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JÄGER- TITELTHEMA: DEUTSCHLANDS WALD NACH DEM DÜRRESOMMER 2018: ES WAR EINMAL …


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 80/2019 vom 19.07.2019

… ein vollbelaubter, gesunder deutscher Wald. Doch dann kam der Dürresommer 2018 und hat so mancher Baumart arg zugesetzt. Bernd Krewer,pensionierter Förster, hat sich mit den möglichen Folgen für Wald und Wild auseinandergesetzt.


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Bildquelle: JÄGER, Ausgabe 80/2019

… ein prächtiger Fichtenwald, und mitten drin der geweihte König von diesem. War einmal deshalb, weil der Brotbaum der deutschen Waldwirtschaft extrem unter der Dürre des vergangenen Sommers gelitten hat.


Das Hitzejahr 2018 hat seine Spuren im Wald hinterlassen, die teilweise erst jetzt für den nicht forstlich vorgebildeten Waldbesucher sichtbar werden (siehe Kasten ...

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... „Bestandsaufnahme“, folgende Seite). Vielleicht bleibt uns – ich weiß, es wäre eine Art Apokalypse – gar keine Wahl, als unsere Wälder sich selbst aufbauen zu lassen. Als Wald mit Vorwaldcharakter, bestehend aus Birken oder Hainbuchen. Die würden wohl auch mit noch extremeren klimatischen Verhältnissen fertig werden. Ein Freund hat mir geschrieben: „Der Wald als mit verholzenden Pflanzen bestockter Teil der Natur stirbt nicht, wohl aber werden die Waldbesitzer sterben.“

Das Wild ist ein Teil des Ökosystems Wald. Und der Slogan „Wald vor Wild“ ist genauso wirklichkeitsfremd wie „Deutschland vor den Deutschen“. Ist es nicht be- zeichnend, dass der „Deutsche Förster Nr. 1“ (diesen Titel hat ihm der Moderator Markus Lanz verliehen) Peter Wohlleben zu der aktuellen Waldmisere schweigt? Offenbar hilft ihm da auch eine noch so intime Kenntnis des Liebes- und Sexuallebens unserer Waldbäume nicht weiter.


„DIE FICHTE HAT ALS BROTBAUM DER FORSTWIRTSCHAFT AUSGEDIENT.“


Überall scheinen meine Forstkollegen auf der Suche nach Alternativen für die Baumarten zu sein, die in unseren Breiten infolge des Klimawandels für die Waldbesitzer nicht mehr wirtschaftlich rentabel und im engeren Sinne auch nicht mehr standortgerecht sind. Fest steht, dass wir mit der klassischen „naturnahen Waldwirtschaft“, wie sie vielerorts in den vergangenen Jahrzehnten praktiziert wurde, entweder gar nicht oder nur punktuell weiterarbeiten können.

TEURER EINZELSCHUTZ

Was hat das nun für Auswirkungen auf Wilddichten, Jagdmethoden und Äsungsangebote? Eines haben unsere heimischen wiederkäuenden Schalenwildarten mit einigen östlichen Staatslenkern gemein: sie sind ausgesprochen ausländerfeindlich. Als den Wert und die Artenvielfalt aufbessernde, (beispielsweise) in Buchennaturver jüngungen eingebrachte Mischbaumarten haben sie vor dem Äser des Wildes keine Überlebenschancen. Da bleibt nur der für manche Waldbesitzer zu teure Einzelschutz mittels Drahthosen. Es sei aber erlaubt, einmal anzumerken, dass die hunderte, vielleicht in der ganzen Republik sogar tausende Windräder im Wald einen gigantischen Verlust an Produktionsfläche für die Windräder selbst und den Bau der sehr breiten Zufahrtstraßen bedeuten. Von den Einnahmen eines einzigen Windrads könnte man zig-tausende Drahthosen für den Schutz künstlich eingebrachter Mischbaumarten (in weitem Abstand etwa in Buchen-Naturverjüngungen) herstellen und anbringen. Und von den Artenschutz-Enthusiasten hört man auch wenig über die gigantische Zahl an Fledermäusen, an Vögeln (bis hin zum Roten Milan) und an Insekten, die von den Rotorblättern der Windräder geschreddert werden. Die hochgelobte Energiewende ist teuer erkauft!

Einzelbaumschutz: erhält den Wildlebensraum weitestgehend. Obwohl kostspielig, nach der Pflanzung von Ersatzbaumarten für die nicht mehr zurechtkommenden heimischen Arten unvermeidbar.


Gatter: schränkt den Wildlebensraum ein. Wo aber mittelalte Nadelholzbestände flächig den Käfern anheimgefallen sind, unvermeidbar.


FOTOS: KARL-HEINZ VOLKMAR (BOCK), WOLFGANG RADENBACH (ROTWILD)

UNSCHULDIGES WILD

Zurück zum Wild: Über viele Jahre hat man die Verbiss- und Schälschäden akribisch aufgenommen und nahezu überall als Fazit daraus die Wildbestände als überhöht und die Abschüsse als zu niedrig deklariert. Und es wurde und wird geschossen, was das Zeug hielt. Jetzt hat ein Trocken- und Hitzesommer diese Bestände weitgehend dahingerafft (zumindest beim „Brotbaum“ Fichte), und das lange, bevor sie die Chance hatten, in gut bezahlte Dimensionen hineinzuwachsen. Was hat der Baumart Fichte die Reduktion der (angeblich fast überall) weit überhöhten Rotwildbestände genutzt, was in meiner forstlich aktiven Zeit die teuren Schälschutzmaßnahmen? Selbst Rotwildhasser müssen zugestehen, dass man weder die große Hitze noch den ausgebliebenen Niederschlag des Jahres 2018 dem Wild anlasten kann. Schade eigentlich …

VERSCHÄRFTER KRIEG

Wie wird es weitergehen? Zunächst einmal muss das wiederkäuende Schalenwild weiter drastisch reduziert werden, so die Meinung eines Teils meiner Forstkollegen und der großen Mehrheit der staatlichen Forstverwaltungen. Ich bin mir sicher, dass der Krieg gegen das Wild verschärft geführt werden wird. Rehe und Hirsche schießen nicht zurück, sie können sich nicht wehren. Auf die Ausländerfeindlichkeit unserer heimischen Hirschartigen hatte ich schon hingewiesen. Sie werden sich lustvoll bei den Ersatzbaumarten bedienen, die die mit unseren neuen klimatischen Verhältnissen nicht mehr zurechtkommenden autochthonen Baumarten ablösen sollen. Ich muss allerdings auch eingestehen, dass mir keine Maßnahme einfällt (außer den Brennholzwäldern), die ohne Gatter selbst bei angepassten Wildbeständen einen solchen drastischen Waldumbau erfolgreich bewerkstelligen könnte. Wenn sie denn überhaupt die ersten Lebensjahrzehnte in den deutschen Saharasommern (ich weiß, das ist übertrieben) überstehen werden bzw. würden.

BESTANDSAUFNAHME: AUSWIRKUNGEN DES HITZEJAHRES 2018 AUF EINIGE HAUPTBAUMARTEN

1Fichte: Die Fichte hat als Brotbaum der Forstwirtschaft wohl ausgedient. Das vorauszusagen, bedarf keiner prophetischen Gabe. Sie wird mit so geringen Niederschlägen wie in 2018 nicht fertig, schwächelt und dann hat der Borkenkäfer ein leichtes Spiel. Vielleicht sieht die Zukunft für die Fichte in Höhenlagen von 600 bis 700 Metern über Normalnull und mit mindestens 700 Millimetern Jahresniederschlag, davon aber ein beträchtlicher Teil innerhalb der Vegetationsperiode, besser aus. Man wird sehen.

2Douglasie: Die als relativ durstarm beschriebene und auch so erlebte Douglasie ist anscheinend hier in unserem „Weinbauklima“ kein voller Ersatz für die Fichte. In diesem Jahr kann man in voll bestockten Dougla- sienbeständen sonnenbaden. Meist ist nur noch der 2018er Nadeljahrgang vorhanden, bestenfalls sind noch Reste des Jahrgangs 2017 an den Zweigen. Anderswo sind diese hier flächig zu beobachtenden Spuren der Trockenheit, der Hitze und des Wassermangels nicht so gravierend und man setzt weiter auf die Douglasie als Nachfolgerin der Fichte.

Weißtanne: Wie die Weißtanne mit der Trockenheit und der großen Hitze zurechtgekommen ist, vermag ich aus eigener Anschauung nicht zu sagen. Aber zumindest im Böhmerwald scheint sie mit der Hitze und dem Wasserentzug in 2018 einigermaßen gut klargekommen zu sein. Ihre amerikanischen Vettern Abies Grandis und Abies Nobilis haben den Hitzesommer 2018, jedenfalls hier im Südeifel-/Mosel-Bereich, nicht gut vertragen. Auch sie haben meist nur noch die jüngsten zwei Nadeljahrgänge an den Zweigen, und ihre Kronen sind aus diesem Grund sehr licht geworden.

3Eiche: In wertvollen mittelalten bis älteren Traubeneichenbeständen werden viele – und meist sind es die alle anderen in ihrem Umfeld überragenden und dadurch „beherrschenden“ Bestandesmitglieder – zopftrocken. Weil das in den Folgejahren fast immer mit reichlich Wasserreisern am Stamm einhergeht, droht in diesen Beständen ein rapider Wertverlust. Auf noch einigermaßen gut wasserversorgten Standorten sollte aber die Eiche auch bei nicht allzu extremen Hitze- und Trockensommern gute Chancen zum Überleben haben.

Buche: Die Buche ist vielleicht einer der Gewinner dieser Klima-Zeitenwende. Sie mag Wärme, aber ein wenig Wasser sollte sie mit ihren bis in mittlere Tiefen vordringenden Wurzeln noch aus dem Grundwasser pumpen können. Jedenfalls sieht sie hier in der Südeifel noch recht vital aus. Anderswo macht man andere und negativere Erfahrungen. Sowohl in einem bestens bewirtschafteten fränkischen Privatbesitz als auch in der Tschechischen Republik ist die Rotbuche flächig abgestorben.

4Esche: Die Esche – alle Altersklassen sind betroffen – leidet massiv unter dem sogenannten Eschensterben, das durch einen Pilz verursacht wird. Wie weit das auch mit dem extr en heißen und trockenen Sommer 2018 zusammenhängt, ist wohl noch nicht zur Gänze geklärt. Ob die Lebensbedingungen für den das Eschensterben verursachenden Pilz durch hohe Temperaturen sowie große Trockenheit positiv beeinflusst werden, kann ich nicht sagen. Merkwürdig wäre es aber schon, wenn es anders wäre, als bei nahezu allen anderen Pilzarten, deren Lebensbedingungen durch Nässe und Wärme positiv beeinflusst werden.

Kiefer: Mangels eigener Beobachtungsmöglichkeit an der Kiefer muss ich diese Baumart aus meinen Betrachtungen ausklammern.

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FOTOS: BERND KREWER

UNVERMEIDBARE GATTER

In den mittelalten und noch voll bestockten, dem Borkenkäfer zum Opfer gefallenen Nadelholzbeständen findet man so gut wie keine Naturverjüngung. Der mehr oder weniger saure Rohhumus lässt auch wenig Bodenflora aufkommen. Also wird man komplette Neuanpflanzungen einer auf unseren Standorten möglicherweise nur unzureichend erprobten, aber mutmaßlich/ hoffentlich wassermangel- und hitzeresistenten Folgebaumart anlegen. Und dieses Vorhaben geht vermutlich nirgendwo ohne Vollschutz, will heißen mit mehr oder weniger großflächigen und sehr teuren Gattern. Ich halte Gatter für das Jahr 2019 und mindestens zehn weitere Jahre für wahrscheinlich unvermeidbar. Gatter haben ja auch noch den negativen Nebeneffekt, die für das Wild erreichbare Äsungsfläche zu reduzieren.


„ICH BIN MIR SICHER, DASS DER KRIEG GEGEN DAS WILD VERSCHÄRFT GEFÜHRT WERDEN WIRD.“


MÖGLICHE MASSNAHMEN

Das schreit förmlich nach jagdlichen Maßnahmen: Äsungsflächen einrichten und die bereits vorhandenen optimal pflegen. Auch über eine Jagdruhe auf diesen Wildwiesen sollte man nachdenken. Alles tun bzw. unterlassen, was die Tagaktivität des Rot-, Reh- und Muffelwilds beeinträchtigen könnte. Auch Wildruhezonen könn(t)en erheblich die Tagaktivität dieser Wildarten positiv beeinflussen. Leider ist es kaum möglich, selbst realistische Abschussvorgaben bei diesen selbst auferlegten Flächeneinschränkungen auf der Einzeljagd auch nur annähernd zu erfüllen. Es bleibt also nur, sich beim notwendigen Aderlass auf große Bewegungsjagden zu verlassen. Deren Ergebnisse können jedoch nur so gut sein wie die klar formulierten (und im Einzelfall auch sanktionierten) Vorgaben, die Qualität der geladenen Jäger und eingesetzten Hunde. Ich weiß nicht, ob folgender Vorschlag juristisch möglich ist: Ein Betretungsverbot für diese Wildruhezonen auch für die Freizeitnutzer (Jogger, Mountainbiker usw.) wäre sehr wirkungsvoll. Aber es ist natürlich sehr einfach und täglich erlebte Erfahrung, sich über eine solche, die Bürgerrechte beschneidende Maßnahme zu empören. Sie zu akzeptieren, wäre praktizierter Tierund Waldschutz. Aber stattdessen wird auch in ausgewiesene Wildruhezonen nach Herzenslust mit Hunden spaziert, diese natürlich frei und ohne Leine. Wofür zahlt man schließlich Hundesteuer? In einer Zeit, in der Polizisten und Rettungskräfte angepöbelt und sogar angegriffen werden, können Forstbeamte dankbar sein, dass sie (heute vielleicht auch nicht mehr?) eine Jagdwaffe tragen – oder jedenfalls früher, zu meiner aktiven Dienstzeit, getragen haben.

Strecke nach Bewegungsjagd: Liegt hier das letzte Stück Rotwild? Um den bevorstehenden Waldumbau hinzubekommen, sind jagdliche Maßnahmen zu forcieren. Diese müssen sich aber nicht nur aufs Totschießen beschränken!


LÖSBARES PROBLEM

Der Klimawandel hinterlässt Spuren am und im Wald und fordert einen massiven Strategiewechsel der örtlichen Forstverwaltungen. Diese zu bewältigen, wird eine Faust’sche Aufgabe werden. Auch das Wild und die für diese Waldbewohner „zuständigen“ Jäger werden ihren Preis zahlen müssen. Bei ein wenig gutem Willen und etwas „Kleingeld“ lässt sich das Wildproblem lösen – glaube und hoffe ich jedenfalls. Ich habe versucht, durch die Brille eines alt gewordenen Försters, der diesen Beruf geliebt hat und heute noch ohne fast täglichen Gang durch den Wald nachts nicht gut schlafen kann, ohne Anspruch auf Vollständigkeit die aktuelle Wald-vs.-Wild-Situation zu beschreiben. Ich weiß nicht, ob mir das auch nur ansatzweise gelungen ist. Falls nicht – dann nehmen Sie bitte meinen guten Willen für die Tat. Ich glaube, es war Hulverscheid, der einmal geschrieben hat: „Der Forstmann sollte sich in seinem Wald noch am Hirsch erfreuen können – ebenso wie der Jäger durch die Kronen des Hirschgeweihs noch den manchmal geschundenen Wald wahrnehmen sollte.“

Mittelalter Fichtenbestand im späten Frühjahr 2019: ein trauriger Anblick. Und zig Jahre Wildreduktion umsonst!


FOTO: BERND KREWER

ANMERKUNGEN VON JOHANNES ERBPRINZ VON SCHWARZENBERG


„DAS ÖKOSYSTEM WALD REGENERIERT SICH VON ALLEINE.“


Gemeinsame Freude: Autor Bernd Krewer (links) und Johannes Erbprinz von Schwarzenberg.


FOTO: PRIVAT

Ich möchte zum Thema ein paar weitere Gedanken aus meinen forst- und jagdlichen Beobachtungen in Franken, Böhmen und der Steiermark anfügen. Auch bei eigentlich genügendem Niederschlag, aber hohen Temperaturen, kommt bei weitem nicht der gesamte Regen der Vegetation zugute. Ein erheblicher Teil verdampft und muss als Interzeptionsverlust in Abzug gebracht werden. Im „Altersklassen-“ wie auch im sogenannten „Naturnahen Wald“ hat man bisher einigermaßen erfolgreich versucht, wirtschaftlich wichtige Baumarten in nachhaltigen Einschlagsmengen zu ernten. Das ist/war auch ein Beitrag zum Umweltschutz, weil dadurch ein nachwachsender natürlicher Rohstoff genutzt werden konnte. In weiten niederschlagsarmen Gegenden Deutschlands, ja sogar Europas, sind dies leider Auslaufmodelle. Den wirtschaftlich interessanten Baumarten geht das Wasser aus – und wir sind erst am Anfang dieser Zeitenwende. Keine Angst müssen wir für das gesamte Ökosystem Wald haben. Das regeneriert sich von alleine. Wir werden es gewähren lassen müssen. Das heißt: lasst „Vorwald“ mit Pionierbaumarten wie Birke und Hainbuche wachsen, die sind klima- und ökofit. In ihrem Schatten werden sich auch Eichen, Buchen oder Tannen in geringer Anzahl aus Altholzresten natürlich einfinden und entwickeln. Große Bäume werden bei wenig Niederschlag und hohen Temperaturen sehr viel Platz brauchen. Aber dieser Wald wird uns in erster Linie preiswertes Brennholz liefern, und das wird infolge seiner günstigen Ökobilanz sehr wertvoll werden. Ein für den Jäger erfreulicher Nebeneffekt ist die Tatsache, dass diese Wälder kaum wildschadensanfällig sind und Gatter sich weitgehend erübrigen. Das ist allemal besser als „Geld herauszuhauen“ für forstliche Konzepte und deren Umsetzung, wobei niemand weiß, ob diese für die Zukunft tragfähige Modelle sind oder sein werden. Und eines ist noch sicher: Bei den zu erwartenden rasanten Klimaveränderungen werden die Bäume nicht sehr alt werden können. Buche und Kiefer werden in Mitteleuropa bei nachhaltigen Niederschlägen von rund 500 Millimetern und in Bereichen unter 600 Meter über Normalnull wahrscheinlich noch eine Weile existieren können. Mit bis zu 20 Prozent Ausfällen in den höheren Altersklassen durch Trockenheit, die sich am Kleinstandort besonders auswirkt, wird man rechnen müssen, eventuell auch mit flächigem Schädlingsbefall bei der Kiefer. Damit machten bisher schon etliche Forstverwaltung entsprechende Erfahrungen. Inwieweit diese Baumarten bei so wenig Niederschlag und weiterhin so hohen Temperaturen wie 2018 wirtschaftlich relevant bleiben können, wird die Zukunft uns erst weisen. So meine Prognose am Anfang einer Entwicklung, deren Ende man nur erahnen kann.


FOTO: WOLFGANG RADENBACH

FOTO: NATURFOTO SCHILLING