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James Cameron: „Meine größten Film-Geh eimnisse“


TV Digital XXL-Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 16/2021 vom 23.07.2021

PORTRÄT

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MACHER AM MONITOR Regisseur James Cameron bei der Arbeit in Neuseeland, wo er gerade ?Avatar 2? (o.) dreht
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”Ich kann nicht empfehlen, einen Film wie ‚Avatar‘ zu drehen. Nach dem Filmen einer Szene vergeht mindestens ein Jahr, bis du sie fertig sehen kannst!“

JAMES CAMERON

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NEUES ELEMENT ?Avatar 2?, das Sequel des Megahits, wird sich der Wasserwelt Pandoras widmen

Nein, der produktivste Filmemacher ist James Cameron nicht. Gerade mal acht Spielfilme hat er in knapp 40 Jahren gedreht. Aber was für welche! Mit dem Actionkracher „Aliens“ schuf er 1986 eines der besten Sequels der Filmgeschichte. Die Computereffekte in „Abyss“ (1989) und „Terminator 2“ (1991) revolutionierten die Tricktechnik. Sein Historienspektakel „Titanic“ gewann 1998 insgesamt elf Oscars und spielte mehr Geld in den Kinos ein als je ein Film zuvor. Entthront wurde „Titanic“ erst im Jahr 2010 – von Cameron selbst und dessen bahnbrechendem 3-D-Sci-Fi-Epos „Avatar“.

Aktuell arbeitet der Kanadier (66) an gleich vier „Avatar“-Fortsetzungen, Teil zwei soll Ende 2022 in die Kinos kommen. Dann gibt es ein Wiedersehen mit Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldana) auf dem Mond Pandora. Beide haben inzwischen eine Familie gegründet, werden aber gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Sie müssen andere Teile Pandoras erforschen, vor allem dessen Wasserwelt (s. Fotos Seite 4–7).

Ideen entstehen aus Träumen

Bevor dieser Film erscheint, verrät James Cameron erst mal einige seiner größten Filmgeheimnisse. In einem Videoseminar der Reihe Masterclass (s. Seite 8) spricht der dreifache Oscargewinner über seine Arbeitsweise, seine Tricks, aber auch über seine größten Fehler. TV DIGITAL hat den Kurs, der sich vor allem an Nachwuchsfilmemacher richtet, absolviert.

Was Cameron von Kollegen wie etwa Steven Spielberg prinzipiell unterscheidet: Er hat für alle seine Spielfilme auch das Drehbuch geschrieben. Woher nimmt der Mann seine Ideen? In seiner Masterclass erklärt er, „wie ein Schwamm“ alle möglichen Inhalte aufzusaugen: Bücher, bildende Kunst, Filme, Zeitschriften- artikel. Oft entwickelt sich aus diesem Input in Camerons Unterbewusstsein etwas Neues. Viele seiner Ideen entstehen im Schlaf. „Sie sind“, sagt Cameron über seine Träume, „mein kostenloses Streaming- Abo.“ Besonders ausdrucksstarke Traumbilder zeichnet er direkt nach dem Aufstehen auf. So entstand etwa Anfang der 80er das zentrale Motiv seines „Terminator“: ein Metallskelett, von Flammen umringt.

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FAMILIENBILD In ?Avatar 2? sind Jake und Neytiri bereits stolze Eltern

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DOUBLE MIT HUFEN Mit Markern präparierte Pferde stellen im fertigen Film die Fantasykreatur Pa?li dar
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MARITIMES FLAIR Für ihre Häuser am und im Meer nutzen die Na?vi kreative Bautechniken (?Avatar 2?)
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KRAFTPAKET Eines der vielen neuen Vehikel in ?Avatar 2?: der Crabsuit, ein Multifunktions-U-Boot
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WASSERSCHLACHT Auch in ihren Performance-Capturing-Anzügen haben Kate Winslet (l. ) & Co. Spaß
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VOLLER EINSATZ Sigourney Weaver (rechts) bei einem Unterwasserstunt für die ?Avatar?-Fortsetzung

Die Fähigkeit zu zeichnen hält Cameron für zentral für den Beruf des Filmemachers. Sein Rat an jeden Nachwuchsregisseur: „Lerne zu zeichnen, zumindest rudimentär! So wirst du gezwungen, dir über Bildkomposition Gedanken zu machen.“ Für seine ersten Filme fertigte Cameron zusätzlich zum Skript selbst die Storyboards an – Zeichnungen, die Einstellungen und Kameraperspektiven des kompletten Films vorwegnehmen. „Alles“, betont er, „beginnt mit diesen Zeichnungen.“

Mindestens ebenso wichtig sei für einen Filmemacher seine Beobachtungsgabe – auch sich selbst gegenüber: „Sogar in einem hitzigen Streitgespräch oder im Liebestaumel sollte ein Teil deines Kopfes eine Art Videokamera sein, die ständig aufnimmt. Denn später beim Filmen musst du in einer höchst künstlichen Umgebung einen Teil einer Realität erzeugen, die dem Zuschauer glaubhaft erscheint.“

Ein Genie sieht manchmal rot

Auch wenn James Cameron heutzutage 200 Millionen Dollar und mehr für einen Film ausgeben darf: Er weiß, was es bedeutet, mit wenig Geld zu drehen. Am Anfang seiner Filmkarriere arbeitet er als Produktionsdesigner und Effektspezialist für US-Produzent Roger Corman, den König des Low-Budget-Films. Hier lernte er die Tricks und den nötigen Pragmatismus für seine eigenen Filme. Für „Aliens“ (1986) etwa tarnte er die damals neuartige tragbare Kamera Steadicam als futuristisches Maschinengewehr. Im Film erkundet ein Soldat mit diesem Gerät im Anschlag eine Raumstation. So erreichte Cameron gleich zwei Vorteile. Erstens: Die Kamera fing eindringliche Bilder aus der subjektiven Perspektive des Soldaten ein. Zweitens: Aus anderen Blickwinkeln war die Kamera nicht als solche zu erkennen.

Camerons Kreativität wurde in Hollywood von Anfang an geschätzt – und sein Temperament gefürchtet. Streite mit Studiobossen waren normal. Und auch am Set verlangte Cameron Crew und Darstellern alles ab. Der technische Ablauf und die Vision des Regisseurs standen über allem. Ed Harris etwa weigerte sich jahrelang, über die Strapazen des Unterwasserdrehs zu „Abyss“ zu reden. Auch „Titanic“-Star Kate Winslet beschwerte sich einst über den autokratischen, unnachgiebigen Führungsstil des Regisseurs. Rückblickend gibt James Cameron ihnen recht. „Wenn ich am Anfang meiner Karriere gewusst hätte, was ich heute weiß – ich hätte die Mitglieder meiner Filmcrew mehr respektiert. Ich hätte mehr zuhören können. Nur wer sich wertgeschätzt fühlt, kann seine beste Arbeit machen.“ Cameron ist sich sicher: „Dein Film wird von dieser Zusammenarbeit profitieren.“

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KAMPFMASCHINE James Cameron (2. v. r.) mit dem Terminator, hier 1996 am Set des Kurzfilms ?T2: 3-D?
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Bei meinen ersten Filmen war ich ein kleiner Diktator. Der Film war das Wichtigste für mich. Ich war nicht grausam. Aber ich war hart zu den Leuten.

JAMES CAMERON ÜBER ALIENS, ABYSS & CO.

Leonardo weigerte sich zunächst, zum Casting zu kommen. Er sagte: ‚Vorsprechen mache ich nicht.‘ Ich sagte: ‚Du bist 19. Du sprichst vor.‘

JAMES CAMERON ÜBER TITANIC

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Computer sind nicht kreativ

Für „Avatar“ brauchte Cameron jede Unterstützung, die er kriegen konnte. „Als wir damals anfingen“, erinnert er sich, „hatten wir keine Ahnung, wie wir die meisten Probleme lösen sollten.“ Die Technologie für das ambitionierte Sci-Fi- Epos mussten der Regisseur und sein Team erst noch erfinden. Mittels des sogenannten Performance Capturing wurden aus menschlichen Darstellern im fertigen Film schließlich die drei Meter großen blauen Aliens. „Manch einer glaubt, der Computer erschafft all diese Charaktere. Der Computer erschafft gar nichts! Der Computer führt Berechnungen aus, aber die Charaktere werden von Schauspielern erschaffen.“ Aus diesem Grund seien auch spätere Änderungen nicht möglich: „Du musst die Darstellung des Schauspielers beim Dreh einfangen. Wir hatten mal versucht, nachträglich ein Lächeln zu verändern. Das war ein grausamer Fehlschlag.“

,Terminator‘ begann als Bild aus einem meiner Träume: ein Metallskelett, das sich aus den Flammen erhebt. Ich zeichnete einfach, was ich im Traum gesehen hatte.

JAMES CAMERON ÜBER DEN TERMINATOR

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Schauspielern vertrauen, die Grenzen von Technik akzeptieren: Es scheint wirklich so, als habe sich James Cameron nicht nur in Sachen Spezialeffekte ständig weiterentwickelt. Vielleicht ist das sein wichtigstes Geheimnis.

MICHAEL TOKARSKI

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CAMERONS ONLINEKURS

Auf masterclass.com erklärt James Cameron in einem aufgezeichneten Videoseminar auf Englisch seine Art des Filmemachens. Jahresbeitrag 192 € (dafür besteht Zugriff auf Kurse von über 110 prominenten Experten).

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