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Investment-Interview: Über die Zukunft von Fondsgesellschaften und die Token-Standardisierung – Ein Interview mit Dr. Sven Hildebrandt von Distributed Ledger Consulting


Kryptokompass - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 05.12.2019
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Bildquelle: Kryptokompass, Ausgabe 12/2019

Dass sich der traditionelle Finanzsektor immer stärker der Blockchain-Technologie und der Token Economy zuwendet, ist kein Geheimwissen mehr. Einer der dies früh erkannt hat, ist Dr. Sven Hildebrandt, der heutige Geschäftsführende Gesellschafter der DLC Distributed Ledger Consulting GmbH und vorherige Abteilungsleiter der Fondsgesellschaft HANSAINVEST, einer Tochtergesellschaft der SIGNAL IDUNA Gruppe mit rund 38 Milliarden EUR unter Administration. Seine Mission: die traditionelle Finanzwelt mit der Krypto-Ökonomie zusammenführen. Worauf es dabei ankommt, welche Rolle die Big Player der Finanzindustrie ...

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... für den Bitcoin-Kurs zukünftig spielen werden und wie Anleger von der Tokenisierung bestehender und neuer Assetklassen profitieren können, hat er uns im Interview verraten.

BTC-ECHO: Vorab, warum hast du deinen Job bei HANSAINVEST aufgegeben und Distributed Ledger Consulting gegründet? Welche Dienstleistung bietet ihr an?

Hildebrandt: Mein Exit bei der HANSAINVEST war im Kern „FOMO“-getrieben und ich denke auch heute noch sehr gern an meine Zeit dort zurück. Die HANSAINVEST ist ein tolles Unternehmen mit überwiegend großartigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Am Ende wollte ich aber doch mehr gestalten und „mittendrin“ im Blockchain Space sein. Das war im Rahmen meiner Tätigkeit nicht in dem Maße möglich, in dem ich mir das gewünscht hätte. Irgendwann war klar: Now or never.

Mit der DLC bieten wir Beratung für semiprofessionelle und professionelle Finanzmarktteilnehmer im Hinblick auf DL-Technologien an, wobei der besondere Fokus auf der Intersektion zwischen Regulatorik und Technik/Recht liegt. Mit anderen Worten: Für die „traditionelle Welt“, die die Regulatorik kann, aber die Technik nicht, beraten wir in Richtung Technik. Und bei den Tekkies machen wir es genau andersherum. Das kommt zunehmend gut an, gerade kürzlich konnten wir die DEKA als Kunden gewinnen. Darüber hinaus führt aktuell natürlich das neue Kryptowerteverwahrgesetz dazu, dass unsere Handys ständig klingeln und Exchanges auf dem ganzen Globus um unseren Rat bitten.

BTC-ECHO: Was sind deiner Meinung nach die Gründe, die institutionelle Finanzplayer und Investoren noch davon abhalten, in Kryptowährungen sowie Token zu investieren und Assets wie Immobilien und Unternehmen zu tokenisieren?

Hildebrandt: Das ist relativ simpel: Da viele institutionelle Investoren ihre Engagements vornehmlich über Fonds vornehmen und diese aktuell nicht – zumindest nach deutschem Recht – direkt in Kryptowährungen beziehungsweise Token investieren dürfen, geht das schlicht nicht. Kleinere Jurisdiktionen (beispielsweise Liechtenstein), die solche Konstellationen schon zulassen, gelten bei „traditionellen“ Investoren immer noch zum Teil als anrüchig, weshalb sie nicht genutzt werden. Und auch die Verwahrung ist noch ein großes Thema, wobei die Bundesregierung mit Ihrem Entwurf für die Kryptowerteverwahrer hier einen lobenswerten Vorstoß unternommen hat. Jetzt muss nur noch darauf geachtet werden, dass die Exekution des Gesetzes genauso gut ist, wie das, was auf dem Papier steht. Hier habe ich noch Zweifel, lasse mich aber überaus gern positiv überraschen.

BTC-ECHO: Besteht nicht die Gefahr, dass im Zuge einer stärkeren Regulierung die Vorteile der Token-Ökonomie von der erhöhten Bürokratie und den teuren Auflagen aufgefressen werden?

Hildebrandt: Jein. Es gibt ja einen Grund, warum die aktuelle Regulierung ist, wie sie ist. Und im Großen und Ganzen – mit Ausnahme der generellen Geldpolitik, zu der ich mich hier nicht äußern möchte – haben die Mechanismen bislang schon recht gut funktioniert. Nichts ist perfekt, aber wenn man sich den ICO-Hype anschaut, dann funktioniert das „klassische“ Finanzsystem doch schon ganz gut. Meiner Meinung nach müssen wir – und zwar gemeinsam mit den Regulatoren – schauen, wie wir die gleichen Funktionen beibehalten und gleichzeitig die Vorteile der Technologie hebeln können. Wichtig ist, dass man im Dialog bleibt. Und hier wünsche ich mir schon mehr Offenheit und Interaktion der Behörden mit den Stakeholdern. Da ist noch deutliches Potenzial nach oben, auch im allgemeinen „Umgang“ miteinander.

BTC-ECHO: Welche Vorteile hat es denn deiner Meinung nach, Fonds zu tokenisieren?

Hildebrandt: Fonds sind ja Vehikel, in denen unterschiedliche Werte nach festgelegten Regeln eingekauft werden können – oder eben auch nicht. Somit sehe ich den Vorteil von tokenisierten Fondsanteilen weniger im Fondsanteilskauf an sich, wobei auch dieser gegeben ist, sondern vielmehr in der Prozessautomatisierung innerhalb des Fonds – also eben genau das, was mein alter Arbeitgeber oder beispielsweise ein Unternehmen wie die Universal macht. Ich glaube, dass diese Tätigkeiten innerhalb der nächsten acht Jahre zu 80 Prozent durch Smart Contracts ersetzt werden.

BTC-ECHO: Und wie werden sich hier in den nächsten Jahren Fondsgesellschaften aufstellen? Für wie gefährdet beurteilst du ihr gegenwärtiges Geschäftsmodell?

Hildebrandt: Fondsmanager wird es weiterhin geben – allerdings werden auch diese Nachhilfe in Sachen Spieltheorie et cetera brauchen. Massiv gefährdet ist das Geschäftsmodell aller Abwicklungseinheiten: Broker, Fondsadministratoren, Verwahrstellen und natürlich alle assoziierten „Prüfeinheiten“ wie Wirtschaftsprüfer und Notare. Das merkt man auch schon an verschiedenen Ecken – so haben es die Lobbyisten sogar geschafft, das in meinen Augen obsolete Grundbuchsystem lobend in der ansonsten guten Blockchain-Strategie der Bundesregierung erwähnen zu lassen. Das ist schon ein starkes Stück.

Nichtsdestotrotz: Alle Intermediäre, wie von vielen Hardcore-Blockchainern prophezeit, werden aber auf keinen Fall wegfallen. Vertrauensstiftende Instanzen wird es beispielsweise weiterhin geben. Nur Stiften die dieses Vertrauen auf eine ganz andere, vielleicht codebasierte Weise.

BTC-ECHO: Glaubst du, dass Investmentbanken und Fondsgesellschaften zukünftig auch verstärkt in traditionelle Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether investieren werden?

Hildebrandt: Jede Investmentbank oder Fondsgesellschaft, die das nicht tut, wird sich in 5-10 Jahren massiv rechtfertigen müssen, warum sie das nicht getan hat. Nicht in ein zwar volatiles, aber vom Risk-Reward-Ratio unglaublich gut aufgestelltes Asset zu investieren, was darüber hinaus auch noch unkorreliert zum sonstigen Markt unterwegs ist, ist allein schon – und jetzt wird’s wirklich lustig – aus Risikominimierungsgründen ein Jackpot. Aber das ist noch nicht in jeder Pensionskasse im Harz angekommen. Wohl aber in Mittweida (lacht).

BTC-ECHO: Nun benötigt jede Branche Standards. Gegenwärtig tappt man noch im Nebel, was eine Adaption – aufgrund der Unsicherheit, welche Token-Standards sich etablieren – erschwert. Um dies zu ändern engagierst du dich in einer ganzen Reihe von Verbänden, wie der ISO, dem DIN, der INATBA und weiteren. Worauf kommt es deiner Meinung nach an? Wie werden sich Branchen-Standards herausstellen?

Hildebrandt: Standardisierung ist ein riesiges Thema. Man denke nur an VHS und Betamax. Betamax war damals das deutlich bessere Medium, VHS wurde aber durch Marktdruck irgendwann „Standard“ und hat sich dadurch durchgesetzt. Da es sich bei DLT und Blockchain um ein weltweites Phänomen handelt, glauben wir an weltweite Standards, weshalb wir unter anderem in der ISO TC 307 zum Thema Blockchain mitarbeiten. Andererseits entstehend Branchenstandards auch durch Marktdruck, weshalb wir mit drei großen Finanz-Verlagen, dem Finanzen Verlag, der Cash. Medien AG und dem wichtigsten deutschsprachigen Verlag für die Krypto-Community, also euch, Exklusivverträge für die Auditierung von Token und die Herausgabe entsprechender Qualitätssiegel geschlossen haben. Durch diese Marktmacht können wir die Standardisierung – zumindest für Token-Audits – aktiv mitgestalten und tun dies, um Verbraucherinnern und Verbraucher vor fehlerhaftem Code nach bestem Wissen und Gewissen schützen und damit wiederum auch zur Adaption von „Krypto“ in der Allgemeinheit beizutragen. Gleichzeitig werden wir natürlich darauf achten, unsere Token Audits kompatibel mit den Weltstandards auszugestalten. Und genau deshalb arbeiten wir auch an diesen mit.

BTC-ECHO: Wie stark werden diese Standards einen Einfluss auf den zukünftigen Sekundarmarkt-Handel von Security Token haben?

Hildebrandt: Wir gehen davon aus, dass kein großer Player seine Plattform für nicht-standardisierte/geprüfte Token öffnen wird. Viel zu groß ist das Risiko, dass hier mal irgendetwas schiefgeht. Ein Player wie die Börse Stuttgart oder die Deutsche Börse wird sich so etwas nicht erlauben können und daher schon aus reinem Eigeninteresse auf ein standardisiertes, externes Auditing bestehen. Und wir glauben, dass sich auch die Regulierung in diese Richtung bewegen wird.

BTC-ECHO: Zum Abschluss mal ganz geradeheraus: Wo siehst du den Bitcoin-Kurs Ende 2020?

Hildebrandt: Über 25.000 US-Dollar. Mindestens.

Disclaimer: Die Distributed Ledger Consulting ist ein Kooperationspartner der BTC-ACADEMY.