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JAPANISCHES CLOISONNÉ: THERESIA PETERS


Trödler - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 12.07.2019

Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt erhielt im Jahr 2016 eine anonyme Schenkung von rund vierhundert hochwertigen japanischen Cloisonné-Arbeiten. Nachdem noch im gleichen Jahr erste handverlesene Stücke präsentiert wurden, widmet sich nun eine neue Ausstellung unter dem Motto „Sieben Schätze. eine Wunderkammer des japanischen Cloisonnés” noch bis zum 22. September erstmals der Sammlung in ihrer ganzen Vielfalt.


Japonismus

Als Japan sich Mitte des 19. Jahrhunderts der Welt öffnete, blickte der Westen auf ein Land voller Naturschönheiten, aber auch aufeine Hochkultur mit raffinierten Artefakten. Der ...

Artikelbild für den Artikel "JAPANISCHES CLOISONNÉ: THERESIA PETERS" aus der Ausgabe 8/2019 von Trödler. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Trödler, Ausgabe 8/2019

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... Japonismus als Modephänomen war geboren. Mit ihm erlebte die Kunstform des japanischen Cloisonnés einen rasanten Aufschwung. Kunstvoll verzierte Vasen, Teller und Schalen in einer Dekortechnik, bei der farbiges Glas zwischenfeinen Kupferstegen auf eine Oberfläche aufgeschmolzen wird, wurden gezielt für einen gehobenen internationalen Markt erschaffen. In einer Verbindung aus östlicher und westlicher Ästhetik entstand ein neuartiger Stil des Dekorativen. Noch heute beeindrucken die zarten Farbverläufe, die fein gearbeiteten Motive und malerischen Oberflächeneffekte.

Foto: Uwe Dettmar © Museum Angewandte Kunst

Cloisonné

Die über Jahrzehnte aufgebaute Schenkung spannt einen Bogen von den Anfängen des japanischen Cloisonnés im 16. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt liegt auf dem Cloisonné der Meiji-Zeit und insbesondere auf der Blütezeit dieser Kunst zwischen 1880 und 1910. Neben ihrer breiten historischen Spanne stellt die Sammlung verschiedenste Techniken mit beispielhaften Werken vor: neben dem Standard-Cloisonné das Plique-à-jour in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen, die dreidimensionale moriage-Technik, halbtransparentes Email über Repoussé-Prägedekor und ginbari sowie die Kombination von Cloisonné und Silberschmiedekunst. In diesen Objekten manifestiert sich der Geist einer neuen Zeit, in der sich Japan eindrucksvoll als innovativer Vorreiter eines international ausgerich teten Stils des Dekorativen in der angewandten Kunst präsentierte.

Cloisonné-Herstellung in Ama/Shippô-chô bei Nagoya, historische Fotografie, Japan, Meiji-Zeit, um 1900-1910

© Ama City Shippo-yaki Art Village Takasaki Kōichi, Räuchergefäß (kōrō), ca. 1895-1910

Foto: Uwe Dettmar

Handwerkskunst

Die Kunst des Cloisonnés erreichte in der frühen Ming-Zeit (1368-1644) China. Sie erfreute sich dort großer Beliebtheit und wurde zu einem lebendigen Teilbereich des chinesischen Kunsthandwerks. Die chinesischen Cloisonné-Arbeiten blieben – anders als in der ostasiatischen Geschichte des Porzellans – im relativ nahen Japan lange Zeit weitgehend folgenlos.
Ein wichtiger Beweggrund dafür, dass Cloisonné im Japan der Meiji-Zeit zu einem der erfolgreichsten Zweige der Handwerkskunst werden konnte, waren die dramatischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen im Zuge der Öffnung und Modernisierung des Landes. Durch die Öffnung Japans unter der 1868 beginnenden Regentschaft des Meiji-Tennō wurde japanisches, für den westlichen Geschmack entworfenes Cloisonné ein höchst erfolgreicher Exportartikel, nicht zuletzt zur Finanzierung der immensen Kosten für die Modernisierung und Industrialisierung des Landes.
Die Entmachtung der Samurai und das Verbot des Schwerter-Tragens bedeuteten einen Kundenverlust für Handwerksprodukte, insbesondere auch für den Schwertschmuck. Die zunehmende Industrialisierung sorgte zusätzlich dafür, dass Handwerksprodukte herkömmlicher Art generell immer weniger mit industriell erzeugter Ware konkurrieren konnten. Doch Japan gelang es neben dem Aufbau industrieller Strukturen auch, seine Handwerkskünste lebendig zu erhalten. Besonders die Weltausstellungen der Jahrhundertwende beförderten die Japonismus-Mode. Das in Historismen zunehmend erstarrende Europa und der Westen insgesamt begeisterten sich nun sehr für die vielseitigen und wunderschönen japanischen Kunst- und Handwerksprodukte.
Damit fanden viele Handwerker neue Kunden im Ausland und eine neue Blütezeit des japanischen Kunsthandwerks begann.

Foto: Rainer Drexel

Meisterwerk

Eine wunderbare flache Schale (ca. 1910- 1930) hat einen flachen runden Sockel mit drei geschwungenen Füßen mit halbtransparentem Email über silbrig schimmerndem Grund. Die gesamte Wandung zeigt in einem eleganten Dekor große Chrysanthemen-Blüten mit Blattranken auf hellblauem Grund. Die Lippe ist vergoldet, Sockel und Füße an der Unterkante sind in Silber gefasst. Die ungewöhnliche Schale gehört zu den Meisterwerken der Sammlung.

Foto: Uwe Dettmar © Museum Angewandte Kunst

Vase, Taishō-Zeit, 1912-1926 plique-à-jour, H 21,2 cm, 10,8 cm

© Museum Angewandte Kunst Namikawa Yasuyuki (1845-1827): sieben Vasen Standard-Cloisonné (yūsen shippō), signiert, ca. 1885-1910

© Museum Angewandte Kunst Cloisonné

Deckelgefäß

Ein prachtvolles Deckelgefäß, das man möglicherweise als Räuchergefäß nutzte, stammt aus der Zeit um 1890 bis 1910. Das fein gearbeitete, außergewöhnliche Gefäß steht auf großen Füßen in der Form von Chrysanthemen-Blättern. Darüber öffnet sich eine prachtvolle Blüte mit einer Vielzahl einzelner Blütenblätter, die in sich kleine Chrysanthemen-Blüten in Email vor ockerfarbenem Grund zeigen. Auf dem Deckel sitzen zwei dreidimensionale Schmetterlinge, wobei der größere den Deckelknauf bildet. Im Innern befindet sich eine herausnehmbare Silberschale. Eine Vase aus der Ando-Werkstatt mit Ömi-hakkei-Motiv stammt aus der Zeit zwischen 1920 bis 1935. Die Wandung zeigt in leuchtenden Farben eine romantische Küstenlandschaft mit Boot. Dargestellt ist das bekannte Motiv der „Einfallenden Wildgänse bei Katada”. Gezeigt wird links die „Schwimmende Tempelhalle”, ein kleiner Buddha-Schrein, der in den See hinaus gebaut wurde. Rechts davon fallen Wildgänse ein, die alljährlich am Biwa-See überwintern. Das Sujet gehört zu den beliebtesten Motiven in der japanischen Kunst.

Zierteller

Ein monumentaler Zierteller mit einem Durchmesser von etwa 90 Zentimetern stammt aus der Zeit zwischen 1880 und 1890. In Anlehnung an traditionelle Blumen- und Vogeldarstellungen der japanischen Malerei zeigt der Teller eine großformatige Komposition vor rosafarbenem Grund, bestehend aus einem Pflanzenund Blumenarrangement mit Kirschblütenzweigen, Päonien, Nelken, Trichterwinde und Chrysantheme. Darin bewegen sich verschiedene kleine Vögel. Die dargestellten Pflanzen stehen für den jahreszeitlichen Wechsel von Frühjahr bis Herbst. Eine breite Borte mit stilisierten Blüten und Ranken auf grünem Grund begrenzt die gelungene Komposition. Der Rand ist in Kupfer gefasst. Auf der Rückseite des prächtigen Tellers findet sich in der Mitte des Bodens eine Kartusche mit Phäonie und Schmetterlingen.

Yokohama-Vierkantvase

Das außergewöhnliche Dekor einer Vierkant-Vase aus der Zeit zwischen 1910 und 1930 repräsentiert eine bemerkenswerte Melange aus östlichen und westlichen Gestaltungselementen im Geiste des Art déco. Als umlaufendes Dekor zeigt die Vase die abstrahierte Darstellung eines Lotus-Teiches mit präziser Wiedergabe von ostasiatischen ayu-Fischen. Fast surreal wirkt der altrosa farbige Hintergrund mit gradueller Aufhellung, in dem sich die Fische bewegen, die eher am Himmel als im Wasser zu schwimmen scheinen. Das herausragende Stück wurde im Auftrag der im Asienhandel agierenden ungarischen Firma Kuhn & Komor hergestellt.

Flache Schale, wohl späte Meiji-, Taishō- oder frühe Shōwa-Zeit, ca. 1910-1930, plique-à-jour (shōtai shippō), H 8,3 cm, 18,4 cm

Unten: Deckelgefäß, möglicherweise Räuchergefäß (kōrō) in Form einer Chrysanthemenblüte, Meiji-Zeit, um 1890-1910, Silber mit Cloisonnédekor, H (mit Deckel) 11,9 cm, 11,5 cm

Großartige Sammlung

Für das Museum Angewandte Kunst hat die wunderbare Sammlung von Cloisonné-Arbeiten eine herausragende Bedeutung. Denn der Zeitraum der Entstehung der meisten Stücke fällt mit jener Zeit zusammen, in der die Grundlagen für das Museum Angewandte Kunst gelegt wurden. Der Japonismus war damals eine Modeerscheinung, die viele Bereiche der der Sammlung verfügt das Museum Angewandte

Kunst nun über eine der bedeutendsten europäischen Museumssammlungen zum Thema japanisches Cloisonné, wie sie sich in vergleichbarer Qualität im Victoria & Albert Museum in London findet.

Katalog und Ausstellung

Zur Ausstellung ist im Wienand Verlag ein reich illustrierter, 271 Seiten umfassender Katalog auf Deutsch und Englisch erschienen mit japanischen Transkriptionen für wichtige Namen und Begriffe. Der wirklich wundervolle Bildband stellt die 149 schönsten der rund 400 in der Ausstellung präsentierten Werke der Sammlung mit großformatigen, farbigen Abbildungen im Detail vor. Der Anhang dokumentiert sämtliche Werkstattmarken und bietet auch mit historischen Fotos illustrierte Angaben zum Herstellungsprozess sowie ein wissenschaftliches Glossar. Preis 35 Euro, ISBN 978-3-86832-516-4. „Sieben Schätze. Eine Wunderkammer des japanischen Cloisonnés”, bis 22. September im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, Frankfurt am Main, www.museumangewandtekunst.de.

Andō-Werkstatt, Nagoya, Vase mit ōmi hakkei-Motiv, Wohl Taishō-/frühe Shōwa-Zeit, ca. 1920- 1935, Cloisonné, H 21,1 cm, 10,4 cm, am Boden Andō-Marke

Foto: Uwe Dettmar © Museum Angewandte Kunst

Yokohama Vierkantvase, Vertrieb: Kuhn & Komor Späte Meiji-, Taishō- oder frühe Shōwa-Zeit, ca. 1910-1930, Cloisonné, H 30,5 cm, l / B 9,1 cm, Marke am Boden K in einem Kreis sowie Komoru コモルin katakana

Foto: Uwe Dettmar © Museum Angewandte

Kunst Monumentaler Zierteller, Meiji-Zeit, ca. 1880-1890, Cloisonné, 90,0 cm

Foto: Uwe Dettmar © Museum Angewandte Kunst


Foto: Uwe Dettmar © Museum Angewandte Kunst

Foto: Uwe Dettmar © Museum Angewandte Kunst

Fotos: Museum Angewandte Kunst Frankfurt am Main