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JAPAN-CLASSICS: Im Namen der Rose


Motorrad News - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 03.01.2020

»Taste of Tsukuba – Days of Bike and Roses« heißt ein Treffen für klassische Motorräder in Japan, das zweimal im Jahr stattfindet. Klar, dass es sich die Fahrer der Alteisen auf der Piste ordentlich geben.


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Bildquelle: Motorrad News, Ausgabe 2/2020

Der Tsukuba Circuit hat mittlerweile ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel und ist die Heimat der »Time-Attack-Races«. Bei den Rennen gehen japanische Klassiker an den Start, während Verkaufsstände Mensch und Maschine mit allem Notwendigen versorgen.


A llerfeinster Gaumenkitzel wird in der SAT.1-Kochshow »The Taste« auf den Löffel gezaubert. »The Taste« gibt es auch in der Nähe der japanischen Stadt ...

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... Shimotsuma, allerdings sind das Leckereien anderer Art. Zweimal im Jahr wird hier auf dem Tsukuba-Circuit der »Taste of Tsukuba « serviert, eine Veranstaltung für klassische Motorräder, die jedem Zweirad-Gourmet auf der Zunge zergeht und die ähnlichen Treffen in Europa wie den »Bikers’ Classics« in Spa-Francorchamps in nichts nachsteht. Schließlich lässt der Untertitel der Veranstaltung »Days of Bike and Roses« (Tage von Motorrad und Rosen) auf Feinsinniges schließen. An einem Wochenende Anfang November herrschen auf Nippons Hauptinsel Honshu milde Temperaturen, so um die 20 Grad. Dann sind die Mischwälder golden gefärbt, die Karten für ein gelungenes Klassik-Bike-Wochenende in Shimotsuma gelegt.

Doch was steckt hinter der Veranstaltung? Dazu muss man ein wenig in der Geschichte des Tsukuba Circuit wühlen. Der befindet sich ungefähr auf halbem Weg zwischen Motegi und Tokio. Er wurde bereits 1966 konzipiert, doch erst im Juni 1970 eröffnet, ist eine der kürzesten Strecken des Landes und bekannt als Heimat der sogenannten »Time-Attack-Races«. Bei diesen Rennen fahren die Wettbewerber nicht gegeneinander, sondern gegen die Uhr. Japans Autotuner nutzten die Rennstrecke von Anfang an, um ihre Modifikationen zu testen, und bald wurde es zum Ehrenzeichen, die schnellste Runde auf der Strecke zu fahren. Zu ihrer Blütezeit wurden auf der Rennstrecke sowohl die All-Japan-F3-Meisterschaft als auch die japanischen Tourenwagenserien ausgetragen, die beide sehr beliebt waren. Beide Serien fanden irgendwann woanders ihre Fortsetzung, aber auf zwei Rädern wird die Rennstrecke bis heute für die »All Japan Road Race Championship« benutzt. Sie gilt als eine der wichtigsten nationalen Motorradmeisterschaften. Mitte der 1990er-Jahre kamen Sprint-und Driftwettbewerbe hinzu.

Spielern von Videogames wie »Gran Turismo«, bei denen Time-Attack-Modi im Vordergrund stehen, dürfte Tsukuba ein Begriff sein. Diese Art der Unterhaltung machte die Strecke einem Publikum bekannt, das sonst wohl nie einen Fuß auf eine reale Rennstrecke setzen würde, geschweige denn eine Runde darauf fahren! Doch dank des breit gefächerten Publikums – Motorradfahrer, Drift-und Time-Attack-Fans sowie Playstation-Enthusiasten – hat Tsukuba einen fast mythischen Status erlangt und ist, obwohl es von den internationalen Autound Motorradwettbewerben verlassen wurde, nach wie vor gut im Geschäft.

Genau genommen besteht Tsukuba aus zwei Kursen: einem sogenannten 2000-Kurs und einem 1000-Kurs, beide benannt nach ihrer ungefähren Länge. Der 2000-Kurs ist 2045 Meter lang, hat 14 Kurven, die längste Gerade misst 437 Meter. Bei Motorradrennen wird eine zusätzliche Schikane durchfahren, wodurch die Streckenlänge auf 2070 Meter steigt. Die Strecke ist U-förmig und faltet sich durch eine Vielzahl von engen und mittelschnellen Kurven auf sich selbst zurück. Eine scheinbar nie endende schnelle Kurve führt dann wieder zu Start und Ziel. Diese einzigartige Kombination von Haarnadel-und weit ausladenden Kurven ist fahrerisch sehr anspruchsvoll. Die Fahrbahn ist topfeben und hat besten Grip. Der kurze Kurs ist gerade mal 1039 Meter lang und war als Mini-Bike-Rennstrecke konzipiert. Beide Strecken werden für eine Vielzahl von Veranstaltungen genutzt, einschließlich Fahrertrainings, nationale Drift-Wettbewerbe, lokale Motorradrennen und Club-Meetings. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit.

Die Fahrer ignorieren die Winzigkeit der Strecke

Doch das Beste, was die Strecke bieten kann, ist der eingangs erwähnte »Taste of Tsukuba«. Der findet zweimal im Jahr statt, im März wird die Satsuki-Stage ausgefahren, im November die Kaguraduki-Stage. Der Untertitel »Days of Bike and Roses« geht zurück auf den amerikanischen Film »Days of Wine and Roses« (Tage des Weines und der Rosen) von 1962. »Die Rosen stehen symbolisch für Mädchen, und Motorräder sind allemal besser als Wein«, so weit die kurze und einfache Erklärung des Veranstalters. Und in der Tat: Motorräder gibt es hier reichlich, hübsche Mädels einige, zu trinken nichts! Dabei handelt es sich bei »Taste of Tsukuba« gar nicht ausschließlich um ein Treffen, hier werden Rennen gefahren. Aber nicht gegen die Uhr im schon erwähnten Time-Attack-Modus, sondern gegeneinander. Gestartet wird in zwölf Klassen. Zweitakter gegen etwas hubraumstärkere Viertakter, dicke luftgekühlte Tausender bleiben unter sich, wassergekühlte Superbikes fahren separat, genau wie Motorräder mit Spezialfahrwerken. Kaum anderswo gibt es eine größere Konzentration von historischem Gerät. Wo auf der Welt fahren Großkaliber vom Schlage aufgeblasener Vierzylinder und Zweitakt-Material der RD-, NSR-, RGoder KR-Klasse auf einem Rennkurs, der anderswo als provinziell abgetan würde, um die Wette? Der 2000-Kurs mag kurz sein, aber Raum ist nun einmal Mangelware im dicht besiedelten Japan. Die Fahrer ignorieren die Winzigkeit der Strecke und genießen ein Wochenende lang die Illusion von Renn-(T)raum, hoher Geschwindigkeit und großer Distanz. Klassikfahrer und -motorräder sind durch die Überschaubarkeit der Anlage zur Essenz konzentriert wie eine delikate Sojasoße in einem kleinen Fläschchen. Eine endlose Schar von Enthusiasten – ob mit Zwei-oder Vierrädern, privat, semi-oder vollprofessionell – ist darauf aus, ihre Fahrzeuge auf dieser Bühne zu präsentieren.

Wenn die blauen Fahnen wehen … In Tsukuba gibt es jede Menge feinsten Zweitaktstoff zu sehen, zu hören und vor allem zu riechen. Fans von RD, NSR, KR und RG haben ihre helle Freude.


Ob man am Ende die Konkurrenz geschlagen hat oder die Uhr, ist egal, zur Siegerehrung gehört eine zünftige Sektdusche. »Taste of Tsukuba« bietet zweimal im Jahr die volle Dröhnung an japanischen Motorradklassikern sämtlicher Kaliber.


Auf der Strecke, aber auch im Fahrerlager gibt sich die Crème de la Crème japanischer Schrauber ein eindrucksvolles Stelldichein. Der Eintritt zu diesem Tempel der Herrlichkeit kostet 3200 Yen, umgerechnet ca. 30 Euro, für zwei Tage mit Zugang zum Paddock. Begeisterte Zuschauer, viele Aktive. Das Fahrerlager brummt. Auge in Auge mit Fahrern und Schraubern gleichermaßen. Verrückte Klassikenthusiasten überall, Verkaufs-und Infostände, Tuningmaterial und Motorradteile. Keine Frage, Tsukuba rockt – im realen Leben noch viel mehr als auf der Playstation.

Warum sich ein japanischer Motorradverein »Moto Club Gesundheit« nennt, wissen nur Nippons Götter. Die japanische Kriegsflagge dient eher der Abschreckung der Konkurrenten.


Fotos: Yuki Sakamoto