Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

JÄGER- TITELTHEMA: FAHRRADPIRSCH: RADELN STATT RATTERN


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 80/2019 vom 19.07.2019

Die Gummipirsch wird von vielen Jägern praktiziert – und wenn’s nur der Weg zum Ansitz ist. Doch warum mit dem Auto und nicht mit dem Fahrrad? Welche Vorteile der Drahtesel gegenüber der Blechkarre hierbei hat, erläutert Olav Schreiner.Zudem stellt er das extra kreierte JÄGER-Fahrrad vor.


Artikelbild für den Artikel "JÄGER- TITELTHEMA: FAHRRADPIRSCH: RADELN STATT RATTERN" aus der Ausgabe 80/2019 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: JÄGER, Ausgabe 80/2019

Fahrradpirsch: ist gegenüber der Autopirsch mit zahlreichen Vorteilen verbunden. Nicht nur, dass sie gut ist für des Jägers Gesundheit, sie ist auch ein Beitrag zum Umweltschutz.


Der Sonnenaufgang verheißt einen wunderschönen Sommertag. Ich sitze auf der offenen „Darken-Leiter“ in der schönsten und ruhigsten Ecke ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von JÄGER. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 80/2019 von BUNDESJÄGERTAG: And the winner is …. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BUNDESJÄGERTAG: And the winner is …
Titelbild der Ausgabe 80/2019 von AKTUELL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AKTUELL
Titelbild der Ausgabe 80/2019 von BUNDESLÄNDER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BUNDESLÄNDER
Titelbild der Ausgabe 80/2019 von AUSLAND AKTUELL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AUSLAND AKTUELL
Titelbild der Ausgabe 80/2019 von DIE FRAGE: Sollte „Wolf tot“ in den DJV-Jagdsignal-Katalog?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DIE FRAGE: Sollte „Wolf tot“ in den DJV-Jagdsignal-Katalog?
Titelbild der Ausgabe 80/2019 von WER MIT DEM WOLF RANZT – ISEGRIM IM WILDEN WESTEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
WER MIT DEM WOLF RANZT – ISEGRIM IM WILDEN WESTEN
Vorheriger Artikel
JÄGER- TITELTHEMA: DEUTSCHLANDS WALD NACH DEM DÜRRESOMM…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel UMFRAGE: JETZT MITMACHEN!: JAGD IST NACHHALTIG
aus dieser Ausgabe

... unseres Niederwildreviers. Unmittelbar vor mir in der saftig grünen „Oberen Darkenwiese“ stehen knallrot eine starke Ricke mit ihren zwei Kitzen, ein Schmalreh und der kapitale Platzbock. Die Kitze spielen mit sich und den letzten Bodennebelschwaden. Auch in der „Unteren Darkenwiese“ und der versetzt liegenden „Stades Wiese“ steht Rehwild, das ich von hier mit dem Spektiv ansprechen kann – Jägerherz, was willst du mehr. Das Wiesentrio ist dreiseitig von Moorwald umgeben und jeweils durch Gräben oder lückig bewachsene Hecken voneinander getrennt. Nur von der vierten Seite führt ein Sandweg bis zur Wieseneinfahrt und der „Darken-Leiter“.

Die Ricke unterbricht ihr Äsen routinemäßig, sichert zu ihren Kitzen und in alle Richtungen, außer zum sicheren Mooreinstand hinter sich. Da, die Ricke wirft ruckartig auf, jeder Muskel und alle Sinne sind gespannt in Richtung Sandweg. Wenig später sekundieren Schmalreh und Bock wie Pointer. Sogar die erst etwa acht Wochen alten Kitze bemerken wenig später die veränderte Situation und unterbrechen ihr Spiel. Jetzt vernehme auch ich das Knirschen der Schottersteine, und einige Sekunden später wird der SUV eines meiner Mitjäger auf etwa 200 Meter zwischen den Büschen der den Feldweg begrenzenden Hecke sichtbar. Sehr langsam rollt der Geländewagen in eine bekannte Bewuchslücke, damit sein Pilot Einblick in diesen Wildmagneten bekommt. Der Lack des voluminösen SUV glänzt in der aufgehenden Sonne, und die Lichter der Ricke werden größer, bevor sich die verschnupfte Rehgesellschaft mit gespreiztem Spiegel dem Einstand zuwendet. – Eine typische Szene, wie sie sich täglich in deutschen Revieren ereignet. Eineinhalb Stunden zuvor waren meine Große Münsterländer- Hündin Cora und ich noch unbemerkt zur Leiter im Hauptrehwildeinstandsgebiet gelangt – mit dem Fahrrad.

ZIEL VS. PRAXIS

Ruhe ist bekanntlich die wichtigste Säule für vertrautes und tagaktives Schalenwild und somit eines unserer wesentlichen hegerischen Ziele. Aber, häufig sind wir Jäger selbst die größten Unruhestifter – und das vornehmlich mit und durch das Auto. Heute die abendliche Gummipirsch mit dem SUV zur Wildbestätigung oder aktiven Jagdausübung, gestern das Vorfahren an der Wildkamera am Luderplatz mit dem Gator, wöchentlich das Beschicken der Kirrungen oder Schütten mittels Quad und so weiter.

Das Wegenetz in Deutschland ist in der Regel 500 Meter oder maximal 1.000 Meter auseinander. Wenn Sie sich als Test einmal genau in die Mitte, also am vermeintlich entferntesten Punkt von den Wegen hinsetzen und einen Kumpel bitten, mit dem Auto einmal im Kreis um Sie herum zu fahren, so behaupte ich, dass Sie ihn optisch oder akustisch das ein oder andere Mal mitbekommen. Und genau so registriert es unser Wild. Es besteht also ein Konflikt zwischen unserer Neugier und Bequemlichkeit auf der einen Seite und der Zielsetzung Ruhe im Revier auf der anderen Seite.

VORTEILE DER RADPIRSCH

Zeitsparende Fortbewegung: Natürlich entdeckt man auch vom Auto aus, zumeist auf große Entfernung, den abnormen Bock oder einen Jungfuchs. Aus der überlegenen Position lässt der Jagdverstand den Jäger das Auto verlassen. Aber nun endet die Jägerromantik und Bequemlichkeit. Denn es folgen vorsichtiges Aussteigen und Schließen der Fahrertür, nächste Tür öffnen und benötigte Utensilien zusammenklauben, 200 Meter den Weg zurück pirschen und dann die nächste Querhecke ins Feld als Deckung nutzen. Oh, hat zu lange gedauert, der Bock ist weg, also zurück zum Auto. Mit dem Fahrrad wären wir schneller gewesen, und somit hätten wir den Bock wahrscheinlich erlegt oder wären ab dem Abbruchpunkt schon längst wieder im Jagdmodus in Richtung der nächsten gemähten Wiese.

Kürzere Pirschwege: Jungfüchse wollen wir im Niederwildrevier im Juli und August scharf bejagen. Diese Vagabunden tauchen meist erst ab 22.00 Uhr allein und an den verschiedensten Stellen, vorzugsweise auf frisch gemähten Wiesen, im Revier auf. Statt geduldig an nur einem Platz zu sitzen, treibt uns unsere Ungeduld im Revier um, um verschiedene Revierecken pro Abend zu bejagen. Den Jagdwagen darf man maximal auf 200 bis 300 Meter an diese möglichen Jungfuchswiesen heranfahren, danach hat man sich zuerst akustisch und schließlich optisch verraten. Mit dem Fahrrad aber können wir auf dem kurzen, grünen Gras unmittelbar neben der Fahrspur bis auf 80 Meter – vorausgesetzt wir sind optisch gedeckt – unbemerkt heranfahren.

JÄGER-Fahrrad: vorne mit Federgabel, um den Jägerspiegel bei Schlaglöchern zu schonen.


JÄGER-Fahrrad: die Griffe am Lenker sind aus Leder, um den Händen festen Halt zu bieten.


JÄGER-Fahrrad: am Lenker mit angebrachter Tasche, in die das Fernglas verstaut werden kann.


Größerer Aktionsradius: Wander-, Reitund Fahrradwege sind nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad befahrbar. Häufig führen diese durch beruhigte Biotope mit gutem Anblick. Um diese Einstände im Rahmen einer Autopirsch mit einzubinden, müsste man eine zeitraubende Fußpirsch hin und vor allem auch wieder zurück wählen. Mit dem Fahrrad können wir diese Bereiche befahren und vor allem einfach weiterfahren.

Alles griffbereit: Während der Autojäger außer dem Fernglas und vielleicht dem Spektiv keine weiteren Utensilien griffbereit auf dem Fahrersitz hat und in der Praxis die nötigen jagdlichen Dinge aus den unterschiedlichsten Fahrzeugecken erst zusammenkratzen müsste, haben wir auf dem gut organisierten Fahrrad nur das Nötigste mit – und das griffbereit.

WEITERE VORTEILE

Jede Fahrradpirsch ist ein Naturerlebnis. Vom Drahtesel aus bekommt man viel mehr mit als im Auto. Wir saugen die Gerüche von Blumen am Wegesrand ein. Wir registrieren die Geräusche von zwitschernden Amseln und balzenden Kiebitzen, Lerchen und Fasanen. Mit dem 360 Grad Rundblick nehmen wir sowohl das Mauswiesel auf zwei Meter am Wegesrand als auch den Habicht auf zweihundert Meter am Waldrand wahr. Beim Schnurren des 6-Zylinders entgeht einem da einiges. Spaziergänger und andere Nutzer der Feldwege beurteilen den Jäger auf dem Fahrrad mit dem Hund bei Fuß viel wohlwollender als den SUV fahrenden Jäger – das nenne ich praktische Öffentlichkeitsarbeit. Die Bewegung tut dem Menschen und dem Hund gut, sorgt für Appetit und Durst und lässt uns anschließend gut schlafen.

AUSRÜSTUNG

Fahrradpirsch bereitet uns nur mit guter Ausrüstung Freude. Wer es erstmals probieren möchte, dem empfehle ich, nur das Nötigste mitzunehmen. Das Fahrrad sollte stabil und klapperfrei sein. Das Messer kommt an die Koppel, Fernglas um den Hals, Schießstock in die Hand und die Büchse quer über den Rücken – mehr nicht. Wem es Freude macht, der versucht automatisch, seine Ausrüstung peu à peu um Rucksack, Spektiv oder Hundeleine zu ergänzen und Details wie Lenkertasche fürs Fernglas, breiteren Riemen oder großen Bergerucksack zu verbessern.

FAZIT

Mit dem Fahrrad ist man schneller und flexibler im Jagdbetrieb unterwegs als mit dem Auto. Eine Fahrradpirsch ist jedes Mal aufs Neue ein Naturerlebnis, da man vielfältigen Anblick von vertrautem Wild hat, und wir stören die Schalenwildbestände weniger als bei der Autopirsch. Das Erlegen eines Bocks im Anschluss an eine Autopirsch kann natürlich spannend sein. Aber das Erlebnis einer gemeinsamen Fahrradpirsch mit Hund und Jagdfreund, das Entdecken des vertraut äsenden Bocks, die finale Pirsch, der Schuss über den Zielstock und das gemeinsame Bergen im Rucksack bescherte schon so manchen unvergesslichen Jagdtag.

JÄGER-Fahrrad: mit Wildwanne auf dem Gepäckträger. Diese reicht zum Bergen erlegten Rehwilds.


JÄGER-Fahrrad: selbstverständlich mit Klingel, schließlich muss es auch verkehrstüchtig sein.


JÄGER-Fahrrad: mit möglichst weit hinten angebrachtem Ständer – des Einhandbetriebs wegen.


JÄGER-Fahrrad: mit Reifen, die ein grobes Profil aufweisen, denn nicht immer ist es staubtrocken.


PIRSCH-VERBESSERUNG:EN DAS JÄGER-FAHRRAD

Wir, die wir bereits seit 30 Jahren begeistert mit dem Fahrrad ins Revier fahren, haben mit unserem ortsansässigen Fahrradhersteller Böttcher (www.boettcherfahrraeder.de) so manches perfektioniert und das JÄGER-Fahrrad mit folgenden Details versehen:

• Stabiler Stahlrahmen mit Mattlack, bequem aufrechter Lenkerposition und Federgabel vorne zum Abfedern der Schlaglöcher im Gelände.

• 7-Gang-Nabenschaltung mit Rücktrittbremse, weil man nicht immer eine zweite Hand zur ausreichenden Handbremsung frei hat!

• Die Reifen haben außen ein grobes Profil und keinen reflektierenden seitlichen Streifen. Auch Katzenaugen zwischen den Felgen fehlen.

• Vorn am Lenker wird eine Tasche fürs Fernglas montiert. Optional kann man auch noch eine Spektivtasche unter die Querstange befestigen.

• Für den Gepäckträger gibt’s Multifunktions- Klippsysteme, die mit einem Griff Wildwannen von 60 x 40 Zentimeter zulassen – das Bergen bis 23 Kilogramm funktioniert damit besser als im Rucksack.

• Der Ständer ist hinten auf Höhe der Narbe befestigt, damit man das Rad leicht und leise mit der Fußbetätigung abstellen kann, auch wenn man nur eine Hand am Rad hat.


FOTO: MARVIN HEINS