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JAHRMARKT ALS GESELLScHAfTSSpiEL / 2


Trödler - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 14.08.2019

Zu den schlichten, aber spannenden und völlig unkomplizierten, Gesellschaftsspielen zählen auch die auf Jahrmärkten sehr beliebten Glücksräder, in Spielzeugform meistens aus Holz oder seltener aus Metall mit Raddurchmessern von 30 cm bis 50 cm erhältlich, aber auch als Miniaturen von weniger als 10 cm Höhe. Auch Schießbuden und Rutschbahnen finden sich im Gesellschaftsspiel wieder.

Glücksräder

Ein nur 70 mm hohes Exemplar wurde z. B. um 1910 vom Blechspielzeugfabrikanten J. Ph. Meier aus Nürnberg gefertigt, einen ähnlichen Winzling bot um 1930 der spanische Spielwarenhersteller Paya an. Für derartig schön ...

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Bildquelle: Trödler, Ausgabe 9/2019

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... bedruckte Stücke, damals für 10 Pfennige verkauft, zahlen Sammler heute erheblich mehr als für viel größere Holzglücksräder. Angeboten wurden sie vorwiegend ohne jegliches Zubehör und Regeln, denn letztere waren ja allgemein bekannt und bei jeder Spielrunde bis auf die ausgesetzten Gewinne gleich. Ein Spielleiter kann ernannt oder gewählt werden, die Teilnehmer erhalten oder „kaufen“ eine Nummer, das Rad wird gedreht und so der Gewinner des Preises ermittelt. Glücksräder finden sich in alten Katalogen manchmal ohne weiteren Hinweis auf den Gebrauch und nur mit Größenangaben zwischen den anderen Spielwaren, oft aber auch in den Katalogteilen mit den Gesellschaftsspielen. So im Katalog des Warenhauses Wertheim aus Berlin von 1904: „Glücksrad, für Verloosungsspiele geeignet, 4 Grössen“; bei Capelle & Braun, Hildesheim 1903: „Glücksräder, bunt bemalt, Höhe 40 oder 60 cm, mit Loosnummern“; bei E. L. Meyer, Hildesheim 1929: „Glücksräder, Metall, buntfarbig, mit Lochrad und Feder, 37 cm“. Im Katalog des Hoflieranten Neumann von 1912 aus Dresden steht auch ein Hinweis auf das große Vorbild: „…findet ungemeinen Anklang, da hierbei auch den betreffenden Leitern Gelegenheit geboten ist, wie auf verschiedenen Volksfesten, durch Witz und Anpreisen die Lose rasch unterzubringen.“ Eine größere Auswahl befindet sich im Katalog von 1914 des Königlichen Hoflieferanten Wahnschaffe aus Nürnberg. Unter den über 150 Gesellschaftsspielen sind mehrere Glücksräder, darunter einige mit Nummernzetteln und kleinen Preisen als Zubehör und auch ein üppig ausgestatteter „Verlosungs-Kasten“ mit einem Glücksrad und zahlreichen Preisen.

Ein Glücksrad mit einem Durchmesser von 50 cm im Katalog von 1912 des Versandhändlers E. Neumann, Dresden. Ein Satz Nummernblättchen wurde mitgeliefert und weitere konnten bei Bedarf nachbestellt werden


„Auf dem Jahrmarkt“, ein Gesellschaftsspiel mit Zinnfiguren. Abb. aus dem Katalog „Haussers Verlags-Artikel“. O. & M. Hausser, Ludwigsburg 1928


Das Miniglücksrad aus Blech wurde originell gestaltet und ist nur 65 mm hoch. Ohne Herkunftshinweis, wohl um 1930. Kleinformatige Gesellschaftsspiele aller Art waren viele Jahrzehnte sehr beliebt und wurden gern auf Reisen mitgenommen


Aus dem Katalog des Nürnberger Versandhändlers Wahnschaffe 1914: „Verlosungs-Kasten, komplett zusammengestellt. Die hübsch gewählten Geschenke sind übersichtlich im Kasten aufgenäht und die zum Ausspielen nötigen Nummern gleichfalls beigefügt, sodass das beigegebene Glücksrad nur in Bewegung gesetzt werden braucht, wenn das Auslosen beginnen soll. Eine hervorragend schöne Zusammenstellung. M. 10,50“. Der Kasten enthält vorwiegend aus Blech und Holz gefertigte Kleinspielzeuge verschiedener Hersteller. Der Blechzeppelin in der zweiten Reihe von oben ist 7,5 cm lang


Willkommene Unterhaltung

Ein Indiz für die frühere Beliebtheit und Verbreitung der Glücksräder sind die zahlreichen Angebote in alten Spielwarenkatalogen, wo sie deutlich häufiger erscheinen als alle anderen Gesellschaftsspiele mit Bezügen zum Jahrmarkt. Auch aktuell sind Glücksräder aus Holz für ca. 20 Euro im Spielwarenhandel noch erhältlich und z. B. eine willkommene Unterhaltung bei Kindergeburtstagen. Absonderliche und makabre Darstellungen – man denke nur an einige Schaubuden und Schießhallen – waren auf Jahrmärkten nicht ganz ungewöhnlich und sogar in Spielzeugausführungen zu haben. Der Katalog des Nürnberger Versandhändlers Wahnschaffe von 1914, aber nicht nur dieser, enthält z. B. Schießspiele, bei denen Soldaten und andere Figuren („…Köpfe bei Treffern zurückklappen…“) und sogar der Weihnachtsmann („…wenn das Zentrum getroffen wird, kommen die Geschenke aus dem Sack…“) beschossen werden. Schießspiele sind in großer Auswahl in fast allen alten Spielwarenkatalogen zu finden, manchmal bei den Gesellschaftsspielen und auch häufig irgendwo zwischen anderen Spielzeugen. Mit einem Schießspiel kann sich ein Kind allein beschäftigen, grundsätzlich ist es aber immer auch als Gesellschaftsspiel mit Wettbewerbscharakter zur Ermittlung eines Siegers brauchbar. Spezielle Regeln sind nicht erforderlich, denn der Verlauf ergibt sich ja schon aus dem Spiel selbst. Einige Schießspiele passen auch gut in Jahrmarktsammlungen, weil sie den auf Rummelplätzen und bei Volksfesten aufgestellten Schießhallen und -buden ähneln. Eine „Schießbude mit auf Bank angeheftetem Gewehr zum Schießen auf Blechbüchsen“ (Katalogbeschreibung 1935) des Blechspielwarenherstellers Karl Bub aus Nürnberg erforderte auch keinen per Regelwerk festgelegten Spielverlauf, denn der war von den selbst auf der kleinsten Dorfkirmes aufgestellten Buden schon bestens bekannt. Gespielt werden kann zum alleinigen Zeitvertreib oder als Wettbewerb mit mehreren Teilnehmern zur Ermittlung eines Siegers. Das Spielzeug besteht aus einer 25 cm langen, 20 cm hohen und 9 cm tiefen Bude samt Theke aus bedruckter Pappe. Die Beschriftung „Üb’ Aug’ und Hand für’s Vaterland“ an der Budenrückwand war damals bei vielen Schießgeschäften üblich. Zur Ausstattung der Bude gehören noch ein blechernes Vorderladergewehr zum Abschießen von Papierkügelchen, Erbsen o. ä. sowie zwölf Blechbüchsen. Ab etwa 1930 verbreitete sich das Schießen auf kleine Tonröhrchen, in denen als Gewinne bei Treffern Kunstblumen oder andere Billiggegenstände steckten. Mit den Dosen wirkt das Spielzeug von Bub nicht ganz zeitgemäß und erinnert eher an eine Wurfbude, aber mit der miniaturisierten Ausstattung einer Schießbude samt winziger Tonröhrchen als Ziele hätte sich das Spiel nicht realisieren lassen.

Reklamemarke für „Auf dem festplatz“, Verlag c. Abel-Klinger, Nürnberg, um 1910


Ein Glücksrad aus bedrucktem Blech, verwendbar als Gesellschaftsspiel oder zum Aufstellen für einen Kirmesplatz. Hergestellt von paya Hermanos, ibi/Alicante, Spanien. Höhe 10 cm. Um 1930


Rutschbahnen

Jeder Kinderspielplatz hat eine, in Spaßund Freibädern werden sie gern für den Weg ins Becken genutzt und in den Fußgängerzonen der Städte stehen oft sogar mehrere Rutschbahnen. Als kommerzielle Vergnügungseinrichtungen entstanden Rutschbahnen sehr wahrscheinlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Russland, woran auch die Bezeichnung „Montagnes russes“ erinnert. Bald standen sie als stationäre Anlagen auch in mehreren mitteleuropäischen Städten (u.a. ab 1815 mehrere in Paris, 1829 Berlin, 1831 Wien, 1843 Kopenhagen) für Vergnügungen bereit, so wie heute wieder in vielen Freizeitparks. Anders als auf Kinderspielplätzen und im Schwimmbad erfolgt die Rutschpartie meistens nicht auf dem Hosenboden, sondern auf einer Unterlage mit guten Rutscheigenschaften oder sogar in kleinen Wagen für eine oder mehrere Personen. Ende des 19. Jahrhunderts waren auf den Jahrmärkten die ersten mobilen Bahnen zu sehen, die dann lange Zeit für großes Vergnügen bei aktiven Rutschern und Zuschauern sorgten. Schon 1885 soll ein Exemplar das Münchener Oktoberfest bereichert haben. Was heute eher nostalgisch anmutet, war noch vor gut 100 Jahren mit den Vorläufern der Achterbahnen für Erwachsene und Kinder der rasanteste Spaß auf dem Rummelplatz. Einige Strecken waren über 100 m lang, führten über Wellen und durch Kurven und die mutigen Rutscher erreichten Geschwindigkeiten bis zu 50 km/h. Der Fahrtwind trocknete bei vielen Fahrgästen die Schweißtropfen, die zuvor beim mühsamen Aufstieg auf den Startturm entstanden waren. Den Mut zu einer Rutschtour brachten längst nicht alle Jahrmarktbesucher auf, doch viele erfreuten sich gern als Zuschauer an dem Spektakel. Einige Bahnbetreiber nutzten das Interesse an ihren Attraktionen und baten deshalb nicht nur für die Rutschpartie, sondern auch für die Gaudi neben der Strecke zur Kasse.

Jahrmarktspiele in der Rubrik „Gesellschafts- Spiele“ des Kataloges der Spielwarengroßhandlung E. L. Meyer, Hildesheim 1929. Katalogbeschreibungen: „Glücksräder, Metall, buntfarbig, mit Lochrad und feder, Höhe 37 cm.“ „Teufelsrad, Metall, buntfarbig, mit rottierender Scheibe und 4 Stehauf-figuren, Größe 19 cm x 19 cm“. Teufelsräder, gelegentlich auch als freudenräder bezeichnet, tauchten um 1910 auf den Jahrmärkten auf und bereiten auch heute noch gelegentlich Vergnügen, z. B. als Klassiker auf dem Oktoberfest


Die pappschießbude des Schießspiels von Karl Bub, Nürnberg. Länge 25 cm, Höhe 20 cm, Tiefe 9 cm. Das Blechgewehr hat eine Länge von 18 cm


für beliebig viele Teilnehmer

Mit einer Rutschbahn machte der Diana Spiele-Verlag Robert Enz aus Frankfurt das früher beliebte, aber heute nur noch selten zu sehende Fahrgeschäft um 1950 zu einem Gesellschaftsspiel für beliebig viele Teilnehmer. Das Titelbild der Schachtel kündigt ein lebhaftes Kirmesvergnügen über eine kurvenreiche Strecke an, doch der Spielverlauf selbst entpuppt sich als ziemlicher Langweiler. Es wird mit drei Würfeln gespielt, aber nur Würfe mit zusammen mindestens elf Punkten werden gewertet, weshalb der Spielplan auch erst mit der Nummer 11 startet. Ein weiter Weg über das recht trist gestaltete Spielfeld führt ohne besondere Ereignisse in die Nähe des Zwischenzieles oben auf dem Turm. Bei durchschnittlichem Würfelglück ergibt wahrscheinlich nur jeder zweite oder dritte Wurf die erforderliche Mindestpunktzahl, weshalb wohl ein langer Marsch mit ca. 40 oder noch mehr Würfen bis zum Feld Nr. 300 nötig ist. Wer dort ankommt, muss „nur“ noch drei gleiche Augenzahlen oder mindestens 17 Punkte würfeln, ist Sieger und rutscht laut Spielregel „in einem Zuge die Rutschbahn hinunter. Er ist mit seiner Fahrt zu Ende.“ Etwas Spannung und Abwechslung versprechen nur die Felder 47, 68 und 111. Aus den Regeln: „Wer auf Nr. 47 kommt, kann gleich auf 68 springen. Wer 68 besetzt, kann auf 100 gehen, braucht es aber nicht. Wer auf Nr. 111 zu stehen kommt, rückt sofort auf 300 vor.“ Ab Feld 285 zählen auch Würfe mit weniger als elf Augen und wer mehr als 15 Punkte würfelt, rückt zwar bis 300 vor, muss aber „um so viel Felder zurück, wie er mehr als 15 Augen gewürfelt hat.“ Ein Wurf mit drei gleichen Augenzahlen führt ab Feld 285 ebenfalls gleich zum Ziel auf Nr. 300. Einzig spannend bei „Halli-Hallo“ ist also das eventuelle Zusammentreffen der Spielfiguren im Stau vor dem Zielfeld; vielleicht deshalb oder wegen des Empfangs am Ende der Rutschstrecke dieser Name des Spiels. Es kann ja dauern, bis ein Glückswurf zum Spielende ans Ziel führt und selbst Nachzügler haben noch die Chance auf den Sieg bei diesem Rutschbahnspiel. Der vergnüglichste Teil einer Rutschbahnfahrt, nämlich die Rutschpartie zum Ziel, findet bei diesem Diana-Spiel überhaupt nicht statt.

Lustige Rutschbahn

Optisch wesentlich attraktiver ist die „Lustige Rutschbahn“ mit der Kennzeichnung R42 auf dem Schachteldeckel, die vielleicht ein Hinweis auf den Hersteller sein kann. Weitere Angaben, die auf einen Verlag oder die Herstellungszeit hindeuten, sind nicht vorhanden. So kann aufgrund der Gestaltung eine Erscheinungszeit um 1910/20 vermutet werden. Dafür sprechen die Bekleidung der Jahrmarktbesucher und ein Detail neben dem Riesenrad: Ein kleiner Kamin mit einer Rauchfahne deutet auf dessen Antrieb durch eine Dampfmaschine hin. Mit der Überschrift der Spielregeln „Ein humoristisches Spiel mit allerlei heiteren Zwischenfällen auf dem Volksfest“ sowie einem Blick auf das Spielfeld wird sofort klar, dass eine Rutschbahn nur ein Randereignis bei einem abwechslungreichen Gang über einen Kirmesplatz ist. Die Rutschbahn ist nur mit einem Ausschnitt am Rande des Spielplanes abgebildet und auch nur zwei Felder sind dafür von Bedeutung: „Nr. 52 Rutscht auf der Rutschbahn auf Nr. 69 vor“ und „Nr. 69 Rutscht auf Nr. 73 vor“. Teilnehmen können bis zu sechs Spieler, die eine Spielfigur und Spielmarken erhalten, wovon ein Teil sogleich in eine Kasse einzuzahlen ist. Der gesamte Kurs über 80 Felder enthält 19 grüne Kreise, von denen jeder Einfluss auf das Spielgeschehen hat. Wie üblich bei solchen Spielen, kann vorgerückt („Nr. 60 fährt in der Luftschaukel auf Nr. 63 vor“) oder eine Spielmarke gewonnen („Nr. 49 Erhält von dem Neger eine Marke aus der Kasse“), muss ausoder mehrere Felder zurückgesetzt („Nr. 18 Rutscht von der Kletterstange auf Nr. 1 herunter“) oder eine Spielmarke in die Kasse gezahlt („Nr. 39 Kauft Pfefferkuchen und bezahlt denselben mit 1 Marke“) werden. Der Weg führt in einer Art Zick-Zack- Kurs am Karussell, der Berg- und Talbahn, dem Kasperltheater, einem „Haut den Lukas”, dem Riesenrad, der Rutschbahn, einer Schaubude usw. vorbei und zum Schluss vom Boxstand zum Feld Nr. 80, dem Ziel. Dort erhält der Sieger die Hälfte des Kassenbestandes, den Rest teilen sich die Mitspieler auf den Plätzen zwei und drei. Alle Teilnehmer können das Spiel beenden, denn ein Ausscheiden ist nicht vorgesehen. Ein Kauf des Spiels wegen seines irreführenden Titels dürfte vielleicht zu Enttäuschungen geführt haben. Jede andere Bezeichnung mit Bezug zum Jahrmarkt hätte zu diesem Brettspiel auch gut gepasst und wäre einem größeren Verkaufserfolg wahrscheinlich sogar förderlich gewesen.

Das auf die Kartonverpackung geklebte Deckelbild der Rutschbahn „Halli-Hallo“


Spielplan der Rutschbahn „Halli-Hallo“. Größe 49,5 cm x 34 cm


Schön gestaltete Holzscheiben sind die Spielfiguren der Rutschbahn „Halli-Hallo“


Mit Würfel und Zinnfiguren

Als Laufspiel erschien um 1890 „Die Rutschbahn“ (ohne Abb.) mit dem Untertitel „Les montagnes russes“; optisch, wie viele Gesellschaftsspiele aus der Zeit vor 1900, sehr attraktiv gestaltet. Der Inhalt hält, was der Titel verspricht, denn das gesamte Spielgeschehen vollzieht sich auf einer schön gestalteten Rutschbahn. Auf dem vierteiligen Spielplan ist eine Holzkonstruktion mit einem Turm und der Rutsche mit beidseitigem Geländer zu sehen. Davor und daneben stehen viele fein gekleidete Menschen, im Hintergrund sind ein Pferdekarussell, Zeltdächer mit Fahnen, Luftballons und eine Montgolfiere abgebildet. Bis zu sechs Teilnehmer erklimmen mit Zinnfiguren, je nach Würfelglück mit oder ohne Unterbrechungen durch verschiedene Ereignisse, über 30 Felder den Startturm. Von dort führt die Rutschpartie über eine kurvenreiche Strecke, auf der wiederum die Würfel über die Geschwindigkeit des Vorankommens entscheiden, über weitere 70 Felder bis zum Ziel mit der Nr. 100.

Der dreiteilige faltplan für die „Lustige Rutschbahn“ ist 49 cm x 33 cm groß


Deckelbildaufkleber für die „Lustige Rutschbahn“. Deckelgröße 39 cm x 19 cm


Die „Lustige Rutschbahn“ bietet nur am Rande des Spielfeldes eine entsprechende Abbildung mit dem Treppenaufgang zum Start und rutschenden Kinder


für Sammler mit platz

Wer statt einer der hier vorgestellten biederen Rutschbahnen mehr Spektakel erleben wollte, konnte bei Wahnschaffe 1914 auch schon fündig werden: „Indische Rutschbahn. Ein neues, großes, mechanisches Unterhaltungsspiel von überraschendem Effekt, ein orientalisches Schaustück. Jeder erklimmt einen hohen Turm, wirft von hier drei andere Inder herunter, die dann eine Rutschbahn hinabgleiten und zum Teil auf numerierte Felder, zum Teil in den Rachen eines großen Krokodils geraten. Interessante Spielweise. Das Spiel enthält aufzustellende Materialien, wie Turm, Rutschbahn etc., vier Figuren, Spielteller, Spielmünzen, Loskarten etc. M. 9,00.“ Es konnte nicht ermittelt werden, ob es sich um ein reines Phantasieprodukt handelt oder jemals ein Vorbild für diese Bahn auf einem Jahrmarkt zu sehen war. Für Spieleabende werden die alten Gesellschaftsspiele heute kaum noch genutzt. Viele Sammler interessieren sich auch nicht sonderlich für die Spielverläufe, sondern achten mehr auf attraktive Spielpläne und -figuren sowie schöne Verpackungen, wobei eine ansehnliche Präsentation dieser Teile reichlich Platz in Vitrinen erfordert. Wer es deshalb lieber kleinformatig mag, kann aber nach Kartenspielen Ausschau halten. Es gab nämlich auch einige Quartettspiele mit hübschen Jahrmarktmotiven. Literatur: Dering, Florian; Volksbelustigungen, Nördlingen 1986.


Fotos: Ludger Spielberg