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IT-Freelancer-Studie 2021: Nach der Corona-Delle kehrt der Boom zurück


Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 28/2021 vom 05.07.2021

Ende Mai 2021 war klar, dass sich das New Normal in seinen Grundzügen kaum vom Old Normal unterscheidet. Die „FAZ“ berichtete vom jährlichen MINT-

Report des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) mit der Schlagzeile: „Fachkräftemangel kehrt in verschärfter Form zurück.“ Demnach wurde in den Berufen für Hochschulabsolventen sowie IT-Fachleute der langfristige Durchschnittswert der Fachkräfte-Lücke schon fast wieder erreicht. Mit Blick auf die Zukunft warnte das arbeitgebernahe IW davor, dass sich die Entwicklung fortsetzen wird. Während von zwölf Millionen MINT-Facharbeitern und Akademikern bis 2030 jedes Jahr mehr als 330.000 altersbedingt ausschieden, könne die jährliche Zahl der Berufseinsteiger nicht einmal den Ersatzbedarf decken. Zugleich deute viel darauf hin, dass Firmen in erheblichem Umfang zusätzliches Fachpersonal benötigen, um Umbrüche etwa in der Digitalisierung zu bewältigen. ...

Artikelbild für den Artikel "IT-Freelancer-Studie 2021: Nach der Corona-Delle kehrt der Boom zurück" aus der Ausgabe 28/2021 von Computerwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Um ein Großvorhaben wie die digitale Transformation zu stemmen, brauchen die meisten Unternehmen zusätzliche IT-Fachkräfte. Da immer noch ein Mangel an geeigneten Bewerbern herrscht, setzen die Firmen zunehmend auf IT- Freiberufler.
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Der ideale Freiberufler stellt sein möglichst profundes Fachwissen flexibel zur Verfügung – in erster Linie, damit Kunden Lastspitzen abfangen können (52 Prozent). Ein gutes Drittel sucht Know-how für IT-Zukunftsthemen, außerdem ist Fachwissen zu Legacy-Systemen gefragt.

Verglichen mit der Umfrage 2019 hat sich die Bedeutung der Skills rund um Zukunftsthemen leicht nach vorne geschoben.

In der Art und Weise, wie Unternehmen an Freiberufler und Selbstständige herankommen, setzt sich eine seit Jahren andauernde evolutionäre Veränderung weiter fort. Die beliebteste Art der Beschaffung bleibt traditionell der direkte Auftrag an Externe. Blickt man tiefer in die Antworten, zeigt sich, dass nur ein kleiner Teil der Unternehmen auf die Direktansprache ohne externe Vermittler verzichten mag. Aufgrund eines gar nicht so kleinen Anteils von Organisationen, die ausschließlich direkt rekrutieren, steigt dieser Anteil sogar insgesamt ein wenig.

Ein Drittel der Unternehmen nutzt keine Online-Portale und auch keine Personaldienstleister, ein Gutteil der anderen Umfrageteilnehmer setzt diese Hilfsmittel in begrenztem Umfang ein. Dennoch lässt sich beobachten, dass Online-Portale über die vergangenen Jahre hinweg stabilen Zulauf hatten. Neben der direkten Vermittlung wollen vor allem kleinere Betriebe in den kommenden Jahren primär auf Online- Portale setzen, die anderen Dienstleistungen sind für sie weniger interessant. Große Konzerne haben auch die Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern, IT-Beratern und Managed Service Providern im Blick.

Auslastung ging 2020 zurück

Das Pandemie-Jahr 2020 hat im Freiberuflermarkt deutliche Spuren hinterlassen. So ging die Auslastung der Freelancer nach fak - turierbaren Tagen gegenüber 2019 im Schnitt von 190 auf 165 Tage zurück – ein Minus von 25 Tagen beziehungsweise fünf Arbeitswochen. Der Corona-Effekt trat besonders bei Externen auf, die zuvor mehr als 250 Tage in Rechnung gestellt hatten, sowie bei Freelancern mit einer Auslastung von weniger als 100 fakturierten Tagen.

Die direkte Frage nach den Corona-Auswirkungen bestätigt das eingetrübte Bild. Gerade einmal jeder sechste IT-Experte berichtet von einer besseren Auftragslage, rund 20 Prozent verweisen auf stabile Geschäfte. Der Großteil spürte in der Pandemie negative Folgen, knapp sechs Prozent sogar sehr negative beziehungsweise existenzgefährdende Effekte. Diese betrafen vor allem jüngere Experten, die noch nicht lange freiberuflich unterwegs sind und weniger als 120.000 Euro pro Jahr in Rechnung stellen. Daran wird deutlich, wie wichtig eine breite Kundenbasis, ein stabiles Netzwerk und die Bildung von Rücklagen für Freie sind.

Auch der vielfach beschworene Fachkräftemangel ist 2021 laut der COMPUTERWOCHE- Studie immer noch ein Thema, aber längst nicht für alle Firmen. Für 60 Prozent der Unternehmen stellt die Suche nach IT-Fachkräften und deren Verpflichtung zwar nach wie vor eine größere Herausforderung dar. Der Rest der Firmen zeigt sich davon aber nicht beeinträchtigt. Die Suche nach IT-Kompetenzen wird im Zuge von Corona nur als geringfügig leichter empfunden. Dies äußern vor allem kleinere Betriebe, während sich die größeren mit einem positiven Urteil zurückhalten. Auch die IT-Verantwortlichen sehen keine Erleichterungen bei der Ressourcenbeschaffung, im Gegensatz zu Managern aus Fachbereichen.

Unterm Strich zeigt sich in der Studie aber, dass IT-Freelancer in den Unternehmen gesetzt sind. Bereits 2019 war der Anteil externer IT-Experten in dieser Studienreihe auf über 50 Prozent gestiegen, inzwischen hat sich der Wert dort eingependelt. Geht man ins Detail, fällt auf: Nur noch jeweils rund fünf Prozent der Organisationen beschäftigen eigene IT-Mitarbeiter zu 80 bis 90 beziehungsweise 90 bis 100 Prozent. Über die Jahre präsentierte sich die Arbeitnehmerüberlassung relativ konstant. System- und Beratungshäuser, damals noch als Outsourcing-Dienstleister bezeichnet, konnten gegenüber 2019 um gut drei Prozentpunkte zulegen. Im Gegenzug fiel der Anteil der selbstständigen IT-Fachkräfte allerdings um fast vier Prozentpunkte ab. In Summe wird der Anteil der Externen an der IT-Workforce in jedem Fall steigen: Immerhin 60 Prozent der Befragten teilen diese Ansicht. Treiber ist vor allem das Topmanagement, während die IT-Verantwortlichen nah am Durchschnittswert votiert haben. Von einem Rückgang der Freiberufler-Quote geht demgegenüber kaum jemand aus.

Studiensteckbrief

Herausgeber: COMPUTERWOCHE, CIO, TecChannel und ChannelPartner

Gold-Partner: Ferchau GmbH

Silber-Partner: Etengo AG; Hays AG; Modis Contracting Solutions GmbH

Bronze-Partner: Gulp Information Services GmbH

Grundgesamtheit: Oberste (IT-)Verantwortliche von Unternehmen in der DACH-Region: strategische (IT-)Entscheider im C-Level-Bereich und in den Fachbereichen (LoBs), IT-Entscheider und IT-Spezialisten aus dem IT-Bereich

Teilnehmergenerierung: Stichprobenziehung in der IT-Entscheider- Datenbank von IDG Business Media sowie zur Erfüllung von Quotenvorgaben über externe Online-Access- Panels; persönliche E-Mail-Einladungen zur Umfrage Gesamtstichprobe: 437 abgeschlossene und qualifizierte Interviews

Stichprobe 1: Einsatzunternehmen: 316 qualifizierte Interviews

Stichprobe 2: Externe IT-Fachkräfte: 121 qualifizierte Interviews

Untersuchungszeitraum: 8. März bis 22. April 2021

Methode: Online-Umfrage (CAWI)

Fragebogenentwicklung: IDG Research Services in Abstimmung mit den Studienpartnern Umsetzung: IDG Research Services

Zukunftsfähig bleiben

Diese heterogene Situationsaufnahme legt den Schluss nahe, dass der Anpassungsdruck auf Freelancer und ihre Auftraggeber in den kommenden Quartalen hoch bleiben wird. Somit muss jeder Marktteilnehmer seine Zukunftsfähigkeit überarbeiten – weitere gravierende Veränderungen sind nicht ausgeschlossen.

Freelancer sollten berücksichtigen, dass nach mehreren fetten Jahren für Cloud-, Security-, KI- und Digitalisierungskompetenzen bald neue Trends auf der IT-Agenda erscheinen. Es gilt, sich in eine lukrative Nische zu bewegen und offen für neue Kompetenzen zu sein. Die Richtung ist klar: Zwar zweifelte jeder fünfte Freelancer durch die Pandemieerfahrungen an seinem Arbeitsmodell, doch würden 96 Prozent erneut freiberuflich oder selbstständig tätig werden. Der Wert liegt sogar noch vier Prozentpunkte höher als bei der Umfrage aus dem Jahr 2019. Das „New Normal“ ist noch nicht erreicht, aber es sieht verdächtig nach dem „Old Normal“ aus.

( am)