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Irrweg Ausschreibung


Schulverpflegung - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 13.03.2019

@Viele Schulen finden keinen Caterer mehr. Die Schere zwischen Anspruch und Wirtschaftlichkeit ist zu groß. Caterer wie Uwe Nickut appellieren an die Länder, dringend etwas zu tun. Aber was?


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Bildquelle: Schulverpflegung, Ausgabe 2/2019

Ausschreibungen, die zu 100 % nach dem wirtschaftlichsten Preis entschieden werden, legt Uwe Nickut, Geschäftsführer des gleichnamigen Cateringunternehmens aus Burscheid, gleich ad acta – in seine Sammlung der widersprüchlichsten Ausschreibungen für Kinder- und Schulverpflegung. Denn oft punkten sie durch eine Kombination tollster Ansprüche. Jüngstes Beispiel: eine Ausschreibung einer weiterführenden Schule mit ...

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... 1.070 Schülern, wovon derzeit 40 das Schulessen in Anspruch nehmen. In fünf Minuten Fußweg liegt ein großes Einkaufszentrum, eine Essensvorbestellung wird abgelehnt, die Technik soll der Caterer aber stellen. Der Vertrag soll für vier Jahre mit dreimaliger freiwilliger Verlängerungsoption unterschrieben werden. Wer macht so etwas freiwillig?


Die Länder sind meiner Meinung nach in der Pflicht, mehr Geld für die Kinder- und Schulverpflegung zur Verfügung zu stellen – ob nun für ein gesundes Essen selbst, oder zur Subventionierung des Personals.“
Uwe Nickut, Geschäftsführer, Uwe Nickut Catering


Das Wissen fehlt

„Derartige Ausschreibungen setzen kommunale Mitarbeiter auf, die es gar nicht besser wissen können. Sie haben keine Fachkompetenz auf diesem Gebiet, sind aber gesetzlich dazu gezwungen“, schildert Uwe Nickut das Dilemma, das lösbar wäre. „Um ein gewisses Verständnis dafür zu bekommen, was wirtschaftlich machbar ist, müsste sich das Personal, das für Ausschreibungen zuständig ist, mit Fachgremien beraten, in welche auch Caterer gehören“, schlägt der Geschäftsführer vor, der eine derartige Unterstützung auch aktiv anbietet. „Nicht um des Zuschlags willen, wir wollen und brauchen nicht jeden Auftrag!“, betont Uwe Nickut, dem es um das große Ganze geht. Ein guter Draht zur Schule oder Kommune könnte aber auch problematisch werden. Hat ein sogenannter „Vorkontakt“ stattgefunden, kann der Caterer von der Ausschreibung ausgeschlossen werden; angesichts von Vetternwirtschaft zwar nachvollziehbar, doch in diesem Zusammenhang total kontraproduktiv
Apropos Vetternwirtschaft: Die NRW-Schulministerin steht gerade wegen eines Vertrags zur Lieferung von Digitalbussen als digitales Klassenzimmer in der Kritik. Dieser wurde ohne Ausschreibung erteilt, da laut Ministerium der Schwellenwert von 750.000 Euro bei dem 600.000 Euro teuren Bus nicht überschritten wurde. Eigentlich sollen aber bis zu vier Stück davon angeschafft werden. Und, um zum Punkt zu kommen: die Geschäftsführerin des Lieferanten soll unlängst der Partei der Schulministerin eine Spende zukommen lassen haben.

Wenn ein Bundesland das will, scheint es also Lösungen zu finden, die ohne Ausschreibungen auskommen. Zweiter Punkt, der angesichts dieses Beispiels so manchem Schulcaterer aufstoßen wird: Für einen Digitalbus wird problem-los ein sechs bis siebenstelliger Geldbetrag locker gemacht, beim Schulessen kommt es dagegen auf jeden Cent an. Passt das zusammen?

Das Geld fehlt

„Eine Kommune hat jüngst unsere Belieferung mit Schulessen von fünf auf drei Tage reduziert, weil sie es nicht mehr anders finanziell stemmen können. Freitags gibt es nun kein Schul-essen mehr und einen Tag werden sie sich irgendwie selbst versorgen“, gibt Uwe Nickut ein Beispiel zum großen Problem der Kosten. Eine andere Kommune schlug im Gespräch mit Uwe Nickut über die Herausforderung des Caterers, angesichts des Wechsels von G9 auf G8 noch wirtschaftlich zu arbeiten, vor, einfach die Essenspreise zu erhöhen. Ein elegantes Verlagern des Kostenthemas, das die Eltern aber nicht lösen werden. „In den Kommunen ist schlicht kein Geld da. Also geben sie das wirtschaftliche Risiko komplett an uns weiter. Hinzu kommt, dass wir zusätzlich Technik stellen sollen, Personal vorhalten usw. Das geht nicht!“, betont der Geschäftsführer. „Derzeit müssen wir uns großteils selbst quer subventionieren – was z. B. durch die Kioskverpflegung gelingen kann“, ergänzt Uwe Nickut, der sich zudem nur noch auf Konzepte einlässt, die sich auf eine Vorbestellung einlassen. „Nicht ins Blaue bzw. für die Tonne zu produzieren, hilft viel.“ Die angesprochenen Maßnahmen sind aber eher Joker, die nicht jeder ziehen kann. Es braucht eine andere Lösung. „Schulverpflegung ist Sache der Länder, auch wenn sie es auf die Kommunen abwälzen; aber sie sind meiner Meinung nach in der Pflicht, mehr Geld dafür zur Verfügung zu stellen – ob nun für ein gesundes Essen selbst, oder zur Subventionierung des Personals“, fordert Uwe Nickut folglich. Er würde sich vom Land oder gar vom Bund auch wünschen, dass endlich flächendeckend eine Mindestqualität vorgeschrieben wird, die man auch per Zertifizierung nachweisen muss. „DGE ist zum geflügelten Begriff in der Branche geworden, viele schreiben, dass ihre Speisenplanung nach DGE-Kriterien erfolgt, aber zertifizieren lassen sich nur die wenigsten“, erläutert er. Wäre eine Besteuerung mit nur 7 statt 19 % hilfreich im Blick auf bessere Wirtschaftlichkeit? „Wenn dem Caterer der zwölfprozentige Differenzbetrag bleiben würde, wäre uns schon viel geholfen. Warum an den 19 % festgehalten wird, ist mir absolut rätselhaft. Klar erbringen wir eine Dienstleistung, aber diese kommt Einrichtungen des Bundes zugute“, antwortet er. Werden Schulen also bald ohne Caterer dastehen, wenn sich nichts ändert? „Die Qualität wird ganz sicher irgendwann darunter leiden. Viel Spielraum gibt es nicht mehr, weshalb sich kaum noch kleine Anbieter am Markt halten können“, so die Einschätzung von Uwe Nickut, der einen der Hauptgründe für diese traurige Entwicklung auch in der heute verloren gegangenen Wertschätzung für Lebensmittel sieht.
kir

Die sechs wichtigsten Fragen zum Thema Vergaberecht und Leistungsverzeich-nisse haben wir inSchulverpflegung Ausgabe 1/18, S. 30f beantwortet. Lesen Sie das Interview im Heftarchiv nach:www.schulverpflegung.com

Mag. Hanni Rützler
Food-Trendforscherin, Wien
www.futurefoodstudio.at


Foto: Thomas Wunderlich


„Ich unterstütze das DNSV, weil wir zwar als Genießer geboren werden, aber erst zu Feinschmeckern werden müssen. Gemeinsame Essen fördern nicht nur die Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen und Emotionen, sondern auch die Gemeinschaft und die Freude am Genießen.“


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