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IT wird zum „Sustainability Booster“


CIO - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 16.08.2021

DAIMLER, SIEMENS, BAYER

Artikelbild für den Artikel "IT wird zum „Sustainability Booster“" aus der Ausgabe 10/2021 von CIO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Nachhaltigkeit ist ein schlimmes Wort. Das englische „Sustainability“ macht die Sache auch nicht besser. CIOs haben beide Substantive immer für Laberthemen gehalten, bei denen viel geredet und wenig getan wird. Seit 2014 haben sie in allen Arbeitskreisen beim „CIOmove“ die Themenvorschläge abgewählt, bei denen „sustainable“ im Titel vorkam. 2021 nun die Wende:

Ausgerechnet bei den Autobauern im Ländle schafft es „Sustainability“ erstmals auf die Agenda. 45 Themen hatten CIOs, IT-Anbieter und Studenten der TU München für das jährliche Treffen der Konzern-CIOs vorbereitet. Für 30 Themen hat die Zeit in den Arbeitskreisen gereicht. Mit dabei: „IT als Sustainability Booster“ von Ralf Blessmann, der für Capgemini Automobilisten berät. Sein Thema hat sich mit einer Durchschnittsbewertung von 2,95 auf die Agenda gerettet. Zur Erklärung: Alle Teilnehmer bewerten die Themenvorschläge ...

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... auf einer Skala von 1 (uninteressant, möchte ich nicht weiter diskutieren) bis 5 (interessant, möchte ich vertiefend diskutieren). 2,95 klingt dabei erstmal nur sehr mittelmäßig, aber: Viele CIOs wählen taktisch. Sie vergeben einmal die 5 und ansonsten nur schlechte Werte. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, vom Algorithmus in den präferierten Arbeitskreis sortiert zu werden. Selbst begehrte Themen schaffen es deshalb nicht weit über 3,0. Zum Vergleich: Das bestbewertete Thema war in diesem Jahr „Quantum Computing“ mit einem Durchschnitt von 3,42.

Dass „IT als Sustainability Booster“ es dieses Jahr geschafft hat, liegt vielleicht auch daran, dass Jan Brecht, CIO von Daimler, das Thema gleich in seinem Eröffnungsvortrag adressiert hat: High-Performance-Computing will der Konzern nur noch mit Wind- und Wasserkraft im kalten Norden Europas betreiben. Die anderen Rechenzentren soll der Partner Infosys effizienter aufstellen. Und was die IT dann noch an CO₂ emittiert, wird bis 2025 durch Minderungszertifikate ausgeglichen.

Hier antworten Jan Brecht, Hanna Hennig, CIO von Siemens, und Bijoy Sagar, CIO von Bayer, auf die fünf wichtigsten Fragen zum Thema Sustainability.

Spielen Unternehmen eine Rolle dabei, unseren Planeten bewohnbar zu halten?

Brecht: Auf jeden Fall. Der Klimawandel bedroht sowohl unsere Lebensweise als auch die Weltwirtschaft. Es liegt nicht nur im langfristigen finanziellen Interesse der Unternehmen, eine Rolle zu spielen, sondern sie haben auch eine ethische Verpflichtung, dass der Planet bewohnbar bleibt.

Lesewert

– Wie Daimler seine IT-Infrastruktur CO 2 -neutral aufstellen will

– Was CIOs tun können, um ganze Organisationen auf Nachhaltigkeit zu trimmen

– Welche Sustainability-Initiativen der Siemens-Konzern verfolgt

– Wie Bayer seinen ökologischen Fußabdruck verringert

Sagar: Da die Ressourcen des Planeten größtenteils von Unternehmen genutzt werden, haben alle Unternehmen eine wichtige Rolle bei der nachhaltigen Entwicklung – vor allem multinationale Unternehmen. Dies wird auch in den UN Sustainable Development Goals anerkannt.

Hennig: Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass Unternehmen eine zentrale Rolle für eine nachhaltige Zukunft unserer Gesellschaft spielen. Seit 174 Jahren wird Siemens von der Idee angetrieben, zu einer lebenswerten und nachhaltigen Zukunft beizutragen.

Glauben Sie, dass Ihre Position dabei eine Rolle spielt?

Brecht: Meine Rolle ist es, dafür zu sorgen, dass unsere Organisation nie stillsteht und zukunftsorientiert bleibt. Hier ist Nachhaltigkeit der Schlüssel. CIOs können ihre Organisationen in Richtung nachhaltigerer Geschäftspraktiken lenken – einschließlich der Weiterentwicklung der dafür notwendigen Technologie. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, diese Werte über unsere Unternehmen hinaus einzuhalten. Das bedeutet, dass die Partner, mit denen wir zusammenarbeiten wollen, ebenfalls Nachhaltigkeit im Fokus haben.

Sagar: Das ist ein Teamsport. Keine einzelne Position kann den Planeten schützen. Alle Akteure, einschließlich der Regierung, des privaten Sektors, der digitalen Führungskräfte, der Nachhaltigkeits-Champions und unserer Kunden müssen zusammenkommen. Wir müssen Lösungen implementieren, die nicht nur die Ökologie effektiv schützen, sondern auch die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Lösungen auf die Lebensgrundlagen und Geschäfte der Kunden, die von uns abhängig sind, minimieren.

„CIOs können ihre Organisationen in Richtung nachhaltigerer Geschäftspraktiken lenken.“

Jan Brecht CIO von Daimler und Mercedes-Benz

Hennig: Traditionell bestand die Hauptverantwortung eines CIOs darin, die technische Infrastruktur innerhalb einer Organisation sicherzustellen. Aber da die IT die Industrien weltweit umgestaltet, werden CIOs in viel strategischere Positionen innerhalb des Unternehmens versetzt. Digitale Technologien können dazu beitragen, die Fertigung effizienter und weniger ressourcenintensiv zu gestalten. Sie können auch die weit reichende Integration von erneuerbaren Energien ermöglichen, Städte lebenswerter machen, den Transport effizienter gestalten und die Gesundheitsversorgung erheblich verbessern.

„Digitale Technologien können dazu beitragen, die Fertigung effizienter und weniger ressourcenintensiv zu gestalten.“

Hanna Hennig CIO von Siemens

Welche Projekte betreuen Sie, die einen positiven Einfluss auf die sozialen und ökologischen Auswirkungen Ihres Unternehmens haben?

Brecht: Mit unserer neuen Green-IT-Initiative treiben wir positive Veränderungen voran und bündeln mehrere laufende IT-Projekte. So befinden wir uns zum Beispiel mitten im Umbau unseres Rechenzentrums mit dem Ziel, bis 2025 CO 2 -neutral zu sein. Wir verlagern unser High-Speed Computing in die kühleren nordischen Länder, wo sie mit 100 Prozent grüner oder CO -neutraler Energie betrieben werden, während wir gleichzeitig den Gesamtenergieverbrauch drastisch minimieren. Daimler hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2039 klimaneutral zu sein, und unsere IT spielt eine große Rolle bei der Erreichung dieses Ziels. Ein weiteres Beispiel für Green IT ist unsere papierlose Factory, die den Abfall deutlich reduziert und die Effizienz erhöht. Darüber hinaus nutzt das Projekt „Digitaler Zwilling“ hochpräzise Simulationen, um die Abhängigkeit von physischen Testfahrzeugen zu reduzieren, und unsere Einrichtung des digitalen Arbeitsplatzes ermöglicht die zunehmende Verbreitung von Home-Office, wodurch Verkehr und Emissionen reduziert werden.

Sagar: Bayer ist der Marktführer im Bereich Crop Science. Es gibt mehrere Projekte, an denen mein Team beteiligt ist, die sich mit digitaler Landwirtschaft und nachhaltiger Landwirtschaft befassen. Unser Ziel „Gesundheit für alle, Hunger für keinen“ ist ein großer Motivationsfaktor, um unsere Bemühungen in diese Richtung zu lenken. In der Pharmabranche helfen wir auch mit Lösungen für die Lieferkette, die dazu beitragen, unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern.

Hennig: Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist Bildung. Wir engagieren uns in mehreren Initiativen wie „#SiemensBewegtSchule“, sind Partner der Hamburger Hacker-Schule oder unterstützen Lehrer mit Collaboration-Tool-Schulungen. Ende letzten Jahres haben wir im Rahmen der CIO-Update-Reihe des Voice e.V. einen Aufruf für aufbereitete IT-Geräte gestartet, um Kinder beim Fernunterricht zuhause zu unterstützen. Auch unsere langjährige Partnerschaft mit Euro-

pas größtem gemeinnützigen IT-Unternehmen „Arbeit für Menschen mit Behinderung gemeinnützige GmbH“ (AfB) ist etwas, worauf ich sehr stolz bin. AfB hat uns geholfen, den Lebenszyklus von rund 80 Prozent unserer IT-Geräte zu verlängern, was die Kohlenstoffemissionen um bis zu 30 Prozent senkte, und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen.

Ein weiteres Projekt ist die Umsetzung von Prinzipien der Kreislaufwirtschaft für IT-Geräte. In einem ersten Schritt schaffen wir Transparenz über die von unseren Lieferanten angebotenen Komponenten, um schließlich eine vollständig emissionsfreie Lieferkette zu erreichen. Darüber hinaus arbeiten wir an Berichtsschichten für Kohlenstoffemissionen, die helfen werden, den wissenschaftlich errechneten Kohlenstoff-Fußabdruck von Produkten für Scope 1, 2 und 3 zuverlässig darzustellen.

Auf einer allgemeineren Ebene haben wir begonnen, unser eigenes Serviceportfolio zu optimieren, wie zum Beispiel selbst betriebene Rechenzentren, in Übereinstimmung mit der Gesamtstrategie von Siemens, bis 2030 einen Netto-Null-Betrieb zu erreichen.

Sehen Sie vor diesem Hintergrund eine sich verändernde CIO-Funktion?

Brecht: Da Nachhaltigkeit in Zukunft ein Kernelement jeder Funktion sein sollte, wird sich die Rolle des Chief Information Officer sicherlich verändern. Wir können unseren Organisationen dabei helfen, versteckte Möglichkeiten zur Reduzierung des Ressourcen-und Energieverbrauchs aufzudecken und die Fortschritte zu verfolgen. Indem wir uns mehr auf diese Art von Daten konzentrieren, können wir nicht nur einen Nutzen für unser Endergebnis erzielen, sondern gleichzeitig der Umwelt helfen.

Sagar: Ja. Die neue Generation von CIOs muss geschäftsorientiert sein und die Auswirkungen von Finanz-, Nachhaltigkeits-und Geschäftsstrategien auf dritte Roadmaps dringender verstehen, um in der Rolle als wichtiger strategischer Berater fungieren zu können.

Hennig: Zweifelsohne. Wie bereits erwähnt, wandeln sich CIOs zunehmend zu Anwälten für gesellschaftliche Belange. Wenn ich mir unsere eigene Organisation anschaue, ist es auch das, was meine Mitarbeiter, Partner, Kunden und andere Stakeholder von uns erwarten.

Wie kann die IT den Planeten retten?

„Es gibt mehrere Projekte, an denen mein Team beteiligt ist, die sich mit digitaler und nachhaltiger Landwirtschaft befassen.“

Bijoy Sagar CIO von Bayer

Brecht: Die IT allein kann den Planeten nicht retten. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, brauchen wir eine konzentrierte Anstrengung von allen Seiten – und zwar weltweit. Aber die IT wird ganz sicher eine wichtige Rolle spielen. Wir sehen jeden Tag, wie Technologie hilft, große und kleine Probleme zu lösen, und sie wird bereits auf spannende Weise eingesetzt, um die Umwelt zu retten.

Sagar: Künstliche Intelligenz, neue Visualisierungsund Augmented-Reality-Tools, Sensoren, das Internet of Things (IoT) und andere Technologien geben uns enorme Möglichkeiten, um die Welt auf eine Art und Weise zu verstehen, die nie zuvor möglich war. Diese Technologien können uns helfen, länger gesund zu leben, Krankheiten effektiver zu diagnostizieren und zu behandeln, verantwortungsvoll zu wirtschaften und letztlich Ungerechtigkeiten und Belastungen für den Planeten zu reduzieren.

Hennig: Nun, das ist eine knifflige Frage. Auf den Punkt gebracht ist die IT Teil von beidem: dem Problem und der Lösung. Die IT ist zum Beispiel für etwa zwei Prozent der Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich, das ist ungefähr so viel wie der Flugverkehr. Auf der anderen Seite sind Cloud-Computing-Verfahren, insbesondere in Zeiten der Telearbeit, zu einer Notwendigkeit geworden, um den Kohlenstoff-Fußabdruck zu reduzieren. Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge (IoT) und Datenanalysen werden wichtige Ansatzpunkte liefern, um Arbeitsabläufe zu verbessern, Probleme zu identifizieren und skalierbare Lösungen zu finden, um Ressourcen zu erhalten und die Auswirkungen der Umweltzerstörung zu mindern.

Horst Ellermann [redaktion@cio.de] Die Fragen stellte Katja Hartert, Partner bei der Personalberatung Odgers Berndtson.

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