Lesezeit ca. 10 Min.
arrow_back

IT’S ONLY ROCK’N’ROLL, BUT WE LIKE IT!


Logo von guitar
guitar - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 20.10.2022

STORY

Artikelbild für den Artikel "IT’S ONLY ROCK’N’ROLL, BUT WE LIKE IT!" aus der Ausgabe 11/2022 von guitar. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: guitar, Ausgabe 11/2022

Die Stones während ihres legendären Auftritts am ?Rock and Roll Circus? im Intertel TV Studio in Wembley, London, am 11. Dezember 1968 (1)

London,1962. In England geht das Bluesfieber um. Durch Militärsender und Plattenimporte entdeckt eine völlig neue Generation afroamerikanische Musik und eine lebendige Untergrundszene entwickelt sich.

An einem geschichtsträchtigen Tag führt das Schicksal zwei solche Enthusiasten zusammen. Mick Jagger und Keith Richards kennen sich noch aus dem Sandkasten, verloren jedoch über die Jahre den Kontakt. Nun treffen sie sich am Bahnhof wieder – Mick trägt zwei Platten unter dem Arm – eine von Muddy Waters und eine von Chuck Berry. Sie kommen ins Gespräch und beschließen, eine Band zu gründen.

Schon bald machen sie sich in der Londoner Clubszene einen Namen und nehmen 1964 ihre erste Platte auf. Zu diesem Zeitpunkt besteht die Band aus Sänger Jagger und Gitarrist Keith Richards, der von Brian Jones an der Gitarre, Bill Wyman am Bass, Charlie Watts am Schlagzeug und Ian Stewart am Piano unterstützt ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 6,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von guitar. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Neue Vintage-Träume. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Vintage-Träume
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von QR-CODES, PLAYALONGS & DOWNLOADS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
QR-CODES, PLAYALONGS & DOWNLOADS
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Booklet. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Booklet
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von ROCKANTENNE 20 Jahre Tuff Stuff. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ROCKANTENNE 20 Jahre Tuff Stuff
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
AUS DEM RICHTIGEN HOLZ GESCHNITZT
Vorheriger Artikel
AUS DEM RICHTIGEN HOLZ GESCHNITZT
Twang, Baby!
Nächster Artikel
Twang, Baby!
Mehr Lesetipps

... wird. Letzterer ist allerdings kein offizielles Mitglied, da er laut Manager Andrew Loog Oldham nicht ins Gesamtbild passt. Bis zu seinem Tod 1984 bleibt er in der Band – als Freund, Roadmanager und natürlich auch als Keyboarder. Im Folgenden stellt Euch unser Nachwuchs-Autor Bernhard Probst anhand einer akribisch gesammelten Songauswahl die nunmehr 60-jährige Geschichte der Band anhand von 17 Songs vor. Seid gespannt auf die Tricks und Kniffe mit denen sich die Stones in den frühen Sixties von sämtlichen anderen britischen Blues-Bands absetzten und wie die Band über die Jahrzehnte ihren eigenen Stil immer weiter raffinierte. Außerdem hat Bernhard euch auch ein paar seltene Perlen herausgepickt – Songs wie „No Expectations”, „Scarlet” oder „Highwire”.

1. ROUTE 66

Das Nat-King-Cole-Cover, welches die Stones auf ihrem Debüt im Jahr 1964 veröffentlichen, ist ein klassisches Beispiel für die damalige Arbeitsweise des Fünfers – in ihren frühen Tagen ist es nicht das Ziel gewesen, eigene Songs zu schreiben, sondern ihr Publikum für den Blues zu begeistern. Dabei versehen sie jede ihrer Coverversionen mit ihrer eigenen Note. Hier formen sie das jazzige Klaviermotiv aus Chuck Berrys Version des Songs zu einem peitschenden Gitarrenriff um.

2. LITTLE RED ROOSTER

Nach dem ersten Hit IT’S ALL OVER NOW folgt mit LITTLE RED ROOSTER ein sehr traditionelles Cover einer Nummer von Chicago-Blues-Großmeister Howlin’ Wolf. Brian Jones glänzt hier mit einem aalglatten Slidespiel und verwendet Jahre vor Keith Richards die Open-G-Stimmung. Für die Stones-Version hat er das Originalriff des Songs leicht abgeändert. Er beherrschte übrigens neben der Gitarre auch unzählige weitere Instrumente.

3. THE LAST TIME

Auf der LP Out Of Our Heads (1965) findet sich die erste Single aus der Feder von Jagger und Richards. THE LAST TIME hat ein großartiges Riff, das vermutlich wieder aus der Feder von Brian Jones stammt. Es verdeutlicht gut, wie wichtig Jones gitarristischer Input bei den Stones war.

4. (I CAN’T GET NO) SATISFACTION

Ach ja, da war ja noch dieser Klassiker, der die Rockmusik für immer veränderte. Dabei wäre es beinahe nie so weit gekommen. Eines Tages fällt Keith Richards ein Riff im Schlaf ein. Gottseidank hat er einen Kassettenrekorder neben seinem Bett stehen, so kann er seine Idee schnell festhalten. Auf der Kassette befinden sich demnach zwei Minuten Gitarrenspiel, der Rest ist Schnarchen. Als er seinem Kumpanen Mick das Riff vorspielt, schreiben sie drumherum einen Song, dessen Text die Lebenseinstellung ihrer abertausenden Fans perfekt zusammenfasst: (I CAN’T GET NO) SATISFACTION (1965). Keiths Vision für das Riff ist, dass es von einer Bläsersektion gespielt wird. Deswegen benutzt er auf der Aufnahme auch ein neues Pedal, welches das Signal eines Verstärkers ohne ohrenbetäubende Lautstärke verzerren kann – ein Maestro FZ 1 FuzzTone, welches damit beworben wird, dass es Gitarren und Bässe wie Bläser klingen lassen kann (ob das stimmt, muss jeder selber entscheiden!). Doch die Band und Manager Oldham sind alle dafür, dass Keiths Platzhalterspur anstatt den Bläsern im Mix bleibt. Die Rockmusik ist seitdem nicht mehr dieselbe. Hendrix, Beck, Page – alle wollten ein Fuzz-Pedal haben. Es sollte die einflussreichste Entdeckung für die Soundästhetik des Rock‘n‘Roll werden. Wir haben in der guitar-Ausgabe 4/22 nicht nur das legendäre Riff in unserem Countdown der besten Fuzz Riffs abgedruckt, sondern auch ein Special zur Geschichte von Maestro gebracht. Ein tolles Cover der Nummer gibt es übrigens von Rory Gallagher zusammen mit Peter Frampton und Albert Lee, einem Outtake aus einer Session mit Jerry Lee Lewis.

5. NO EXPECTATIONS

Die Single erscheint kurz vor Beggars Banquet (1968), was den härteren Sound der Band zementiert. Auf ihm findet sich aber mit NO EXPECTA-TIONS auch eine einfühlsame Ballade, die, wie sich Mick Jagger erinnert, Brians letzter konstruktiver Songwriting-Beitrag zum Gesamtwerk der Band war. Auch hier kommt ein Slide zum Einsatz, gestimmt wird auf Open E.

6. JUMPIN’ JACK FLASH

Als die Rolling Stones als Songwriter wachsen, entdeckt auch Keith Richards die offenen Stimmungen für sich. Auf der Single JUMPIN‘ JACK FLASH (1969) zaubert er ein brachiales Riff in Open G mit Kapodaster am 4. Bund, bei dessen Aufnahme er einen Trick anwendet, der ein weiteres Soundrätsel aufdeckt: wie bekommt er diesen dynamischen Sound hin, der irgendwo zwischen akustischer und elektrischer Gitarre liegt? Das Geheimnis liegt darin, dass keine einzige E-Gitarre auf der Aufnahme zu hören i st: Keef nimmt einen Kassettenrekorder dessen Mikrofon er in die Gitarre legt und diese so brachial anschlägt, dass die analoge Verzerrung ihr übriges tut. Dieser Sound hilft ihm auch bei Songs wie STREET FIGHTING MAN.

Die Open-G-Stimmung soll fortan Keefs bevorzugtes Tuning werden. Dafür stimmt ihr eure beiden E-Saiten auf D und die A-Saite auf G herunter, sodass es, wenn ihr alle Saiten anschlagt, ein G-Dur-Akkord erklingt. Wenn ihr den charakteristischen Stones-Sound wollt, klemmt ihr noch die tiefe E- beziehungsweise D-Saite ab, auf die verzichtet der Meister in dieser Stimmung nämlich. Das liegt vermutlich daran, dass man den Zeigefinger etwas entspannen kann, wenn man eine Saite weniger abdrücken muss, denn diese Ein-Finger-Barrés sind auf Dauer doch sehr anstrengend, wenn man sie nicht gewohnt ist. Die Tiefen werden eh vom Bass übernommen und es sind zwei Saiten auf D gestimmt, also ist es naheliegend, dass die tiefere wegfällt.

7. MIDNIGHT RAMBLER

Das Folgealbum Let It Bleed (1969) ist vielleicht ihr vollkommenstes. Auf ihm spielen vier Gitarristen, da der von zunehmendem Substanzgebrauch gezeichnete Jones oft nur noch am Rande an den Sessions beteiligt ist und von dem Bluesbreakers-Aussteiger Mick Taylor unterstützt wird. Auch Ry Cooder schaut bei den Aufnahmen vorbei.

Wieder mit Kapo, aber am 7. Bund, hält MIDNIGHT RAMBLER hier ein Mörder-Riff bereit – im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Text ist von den Geständnissen des Serienkillers Albert DeSalvo, bekannt als „Boston Strangler“, inspiriert. Im grandiosen Mittelteil verlangsamt die Band das Tempo auf Schneckengeschwindigkeit, nur um es bis zur Ekstase zu steigern, in der Jagger in die Rolle des Mörders schlüpft. Live kann das bis über eine Viertelstunde dauern. Keith Richards sagt, dass dies der eine Song ist, der nur ihm und Mick einfallen hätte können – „keiner Sonst wäre darauf gekommen, den Blues in eine Oper zu verwandeln“.

8. YOU CAN’T ALWAYS GET WHAT YOU WANT

Fast 50 Jahre tappten unzählige Gitarristen im Dunkeln, wenn es darum geht, das Geheimnis des Sounds im Intro von YOU CAN’T ALWAYS GET WHAT YOU WANT zu entziffern. Als gesichert können wir betrachten, dass er das Stück live immer mit Open G und Kapo am 5. Bund spielt. Doch der Gitarrist John McLennan analysierte jede mögliche Version des Songs. Wenn man aber auf der Studioaufnahme genau hinhört, kann man die hohe E-Saite, die im Sinne eines G7-Tunings in ihrer ursprünglichen Stimmung bleibt und am 8. Bund gegriffen wird, durchgehend klingen hören. McLennan meint zudem, dass Keef eine zwölfsaitige spielt und alle Oktavsaiten bis auf die der hohen E-Saite entfernte.

9. BITCH

Nachdem Brian Jones demokratisch der Band verwiesen wird, steigt Let- It-Bleed-Gast Mick Taylor endgültig ein, der einen Tag nach dem Ableben seines Vorgängers (er wurde tot in seinem Swimmingpool aufgefunden) seinen ersten Gig mit der Band spielt – das legendäre Gratiskonzert im Londoner Hyde Park. Danach spielt die Band eine weitere Show mit freiem Eintritt im kalifornischen Altamont. Diese endet katastrophal – ein Mann wird während dem Stones-Set erstochen. Trotz den schweren Zeiten steuert Taylor zu Sticky Fingers (1970) grandiose Leads bei, die Riffs wie CAN’T YOU HEAR ME KNOCKIN’ und BITCH ergänzen. Letzteres wurde dann auch endlich von einer Bläsersektion mitgespielt.

10. MOONLIGHT MILE

Der Höhepunkt der Scheibe, das verträumt-apokalyptische MOONLIGHT MILE geht auf den völlig unterbewerteten Rhythmusgitarristen Mick Jagger zurück, dem die orientalischangehauchte Melodie, die zu einem bombastischen Orchesterarrangement heranwächst, beim Improvisieren einfällt. Auch er benutzt hier die Open-G-Stimmung, mit der er durch die liegenden Töne der Basssaiten eine Art Bordun für die orientalisch-angehauchte Melodie erzeugt. Keefs beginnende Heroinsucht sorgt dafür, dass Mick den Song alleine fertigstellt, die akustische Gitarre, die Kollege Keith für die Demo eingespielt hat, soll aber am Ende des Songs zu hören sein.

11. SCARLET

In den Folgejahren rollen die Steine ihr Entdecker Alexis Korner und sogar Als man 1981 für Tattoo You Outtakes als Steuerflüchtlinge durch die ganze Jeff Beck und Rory Gallagher wurden aus den Archiven holt, entdeckt man Welt. Sie basteln aus den in Südfrankreich entstandenen Jam-Versatzstümann Wood bekommt den Zuschlag, UP, das schon während den in Betracht gezogen, aber der Strahle- auch das Reggae-Stück START ME Sessions cken das exzellente Doppelalbum Exile On Main St. (1972) zusammen und gehen für die Aufnahmen von Goat’s Head Soup (1974) nach Jamaika.

2020, als letztere Scheibe neu aufgelegt wird, findet sich auf der beigelegten CD mit Outtakes ein besonderer Gaststar: niemand geringeres als Jimmy Page spielt auf SCARLET Gitarre. Das Riff des Songs ist clever gestaltet. Die Gitarre ist auf Open G gestimmt, der A-Dur-Akkord wird am 9. Bund, ausgehend vom E-Dur-Barré-Akkord gegriffen und die Septime liegt am 12. Bund auf der G-Saite.

12. MISS YOU

Mick Taylor verlässt die Band schon 1974, was zur Folge hat, dass auf Black And Blue (1976) nicht nur er, sondern auch Wayne Perkins, Harvey Mandel weil er musikalisch wie menschlich perfekt ins Bandkonstrukt passt.

Im Disco-inspirierten MISS YOU auf dem Album Some Girls (1978) wird deutlich, was das Material der Wood-Ära entscheidend prägen wird – die Technik des „Guitar Weaving“ – Keith und Ronnie lassen durch geschicktverschachtelte Rhythmusarrangements ihre Gitarren so klingen, dass eine Art Flickenteppich entsteht, bei dem man teilweise gar nicht mehr sicher ist, wer gerade was spielt. Beide wechseln zwischen Rhythmus- und Leadgitarre hin und her.

13. START ME UP

Als man 1981 für Tattoo You Outtakes aus den Archiven holt, entdeckt man auch das Reggae-Stück START ME UP, das schon während den Sessions zu den Vorgängern Some Girls und Emotional Rescue verworfen wurde. Von dem Stück existierte auch eine Alternativ-Version mit deutlich mehr Rock-Feeling, die genau einmal so aufgenommen wurde. Ein selbstkritischer Keith wies den Toningenieur an, den Track zu löschen. Gottseidank tat er es nicht, denn die Aufnahme sollte neben „Satisfaction“ ein weiteres Riff für die Ewigkeit bereithalten. Die ebenfalls nicht üble Reggae-Version des Songs kann man übrigens auf dem kürzlich erschienenen Reissue von Tattoo You (2021) hören.

14. HIGHWIRE

In den Folgejahren kriselt es im Bandkonstrukt. Mick und Keith sind sich nicht einig, wo es mit ihrer Freundschaft und der Band hingehen soll und liefern sich – oft durch die Klatschspalten der Regenbogenpresse – erbitterte Wortgefechte. Beide starten eine Solokarriere. Nicht nur Richards hat nun mit Drogenproblemen zu kämpfen, auch sein Kumpel Woody hängt an der Nadel und selbst Charlie am Schlagzeug schafft es in diesem Umfeld nicht, clean zu bleiben. Doch wie die alten Freunde die sie sind, versöhnen sie sich und kehren 1989 fit und nüchtern mit dem Album Steel Wheels und einer Welttournee zurück. Das Livealbum Flashpoint folgt 1991 und dokumentiert das Comeback inklusive zweier Studiotracks, die nicht nur die letzten Aufnahmen mit Bill Wyman sind, sondern von denen einer auch DAS unbeachtete Antikriegslied schlechthin ist. HIGHWIRE wird zwar kein großer Hit, aber kaum ein Riff ist exemplarischer für Keiths Umgang mit der Open-G-Stimmung – die Erweiterung auf den Akkord der vierten Stufe ausgehend vom Barré-Akkord ist charakteristisch für den Post-80s-Stones-Sound.

15. LOVE IS STRONG

Ein wichtiger Bestandteil von Keiths Spiel kommt im Opener von “Voodoo Lounge”(1994) zum Tragen – seine Phrasierung hängt immer etwas hinterher, aber nur so viel, dass es genau passt. Diese sogenannte Laid-Back-Spielweise ist so etwas wie das klangliche Kennzeichen des Stones-Grooves. Hört nur, wie lässig er den Open-G-Wechsel vom H auf das A spielt – vier Saiten klingen offen und er greift nur auf der G-Saite. Doch das mit dem richtigen Timing zu tun, ist die Herausforderung. Nur so groovt es!

16. ANYBODY SEEN MY BABY?

Zu Bridges To Babylon (1997) tragen trotz der Schützenhilfe von Darryl Jones ganze acht (!) Bassisten Spuren bei. In diesem Fall handelt es sich um Jamie Muhoberac, dem Sohn von Larry Muhoberac, dem Arrangeur von Elvis Presley. Dieser steuert eine unverkennbare Bassline bei. Zusammen mit LIVE WITH ME ist dies ein wichtiger Beitrag der Stones zum Repertoire vieler Rockbassisten. Auch Waddy Wachtel, der zweite Gitarrist aus Keith’s Soloband spielt hier mit. Sehenswert: Im Video moderiert Ronnie eine Stripshow!

17. LIVING IN A GHOST TOWN

Die Stones werden in den Folgejahren lebende Legenden. Sie gehen unablässig auf Tour und spielen schon seit Jahrzenten ihre „wahrscheinlich letzte“ Konzertreise, wie es so oft heißt. Immer wieder spielen die Größten der Größten für sie als Vorband – darunter AC/DC, Guns N Roses, Lenny Kravitz oder zuletzt Kaleo, Måneskin, The War On Drugs, Ayron Jones oder Black Pumas. 2020 verstirbt Schlagzeuger Charlie Watts, für den Steve Jordan aus Keiths Soloband einspringt.

Vor Watts Tod arbeitete die Band an einem Studioalbum mit neuen Songs, das vermutlich wegen der Corona-Pandemie nicht mehr fertiggestellt wurde. Was mit der Platte nun passiert, ist nicht sicher. Ronnie Wood meinte jedoch erst kürzlich gegenüber der Presse, dass sie nur noch „die Teile zusammensetzen“ müssten. Auch spricht er noch von einer ursprünglich für das Jahr 2020 geplanten Veröffentlichung, was bedeuten würde, dass Charlie ein fast komplettes Werk hinterlassen hat, dass wir vielleicht sogar noch zu hören bekommen.

Aus diesen Sessions entstammen auch die exzellente Cover-LP Blue And Lonesome (2015) mit Eric Clapton als Überraschungsgast und die Single LI-VING IN A GHOST TOWN (2020), die den Lockdown-Alltag kommentiert. Dieser Song bietet ein topaktuelles Beispiel für das Guitar-Weaving von Keith Richards und Ron Wood und zeigt, dass die Herren nichts verlernt haben. Hier gilt: Simplicity is Key: Das Riff des Songs besteht nämlich lediglich aus einem Akkord und 5 Noten.

Bernhard Joseph Probst