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ITALIEN – Eine Reise in längst vergangene Zeiten des Vinschgaus: Südtirol


Reisefieber - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 17.04.2019

Sinnesfreuden im Vinschgau


Artikelbild für den Artikel "ITALIEN – Eine Reise in längst vergangene Zeiten des Vinschgaus: Südtirol" aus der Ausgabe 3/2019 von Reisefieber. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reisefieber, Ausgabe 3/2019

1: Eine lebende Südtiroler Legende ist Reinhold Messner – hier mit seiner Tochter Magdalena auf ihrer herrlichen Burg Juval hoch über dem Vinschgau. Man kann die Burg und das Museum auch besichtigen, wenn die Messners nicht hier sind. Die Burg war eines der ersten Projekte des Architekten Werner Tscholl.


Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein herrschte im Vinschgau große Armut. Heute lockt die Südtiroler Top-Reiseregion seine Besucher mit romanischer Architektur, monumentaler Natur und spannender innovativer Küche an. Das und noch viel mehr macht die „Faszination Vinschgau“ aus. ...

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... Wohl dem, der beim Südtiroler Frühlingserwachen mit dabei sein kann, denn wenn die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht, beginnt die wohl schönste Jahreszeit in Südtirol.

2: Blick auf die Burg Juval vom Wirtschaftshof Unterortl aus. Hier liegt auch das Weingut von Reinhold Messner. Ein Aushängeschild des Vinschgaus ist natürlich der blühende Apfelbaum – hier ist ein Baum der Sorte „Kalterer Apfel“ zu sehen.


Eigentlich verlangt die Staatsstraße am Reschensee mit ihren zahlreichen Tunneln und Galerien von den Autofahrern volle Konzentration, aber der einsame Kirchturm, der mitten im Wasser steht, zieht die Blicke einfach magisch an. Gebaut wurde die dazugehörige romanische Kirche St. Katharina im 14. Jahrhundert, zerstört wurde sie Mitte des 20. Jahrhunderts. Damals wurden die beiden Dörfer Graun und Reschen geflutet, um die Wasserkraft der Etsch und anderer Bergbäche nutzen zu können. Einzig den Turm von St. Katharina hat man stehen lassen als eine Art schmerzliche Erinnerung, denn für die zwangsumgesiedelten Einheimischen war das damals eine Katastrophe. Zwar wurde ein neuer Ort Graun geschaffen, aber die Menschen hatten ihre Heimat verloren. Heute, 70 Jahre später, leben nur noch wenige Zeitzeugen. Die heutige Generation kann dem See viel Positives abgewinnen: Sie genießt die Freizeit auf der gewaltigen Wasserfläche. Zwar ist das Wasser zum Baden meist zu kalt, aber der See ist zu einem Mekka für Kitesurfer aus ganz Europa geworden. Hier oben weht oftmals eine kräftige Brise – dann ist der Himmel voller bunter Segel. Zu kämpfen haben dagegen die Radfahrer auf dem hier beginnenden Etschtal-Radweg. Man spricht vom Vinschger Oberwind, der ihnen mit seiner Kälte und Heftigkeit das Fürchten lehren kann.

BEWEGTE GESCHICHTE DES VINSCHGAUS

Über den Reschenpass hinunter in den Vinschgau zu reisen ist für mich die schönste Art der Annäherung an Südtirol. Mit jedem Kilometer wird man quasi weiter in das kleine Paradies hineingezogen. Ganz anders als über den Brennerpass, der kaum einen Seitenblick in die herrliche Natur erlaubt. Der Vinschgau atmet Geschichte, wohin man schaut. So war die heutige Reschenstraße – der ehemalige römische Handelsweg namens „Via Claudia Augusta“ – einst die wichtigste Verbindung zwischen Augsburg und Venedig. Noch sind wir im Oberen Vinschgau, einer Region mit harschen Ecken wie der Hochebene der Malser Haide, dem größten Schwemmkegel der Alpen. Diese Widrigkeit hat kantige, aber oftmals sehr kreative Menschen hervorgebracht. Eine Geburtsstätte war sicherlich das Gymnasium von Kloster Marienberg. Es wurde Mitte der 1980er-Jahre geschlossen, aber viele bedeutende Südtiroler saßen hier auf der Schulbank. Heute ist das mächtige Benediktinerkloster, das mit seinen weißen Mauern und unzähligen Fenstern schon von Weitem zu sehen ist, ein großer Anziehungspunkt für Liebhaber der Romanik. Überhaupt ist Südtirol, bevorzugt der Vinschgau, ein wahres Schatzkästchen für diese Kulturepoche. So gehört die Krypta von Marienberg unterhalb der Kirche zu den unbestrittenen Höhepunkten der Romanik.

MODERNEARCHITEKTUR IM KLOSTER MARIENBERG

Ich bin mit dem Abt Markus Spanier verabredet, der mir voller Stolz die herrlichen Fresken zeigen möchte – wunderbarste Romanik in dem strahlenden Blau von Lapislazuli. So frisch, als wären Apostel und Engel erst gestern gemalt worden. Dabei muss man sagen, dass diese Art der Malerei, die um das Jahr 1170 entstand, für Jahrhunderte im Verborgenen blieb und erst 1887 durch Zufall entdeckt wurde. „Aber wir leben nicht in der Vergangenheit“, meint der Abt und führt mich mit wenigen Schritten direkt ins 21. Jahrhundert: Im Museum wartet Werner Tscholl, der sich seit vielen Jahren um die Modernisierung von Marienberg kümmert. Er ist im Unteren Vinschgau geboren und gehört zu den führenden Architekten Südtirols. Sein Schaffen ist an Objekten wie den Burgen von Juval oder Sigmundskron sowie den Kellereien von Tramin oder Meran zu sehen. Das aktuellste Projekt auf Marienberg ist die neue Klosterbibliothek, die unterirdisch in den Felsen geschlagen wurde. Viele Leute von Burgeis, das zu Füßen des Klosters liegt, schütteln nur den Kopf über den Architekten und seinen Bauherrn. „Ungewöhnliche Ideen haben es immer schwer“, sagt Werner Tscholl. An Kritik und Besserwisserei hat er sich längst gewöhnt. Doch die Umbauten, wie der neue Saal für Besucher und Seminare, halten das Kloster am Leben. Etwas Ungewöhnliches hat sich der Architekt für die Fassade einfallen lassen, denn sie wurde aus Kaffeebechern gestaltet.

Schöner als mit einem makellosen Regenbogen lässt sich die Stimmung am Reschensee nicht einfangen. Einsam ragt dort der Turm der Kirche St. Katharina aus dem See.


1


1+2: Rast auf dem Vinschger Höhenweg, der eine Länge von 108 Kilometern hat und in sechs Etappen von Staben bis zur Etschquelle führt. Hier ist der Abschnitt bei Schloss Schlandersberg zu sehen. Der Sonnenberg von Naturns präsentiert sich wie ein Wunderwerk von Farben.


3: Eine große Attraktion für Besucher ist die Churburg oberhalb von Schluderns. Es ist die am besten erhaltene Wehranlage in Südtirol, und die Ritterspiele sind alljährlich Treffpunkt unzähliger Liebhaber des Mittelalters.


4: Auf der Churburg gibt es aber nicht nur rustikale Vergnügen, denn auch viele kunsthistorisch interessierte Menschen kommen zu diesem Adelssitz, um unter anderem den wunderschön ausgemalten Kreuzgang zu bewundern.


1: Am Rande von Burgeis liegt die Fürstenburg, die einst zum Kloster Marienberg gehörte.


2: Auf dem Vergiljoch kann man im Hotel Vigilius Mountain nobel übernachten. Hier ein Blick ins Foyer.


3: Blick von Kastelbell auf die Ortschaft Tschars und den Beginn des Meraner Kessels. Im Hintergrund die Berge Hirzer und Ifinger.


4: Ein Hingucker ist auch das Kloster Marienberg. Dank seiner exponierten Lage über Burgeis ist es weit zu sehen.


Heutzutage wollen viele Menschen am täglichen Leben der Benediktiner teilhaben. Trotz aller Fortschrittlichkeit wird das „ora et labora“ streng eingehalten und wer im zeitgenössisch eingerichteten Gastkloster wohnen möchte, wird jeden Tag pünktlich zur Morgenmesse erwartet. Ein wirkliches Erlebnis sind die gregorianischen Gesänge der Mönche – allerdings zur unchristlichen Zeit um 6 Uhr morgens.

Beim Blick über die Klostermauer schaut man am Eingang auf die weitläufigen Gemüsegärten. Zum Lebensstil der Benediktiner gehört auch die Selbstversorgung. Eine Neuheit ist, dass seit 2013 an den Südhängen von Marienberg zwei Hektar Weinreben stehen, die zum Weinhof Calvenschlössl aus dem Nachbardorf Laatsch gehören. Auf den Markt kamen die ersten Marienberger Weine übrigens erst vier Jahre später im Jahr 2017.

BESONDEREWEINE IN EXTREMER LAGE

Als Touristen kam die belgische Familie van den Dries in diese Ecke Südtirols und kaufte im Jahr 2004 das Clavenschlössl. Dort gab es nichts als steile Hänge. „Die Reben müssen sich an die Felsen klammern“, erzählt Hilde van den Dries. „Aber die Südlage und die robusten autochtonen Sorten wie Solaris oder Souvignier gris, die auf über 1000 Metern gedeihen, lassen spannende Weine entstehen.“ Die wenigen Flaschen werden jedoch nicht ab Hof verkauft. Wer neugierig geworden ist, kann diese Weine im Restaurant „Kuppelrain“ in Kastelbell und in anderen Gourmetrestaurants der Region kennenlernen.

STIPPVISITE IN BURGEIS

Den Klosterberg hinunter kommt man hinein ins kleine Herz von Burgeis. Sobald sich im Frühjahr die Radfahrer wieder in den Sattel wagen, summt es in dem kaum 900 Einwohner umfassenden Ort wie in einem Bienenstock. Grund dafür ist der beliebte Etschtal-Radweg, der direkt durch den kleinen Ort führt. Man könnte von hier aus entlang der Etsch bis nach Venedig radeln, denn erst dort mündet der Fluss ins Mittelmeer. Das Rattern der Fahrräder auf dem bockigen Kopfsteinpflaster liegt in der Luft, manch einer steigt ab und gönnt sich eine Pause im schicken Dorfcafé, der Rest prescht weiter.

Die eiligen Radtouristen haben in der Regel keinen Blick für die Fresken, die Freitreppen, die herrlichen Erker und die schönen Fassaden des Dorfes. Wer durch Burgeis spaziert, der begibt sich auf eine Zeitreise direkt ins Mittelalter. Nichts ist hier geschönt, alles original – fast alles, denn vor wenigen Jahren hat der Hauptplatz mit dem Brunnen St. Michael ein frisches Gesicht erhalten: Der „Ansitz zum Löwen“, ein denkmalgeschütztes Gebäude mitten im Zentrum von Burgeis, wurde renoviert. Das imposante dazugehörige „Pfisterhaus“ stand ein halbes Jahrhundert leer, bevor sich die Hoteliersfamilie Theiner entschlossen hat, dem Gebäude aus dem 13. Jahrhundert neues Leben einzuhauchen.

1: Zu vielen Anlässen in Südtirol ist eine Trachtenkapelle mit dabei – hier wird die Beerdigung eines Abtes vom Kloster Marienberg zelebriert.


2: Sobald der Vinschger Oberwind bläst, kommen die Kitesurfer zum Reschensee. Im Sommer im Neoprenanzug und im Winter werden die Ski angeschnallt.


3


3+4: Die herrlichen Fresken in der Krypta der Klosterkirche von Marienberg sind ein Höhepunkt der Romanik.


5: Der Eingang zur Klosterkirche Marienberg stammt aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.


6: Auf steilen Hängen wachsen die Weinreben von Martin Aurich vom Weingut Unterortl. Er ist bekannt für seinen Riesling, aber auch für seine tollen Schnäpse.


1: Auch ambitionierte Radfahrer müssen mal eine kleine Pause machen – am besten am Brunnen in der kleinen Ortschaft Schleis.


2: Nur einen Katzensprung entfernt liegt das mittelalterliche Juwel Glurns – sehr gepflegt, wie an der Fassade des Laubenhauses zu sehen ist.


3: Am Stadtplatz von Glurns liegt der romantische Gasthof Zum grünen Baum, der vor Kurzem renoviert wurde.


4: Wer in Glurns wohnt, wird auch durch die Gassen mit den Laubenhäusern flanieren.


MODERNES HOTEL IN ALTEM MAUERWERK

Die Architekten Stephan Marx und Elke Ladurner aus Schlanders bekamen die große Chance, die gotischen Holzdecken, die schmalen Rundbogentüren und die typischen Fenster des „Pfisterhauses“ zu sanieren und mit moderner Infrastruktur auszustatten. „Es gab viele Probleme zu lösen“, erzählt Stephan, „denn durch den langen Leerstand war das Dach undicht geworden, Feuchtigkeit und Schimmel saßen in vielen Ecken und wir mussten auf die gotische Substanz Rücksicht nehmen.“ Das Verstecken von Kabeln und Heizungsrohren hatte den Architekten viele schlaflose Nächte bereitet, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen! Elegante Suiten sind entstanden, zugleich ist der Charme des „Pfisterhauses“ geblieben. Da wird das Übernachten zu einem Erlebnis, denn wer hat schon einmal unter einer Holzdecke aus dem 13. Jahrhundert geschlafen? Direkt nebenan war der Pferdestall mit Scheune – so wie es sich in jenen Jahren gehörte. Auch dort kann man jetzt übernachten. Sehr gelungen ist die zeitgenössische Verkleidung der „einfachen“ Fassade mit Holzlatten. „Architekt in Südtirol zu sein, das ist eine spannende Aufgabe“, meint Stephan. „Durch den blühenden Tourismus gibt es viele Hotels und davon sind einige schon in die Jahre gekommen. Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder abreißen oder die alte Substanz für neue Ideen nutzen. In dem beengten Südtirol wird Bauland mit Gold aufgewogen, da keiner seine Wiese für ein Gebäude opfern will.“

MALS ODER GLURNS – WELCHES DORF IST AM SCHÖNSTEN?

Nur ein paar Kurven weiter auf der Reschenstraße liegen die Orte Mals und Glurns, traditionelle Mittelpunkte der Region. Das schönste Zeugnis vorromanischer Architektur in Mals dürfte wohl die Kirche St. Benedikt sein, die zu den ältesten sakralen Bauten Europas zählt. Die Kirche stammt aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, und im 12. Jahrhundert wurde der romanische Kirchturm hinzugefügt. Die Kirche wurde lange Zeit als Lagerraum genutzt. Erst im 20. Jahrhundert entdeckte man die wertvollen Fresken aus der Zeit der Karolinger, die heute zahllose Kunstliebhaber anziehen.

Schon im Mittelalter beäugten sich die beiden Konkurrenten argwöhnisch und bis heute dürfte Glurns dem Nachbarn Mals wohl den Rang abgelaufen haben, denn dem Charme der „kleinsten Stadt südlich der Alpen“ kann niemand widerstehen: eine intakte Stadtmauer, drei mächtige Stadttore, verwinkelte Gassen mit Kopfsteinpflaster und imposante Häuser aus der Zeit der Renaissance wie das Hotel Zum grünen Baum am Stadtplatz. Dort stehen in den warmen Monaten Tische und Stühle vor dem Haus – eine schönere Einladung zum Genießen einer mittelalterlichen Kleinstadt kann es kaum geben.

Auch in Glurns bleibt die Zeit nicht stehen und geradezu provokant zu all dem alten Gestein drängt sich die Backsteinfassade der Whiskybrennerei PUNI in den Vordergrund. Benannt nach dem Bach, der in unmittelbarer Nähe vorbeifließt, ist dem Architekten Werner Tscholl ein wahrer Blickfang gelungen. Kein Wunder, dass das Gebäude in vielen Ausstellungen präsentiert wird. Auf dem Dach des, als Schachbrett aus rotem Backstein gestalteten Baukörpers, blickt man – oftmals vom blauen Himmel begleitet – auf die Kulisse der meist schneebedeckten Gipfel der Ortlergruppe – einfach umwerfend.

1: Das Hotel Vigilius Mountain Resort war das erste Klimahotel Südtirols. Es wurde von dem Bozener Architekten Matteo Thun entworfen.


2: „Typisch Südtirol“ ist der Hof Oberortl, der mit der Burg Juval zum Besitz von Reinhold Messner gehört.


3: Aus Glurns kommen die beiden Brüder Ebersperger. Ihre Leidenschaft gilt dem Whisky, der bei Glurns produziert wird.


4: Auf dem Vinschger Höhenweg gibt es herrliche Rad- und Wanderwege.


5: Die Zeit der Apfelernte ist die geschäftigste Periode im Vinschgau, da wird jede Hand gebraucht.


6: Zum Baden so verlockend wie ein Bergsee ist der künstlich angelegte Thermensee der Therme Meran.


1: Die Burg von Kastelbell liegt inmitten von Apfelgärten.


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2+3: Ganz weit weg von der üblichen Südtiroler Kost mit Speck und Schüttelbrot ist die innovative Küche.


4: Im Restaurant Kuppelrain arbeitet die ganze Familie. Hier ist die junge Generation mit Nathalie und Kevin Trafoier zu sehen.


5: Ein Klassiker ist der Apfel des Golden Delicious im prallen Sonnenlicht.


Und im Haus frönen Hausherr Albrecht Ebensperger und sein Sohn Jonas ihrer Leidenschaft: dem Herstellen von Whisky. Basis dafür ist der einheimische Roggen, der vor ihrer Haustür wächst. Und in den ehemaligen Bunkern von Benito Mussolini, die entlang der Reschenstraße stehen, reifen die Fässer bis zur Abfüllung des „Italian Single Malt Whiskys“.

KULINARISCHES SÜDTIROL AM UFER DER ETSCH

Spätestens ab Schlanders ist der charmante Teil Südtirols erreicht. Man kommt an romanischen Kapellen und imposanten Kirchtürmen vorbei wie jenem in Schlanders, dem höchsten in ganz Tirol. Hier spürt und riecht man das Mediterrane auf der Haut und in der Nase. Im Mittelpunkt stehen die weiß-rosa blühenden Apfelgärten – ein Spiel der Farben, besonders am Ufer der grünen Etsch. Mit seinem milden Klima ist der Untere Vinschgau ein Paradies für alles, was im Garten und Wald wächst und gedeiht, und somit auch ein Mekka für ambitionierte Küchenchefs. Schon vor dreißig Jahren verwendete Jörg Trafoier die regionalen Produkte für seine Sterneküche im Restaurant Kuppelrain – sei es Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, der Käse von der Hofkäserei Schleis, die Biokräuter aus Goldrain, der Saibling aus den nahen Bächen und natürlich die vielen spannenden Weine, die unter der Regie von Ehefrau Sonya auf die Weinkarte gelangen, und die selbst eingefleischte Weinkenner immer wieder mit Unbekanntem überraschen. Jeder Abend beginnt hier mit drei fein geschnittenen Scheiben Speck vom eigenen Schwein, das auf der Alm leben darf. So wird aus einem Massenprodukt eine Delikatesse.

Seit fünf Jahren arbeiten die Kinder Nathalie und Kevin mit – das war ein Grund mehr, den lang gehegten Wunsch, ein Bistro zu eröffnen, zu verwirklichen. Ein täglich wechselndes Menü gibt es seitdem mittags, mit einem Dessert von Nathalie als Krönung, dem garantiert niemand widerstehen kann. Längst ist das Bistro zu einem Treffpunkt von Einheimischen und Fremden geworden und so kann es vorkommen, dass Weinbauern aus der Gegend am Nebentisch sitzen.

Ein leichtes Essen ist die perfekte Grundlage für eine kleine Wanderung. Das Angebot in Südtirol ist beeindruckend. Warum nicht ein letztes Mal in die Geschichte eintauchen? Diesmal in das späte 19. Jahrhundert: Es war die Zeit der Sommerfrische, man entdeckte die gute Luft und die Ruhe in den Bergen. Dazu gehörte auch das Vigiljoch oberhalb von Lana als Zufluchtsort der wohlhabenden Meraner. Seit 1912 führt eine Seilbahn hinauf und auf 1700 Metern lassen sich dort entspannte Stunden verbringen. Eine willkommene Option ist der dreistündige Rundwanderweg, vorbei an den charmanten Sommerhäusern, die wie eine hundert Jahre alte Welt aus Puppenstuben wirken, eingerahmt von Bergwiesen und Wald – Fichten, Lärchen und Zirben wachsen hier in Hülle und Fülle.

DELIKATESSEN AUS DEM VINSCHGAU

Die schönsten Jahreszeiten im Vinschgau sind der Frühling mit seinen blühenden Apfelbäumen und der Herbst mit seinem goldenen Licht. Im geschützten Tal des Unteren Vinschgaus kann sich die südliche Sonne so richtig austoben, was nicht nur dem Obst und Gemüse zugutekommt. Schon früh haben die Bauern die Chancen einer regionalen Vermarktung ihrer Produkte erkannt und verkaufen oftmals ab Hof. Den besten Käse gibt es in der Hofkäserei Englhorn. Im Dunstkreis von Kloster Marienberg liegt der Hof von Familie Agethle. Die lange Tradition von 200 Jahren haben nun Alexander Agethle und seine Frau Sonja Sagmeister übernommen. Schon zahlreiche Auszeichnungen haben sie für ihren Käse aus Kuhmilch erhalten. Es gibt die drei Sorten Arunda, Tells und Rims, dazu Butter und einen Almkäse. Im Stadlgut oberhalb von Latsch am Eingang von Tarsch wird das Aushängeschild Südtirols produziert: der Südtiroler Speck. Die Schweine der Familie verbringen den Sommer auf der Alm. Mit der guten Ernährung der Tiere und der langen Reifezeit des Specks bekommt man ein erstklassiges Produkt, das mit herkömmlichem Speck wenig gemein hat.

Die frischesten Kräuter gibt es in Goldrain. Schon von Weitem ist das gelbe Gebäude am Ortsausgang von Goldrain zu erkennen. Vier Generationen der Familie Gluderer kümmern sich hier um die biologisch angebauten Kräuter und Blumen, die auf Feldern, Beeten und Rondellenwachsen. Auch die Kosmetiklinie „Plima“ wird aus den eigenen Kräutern und Blüten hergestellt. Zu kaufen gibt es alles im Hofladen, der die ganze Woche geöffnet ist.

Und wer sich diese Mühe nicht machen will, der kann bei PUR in Meran oder im Vinschger Bauernladen am Eingang des Schnalstals einkaufen. Die letzte Gelegenheit, bevor man Südtirol wieder verlässt, bietet das „Plessi“, ein Museum direkt am Brenner. Wer im Oberen Vinschgau unterwegs ist, sollte unbedingt einen Stopp in Schluderns machen. Die meisten Besucher zieht es hoch zu der Churburg und ihren Ritterrüstungen, aber im Ortskern gibt der charmante „Dorflodn“ der Familie Trafoier mit Vinschger Produkten einen schönen Einblick in die mittelalterliche Atmosphäre des Ortes. Doch die schönste Art, die herrlichen Produkte des Vinschgaus kennenzulernen, ist es auf jeden Fall, sie in den herrlichen Restaurants des Vinschgaus einfach zu probieren.

6: Im Kräuterschlössl bei Goldrain pflegt man nicht nur die Liebe zu den Kräutern – auch die zeitgenössische Kunst kommt zum Zug.


7: Diese Mischung aus Kuhund Ziegenkäse stammt von einem Biohof im Schnalstal.


8: Hier prüft Peter Ladurner seinen Speck. Der Keller liegt im Schnatzhof bei Naturns.


9: Besonders für Kinder ist der Besuch der Churburg ein großes Abenteuer.