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ISLAND: I DID IT MY WAY


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 101/2019 vom 27.09.2019

Anstatt auf Reiseveranstalter zu setzen, istMatze Brauch selbst nach Island gereist und hat sich dort einen Kindheitstraum erfüllt – den Fang eines Arktischen Saiblings.


AUF EIGENE FAUST


„IN DE M EISKALTEN WASSER FROR ICH MIR DIE BEINE AB – ABER DAFÜR FING ICH FISCH AUF FISCH! “


Artikelbild für den Artikel "ISLAND: I DID IT MY WAY" aus der Ausgabe 101/2019 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 101/2019

Es geht auch ohne Guide! Matze stellte sich der Herausforderung Island ganz allein.


Island ist voll von urtümlichen, wunderschönen Flüssen. Die Lizenzen für Touristenstrecken sind jedoch häufig sehr teuer – erkundigen Sie sich daher bei einheimischen Anglern nach guten Spots!


Für seinen Traumfisch ließ Matze sich selbst von einer ...

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... kaputten Wathose nicht aufhalten.


Es ist bestimmt mehr als 20 Jahre her, dass ich als kleiner Steppke in einer Angelzeitschrift zum ersten Mal Bilder von arktischen, isländischen Saiblingen bestaunte. Der Wunsch, einmal selbst einen dieser Fische zu fangen, war geboren – nur war Island noch unerreichbar weit weg. Das sollte sich erst viele Jahre später ändern, als meine Freundin mich mit einer gemeinsamen Reise dorthin überraschte. Sofort war die Faszination wieder da!

Die Reise war Ende Juni geplant, und wir entschieden uns für die Region unweit der Hauptstadt Reykjavik. So blieb noch ein wenig Zeit, sich vorab über die anglerischen Möglichkeiten und die benötigten Lizenzen zu informieren. Hauptsächlich war es natürlich ein Familienurlaub, sodass die reine Angelzeit von vornherein begrenzt war.

DER TELEFONJOKER

Ich durchforstete das Internet, aber so richtig fündig wurde ich nicht. Zwar stieß ich immer wieder auf Angebote von isländischen Guiding-Unternehmen, aber die hatten sich vor allem auf Lachs und Bachforelle sowie auf das Angeln vor der Küste spezialisiert. Diese Guides machen sicher einen tollen Job, aber zumeist waren es mehrtägige Angebote, die meist auch nur als „fly only“, also nur für Fliegenfischer, ausgeschrieben waren. Und dafür, dass meine gewünschten „Arctic Char“ nur am Rande erwähnt wurden, musste es einen anderen Weg geben. Nur war es schwer, diesen von Deutschland aus vorzubereiten.

Also musste ein Telefonjoker her. Ich bekam einen deutschen Guide ans Telefon, der sich zwar ausschließlich um die salzigen Westfjorde Islands kümmerte, aber wenigstens schon ein bis zwei Binnengewässer befischt hatte. Er gab mir die ersten nützlichen Tipps zu Ködern, Techniken und Taktiken. Ganz grob bekam ich einen Einblick in die Möglichkeiten, die sich vor Ort boten. Im Gespräch fiel auch ein Begriff, über den ich schon bei meinen Recherchen am Laptop gestolpert war: „Veidikortid“.

Viele isländische Bachforellen sind recht klein. Um sie nicht unnötig zu verletzen, empfiehlt sich ein Einzelhaken.


LIZENZ IM PORTMONEE

Dabei handelt es sich um eine Angelkarte im EC-Kartenformat, die das Angeln in einer Vielzahl an Gewässern quer durch das ganze Land ermöglicht. Erhältlich ist diese Karte vorab online, bequem zahlbar per Kreditkarte, oder vor Ort in allen Postfilialen oder Q1-Tankstellen. Dazu bekommt man in einem übersichtlichen Heftchen zu jedem Gewässer die wichtigsten Angelregeln und ein paar nützliche Tipps und Besonderheiten, um erfolgreich zu sein. Ganz wichtig waren für mich die angehängten Fotoalben! So bekam ich einen schnellen Überblick und konnte entscheiden, welche Gewässer für mich überhaupt interessant sein könnten. Nebenbei fand ich noch interessante Spots und fängige Köder.

Bachforellen sind in Island allgegenwärtig, größere Exemplare jedoch eher die Ausnahme.


So manche Forelle endete als Abendessen für zwei hungrige Urlauber.


„DER ERHOFFTE SAIBLING WAR SCHNELL AN LAND GEKURBELT – UND MEIN KINDHEITSTRAUM ERFÜLLT!“


MIT ALTEN EISEN

Mit diesen vagen Informationen suchte ich mir vorab fünf Gewässer und packte mir eine kleine Tackleauswahl zusammen. Als eher unbegabter Fliegenfischer setzte ich mein Vertrauen in moderne Hardbaits, aber auch in alte Eisen wie einige Mepps-Spinner.

Auf Grund der Anreise mit dem Flugzeug entschied ich mich für eine leichte, vierteilige Reiserute mit einer Länge von 2,70 Metern und einem Wurfgewicht bis 20 Gramm, mit der ich zur Not auch einen Sbirolino auf die Reise schicken konnte, wenn doch kein Weg an der Fliege vorbei führen sollte.

In Island hatten wir einen Mietwagen, der uns die Anreise zu allen Sehenswürdigkeiten ermöglichte. Da zum Teil lange Anfahrtswege nötig waren, kam man automatisch an vielen Gewässern vorbei. Die Gewässer der „Veidikortid“ liegen fast alle leicht zugänglich an den gängigen Hauptstraßen. Auf dem Rückweg vom Süden Islands in Richtung Reykjavik kamen wir auch mehr durch Zufall am ersten See vorbei.

Angehalten, ausgestiegen, auf dem Weg ans Wasser die Rute zusammen gesteckt, einen 3er Mepps montiert – einen Wurf und zwei Kurbelumdrehungen später zappelte der erste Fisch am Haken. Der erhoffte Saibling war schnell an Land gekurbelt – und mein Kindheitstraum erfüllt! Völlig egal, ob der Fisch zehn Kilogramm wog oder, wie in meinem Fall, gerade einmal 20 Zentimeter maß – Saibling war Saibling! Mit den nächsten zehn Würfen fing ich noch acht weitere kleine Fische. Auf dem Weg zurück zu unserer Ferienwohnung kam ich aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus.

Beim Auspacken der Klamotten kam unser Gastgeber vorbei, sah meine Angelausrüstung und war sofort Feuer und Flamme. Wie sich herausstellte, war auch er Angler, und ein hilfsbereiter noch dazu. Nur zehn Minuten später saßen wir am Tisch, zwischen uns diverse Karten ausgebreitet und er mit seinem Handy im Dauereinsatz.

Mit dem isländischen Erlaubnisschein, der „ Veidikortid“, darf man über 30 Binnenseen im ganzen Land beangeln.


Die handliche Karte ist entweder online oder vor Ort erhältlich.


ANGELNDER GASTGEBER

Keine halbe Stunde später hatte ich die Infos über alle umliegenden Gewässer erhalten, und kurz darauf saßen wir in seinem Jeep und fuhren die Gewässer auch noch persönlich ab. Dass ich bei all der Hilfsbereitschaft auch gleich noch eine Flatrate auf die Nutzung seines Angelzeugs erhalten hatte, sei nur am Rande erwähnt.

Eine Stunde mit meinem Vermieter ersetzt zwar noch lange keinen Guide, aber man bekommt einen realistischen Einblick, wie die Chancen auf den Zielfisch stehen. Dass ich seine Einladung zum Lachsangeln (die familiären Lachsvorräte neigten sich wieder dem Ende zu) ausschlug, verwirrte ihn zwar etwas – aber ich wollte eben Saiblinge und keine Lachse.

Zwei Tage später stand ich in einer geliehenen Wathose im strömenden Regen mitten in Reykjavik im Wasser und bekam einen Biss auf meinen Spinner, den ich sonst nur vom Angeln an der Küste kannte. Kurz darauf schraubte sich eine fast 70 Zentimeter lange Bachforelle aus dem Wasser. Für die nächsten zehn Minuten war ich dann chancenlos und am Ende gewann der Fisch den ungleichen Kampf. In Island kann man scheinbar überall mit seinem Traumfisch rechnen.

WIE VOR 100 JAHREN

Ich konnte zwar ein paar kleinere Fische landen, kam aber auch schnell zur Erkenntnis, dass sie einem selbst hier im Norden nicht unbedingt in den Kescher springen. Zumindest dachte ich das, bis ich das erste Mal am kleinen Fluss hinterm Haus spazieren ging. Überall standen Bachforellen, und schon der erste Wurf in den Fluss brachte Fisch! Die Bewohner dieses kleinen Bachs hatten zuvor wohl noch nie einen Angler gesehen, und so stürzten sie sich gierig auf alles, was in ihr Maul passte. Und das mit einer Kraft, die ihnen den Haken fast von selbst ins Maul trieb! Fische, die ich im Drill verlor, fing ich dann einen Tag später. So in etwa muss das Angeln vor 100 Jahren auch bei uns gewesen sein.

Die Landschaft ist von majestätischen Wasserfällen geprägt.


Was den Saiblingen an Kampfkraft fehlt, machen sie durch ihre Schönheit wieder wett.


DER HEISSE DRAHT

Beim Herumfahren mit meinem Gastgeber ergab sich Folgendes: Die Gewässer vor Ort lassen sich in zwei Kategorien teilen. Einmal die günstigen, mitunter sogar kostenlosen Strecken und die überteuerten Abschnitte, die meist nur von Touristen befischt werden. Denn auch für die Isländer ist die Angelei an ihren eigenen Gewässern kaum bezahlbar.

Aber der Einheimische hat da eine andere Lösung. Viele Gewässer verlaufen über Privatgelände, oder das Privatgelände grenzt genau an den See, der deswegen befischt werden darf. Und jeder Isländer scheint seinen Nachbarn zu kennen, und der kennt dann wiederum den nächsten und so weiter. So war es nicht verwunderlich, dass nach etwa zehn Telefonaten irgendjemand am anderen Ende der Leitung war, der genau dort, wo man hinwollte, wohnte und uns dort angeln ließ. Ich erlebte dieses System von Vitamin B an mehreren Stellen, sodass ich nicht mehr an Zufall glaubte. Selten habe ich so hilfsbereite Menschen wie in Island kennengelernt. Und genau diese Hilfsbereitschaft verhalf mir dann zu einer richtigen Sternstunde. Ich bekam ein Gewässer genannt, einen Spot beschrieben, wo ich schon bei der Ankunft überall Fische steigen gesehen hatte.

ANGELN IN BADEHOSE

Ich montierte die mir empfohlene Fliege (für die Isländer ist die Fliege heilig) an einem 2,5 Meter langen Vorfach hinter einem Sbirolino und warf aus, aber die Fische wollten partout nicht beißen. Auch eine halbe Stunde später rührte sich immer noch nichts. Ich wechselte zurück auf meinen 3er Mepps – und einen Wurf später hielt ich erneut meinen Zielfisch in den Händen. Leider standen die Saiblinge an diesem See etwa zehn Meter außerhalb meiner Wurfweite.

Mein Vermieter hatte mir zwar eine Wathose geliehen – aber die war undicht. Also entschied ich mich, in Badehose ins Wasser zu gehen. Bei acht Grad Wasser- und zehn Grad Lufttemperatur stand ich mitten im See und fror mir die Beine ab, doch dafür fing ich auch Fisch auf Fisch! Nach ein paar Minuten konnte ich meine Füße nicht mehr spüren, aber dieses kleine Opfer war mir die Erfüllung meines Traums wert. Außerdem konnte ich mich wenig später, zur Belohnung, in einer heißen Quelle wieder aufwärmen.

Tipps für die Reise

► An einem Mietwagen kommt man in Island nicht vorbei. Schauen Sie sich vorher die Wege, die sie befahren wollen, genau an. Die Isländer unterscheiden zwischen asphaltierten, befestigten (Schotter) und unbefestigten Straßen. Der Untergrund kann schnell wechseln, und im schlimmsten Fall könnte es passieren, dass Sie nicht mehr weiterkommen (oder weiter dürfen)! Planen Sie für Ihre Touren auch immer genügend Benzinreserven ein. Der Abstand zwischen zwei Tankstellen kann bis zu 100 Kilometer betragen. Ebenso kann schon eine einfache Straßensperre große Umwege verursachen – uns passierte das wegen eines Radrennens, und wir schafften es nur knapp bis zur nächsten Tankstelle.

► Unterschätzen Sie nie das isländische Wetter! Gerade im Winter sind viele Straßen gesperrt oder für ungeübte Fahrer nicht zu empfehlen. Outdoorbekleidung ist Pflicht!

► Wenn Sie Hilfe brauchen, können Sie sich auf das Handynetz verlassen. Wir hatten fast immer vollen Empfang und hätten jederzeit um Hilfe rufen können.

► Sprechen Sie die Einheimischen von sich aus an! So kühl die Mentalität der Isländer gegenüber Touristen zunächst erscheinen mag, so hilfsbereit sind die sie, wenn man den ersten Schritt auf sie zumacht. Nach einem kurzen Gespräch war ich sehr viel klüger als nach stundenlanger Recherche. Vor allem bei der Suche nach dem richtigen Gewässer hat ein kurzer Anruf bei der richtigen Adresse für mich wahre Wunder gewirkt!

► Wenn Sie nach Island reisen, informieren Sie sich im Vorfeld über dortige Gegebenheiten und Vorschriften. Benutztes Angelgerät beispielsweise muss maximal 48 Stunden vor Ihrer Ankunft von einem Veterinärmediziner desinfiziert werden!

► Beschränken Sie Ihr Angelzeug, vor allem bei Flugreisen, auf ein Minimum. Ich habe festgestellt, dass die Fische in Island nicht besonders wählerisch sind – sie beißen fast auf alles!

► Wer im Sommer reist, landet in Island in der Hauptbrutzeit vieler Vögel. Einen Vertreter der Seeschwalben (Kría) werden Sie beim Angeln sehr schnell kennen lernen. Wer diesem Bodenbrüter zu nahe kommt, der schreckt das Elterntier auf, das sich dann laut kreischend erhebt und auf den Kopf des Eindringlings zielt. Im schlimmsten Fall können Sie schmerzhafte Verletzungen davontragen! Seien Sie also achtsam und machen Sie einen großzügigen Bogen um Vogelbrutgebiete.

ERLAUBNISSCHEINE

Angelkarte („Veidikortid“): Online unterwww.veidikortid.is

Mit dieser Lizenz im handlichen Checkkarten-Format darf man insgesamt 34 Seen befischen. Sie kostet 7.900 ISK (knapp 60 Euro). Für die Zusendung der Karte sollten Sie mindestens eine Woche einplanen. Auf der Website finden Sie zu jedem See Informationen über seine Größe, den Fischbestand und Köderbeschränkungen. Für jeden See gilt eine eigene Saison, manche sind das ganze Jahr offen. Die Karte gilt nur für das Angeln in den Seen. Für die Bäche und Flüsse brauchen Sie die Erlaubnis der Anrainer oder der Lodge-Besitzer, die das jeweilige Gewässer bewirtschaften.


FOTOS: M. BRAUCH

FOTO: M. BRAUCH

FOTO: M. BRAUCH

FOTO: M. BRAUCH