Lesezeit ca. 6 Min.

INVEST? DANN ABER HANDFEST!


Logo von Cosmopolitan
Cosmopolitan - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 07.09.2022

FINANZEN

Artikelbild für den Artikel "INVEST? DANN ABER HANDFEST!" aus der Ausgabe 10/2022 von Cosmopolitan. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
DER LACK IST NICHT AB Knapp eine Million Autos in Deutschland sind mindestens 30 Jahre alt, die Hälfte davon hat den Oldtimer-Status mit dem ?H? auf dem Kennzeichen. Gut erhalten, bringt so mancher ?Alter? richtig Kohle. Weitere Vorteile: günstigere Kfz-Steuer und Versicherungen sowie freie Fahrt in Umweltzonen ohne Feinstaubplakette

8 Min. Lesedauer

Krypto-Kurse fallen seit April rasant (sogar teils um die Hälfte!), die Darlehenszinsen für Immobilien haben sich seit Jahresanfang fast verdreifacht, der Aktienmarkt ist seit der Krise nur am crashen, weil immer mehr Investor*innen Kapital zurückziehen (müssen). Auf der Bank will man sein Geld jetzt aber auch nicht lassen – Inflation sei Dank. Allein im letzten Quartal stieg die Inflationsrate auf 5,3 Prozent. Heißt auch: Wer nicht investiert, sondern seine Kohle einfach auf dem Konto lässt, verliert dennoch jeden Tag was vom Gesparten.

Deshalb fragen sich viele jetzt: Was kann ich kaufen, das seinen Wert nicht verliert oder vielleicht sogar steigert? Eine Möglichkeit sind sogenannte Collectibles – also Sammlerstücke. Und die sind mehr als nur Geldanlagen, haben auch einen emotionalen Mehrwert. „In Zeiten hoher Inflationsraten verlieren wir das Gefühl der Stabilität und ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Cosmopolitan. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2022 von HALLO, LIEBE COSMO-LESERINNEN,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HALLO, LIEBE COSMO-LESERINNEN,
Titelbild der Ausgabe 10/2022 von FESCH INS FESTZELT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FESCH INS FESTZELT
Titelbild der Ausgabe 10/2022 von UNSER COSMOS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
UNSER COSMOS
Titelbild der Ausgabe 10/2022 von „Ich weiß, wie ich Macht ausspielen könnte“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„Ich weiß, wie ich Macht ausspielen könnte“
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
UND WAS KÖNNEN SIE FÜR MICH TUN?
Vorheriger Artikel
UND WAS KÖNNEN SIE FÜR MICH TUN?
MAKE-UP CALL
Nächster Artikel
MAKE-UP CALL
Mehr Lesetipps

... Sorglosigkeit“, sagt der Psychologe und Marktforscher Jens Lönneker. Da geben uns gerade Gegenstände wie der Schmuck der Oma oder ein Designer-Stuhl von Charles Eames ein Gefühl von Sicherheit. Sie dienen also als eine Art Notgroschen zum Anfassen und Fühlen. Welche Collectibles sich tatsächlich lohnen? Wir stellen ein paar davon vor …

PENNYS DANK PS

Wenn’s ums Investieren geht, fährt man, im übertragenen Sinne, vor allem mit alten Autos gut. Man muss nur wissen, mit welchen und worauf es ankommt. „Alt ist nicht gleich alt. Ausschlaggebend sind viele Faktoren wie Zustand, Baujahr, Historie, die Limitierung, die Nachfrage, der Zeitgeist“, sagt etwa Constantin Philippi von Timeless Investments, einem Start-up für Collectibles. Wer sichergehen will, investiert laut ihm in die typischen Stücke mit Sammlerwert: „Beliebte Automarken werden für Jahrzehnte Porsche, Ferrari und Jaguar bleiben.“ Doch kein Grund, jetzt geknickt aufzugeben, denn auch ein Toyota MR2 aus den Jahren 1984 –1989 (damals ca. 37 000 D-Mark, heute ca. 24 000 Euro) ist eine super Anlage, was vor allem an seiner stabilen Fanbase liegt. Wegen seines schnittigen Looks ist er auch als „kleiner Ferrari“ bekannt. Generell gilt: Hat ein Auto die dreißig Jahre erreicht, wird es zum Oldtimer. Offiziell bestätigt wird das durch das „H“ für „historisch“ rechts auf dem Kfz-Kennzeichen. Zu den günstigsten Oldies gehörte lange die legendäre „Ente“ von Citroën (Baujahr 1949–1990). Schrottreif war sie für ein paar Hunderter zu haben, heute kosten gepflegte Exemplare mit etwa 13 000 Euro fast 70 Prozent mehr als 2011. Ebenso einen Hype erleben die V W-Bullis: 1955 für rund 5800 DM zu haben, erreichen Modelle im Top-Zustand inzwischen sechsstellige Verkaufspreise. Cool für Kohle ist auch der VW Käfer mit irrem Wertzuwachs: Einer aus der Baureihe 1967 bis 1973 (in passablem Zustand!) bringt auch etwa 13 000 Euro. Mit Glück kann man diese wertvollen Exemplare sogar noch auf Ebay entdecken (mit noch mehr Glück wissen Verkäufer*innen nicht um deren Wert), manchmal lohnt aber einfach auch ein Blick in die Garage der Großeltern! War nicht eh längst mal wieder ein Besuch fällig?

CASH MIT SDER RICHTIGEN TÄSCH

Dass Handtaschen tatsächlich Investitionen sein können, zeigt dieses kurze Rechenbeispiel (ja, Sie haben endlich einen legitimen Grund zu shoppen!): Wer 2017 für 5000 Euro die klassische Chanel „Flap Bag“ gekauft hat, kann sie heute bei seriösen Secondhand-Portalen wie Vestiaire Collective mal eben mit einem satten Gewinn von 2000 Euro verkaufen – für 7000 Euro! Warum? Weil diese Tasche je Saison um rund 500 Euro teurer wird und aktuell für fast 9000 Euro im Laden über den Tresen geht. Mit den typischen Verdächtigen von Hermès und Chanel macht man also schon mal nichts falsch, vor allem bei limitierten Modellen. „Seltenheit treibt den Preis in die Höhe“, erklärt auch Sophie Hersan, Mitbegründerin von Vestiaire Collective. Aber hey, jetzt geht’s auch mit Marken, die nicht so vermeintlich unerreichbar sind: Seit Beyoncé die „Shopping Bag“ von Telfar trug (Neupreis: ab 150 Euro), sind die Taschen ständig ausverkauft – und gehen secondhand nun für das Zehnfache weg. Neuauflagen der It-Bags wie die Prada „Nylon“ oder die Fendi „Baguette“ sorgen übrigens auch dafür, dass die alten, ursprünglichen Styles wieder sehr gefragt sind. Also: Lange genug durchhalten, dann kommt jedes Modell wieder in Mode. Insidertipps, die man in Sachen Wertsteigerung bei Taschen noch nicht so auf dem Radar hat, sind übrigens Tom Ford, Alaïa, Mugler und Margiela, weiß das Team von Vestiaire Collective.

MONEY MIT MÖBELN

Möbel als Collectibles lohnen sich gleich doppelt: Sie stehen bei uns in der Wohnung, wir benutzen sie und trotzdem steigen sie oft noch im Wert. Die „Panthella“-Lampe, die Verner Panton und Louis Poulsen 1971 zusammen designt haben, ist jetzt ein erschwinglicher Eyecatcher und sehr robust. Und auch nach Jahren in Benutzung können die Leuchten immer noch einiges auf Ebay bringen. In den 2010ern gab es mehrere Neuauflagen des bunten Klassikers, die „Panthella Portable“ von Louis Poulsen gibt es für rund 200 Euro zu kaufen, genau wie damals. Das Original-Modell aus den Siebzigern kostet heute rund 1200 Euro! Sie ist also eine gute und vor allem günstige Investition zum Einstieg in Collectibles. Wer sich mehr traut und eine Leidenschaft für Designermöbel hat: auch der „Vitra Panton“ oder der „Womb Chair“ von Eero Saarinen, die „Nelson Bench“ von George Nelson oder der „Adjustable Table E1027“ von Eileen Gray – alles Stücke, die sich lohnen. Genauso wie der „Bell Table“ von Sebastian Herkner, einem jungen Designer mit Zukunft. Aber, und jetzt kommt’s: Es gibt auch Sammlerstücke, die möglicherweise schon längst in den eigenen vier Wänden stehen. Und zwar von Ikea! 2005 war eine Vase aus der Reihe „Jonsberg“ noch für 30 Euro zu haben, heute ist sie das Fünffache wert! Das ist aber nichts gegen den bunten Holzstuhl „Vilbert“ aus vier simplen Platten, für den Sammler aktuell bis zu 10 000 Euro hinblättern. Der ist allerdings schon aus den 1950er-Jahren, aber den Mid-Century-Style sieht man ja gerade auf (fast) jedem Insta-Einrichtungsaccount.

FOTOS: MIA TAKAHARA/PLAIN PICTURE (2)

WIN-WIN MIT WHISKY

Dass Wein und Whisky mit dem Alter an Wert gewinnen, davon haben wir alle schon gehört. Aber woran liegt das? Spirituosen-Experte Janis Wilczura von der Handelsplattform Spiritory.com erklärt es: „Whisky und Wein bedienen sich der gleichen Mechaniken wie andere Luxusgüter, etwa Uhren oder Handtaschen. Mit einem Unterschied: Bei Handtaschen unterscheidet das Unternehmen, wie viel sie davon produzieren. Spirituosen dagegen unterliegen dem natürlichen Produktionsprozess. Simpel ausgedrückt, ist jedes Fass Whisky durch die Reifung und jeder Wein durch den Jahrgang einzigartig und limitiert und kann nicht beliebig reproduziert werden.“ Zudem sind im Fass gelagerte Konsumprodukte in der Regel viel weniger vorrätig als Aktien. Deswegen besteht eine geringe Schnittmenge zwischen Whisky und anderen Anlagemärkten. Ein Beispiel für die enorme Rendite, die Whiskyflaschen einem bringen können: „Die teuerste jemals verkaufte Flasche Whisky, der ‚The Macallan 1926 60-Year-Old Fine and Rare‘, wurde 2019 für 1,7 Millionen Euro versteigert“, weiß Janis Wilczura. Weil ein guter Whisky mehrere Jahre in teuren Eichenfässern reift, ist der Hype gerade um diese Spirituose groß. Besonders, wenn es sich um Marken wie Macallan, Ardbeg, Glenfiddich oder Highland Park handelt, die oft an Wert gewinnen. Wer sich die Whisky-Investition so vorstellt, dass man zu Hause inmitten von Flaschen lebt: Muss nicht! Denn die flüssige Wertanlage kann auch nach der Investition weiterhin in den Fässern reifen oder bei Händler*innen unter optimalen Bedingungen gelagert werden – sodass sie sich im Wert vielleicht noch weiter steigert.

SCHMUCKSTÜCKE ALS SCHÄTZE

Omas Perlenkette oder Mamas Goldring – die haben nicht nur emotionalen Wert. Die alten Schätze sind oft komplett aus echtem Gold, neue Stücke werden heute hingegen meist nur noch vergoldet und bestehen nicht zu 100 Prozent aus Edelmetall. Bei Edelsteinen kommt es indes auf die Karatzahl an. Doch um zu wissen, ob sich im Schmuckkästchen wirklich ein Collectible verbirgt, braucht es die Einschätzung eines Juweliers. Bei dem kann man natürlich auch neue Stücke wie Goldschmuck, Rohdiamanten und -edelsteine kaufen: je höher der Anteil am Edelmetall, desto sinnvoller die Investition. In Deutschland gilt eine Legierung ab 750 als wertvoll. Laut Expert*innen steigert sich der Goldwert im nächsten Jahr um bis zu 18 Prozent, bis 2030 sollen es sogar 165 Prozent sein! „Am besten ist Feingold für eine Investition geeignet – auch bekannt als 24-Karat-Gold, denn es ist die reinste Form“, weiß Sadettin Yildiz, Chief Investment Officer bei der Privatbank Donner & Reuschel. Außerdem sind Gold und Echtschmuck ein echt handliches Investment, das man jederzeit (bei sich) tragen kann. Der Grund, weshalb Menschen gerade in Krisenzeiten darauf setzen – Schmuck lässt sich überallhin mitnehmen und im Notfall gegen Sachwerte tauschen. Time is money: Auch Uhren eignen sich als Collectibles. Constantin Philippi von Timeless Investments weiß: „Mit Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet, Vacheron Constantin oder Cartier ist man immer gut dabei.“ Bei weniger Budget wird’s bei Swatch interessant: Als die günstigen Plastikuhren 1983 auf den Markt kamen, sollten sie sich jede*r leisten können, heute sind limitierte Exemplare der Schweizer Marke unter Sammlern heiß begehrt: Die „Jelly Fish“ von Andrew Logan (1985) wurde kürzlich für über schlappe 10 000 Dollar verkauft.