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JAPANISCHES GELD


Münzen Revue - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 29.01.2020

Von den Anfängen des Geldwesens in Japan im 8. Jahrhundert nach Christus bis zu den „Deutschen Noten“ Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Blick in die Geldsammlung der Bank von Japan.


Historische Fakten und Bemerkungen von Shigeru Toyama, Tokyo. Ergänzungen, Erläuterungen und Recherchen von Albert M. Beck, Redakteur der internationalen Fachzeitschrift MünzenRevue.

Japan, vertreten durch seine Münzstätte, ist Ehrengast an der World Money Fair 2020 in Berlin. In diesem Zusammenhang soll mit diesem Beitrag in das Münzwesen Japans und seine Geschichte eingeblendet werden. Bedingt durch die Insellage Japans ist ...

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Bildquelle: Münzen Revue, Ausgabe 2/2020

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... seine Münzgeschichte spannend. Sie ist abhängig von Nachbarstaaten und weiterer Länder und kann nicht autonom betrachtet werden.

Seltene Münzen und seltenes Papiergeld, vor allem aus den Anfängen des japanischen Münzwesens, sind an jeder Auktion ein Highlight. Wer zum Beispiel eine ovale Riesengoldplatte aus dem Ende des l6. Jahrhunderts, ein sogenannter Oban, oder eine der ersten Banknoten im Angebot hat, wird bewundert.

Zu sehen sind all diese Raritäten in der Geldsammlung der Bank von Japan, die heute mit etwa 180.000 Münzen und Banknoten zur größten und bedeutendsten der Welt gehört.

Die ältesten japanischen Münzen, gegossen und nicht geprägt

Bedingt durch die Insellage hat Japan erst spät mit Geld Bekanntschaft gemacht und deshalb auch spät begonnen, Münzen herzustellen und als Tauschmittel zu verwenden. Japan übernahm erst im 8. Jahrhundert n. Chr. die Technik der Münzherstellung vom chinesischen Festland. Im Jahre 708 wurden die ersten japanischen Münzen in Silber und Kupfer unter der Bezeichnung „Wado Kaichin“ gegossen und ausgegeben. Die Wado-Kaichin-Silber- und Kupfermünzen waren etwa gleich groß. Der Wert der Silbermünzen betrug jedoch am Anfang das Vierfache, später das Fünfundzwanzigfache einer Kupfermünze.

Die geringe wirtschaftliche Entwicklung des Landes machte eigentlich die Einführung von Münzen nicht notwendig, so dass die Einführung des Geldes nur als eine Randerscheinung bei der Übernahme chinesischer Kultur zu verstehen ist. Die Regierung erließ zwar Gesetze, um die Verwendung von Geld anzuregen, doch blieb der Umlauf auf die damaligen Regierungszentren Nara und Kyoto beschränkt.

Etwa ein halbes Jahrhundert nach der Ausgabe des Wado Kaichin in Silber und Kupfer wurde 760 n. Chr. die erste Goldmünze in der japanischen Geschichte unter der Bezeichnung „Kaiki Schoho“ gegossen. Bemerkenswert ist, dass China selbst von Japan die Herstellung von Münzen gelernt hatte, das Goldmünzen noch nicht kannte. Ob die ersten japanischen Goldmünzen auch wirklich in Umlauf gesetzt wurden, ist der damaligen sozialen Verhältnisse wegen fraglich.

Bis Mitte des zehnten Jahrhunderts folgten etwa ein Dutzend Emissionen von Bronzemünzen, die nach der jeweiligen Epoche ihren besonderen Namen führen.

Die Bezeichnung der Münzeinheit war Sen, sie ist bis heute in Japan gebräuchlich. Der Umtausch von Münzen einer neuen Ausgabe gegen frühere erfolgte im Verhältnis 1:1. Charakteristisch waren das viereckige Loch in der Mitte der Münze und die Verwendung von Schriftzeichen für das Münzbild. Die Herstellung erfolgt – wie erwähnt – nach chinesischem Vorbild durch Guss in einer Form und nicht wie in Europa durch Prägung mit einem Stempel.

Der Oban, die größte Goldmünze der Welt

Nach 1588 wurde eine Goldmünze in ovaler Form herausgegeben. Sie trug die Bezeichnung Oban und blieb bis in die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Verkehr. Mit einem Gewicht von 165 g, einer Länge von 174 mm und einer Breite von 104 mm gehört der Oban zu den größten Goldmünzen in der Welt. Da Obane nicht maschinell hergestellt wurden, waren gewisse Abweichungen nicht zu vermeiden. Bevor die Oban-Münzen hergestellt wurden, benutzte man Goldbarren in einer dem Oban ählichen Form als Geld. Diese Goldplatten wurden in Stücke passender Größe geschnitten und der Wert nach dem Gewicht bestimmt. Dieses komplizierte Verfahren wurde durch die Ausgabe der Oban- Münzen 1588 beseitigt. Das Gewicht wurde bei 165 g gehalten, der Feingoldgehalt jedoch im Laufe der Zeit verändert. Auf der Vorderseite der für Oban-Münzen verwendeten Goldplatten wurden vier Stempel mit der kaiserlichen Kiriblume an den Rändern eingeschlagen und in der Mitte mit schwarzer Tusche der Wert 10 Ryo und der Name des Leiters der Münzstätte handschriftlich angebracht.

Seltsam ist, dass vom 10. Jahrhundert bis Anfang des 17. Jahrhunderts wegen der Isolierung Japans keine Kupfermünzen hergestellt wurden.

Münzgeld aus anderen Ländern

1858 gab Japan die Isolierungspolitik auf. Der Außenhandel weitete sich aus, und es kamen Silbermünzen aus verschiedenen Ländern nach Japan: z. B. der in Asien weit verbreitete mexikanische Dollar. Die ausländischen Silbermünzen im Gewicht von 27 Gramm wurden in Japan mit dem Stempel „Sanbu“ versehen; das bedeutet „drei Münzen von 1 Bu-gin“. Diese Maßnahme wurde getroffen, weil solche 27 g schweren Silbermünzen in ihrem Realwert drei Münzen von 1 Bu-gin, einer damals umlaufenden japanischen Münze, sehr nahe kamen. Die Stempelung wurde schon nach einem halben Jahr aufgegeben. Es versteht sich deshalb, dass die gegengestempelten mexikanischen Silbermünzen selten sind.

Andererseits liefen japanische Münzen auch im Ausland um, wo sie ebenfalls gegengestempelt wurden. Kobane aus Gold, ausgegeben ab 1601, flossen in großer Menge nach China und in die Niederlande, die damals die Haupthandelspartner Japans waren. Die Niederlande verwendeten derartige Münzen in Java ab 1680, nachdem man den Koban in der Mitte mit einem steigenden Löwen gegengezeichnet hatte. Diese Münze wiegt 18 g (Feingoldgehalt 15 g).

Jamada Hagaki – das älteste japanische Papiergeld

Die ersten Noten in Japan waren Einlagezertifikate privater Kaufleute, die sich auf ein kleines Gebiet beschränkten und auch nur eine kurze Umlaufzeit hatten.

Jamada Hagaki, ca. 1620 herausgegeben, ist das bekannteste Stück, das als erstes Papiergeld in Japan gilt. Der Umlauf dieser Scheine war auf ein bestimmtes Gebiet, nämlich auf Jamada, begrenzt. Jamada war eine Stadt, die der Sonnengöttin geweiht war, welche als Ahnherrin der japanischen kaiserlichen Familie angesehen wird. Die Verehrer der Sonnengöttin kamen aus allen Gegenden des Landes in Jamada zusammen. Die Geschäfte blühten, und es gab viele erfolgreiche Kaufleute. Die Jamada-Hagaki-Noten wurden in erster Linie von Großkaufleuten ausgegeben. Die Abbildung zeigt eine Note, von der man glaubt, dass sie den ältesten unter den heute noch vorhandenen Ausgaben (etwa 1620) entstammt. Die Vorderseite der Note zeigt ein einfaches Druckbild mit kleinen Rundstempeln oben und unten, das handgeschrieben in Tusche die Worte enthält „ein bestimmter Betrag Silber ist bei uns eingelegt worden“.

Später wurde das Recht zur Ausgabe der Jamada-Hagaki-Zertifikate den Gemeindeverwaltungen übertragen.

Im Jahre 1641 wurde die Einlösbarkeit in Goldmünzen verfügt, vorher waren sie gegen Silbermünzen ein tauschbar. Die Noten wurden laufend bis zum Ende der Edo-Zeit, also bis Mitte des 19. Jahrhunderts, herausgegeben.

5-Yen-Note 1872 (Deutsche Note) – Vorderseite


5-Yen-Note 1872 (Deutsche Note) – Rückseite


Ab 1661 gingen Lehensstaaten, Tempel, Gemeindeverwaltungen, Verbände, einflussreiche Kaufleute auch in anderen Provinzen des Landes dazu über, eigene Noten auszugeben. Die Geldscheine hatten daher bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts im Wesentlichen den Charakter einer örtlichen Währung. Das Geldwesen in Japan war damals schon vielfältig. Die meisten dieser Noten waren gegen Silbermünzen einlösbar, andere gegen Goldmünzen, andere wiederum in Kupfermünzen. Einige waren auch eintauschbar gegen Waren. Die Garantie der Einlösbarkeit gegen Ware war ein Mittel, um von der Zentralregierung die Erlaubnis für die Notenausgabe zu erhalten. Trotz ihrer Ähnlichkeit mit Warenzertifikaten stellten sie echte Noten, also Ersatz für Münzen, dar.

Die Belegschaft der ersten Münzstätte in Osaka, wo erstmals runde Münzen nach europäischem Vorbild geprägt wurden


Japanische Banknoten, in Deutschland gedruckt

1868, im Jahr der Restauration der Kaiserherrschaft, gab die neue Regierung erstmals staatliches Papiergeld als Umlaufgeld heraus. Die Drucktechnik war damals die beste, die man in Japan kannte. Weil jedoch von Hand gedruckt wurde, waren Fälschungen nicht zu vermeiden. Bereits 1870 wurde verlangt, das Druckbild anspruchvoller zu gestalten, um Fälschungen zu erschweren und das Druckverfahren wie in den westlichen Ländern anzuwenden.

Der damalige deutsche Gesandte in Japan bot dem japanischen Außenminister seine Vermittlung für einen Kontakt mit der Wertpapierdruckerei Dondorf & Neumann in Frankfurt an mit dem Ziel, die japanischen Banknoten in Deutschland herstellen zu lassen. Am 25. November 1870 war es soweit. Kagenori Ueno, der vom japanischen Finanzministerium nach Europa entsandt worden war, erzielte mit Dondorf einen Abschluss über den Druck von 76.540.000 Noten in neuen verschiedenen Nennwerten im Gesamtwert von 50 Millionen Yen.

Ab April 1872 wurden die neuen Noten in Japan in Umlauf gesetzt. Man nannte sie einfach die „Deutschen Noten“. Diese wurden der feinen Technik und des stilgerechten Aussehens wegen in Japan gerne akzeptiert.

Beide Seiten waren zweifarbig in einer Kombination von Hoch- und Tiefdruck ausgeführt. In Anlehnung an die älteren japanischen Banknoten wurde auch das Hochformat beibehalten. Diese neuen Noten aus Deutschland boten einen wesentlich besseren Schutz gegen Fälscher. Im September 1872 bestellte Japan weitere 106.600.000 Noten in sechs Nennwerten von ebenfalls 50 Millionen Yen.

Später war dann Japan selbst soweit, Banknoten herzustellen. Die Ausgabe von „Deutschen Noten“ wurde deshalb 1880 eingestellt. Die Ausgabe der in Deutschland hergestellten Noten hing mit der Einführung eines neuen Münzsystems in den Jahren 1870/71 zusammen, dessen Grundlage der dem US-Dollar gleichwertigen Silber-Yen = 100 Sen = 1000 Rin war. Gleichzeitig mit der Reform des Papiergeldwesens in Japan wurde in Osaka eine neue Münzstätte eingerichtet. Man prägte im Unterschied zu den in verschiedenen Formen gegossenen Geldstücken runde Münzen nach europäischem Vorbild.