

BACHSAIBLING: (Salvelinus fontinalis)

Besonders bei Fliegenfischern geschätzt und folglich häufig besetzt. Rivalisiert mit heimischer Bachforelle um Nahrung. Etwa zur gleichen Zeit laichbereit, so kommt es oft zu Einbußen bei bereits abgelegten Eiern der Bachforellen. Kreuzungen mit Bachforelle und Seesaibling sind jedoch steril und pflanzen sich nicht weiter fort. Besatz mit Bachsaiblingen kann zu starken Veränderungen in der lokalen Tiergemeinschaft führen.

Bachsaibling


► Gefährdete Region: Deutschland, Österreich und subalpine Seen der Schweiz
► Herkunft: östliches Nordamerika
► Gefährdungsbarometer:

AMERIKANISCHER SEESAIBLING: (Salvelinus namaycush)

Stark kältetolerant, wurde in mehreren hochgelegenen alpinen Seen besetzt. Aufgrund der Größe führt seine Anwesenheit vermutlich zu negativen Einflüssen auf heimische Fischarten und besonders bereits gefährdete Amphibien. Das Besetzen mit dieser Art wurde verboten.

► Gefährdete Region: Österreich und Schweiz


► Gefährdungsbarometer:

Amerikanischer Seesaibling


Zander


ZANDER: (Sandra lucioperca)

Der Zander ist ein in Mittel- und Osteuropa sehr geschätzter Fisch. Nicht nur als Ziel-, sondern auch als Speisefisch. Das gezielte Freilassen führte zur Entstehung sich selbst erhaltender Populationen in größeren Seen und Flüssen und ist in über 130 Gewässern der Schweiz vorhanden. In den Niederlanden wird diese Art als heimisch geführt. Da in Großbritannien eine direkte Rivalität zwischen Zander, Hecht und Barsch zur Abnahme der letzteren beiden führte, ist die Ansiedlung dieser Art zwar nicht verboten, jedoch in manchen Regionen nicht wünschenswert.

► Gefährdete Region: Schweiz
► Gefährdungsbarometer:

+ EINFLÜSSE INVASIVER ARTEN UND RISIKEN

Oft ist es nicht die Art selbst, die sie invasiv werden lässt, sondern vielmehr die Abwesenheit von möglichen Fressfeinden, die Bestände ausufern lässt. Manchmal ist es auch so, dass neue Arten in der Lage sind, andere Ressourcen zu verwenden, die für unsere heimischen Arten unzugänglich sind. In anderen Fällen verändert die Anwesenheit einer neuen Art das Ökosystem so, dass es ihm „besser passt“. In jedem Falle kann man sagen, dass die Einflüsse invasiver Arten so unterschiedlich sind wie die invasiven Arten selbst. Wir halten also fest: Invasive Arten haben das Potenzial, nicht nur direkt unsere Bestände zu beeinflussen, sondern auch – und das ist auf lange Sicht schlimmer – das Gewässer nachhaltig zu verändern.

Konkurrenz mit einheimischen Arten

Fremde Arten konkurrieren mit einheimischen Arten in der Regel um Nahrung sowie um sichere Standplätze, um Fressfeinden zu entgehen, oder um Fortpflanzungsplätze. Hinzu kommt oftmals eine typischerweise hohe Fortpflanzungsrate, wodurch der Druck auf heimische Arten erneut steigt. Außerdem sind einige der invasiven Arten starke Laichräuber, die den Laich einheimischer Fische fressen.

Fraßdruck

Eine schnelle Reproduktion führt zu steigendem Fraßdruck. Dabei haben fremde Arten oft Vorteile. Invasive Katzenwelse haben beispielsweise Stacheln, die sie für heimische Arten unverzehrbar machen, fressen andersherum jedoch gerne die Brut anderer Arten.

Veränderung der Umgebung

Fraß an Algen, Pflanzen und anderen niederen Lebewesen verändern die Zusammensetzung einer Gemeinschaft. Manche Arten fressen Pflanzen in einem Ausmaß, dass nicht durch Nachwachsen kompensiert werden kann. Dadurch erhöht sich die Fließgeschwindigkeit und die Wassertrübung nimmt zu. Pflanzliches Plankton, das nicht von Fischen gefressen wird, gewinnt die Überhand (zum Beispiel bei hohen Beständen von Graskarpfen). Andererseits fressen manche invasiven Fischarten auch große Mengen Zooplankton, wodurch der Nährstoffgehalt in einem Gewässer unweigerlich gesteigert wird (zum Beispiel bei hohen Beständen von Silber-/ Marmorkarpfen).

Kreuzungen

Eingeschleppte Arten können unter Umständen nahe mit heimischen Arten verwandt sein, wodurch sogenannte „Hybride“ entstehen können.
Wir kennen das von vielen Weißfisch-Hybriden in Deutschland, deren Identifikation oftmals nicht leicht ist.

Finanzieller Schaden

Ist der geliebte Zielfisch weg, leidet die Region an weniger Angeltourismus, hat weniger Einnahmen. Ein gutes Beispiel ist Italien. Zunehmend schlechte Wasserqualität dank invasiver Arten und mangelnde Wasseraufbereitung führte zu einer Dominanz an Welsen, wodurch vielerorts Arten wie der Hecht regional vollständig verdrängt wurden.

Kultureller Schaden

Traditionen können eng mit spezifischen Arten zusammenhängen. Seien es Aale, Süßwasserkrebse oder ein regional sehr beliebter Speisefisch. Der starke Rückgang solcher Arten wird meist besonders stark wahrgenommen.

KREBSE UND KRABBEN

Die Chinesiche Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis), zu Beginn des 20. Jahrhundert nach Europa gebracht, zerstört nicht nur die Natur, sondern auch Fangnetze. In der Küche ist sie eine Delikatesse (siehe nächste Seite).
Flusskrebse gehören zu den erfolgreichsten Invasoren, sind häufig aus Zuchtfarmen entkommen und haben mit Ausnahme der Antarktis auf allen Kontinenten Fuß gefasst. Verbreiten die ebenfalls mit eingeschleppte Krebspest, die ihnen selbst nichts anhaben kann, aber zum Aussterben heimischer Krebsarten führt. In Deutschland ist ein Großteil der ursprünglich heimischen Edelkrebspopulationen (Astacus astacus) so gut wie verschwunden. Diese „Lücke“ haben Kamberkrebse (Orconects limosus) und Signalkrebse (Pacifastacus leniusculus) besetzt. Zu diesen gesellen sich nun vielleicht auch der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (Procambarus clarkii), der Kalikokrebs (Orconectes immunis) und der Marmorkrebs (Procambarus virginalis). Die bisherigen Beobachtungen lassen darauf schließen, dass die Anzahl „neuer“ Krebsarten zunehmen wird. Viele invasive Krebsarten haben sich dabei als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen. Selbst ursprünglich subtropische Arten kommen mit den kalten Wintertemperaturen zurecht.

Wie kann man der Plage Herr werden? Wollhandkrabben-Rezept auf Seite 56 …


FOTO: W. KRAUSE

FOTO: V. WRANGEL/SHUTTERSTOCK, C. GUIHARD/BIOSPHOTO, ZEICHNUNG: J. SCHOLZ

FOTO: O. PORTRAT

FOTOS: BLINKER/AW/FOTOLIA.DE; ZEICHNUNGEN: J. SCHOLZ