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Ist das schön grün hier!


fliegermagazin - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 12.09.2021

Leserreise nach Irland

Artikelbild für den Artikel "Ist das schön grün hier!" aus der Ausgabe 100/2021 von fliegermagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fliegermagazin, Ausgabe 100/2021

Alles in einem Bild Steilküste, dann von niedrigen Steinmauern eingefasste Weiden und darüber wilde Hügel und Berge ? die Halbinsel Dingle steht repräsentativ für Irlands Natur

Zum dritten Mal auf dieser Reise regnet es, als wir morgens aufs Vorfeld kommen, die Flugzeuge beladen und checken. Diesmal gießt es sogar in Strömen! Alle 23 Teilnehmer unserer Leserreise nach Irland werden patschnass, bevor es am Flugplatz Knock (EIKN) losgehen kann. Es hilft nichts, wir müssen uns wohl mit der irischen Sichtweise auf das Wetter anfreunden, die jeder Ire so erklärt, wenn das Gespräch darauf kommt: Bei Regen handele sich um liquid sunshine, f lüssigen Sonnenschein. Der wird uns an vier von sechs Tagen der Reise zum Start begrüßen – Mitte August! Einer unserer Guides hatte uns noch einen weiteren Gedanken mitgegeben: Ohne das viele Wasser wäre Irland nicht »die grüne Insel«.

VFR-Flüge dorthin sind also anspruchsvoll, wie wir schon am ersten Tag der Reise im französischen Le Touquet (LFAT) merken. Dort haben sich am Vorabend elf Crews getroffen, alle ...

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... vollständig geimpft.

Schon beim Bier vor dem Abendessen sind wir begeistert, wie konsequent hier mit dem digitalen Covid-Zertifikat gearbeitet wird, das die EU eigens zu diesem Zweck entwickelt hat: »Pass sanitaire!« fordert der Kellner und zückt sein Handy. Damit scannt er die QR-Codes in unseren Corona-Warn-Apps. Wenn die gültig sind, erscheint in seinem Display ein grüner Haken, dazu Name und Geburtsdatum, was er mit dem Personalausweis abgleicht. Erst dann dürfen wir bestellen. Ob der grüne Haken kommt, weil wir geimpft, genesen oder getestet sind – das kann allen Beteiligten egal sein. Sicher ist: Die in Frank- reich für einen Restaurantbesuch geltenden Voraussetzungen sind erfüllt. Genauso erleben wir es auch in Irland: bei der Grenzkontrolle, an Hotelrezeptionen oder im Pub. Digitalisierung ist eine feine Sache, wenn ein Land sie beherrscht …

Bei der finalen Planung dieser Reise ist Großbritannien noch Virusvariantengebiet; wir streichen also die eigentlich geplante Zwischenlandung in England. Immerhin 365 Nautische Meilen sind es von LFAT an der französischen Kanalküste bis nach Weston (EIWT), dem Platz für die Allgemeine Luftfahrt in Dublin. Da kommen die Crews der langsameren Flugzeuge in der Gruppe, etwa Cessna 172 oder Diamond DA40, schon an die Grenzen des Angenehmen.

Warten im flüssigen Sonnenschein

Doch erstmal muss die DA40 ohnehin noch warten: Bei Regen und niedrigen Untergrenzen bleibt die einzige VFR-only-Crew der Reise zurück, während die anderen in die Wolken abheben. Immerhin können sie gute Nachrichten an den Boden senden: Schon in der Mitte des Kanals lösen sich die Wolken auf, der Rest der Strecke erlaubt Sichtf lug. So kommt die DA40 nach einer guten Stunde Warten auch los.

Weston liegt – mit dem Namen hat das nichts zu tun – westlich der irischen Hauptstadt. Von der Küste geht es direkt am Stadtzentrum vorbei durch die Dubliner Kontrollzone. Das Englisch der Lotsen ist gut zu verstehen – anders als bei der Planung der ein oder andere Flugplatz-Mitarbeiter am Telefon.

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ForeFlight ist die integrierte Flugnavigations-App mit allen notwendigen Funktionen für Vorbereitung, Flugplanaufgabe und Flugdurchführung bei VFR-und IFR-Flügen in Europa. Erfahren Sie mehr unter www.fore flight.com/europe und probieren Sie die App 30 Tage lang kostenlos aus! An unseren Leserreisen teilnehmende Piloten haben ein Abo ForeFlight Performance Plus Europe für sechs Monate erhalten.

Der Platz ist bestens auf uns vorbereitet: Im Wechsel fahren je nach Bedarf Avgas- oder Jet-Fuel-Tankwagen vor, sobald der Prop steht. Am Ende nimmt unsere Flotte fast das gesamte Vorfeld in Beschlag.

Eine knappe halbe Stunde dauert die Fahrt nach Dublin. Die Stadt hat eine tolle Atmosphäre, in Parks und Straßen ist viel los. Nur das Nachtleben hat noch Einschränkungen: Die Pubs im Stadtviertel Temple Bar, das für sein Nachtleben berühmt ist, sind geöffnet, aber Live-Musik gibt es noch nicht.

Grüße von der Lufthansa

Pünktlich zum Ende der Stadtführung am nächten Mittag setzt der f lüssige Sonnenschein ein – gute Sichten sorgen dafür, dass wir dennoch nach VFR starten können. Richtung Westen wird es bald sehr viel besser. Irland ist nicht groß: Nicht einmal eine halbe Stunde, und wir fliegen übers Meer auf die bis zu 600 Meter hohen Klippen der Slieve League zu.

Rege tauschen sich die Crews dabei per Funk aus. Auf den vielen Leserreisen hat sich dafür die Frequenz 123.45 MHz eingebürgert – nicht korrekt, weil die eigentlich für transozeanische Kommunikation reserviert ist. Und Irland, das haben wir vergessen, ist nun mal nah dran an den Strecken über den Atlantik. Prompt werden wir von einer Lufthansa-Crew auf dem Weg nach Washington angesprochen, was wir da unten treiben. Der Pilot outet sich sogar als fliegermagazin-Leser – liebe Grüße und Entschuldigung für das viele Gerede auf der Frequenz!

Die Landschaft ist spektakulär: grüne Hügel, schroffe Felsen, weiße Strände und das in allen Farben schimmernde Meer – so hatten wir uns Irland vorgestellt. Sogar die trockene Sonne scheint!

Die Flugplätze in Irland liegen nicht dicht an dicht. Manche Pisten sind zudem mit nur 450 Metern oder weniger recht kurz. Deshalb steuern wir den Flughafen Knock an, obwohl er eine Autostunde vom Hotel entfernt liegt. Der Airport hat offenbar große Pläne, er nennt sich nun »Ireland West«. Viel Platz ist auf dem Vorfeld nicht, deshalb gab es vorher strikte Anweisungen: Nicht vor 15.30 Uhr landen, erst muss die Boeing 737 von Ryanair weg sein. Und am nächsten Tag vor 10 Uhr wieder starten, bevor die Airline kommt!

Alles halb so wild: Die – wie überall in Irland – sehr freundlichen und hilfreichen Controller lassen die Hälfte der Gruppe schon mal rein, dann schiebt sich die Ryanair-Crew zwischen die Anflüge.

Wir lassen es richtig krachen: Unser Fünf-Sterne-Hotel ist die lange Anfahrt mehr als wert. Ashford Castle gehörte früher mal der Guiness-Familie (die mit dem Bier) und ist heute ein prachtvolles Schlosshotel mit allem erdenklichen Luxus. Und mit einer Falknerei, die einen Waldspaziergang mit Wüstenbussarden anbietet. Tatsächlich darf sich jeder aus der Gruppe einmal den dicken Lederhandschuh überziehen, auf dem die Harris’s Hawks dann elegant landen. Was für ein Erlebnis! Als Pilot kann man nur neidisch werden, wie geschickt die Vögel zwischen Bäumen und Beinen hindurch im Bodeneffekt anfliegen, dann kurz hochziehen und im Stall auf dem Arm aufsetzen.

Am nächsten Morgen folgt dann der schon beschriebene dritte Start in den Regen. Wieder kein Gruppenfoto! Und der Regen ist nicht alles: Schon in 2000 Fuß weht es mit bis zu 40 Knoten. Als es auflockert, werden wir mit Regenbögen vor den Schauern und einem dramatischen Mix aus Wolken, Hügeln und Meer belohnt. Aber es wird noch besser: An den schroffen Aran-Inseln bricht sich die Brandung zehn, zwanzig Meter hoch. Ein Stück weiter liegen die Cliffs of Moher, eines der meistfotografierten Motive Irlands. Wir erleben sie aus einer Perspektive, die Piloten vorbehalten ist.

Fliegen nach und in Irland

Irland ist kein Schengen-Unterzeichner, man braucht also auch ohne Stopp in Großbritannien eine grenzpolizeiliche Abfertigung an Start und Ziel. Die irischen Plätze haben dafür individuelle Regelungen – vorher anrufen. Es gibt nicht allzu viele Flugplätze in Irland, die größeren haben eine Kontrollzone (Luftraum C). Außerhalb ist alles Luftraum G bis auf wenige Sperrgebiete, in FL075 beginnt Luftraum A.

Weston (EIWT) ist der Platz der Allgemeinen Luftfahrt in Dublin. Von Osten führt die genau vorgegebene Anflugroute durch die Dublin CTR. Alternative ist der Grasplatz Newcastle (EINC). Beide erfordern etwa 30 Minuten Taxifahrt in die Stadt.

Fliegen in Irland ist unkompliziert, allerdings sollte man die Plätze vorher kontaktieren (oft als PPR vorgeschrieben). Shannon FIS ist auch in niedriger Höhe oft gut erreichbar. Mehr Infos über Irland auch auf der Website www.fliegen-in-uk.de.

FOREFLIGHT-TIPPS

In der Youtube-Videoserie mit diesem Namen gibt die fliegermagazin-Crew Ratschläge aus der Praxis rund um die Nutzung von ForeFlight. Mehr unter https://bit.ly/fftipps

Als wir in Kerry (EIKY) landen, strahlt die Sonne, der Wind ist mit 15 Knoten auf der Bahn fast eingeschlafen. Für eine Radtour durch die Natur um Killarney passt jetzt alles. Am nächsten Morgen bei der Busfahrt über die Halbinsel Dingle kann sich Fahrer Séamus kaum beruhigen: »So gute Sicht und so ein Wetter, das habe ich hier noch nie erlebt.« Und noch etwas sagt er, wie zuvor schon Kellner, Guides und Hotelmitarbeiter: »Ihr seid die erste ausländische Reisegruppe seit fast zwei Jahren!«

Jetzt passt das Wetter, aber die Flugzeuge sind in Kerry über verschiedene Vorfelder verteilt. Immer noch kein Gruppenfoto …

Seit Tagen versucht Axel, die Gruppe zu einem Umweg über eine vorgelagerte Insel zu begeistern: Auf dem winzigen, steil aufragenden Eiland Skellig Michael, berichtet er, gäbe es auch aus der Luft sehenswerte Ruinen eines Klosters aus dem 7. Jahrhundert. Die Resonanz ist gering – bis jemand sagt: »Haben sie da nicht den Altersruhesitz von Luke Skywalker in Star Wars VII gedreht?« Keiner lässt den Flug über die Insel aus …

An der Südküste liegt die zweitgrößte irische Stadt Cork. Ihren Flughafen nutzen wir, doch unsere letzte Nacht in Irland verbringen wir am Meer: im malerischen Fischerort Kinsale. Auch wenn die Handling-Mitarbeiter sehr freundlich und effizient sind, dauern die Abläufe zum ersten Mal auf der Reise sehr lange. Avgas gibt es nur über den Fliegerclub. Die sind zwar extra mit einem Anhänger aufs große Vorfeld gekommen, aber zum Zahlen müssen wir kilometerweit zur Flugschule fahren. Und die Dieself lugzeuge müssen warten, bis – ausgerechnet – eine Lufthansa- Maschine betankt ist.

Am nächsten Morgen geht VFR nichts. Untergrenzen immer wieder bis runter auf 100 Fuß, dazu Regen. Schweren Herzens lassen wir die DA40-Crew zurück und starten nach Deauville (LFRG) in Frankreich. Wie so oft beim IFR-Fliegen: In 3000 Fuß sind wir oben in der Sonne, über Cornwall können wir sinken und die britische Landschaft im Sichtflug genießen. Dann geht es über den Kanal und an den Invasionsstränden der Normandie vorbei ins quirlige Seebad Deauville. Dort ist an diesem Wochenende Pferderennen – und halb Paris ist zum Baden gekommen. Wahnsinn, was hier los ist!

Das Fazit der Gruppe beim abendlichen Abschiedsessen auf einer ruhigen Dachterrasse über dem Trubel: Irland ist weiter im Westen, als mancher denkt, und bringt ab und zu schwieriges Wetter mit sich, ist aber dennoch gerade aus der Luft besonders sehenswert. Als am Sonntag alle nach Hause starten, meldet auch die DA40-Crew ihren Abflug aus Cork. Mit einem strammen Flugpensum schafft auch sie es an einem Tag bis Deutschland.

Reisetipps

Wir wohnten in Dublin im originell eingerichteten und sehr empfehlenswerten The Wilder Townhouse. Die Pubs in Temple Bar sollte man sich nicht entgehen lassen.

Wenn es um Natur geht, lohnt sich die gesamte Westküste sowohl aus der Luft als auch am Boden. Der Flugplatz Donegal (EIDL) liegt ganz im Nordwesten in toller Umgebung – dort gibt es nur wenige Hotels. Den Vorbeiflug an der Slieve League sollte man nicht auslassen.

Das luxuriöse Hotel Ashford Castle mit seiner Falknerei ist eine Stunde Fahrt vom nächsten Flugplatz (EIKN) entfernt – es ist hochpreisig, aber ein unvergessliches Erlebnis. Die zugehörige Lodge ist günstiger.

Wem 490 Meter Runway nicht zu kurz sind, der sollte Inishmore (EIIM) besuchen, eine der Aran-Inseln. Der Flugplatz Connemara (EICA) mit 600 Metern Piste kann als Zugang zu Galway dienen.

Kerry (EIKY) ist der Flugplatz für die Halbinsel Dingle, die sehenswerte Stadt Killarney mit ihrem Nationalpark und die Küstenstraße Ring of Kerry, die man mit einem Mietwagen gut erkunden kann.

Im Süden ist die zweitgrößte irische Stadt Cork (EICK) einen Besuch wert. Uns gefiel auch der südlich gelegene Fischerort Kinsale.