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JAZZ


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Audio - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 15.07.2022
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Bildquelle: Audio, Ausgabe 8/2022

Intakt Records/Harmonia Mundi (CD)

Seit der Jazz Kunst sein will, hat er ein Problem mit dem Humor: Genie und Ironie sind konkurrierende Systeme bei Fragen der Deutung. Günter Sommer nennt sich noch immer „Baby“ und lacht dem Jazz-Bürger mit Hugo Balls Lautgedicht „Karawane“ ins Gesicht.

Auch das ist eigentlich Diskurs der 70er.

Macht nichts, denn der grundsatzanarchische Schlagzeuger hat mit den Lucaciu-Brüdern Enkel im Geiste gefunden.

Mit Altsax, Bass und Klavier folgen sie ihm unverkrampft-improvisationsoffen, aber gut orientiert und mental entspannt durch ein Dutzend Stücke zwischen Free und Form und intellektueller Gaukelei. Das hat Humor, Lust und ein bisschen Widerstand, schon weil hier keiner beweisen muss, wie gut er im Grunde spielen kann.

Ralf Dombrowski

✪ Zentralquartett, Chr. Muthspiels Jandl-Projekt

Jazz-CD DES MONATS

Float Music/Galileo (CD)

Johannes Ludwig (*1988) ist ein enorm aktiver ...

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... Musiker. Es würde eindeutig zu weit führen, hier seine sämtlichen Aktivitäten aufzuzählen, daher lediglich ein kurzer Überblick: Ludwig spielt nicht nur Saxofon und komponiert, er betreibt außerdem das Label Float Music, auf dem auch seine neue CD erscheint. Als Bandleader hat er rund ein Dutzend Alben herausgebracht, als Sideman war er an weit über 20 Werken beteiligt – eine reife Leistung in nur 15 Jahren. Auf „Vagabond Souls“ kulminiert nun sein Können. Dabei sind Gero Schipmann an der (Bariton-)Gitarre, Alex Parzhuber am Schlagzeug, Heidi Bayer (Trompete, Flügelhorn), Lisa Wulff (Bass) und unüberhörbar Philipp Brämswig, Gitarrist des Subway Jazz Orchestra. Die fünf Musiker fühlen sich erkennbar wohl mit Ludwigs Kompositionen, die mal grooviger („Fwe“), aber meist bedächtig sind („Never Seek“) und es sogar metallisch krachen lassen („Unexpected Exposure“).

Sebastian Schmidt

✪ Universal Congress Of: The Sad And Tragic Demise Of Big Fine Hot Salty Black Wind

Herzig Records/Soulfood (CD)

„Hey Blue, here is a song for you“ – Joni Mitchell widmete diese Zeile 1971 ihrem Freund und Liebhaber James Taylor. Eine der schönsten Balladen der kanadischen Extrastimme. Der Deutsch-Amerikaner Robert Summerfield eröffnet mit „Blue“ dieses Mitchell-Cover-Album mit acht Songs. Seine Stimme klingt anders und er gibt zu, dass Jonis Melodien „nicht leicht zu singen“ sind.

So stelle ihre originelle Phrasierung die größte Herausforderung dar. Zusammen mit dem Jazz-Pianisten Lars Duppler entstand eine reduzierte Interpretation mit eigener Couleur. Die Melodien strahlen leicht jazzig und werden von Denis Gäbels Saxofon umgarnt.

Zentrale Joni-Songs wie „Both Sides Now“, „Song To A Seagull“ oder „Blue Motel Room” schweben in fragiler Neuaufnahme ergreifend schön ins Ohr.

Willi Andresen

✪ Joni Mitchell: Blue (1971), Court And Spark (1974)

Edition Collage/Edel (CD)

Wie der Gitarrist Django Reinhardt die traditionelle Gitarrenmusik der Sinti und Roma mit dem Jazz verschmolz, wurde zum Vorbild für Generationen. So entstand eine Szene des Gitarren-Swing, die mit Rhythmus- und Sologitarre, Kontrabass und Geige das Flair von Seine und Bistros aufgriff. Wawau Adler zählt zu den besten dieses Fachs, sein Quartett ist dank jahrelanger Zusammenarbeit bestens eingespielt. Von der um den Gastgitarristen Denis Chang erweiterten Rhythmusgruppe getragen, kosten Adler sowie der Geiger Alexandre Cavaliere die Melodien von Kompositionen des Bandleaders und einiger Klassiker mit viel Gefühl aus. Indem Adler zwischendurch zur Elektrogitarre greift, modernisiert er das überlieferte Klangspektrum etwas.

Werner Stiefele

✪ Richard Galliano: New Jazz Musette

Gearbox/Membran (CD, LP)

Country meets Jazz meets Pop meets Heartland Rock: kann nicht gut gehen?

Doch – wie auf dem zweiten Album des Londoner Saxofonisten Binker Golding unter eigenen Namen. Der hat mit seinem Nu-Zivilisation Orchestra ein paar schwer verdauliche Alben veröffentlicht. Auch auf „Dream Like A Dogwood Wild Boy“ lässt er die Kanne ab und zu von der Leine, doch die Basis bleiben griffig-eingängige Meldodien und Harmonien, die seine vierköpfige Band (b, dr, g, key) flüssig-wohlschmeckend einschenkt, tolle Unisono-Passagen inklusive. Zuweilen rockt diese Instrumentalmusik so, dass man sie auch fernab des Fahrstuhls genießen kann. Gearbox ist für knackig klingende Produktionen und einwandfrei gefertigte LPs bekannt – hiermit bestätigt.

Lothar Brandt

✪ Candy Dulfer, Michael Brecker Klangtipp ab 4,5 Ohren

Klassik-CD DES MONATS

CPO (Box-Set: 4 CDs)

Beethoven schrieb mehr als die fünf kanonisierten Klavierkonzerte. Schon Czerny zählte das von ihm selbst umgearbeitete Violinkonzert op. 61 als Nr. 7, das Rondo WoO 6 dient oft als Zugabe, das feurige, nur als Klavierauszug überlieferte WoO 4 wurde oft orchestriert. Der Pianist Michael Korstick hat es sich von Hermann Dechant neu einrichten lassen – mehr Licht und Farben als bisher. Hier kommt das Allegro H15 hinzu, für das

Beethoven 256 Takte samt Orchestrierung skizzierte. Dieses hat Korstick dem Gesamteinspieler Howard Shelley voraus, der aber noch die (Chor-)Fantasie op. 80 und das Tripelkonzert mitlieferte.

Was Korstick und das detailsprühende ORF-Orchester auszeichnet, ist die tief durchdrungene Darstellung: Das Vierte hat man selten so wunderbar ausformuliert gehört, op. 61a noch nie so pianistisch mitreißend.

Lothar Brandt

✪ Beethoven: Sämtliche Werke für Klavier und Orchester, Howard Shelley (Chandos)

BR Klassik/Naxos (CD)

Ein Kaiser, der sich in seinem Palast einschließt, um besser regieren und Krieg führen zu können – die Kammeroper, die der in Auschwitz ermordete Viktor Ullmann im KZ Theresienstadt komponierte, ist als Kritik an der Sinnlosigkeit des Krieges auch angesichts des gegenwärtigen Kriegsschreckens zeitlos aktuell. Unter dem jungen Dirigenten Patrick Hahn erreicht das außerordentlich textverständliche Ensemble dramatische Zuspitzung der Handlung. Das Münchner Rundfunkorchester stellt die parodistischen Anspielungen und Zeitbezüge der Musik nach vorn, bringt aber auch die Schönheit der Partitur zum Leuchten. Eine spannende, berührende Live-Einspielung.

Miquel Cabruja

✪ Ullmann/Beeth.: Klavierkonz. op.25/op.3 (Oehms)

Hänssler Classic (CD)

Auf brave, häusliche „Frauenzimmer“-Musik ließ sie sich nicht einengen. Emilie Mayer (1812–1883), der „weibliche Beethoven“, eroberte lieber eine Männerdomäne: Sie komponierte Sinfonien. Zwei davon legt Marc Niemann mit der Philharmonie Bremerhaven nun vor. Emilie Mayers Stil ist zwar traditionell geprägt, aber hoch dynamisch und beflügelt von romantischem Geist. Die Sechste, hier in Ersteinspielung, fesselt unter Niemann mit vitalen Kontrasten – kraftvolle Rhythmik, fahler Trauermarsch, tröstender Choral. Die Dritte trägt den Beinamen „militaire“: Inspiriert von der Märzrevolution 1848, verströmt sie Aufbruchselan, aber auch mahnende Töne. Eine famose Entdeckung!

Otto Paul Burkhardt

✪ Johanna Kinkel: 32 Lieder, Schmithüsen, Palm (CPO)

Naxos (CD)

In seinen Choros bezieht sich Guarnieri nur indirekt auf den Mitte des 19. Jahrhunderts in Brasilien entstandenen Musikstil. Dreisätzig oder zumindest dreiteilig sind sie eher Konzerte für Soloinstrument und Orchester, in denen sich Kontrapunkt, tiefe Emotionen und tänzerische Ausgelassenheit verbinden. Vol. 2 der Gesamteinspielung stellt Choros, die zwischen 1956 und 1975 entstanden, dem von brasilianischen Perkussionsinstrumenten geprägten „Flor de Tremembé“ (1935) gegenüber. Die Solisten und das São Paulo Sinfonieorchester beleuchten unter Roberto Tibiriçá das lateinamerikanische Kolorit als auch die akademische Eleganz der Partituren.

Miquel Cabruja

✪ Guarnieri: Choros Vol. 1 (Naxos)

Capriccio/Naxos (CD)

Der in Prag geborene Hans Winterberg überlebte das KZ Theresienstadt und ließ sich in Bayern nieder. Dass er kaum bekannt ist, liegt auch daran, dass sein künstlerischer Nachlass bis 2015 im Archiv des Sudetendeutschen Musikinstituts unter Verschluss lag. Nun haben Johannes Kalitzke und das RSB seine Orchesterwerke brillant und absolut hörenswert eingespielt: Die Kriegsunheil vorausahnende Sinfonia drammatica (1936), das impressionistischsinnliche Klavierkonzert Nr. 1 (1948, Solist: Jonathan Powell) und die von komplexer Polymetrik geprägte Rhythmophonie (1966/67) sind Beispiele einer Komponistenkarriere, die unbedingt Beachtung verdient.

Miquel Cabruja

✪ Winterberg: Kammermusik Vol. 1 (Toccata)