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Ist Bio besser?


Leben & erziehen green - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 27.05.2021

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Bildquelle: Leben & erziehen green, Ausgabe 1/2021

Immer beliebter: Inzwischen bieten schon Discounter Bio-Produkte an ? eine Antwort auf die steigende Nachfrage

Als uns letztes Jahr die Corona-Welle überrollte, hat das der Bio-Branche einen neuen Boom beschert. Selberkochen war wieder in, mehr Esser hatten zu Hause Hunger, und gleichzeitig kamen Fleisch-Skandale wie der von Tönnies ans Licht. Während des Lockdowns waren die Schlangen vor den Bio-Läden die längsten, und Lieferdienste wie die Bio-Kiste kamen mit den Bestellungen nicht hinterher. Laut Ökobarometer kauften 2020 acht von zehn der Befragten Bio-Produkte, über ein Drittel davon sogar häufig bis immer. Vor allem die Nachfrage nach Bio-Fleisch oder -Wurst ist gestiegen.

Aber wird der Boom anhalten, wenn wir wieder im Normalmodus leben und arbeiten? Lohnt es sich für jun- ge Eltern, das wesentlich teurere Bio zu kaufen? Sind Bio-Gurken wirklich gesünder als die oft in Plastik einge- schweißten Normalos? Und schmeckt ein Brei aus der Bio-Möhre den Klei- nen wirklich besser? Schauen wir uns mal Babys ...

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... Ernährungsfahrplan im ers- ten Jahr an.

Los geht’s mit Milch

Mamas, die stillen, sind klar im Bio-Vorteil. Stillen ist natürlich – und nachhaltig. Kein Milchpulver, das unter hohem Energieaufwand hergestellt wird, kein Wasser, das erwärmt werden muss. Wer nicht stillen kann oder will, hat beim Milchpulver die Qual der Wahl: bio oder nicht? „Säuglingsnahrung gehört zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln überhaupt“, sagt Katharina Krause vom Hamburger Ökomarkt e. V. Das heißt, auch konventionelles Milchpulver hat im Regelfall eine sehr gute Qualität, wird auf Schadstoffe und Rückstände kontrolliert.

Viele junge Eltern kaufen regelmäßig im Bio-Laden, andere finden Bio-Lebensmittel viel zu teuer. Ist Bio nur Ideologie oder lohnt es sich wirklich, dafür eine ganze Menge mehr vom Haushaltsgeld auszugeben? Wir haben den Bio-Check gemacht

Unsere Expertin

Katharina Krause

… ist Diplom-Ökotrophologin und arbeitet beim Hamburger Ökomarkt e. V. Die zweifache Mutter entwickelt Programme rund um den ökologischen Landbau für Kindergartenkinder, Schüler und Pädagogen. oekomarkt-hamburg.de

Die Ökotrophologin rät trotzdem:

„Wem Tierwohl und Umweltschutz am Herzen liegen, sollte Bio-Milchpulver kaufen.“

Mit etwa sechs Monaten steht den meisten Babys der Sinn nach Abwechslung, jetzt kriegen sie den ersten Gemüsebrei ihres Lebens. Ob der fertig aus dem Gläschen oder aus Mamas Kochtopf kommt, ist den Brei-Startern egal. Das müssen sich Mama und Papa überlegen. Die Breie aus dem Gläschen unterliegen – genau wie Milchpulver – der Diätverordnung und damit hohen Qualitätsanforderungen. Die meisten Gläschen-Anbieter haben sowieso auf Bio umgestellt. Warum das so ist? „Das Angebot regelt die Nachfrage“, erklärt Katharina Krause. „Viele Eltern wollen das Beste für ihr Kind und geben dafür gern etwas mehr Geld aus.“

Der Bio-Boskop hat mehr Aroma

Beim Brei „Marke Mama“ haben es die Eltern in der Hand, was im Topf landet. Zum Beispiel, ob sie auf Zucker und Salz bewusst verzichten. Oder Lebensmittel aus der Region kaufen und nur das, was gerade Saison hat. Bio- Ware hat da oft einen geschmacklichen Vorteil: Weil die Bauern ihren Pflanzen mehr Zeit zum Reifen lassen, enthalten Obst und Gemüse weniger Wasser, dafür mehr Aroma. Gut, wenn schon die Kleinsten mitbekommen, wie fein eine Bio-Möhre schmeckt. Oder dass ein Boskop-Apfel vom Bio-Hof saurer und aromatischer ist als der wässrige Granny Smith aus dem Supermarkt.

Sparen – das geht auch mit Bio

Wenn ihr diese Tipps befolgt, tragt ihr einen großen Teil zu gesunder Ernährung und einem nachhaltigen Leben bei – und spart dabei Geld:

❤️ Obst und Gemüse der Saison kaufen. Bio-Erdbeeren sind im Juni billiger als die konventionell angebauten im März.

❤️ Großpackungen mit Müsli, Nudeln, Mehl sind günstiger als kleine. Das spart auch Verpackungsmaterial

❤️ Direkt am Hof einkaufen, dann fällt der Aufschlag für den Zwischenhändler weg. Auch Abo-Kistensysteme oder Mitgliedschaften in solidarischer Landwirtschaft können günstiger kommen.

❤️ Bio-Fleisch ist drei-bis viermal so teuer wie konventionelles. Deshalb: Fleischportionen verkleinern und den Rest mit Gemüse oder Hülsenfrüchten auffüllen. Das ist sowieso gesünder.

❤️ Bio-Exoten aus dem Ausland sind teuer und aufgrund der langen Transportwege noch nicht einmal klimaverträglich. Besser Bio-Ware aus der Region oder aus Deutschland kaufen.

Weniger Schadstoffe

Egal ob aus dem Glas oder selbst gekocht, auch beim Thema Gesundheit ist Bio eine Nasenlänge voraus. Konventionelle Bauern spritzen Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel, die Rückstände dieser Pestizide essen wir mit. Je kleiner die Kinder sind, desto schädlicher die Gifte. Im Ökolandbau sind Pestizide nicht erlaubt. Außerdem: Bio- Bauern düngen sparsamer und verwenden keinen Kunstdünger.

Das Gemüse enthält deswegen gute 30 Prozent weniger Nitrat. Einige Pflanzen speichern von Natur aus viel Nitrat. Spinat, Mangold, Radieschen, Rote Bete und Rucola sollten Eltern besser als Freilandware in Bio-Qualität kaufen. „Aus dem Nitrat kann sich schädliches Nitrit bilden oder sogar krebserregende Nitrosamine“, warnt Krause.

Jetzt braucht euer Baby Eisen

Sind die ersten Gemüse-Kartoffel- Mahlzeiten gelöffelt, wird es Zeit für eine weitere Zutat: Fleisch ist jetzt nötig, um Babys Eisenspeicher aufzufüllen. Allerdings ist Bio-Fleisch nicht ganz billig. Mehr Platz im Stall, Freigang und ein längeres Leben – solch eine Tierhaltung hat ihren Preis. „Es lohnt sich, tiefer in die Tasche zu greifen, nicht nur aus Tierschutzgründen“, sagt Katharina Krause. „Weil das Futter für die Tiere aus Bio-Anbau stammt, ist das Fleisch weniger mit Pestiziden belastet.“ Außerdem enthält das Rindfleisch mehr Omega-3-Fettsäuren, und das Schweinefleisch schrumpft beim Braten nicht zusammen. Noch ein Pluspunkt: Der vorbeugende Einsatz von Antibiotika ist verboten. Antibiotika-Rückstände im Fleisch fördern die Ausbreitung von multiresistenten Keimen, die für Kinder riskant sein können.

Und Fisch? Schließlich wird empfohlen, hin und wieder Fisch zu servieren, um die Kinder mit Jod und Omega-3-Fettsäuren zu versorgen. Wer Bestände schonen will, kauft Fisch aus ökologischen Aquakulturen. Dort bekommen Lachs oder Pangasius keine Antibiotika ins Futter und haben mehr Platz als ihre Artgenossen in der Fischfarm.

Glückliche Kühe

Weil Bio-Kühe viel draußen sind und frisches Gras fressen, enthält ihre Milch mehr Omega-3-Fettsäuren. Wichtig für Gehirn und Nerven und somit perfekt, um einen Milch-Getreide-Brei fürs Abendbrot anzurühren. Auch Getreide hat in Bio-Qualität einen deutlichen Vorteil: Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Schimmelpilzgifte sind so gut wie gar nicht vorhanden. Und wer zwischendurch gern einen Obstbrei löffelt, der bekommt mit Äpfeln, Birnen oder Erdbeeren vom Bio- Hof eine gute Portion zellschützender Antioxidantien und Vitamin C ab.

Wie geht’s weiter mit Babys Speiseplan?

Ungefähr ab dem zehnten Monat essen Kinder vom Familientisch mit und lassen sich das schmecken, was auch die Großen auf dem Teller haben. Eine ausgewogene Ernährung ist richtungsweisend für eine gesunde Entwicklung: Jetzt legen Eltern die Grundlagen, die später nur noch schwer zu ändern sind. Viele frische, naturbelassene Lebensmittel sind wichtig. Und die Freude am guten Geschmack! Gut, wenn Eltern dann weiterhin ins Bio-Regal greifen und viel selber kochen. Aber aufgepasst, das Bio- Siegel ist kein Freifahrtschein: „Auch mit Bio-Produkten kann man sich ungesund ernähren, da es mittlerweile sogar Bio-Süßigkeiten gibt“, erklärt die Ernährungsexpertin. Auch der braune Bio-Zucker schadet den Zähnen und fördert Übergewicht. Also bitte nur in Maßen naschen.

Und noch ein Tipp: Zeigt euren Kindern, wo die Lebensmittel herkommen. Fahrt raus ins Grüne! Auch wenn beim Bio-Bauern momentan Maske und Abstand angesagt sind – und viele Höfe nur bedingt betreten werden dürfen –, macht es doch Spaß, die Kühe auf der Weide zu beobachten und den Hühnern beim Picken und Scharren zuzuschauen. Ein bisschen Landluft und Bewegung tun gut, den Kleinen und den Großen. Und so wird aus dem nächsten Wocheneinkauf im Hofladen vielleicht ein schöner Familienausflug.

Highlight für Kids: Ob auf dem Land oder einfach im Park oder Garten auf einer Wiese: Die meisten Kinder lieben Picknicks. Und oft lassen sie sich sogar zu einem etwas längeren Spaziergang – zum Beispiel in der Umgebung eines Bauernhofs – überreden, wenn als Belohnung ein Zwischenstopp mit leckeren Snacks lockt. Obst- und Gemüseschnitze lassen sich bequem zu Hause vorbereiten und umweltfreundlich in einer Brotdose oder Ähnlichem verpackt mitnehmen. Und auch für Babynahrung gibt es Thermobecher aus Edelstahl, die das Essen sogar warm halten. ▢

ANGELA MURR