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Jack Culcay: „Ich bin Baraous stärkster Gegner“


BoxSport - epaper ⋅ Ausgabe 9/2020 vom 12.08.2020

Jack Culcay steht am 28. August im deutschen „Kampf des Jahres“. Im Interview mit BOXSPORT spricht der Ex-Weltmeister über sein mit Spannung erwartetes Duell gegen Abass Baraou, Kämpfe ohne Zuschauer und eine Trainertätigkeit nach der Karriere.


Artikelbild für den Artikel "Jack Culcay: „Ich bin Baraous stärkster Gegner“" aus der Ausgabe 9/2020 von BoxSport. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: BoxSport, Ausgabe 9/2020

Am 12. Juni bezwang Culcay (l.) auf der ersten deutschen Box-Gala nach der Corona-Pause den Franzosen Howard Cospolite einstimmig nach Punkten


Jack, nach deinem letzten Kampf am 12. Juni hast du dir noch im Ring Abass Baraou als nächsten Gegner gewünscht. Nun steigt der Kampf rund zweieinhalb Monate später wirklich. Hast du damit gerechnet, dass es so schnell gehen ...

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... würde? Ja, durchaus. Die Idee, gegen Abass zu boxen, hatte ich nicht spontan nach dem Kampf, sondern wir haben uns vorher schon Gedanken über mögliche Gegner gemacht. International ist das aktuell (aufgrund der Corona-Krise; d. Red.) sehr schwierig, und national fanden wir ein Duell gegen Abass sehr interessant.

Baraou gilt als aktuell größtes deutsches Talent. Wie schätzt du ihn ein? Ich muss gestehen, dass ich Abass noch nicht so häufig habe boxen sehen. Aber ich habe mir seinen letzten Kampf im Januar (gegen Abraham J uarez) angeschaut. Abass hatte dort zwar keinen würdigen Gegner, aber dennoch muss man gegen jeden boxen. Er hat das gut gemacht und dementsprechend auch vorzeitig gesiegt. In seinem Kampfrekord fehlen noch starke Kontrahenten, aber die kann er sich ja auch nicht aussuchen, die bekommt er schrittweise. Mit mir wartet nun ein anderer Gegner. Ich habe Erfahrung und gute Leute geboxt, die international erfolgreich waren oder noch sind, wie Demetrius Andrade, Sergiy Derevyanchenko oder Dennis Hogan. Ich denke, ich bin Baraous stärkster Gegner.

Wie schätzt du das Duell aus sportlicher Sicht ein? Wo siehst du Baraous Stärken und Schwächen? Abass ist ein sehr gut ausgebildeter Boxer und hat ähnlich wie ich auch für die Nationalmannschaft geboxt. Sein Weg bei den Amateuren ähnelte meinem, er hat auch bei fast allen großen Turnieren geboxt. Als Profi ist er ungeschlagen und einer, der sich jedem Gegner stellen will. Viele Fans und Medien bezeichnen den Fight im Vorfeld schon als „Kampf des Jahres“ in Deutschland und da stimme ich zu. Das wird ein geiler Fight. Ich hoffe auch, dass es ein faires Duell wird. Damit meine ich nicht nur die sportliche Auseinandersetzung, sondern auch das mögliche Urteil. Es ist eine Agon-Veranstaltung, aber wenn ich verlieren sollte, dann ist das einfach so. Ich will keine Bevorteilung auf den Punktzetteln. Das mögen ich und mein Promoter Ingo Volckmann gleichermaßen nicht. Der Bessere möge gewinnen.
Abass hat seine ersten Profikämpfe unter der Leitung von Ulli Wegner gemacht, der dich in deiner Zeit bei Team Sauerland ebenfalls betreut hat. Hast du mit deinem alten Coach schon über den Kampf gesprochen? Ich habe tatsächlich kurz nach der Bekanntgabe des Kampfes mit Ulli Wegner telefoniert (schmunzelt). Dabei ging es allerdings nicht um den Kampf, sondern darum, wie es ihm gerade geht und was er so macht. Ich glaube, er hält sich aus Prognosen für den Kampf komplett raus. Er hat uns beide betreut und er ist sehr loyal seinen ehemaligen Sportlern gegenüber.

Im Gegensatz zu Baraou hast du nach der Corona-Pause schon wieder einen Wettkampf bestritten. Ist das ein Vorteil?
Es ist vielleicht ein kleiner Vorteil. Howard Cospolite war zwar boxerisch kein großer Gegner für mich, aber er war im Ring ein harter Hund. Er hat mir ein paar Schwinger verpasst, die ich nur schwer sehen konnte, und war daher immer gefährlich. Dadurch habe ich vielleicht einen kleinen Vorteil. Aber jeder Kampf ist anders und kann jederzeit von beiden Seiten vorzeitig beendet werden. Häufig ist auch die Tagesform entscheidend.

Nach der knappen Niederlage im WM-Eliminator gegen Sergiy Derevyanchenko feierte Ex- Champion Jack Culcay zuletzt drei klare Siege in Folge


„Golden Jack“ steht seit Februar 2018 beim Berliner Stall Agon Sports & Events unter Vertrag und will noch mal nach einem WM- Titel greifen


Die Ankündigung des Fights wurde sowohl von Fans als auch von der Presse in Deutschland extrem positiv aufgenommen. Der Kampf wird weithin als sehr ausgeglichen eingeschätzt. Was können solche Duelle für das deutsche Boxen bewirken?
Es zeigt, dass sich jeder Promoter trauen sollte, solche Paarungen anzusetzen. Als ich noch bei Sauerland unter Vertrag stand, habe ich Kämpfe gegen gute Leute gefordert. Die Duelle gegen Dennis Hogan oder D emetrius Andrade waren meine Vorschläge. Ich will einfach kein „deutscher“ Weltmeister sein, wie es viele andere sind. Wenn ich den Titel trage, dann will ich mich auch mit den Besten messen. Das habe ich getan, und trotz mancher Niederlage sah ich in den Kämpfen immer gut aus. Viel mehr Boxer sollten sich trauen, gegen gute Leute zu boxen und nicht gegen Gegner, die erst eine oder zwei Wochen vor dem Kampf Bescheid bekommen und sich nicht richtig vorbereiten können. Das sieht man ja auch an den positiven Reaktionen zu meinem Duell gegen Abass. Das braucht Box- Deutschland. International wird das häufiger gemacht. Ein Mann wie Manny Pacquiao hat sieben Niederlagen, aber er hat auch gegen die Besten der Welt geboxt. Da ist es doch kein Problem, wenn man auch mal Niederlagen kassiert.
2018 hast du Team Sauerland verlassen und Vorwürfe gegen den Promoter erhoben. Wäre ein Sieg gegen den größten Sauerland-Hoffnungsträger eine besondere Genugtuung für dich? Nein, so bin ich nicht, und dafür kämpfe ich auch nicht. Ich setze mich nicht mit einem Gegner auseinander, um dem anderen Promoter eins auszuwischen. Nur Abass ist an dem Abend mein Gegner im Ring. Ich will siegen, aber das ganze Drumherum muss man einfach vergessen, sonst kann man sich kaum konzentrieren. Außerdem möchte ich noch mal betonen, dass ich Team Sauerland sehr dankbar bin. Wir haben lange Zeit sehr gut zusammengearbeitet. Was am Ende passiert ist, ist heute Geschichte. Ich muss nach vorne schauen und das Beste daraus machen.
Kannst du schon etwas zu einer möglichen TV-Übertragung sagen? Soweit ich weiß, ist Agon aktuell in guten Gesprächen mit mehreren Sendern. Auch in Südamerika gibt es großes Interesse. Mein letzter Kampf gegen Cospolite wurde vom südamerikanischen ESPN in mehrere Länder übertragen und kam sehr gut an. Das freut mich, und das wird hoffentlich beim Baraou-Fight genauso sein.

Der Sieger des Fights soll Platz zwei im IBF-Ranking (Halbmittel) erhalten und würde einem möglichen WMKampf sehr nahekommen in Form eines Eliminators. Welche Chance siehst du darin?
Das ist auf jeden Fall der grobe Plan für die nächsten Monate. Zunächst Abass am 28. August schlagen, dann käme ein IBFEliminator und danach hoffentlich eine WM-Chance. Aktuell hält Jeison Rosario den IBF- und den WBA-Titel. Ein Duell gegen ihn würde daher wohl in den USA stattfinden.

Wie schätzt du aktuell die Weltspitze im Halbmittel ein?
Das sind alles starke Leute. So weit nach oben kommt man nicht, ohne eine gewisse Klasse zu haben. Ich finde aber auch das Mittelgewicht immer noch sehr interessant. Eigentlich wäre ich lieber dort geblieben, aber da hätte es länger gedauert, wieder an eine WM-Chance zu kommen, weil ich bereits einen Eliminator geboxt hatte. Daher habe ich mich entschieden, wieder runterzugehen.

Wie fühlst du dich im Halbmittel? Ist das Gewichtmachen kein Problem? Nein, überhaupt nicht. Ich lebe seit zehn Monaten vegan und halte mein Gewicht daher problemlos konstant. Das funktioniert sehr gut. Ich habe teilweise schon mehrere Wochen im Voraus mein Kampfgewicht. Trotzdem esse ich ganz normal und auch wirklich viel, aber halt sehr gesund und ohne Fleisch.

Du hast am 12. Juni aufgrund der Corona-Pandemie erstmals in deiner Karriere ohne Zuschauer im Ring gestanden. Wie hat sich das angefühlt? Man versucht zwar, es auszublenden, aber das klappt nicht wirklich. Das Publikum gibt dir im Ring immer ein gewisses Feedback und reagiert auf Situationen im Kampf. Wenn beispielsweise der Gegner angeschlagen ist, dann merken das die Zuschauer, und sie treiben dich nach vorne. Das gab es im Juni nicht, und das war im Ring schon ziemlich komisch. Ich hoffe, dass wir am 28. August wenigstens rund 300 Zuschauer in die Halle lassen können, aber das ist noch nicht endgültig geklärt.

Dein Agon-Teamkollege Jama Saidi hat letztes Jahr in einem BOXSPORTInterview gesagt, dass du ein Vorbild für ihn bist. Siehst du dich selbst auch als Vorbild für eine jüngere Generation?
Das finde ich schwierig zu sagen, aber wenn mich andere Boxer als Vorbild bezeichnen, dann freut mich das natürlich. Ich versuche meinen Teamkollegen auch viele Dinge zu vermitteln, ihnen Tipps zu geben und ihnen zu helfen. Das geschieht teilweise sogar spontan oder unbewusst, zum Beispiel im Sparring. Manchmal meldet sich da einfach der innere Trainer in mir. Die Jungs wissen, dass ich ein bisschen mehr Erfahrung habe, und sie nehmen meine Ratschläge daher auch an.

Wäre eine Trainertätigkeit für dich auch nach der Karriere interessant?
Ich bin irgendwie schon immer auch Trainer gewesen. Ich trainiere beispielsweise die Mitglieder in der Boxschule meines Bruders, wenn ich Zeit dafür habe. Das mache ich eigentlich schon, seit ich boxen kann. Aber ich könnte mir auch vorstellen, in Zukunft mit Profis als Trainer zu arbeiten. Das macht mir sehr viel Spaß. Was das angeht, habe ich gerade aus meiner Zeit bei Ulli Wegner sehr viel mitgenommen.

Du bist bereits mitten in der Vorbereitung auf den Baraou-Kampf. Wie wird es in der Sparringsphase laufen, gerade aus dem Blickwinkel, dass man bei den Partnern in der aktuellen Corona-Zeit ziemlich eingeschränkt ist?
Ich bin seit Anfang Juli in der Vorbereitung mit meinem Coach Michael Stachewicz in Berlin, und es läuft bislang sehr gut. Sparringspartner zu holen ist momentan wirklich nicht so einfach, man kann sich ja nur in Deutschland umschauen. Aber ich habe zum Glück noch viele sehr starke Jungs bei uns im Gym. Die sind gut, schnell und noch jung. Jeder ist stilistisch ein anderer Boxer, und da bekomme ich sehr gute Sparringsrunden. Haro Matevosyan ist beispielsweise Rechtsausleger, und er hat ein sehr gutes Distanzgefühl. Mit ihm sparre ich sehr häufig.
Im vergangenen Dezember hast du dein zehnjähriges Jubiläum als Profiboxer gefeiert. Wie lautet dein bisheriges Fazit deiner Profikarriere? Ich würde sagen: Gar nicht mal so schlecht. Mir fehlte zwar immer mal wieder ein bisschen Glück, aber insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meinem bisherigen Karriereverlauf.


Fotos: AGON Sports/ Michael Freitag (1)/ Klaus Frevert (1), imago images/ Jan Hübner (1)