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Jeden Monat: Buchclub!


Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 05.02.2020

Ein Buch gemeinsam lesen und darüber reden: Literaturkreise sind beliebt wie nie. Weil man tiefer eintaucht in die Geschichten. Mit anderen diskutiert, fragt, weiterdenkt


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Bildquelle: Frau im Leben, Ausgabe 3/2020

Bis heute ist die 56-jährige Kerstin Hämke aus Bad Honnef ihrer Freundin dankbar. „Du liest doch so gern! Komm vorbei!“, sagte die vor 20 Jahren und lud Kerstin als Gast in ihren Buchclub ein: 15 Frauen und ein Buch, das alle gelesen hatten, um darüber zu reden. Nach dem Abend wusste Kerstin Hämke: „Das will ich auch!“ Weil ihr die Runde der Freundin zu groß war, gründete sie ihren eigenen Buchclub. Um ihre Begeisterung fürs Lesen zu ...

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... teilen, um die Geschichten nachwirken zu lassen – und auch um zu erfahren, was andere darüber denken.

Kerstin Hämke, die damals als Marketing-Spezialistin in einem Großkonzern arbeitete, fragte eine Kollegin, die ebenfalls gern las. Die war begeistert und gab die Idee weiter an lesehungrige Nach barinnen, Kolleginnen und Bekannte. Das war 2001.

Lesen, kochen, essen

Inzwischen sind sie zu acht und treff en sich alle sechs bis sieben Wochen, die Termine werden schon im Januar festgelegt. Jedes Mal lädt ein anderes Mitglied ein und kocht – die zweite Leidenschaft, die der Buchclub teilt. Wenn es passt, werden Essen und Deko auf die Lektüre abgestimmt.

Zu Beginn sagt jede reihum, wie ihr das Buch gefallen hat. „So haben wir schnell genug Aspekte zum Diskutieren“, erzählt Kerstin Hämke, die ihr Hobby inzwischen zum Beruf gemacht hat: Sie hat ein Buch über Literaturzirkel geschrieben („Ein gutes Buch kommt selten allein“, Kiepenheuer & Witsch, 15 Euro) und betreibt eine Ratgeberplattform für Lesekreise. Auf www.mein-literaturkreis.de gibt sie Tipps für erfolgreiche Treff en.


„Das Tollste? Man entdeckt Bücher, auf die man selbst nie gekommen ware“
Stephanie Kmitt


Ist es das erste Buch des Autors oder bereits das fünfte? Gibt es Infos über den Schriftsteller, die helfen, die Handlung besser zu verstehen? Aus welchem Land, aus welchem Milieu kommt er? Die Frauen des Lesezirkels beleuchten gern die Hintergründe des aktuellen Buchs, sie recherchieren, tauschen Rezensionen in Zeitungen aus. „Wir markieren wichtige Passagen und notieren Fragen dazu – jede macht das ein bisschen anders.“

Entscheidend aber ist: Nach dem Abend kennen alle das Buch besser – und sich selbst. „Durch die Bücher haben wir viel voneinander erfahren“, sagt Kerstin Hämke. Weil jede Geschichte irgendwann zu privaten Fra gen führt und weil die Bücher so unterschiedlich sind, wie die Frauen, die sie vorschlagen.

Vom Buch zum Privaten

Für Stephanie Kmitt (52) aus München ist das der größte Gewinn ihres Buchclubs: „Dass ich Bücher lese, die ich mir selbst nie ausgesucht hätte. Und dadurch oft Großartiges entdecke!“ Dass sie sich dafür manchmal durchbeißen muss, nimmt die PR-Managerin gern in Kauf. Einen Joker gibt es pro Jahr. Wer ihn einlöst, muss das Buch nicht lesen, wenn er keine Zeit hat oder partout nichts mit dem Thema anfangen kann. Seit 2011 triff t sich Stephanie mit fünf Frauen zu Buchbesprechungen – gegründet wurde der Literaturclub an der Wursttheke im Supermarkt. Zwei Freundinnen stellten in der Warteschlange zufällig fest, dass sie gerade das gleiche Buch lasen. Sie waren begeistert, vergaßen die Wurst und nach ein paar Minuten kannte der ganze Laden die Geschichte des Romans. „Das können wir gemütlicher haben“, beschlossen sie und luden zum ersten Buchabend. Seitdem gibt es alle acht Wochen reihum ein Treff en – mal mit Chips und Gummibärchen, mal mit Menü passend zum Buch, das macht jede, wie sie will. Auch gelesen wird querbeet. „Wir hatten auch schon Klassiker von Goethe, aber meistens wählen wir doch Romane zeitgenössischer Autoren aus“, erzählt Stephanie Kmitt. Einzige Bedingung: Die Geschichte muss als Taschenbuch oder in der Bücherei erhältlich sein.


„Wenn ich ein Buch lese, fange ich an zu recherchie ren. Dann will ich wissen, wie das in Wirklichkeit war“
Sabine Sopha


Romane aus Irland

Zwischendurch gibt’s auch Romane aus oder über Irland, weil eine der Mitleserinnen dort geboren wurde, aber von Anfang an tapfer alle Bücher auf Deutsch gelesen hat. Anne zu Ehren heißt die Runde deshalb auch irisch-korrekt: Book Club. „Tatsächlich sind Bücher, die allen gefallen, nicht die besten zum Diskutieren“, stellt Stephanie Kmitt immer wieder fest. „Wenn die Geschichte keine kontroversen Meinungen auslöst, ist die Gefahr groß, dass wir schnell bei ganz banalen Alltagsthemen landen.“ Das stört die, die lieber übers Buch sprechen wollen. Manche Clubs entscheiden sich deshalb für eine feste Struktur mit Fragen und Vorträgen oder einen Moderator. Das kann helfen, bei der Sache zu bleiben.

Am wichtigsten aber ist ein fesselndes Buch. „Charaktere und Themen, an denen man sich reiben kann, sind das Beste, was einem Buchclub passieren kann“, weiß Sabine Sopha (61). Sie leitet den Literaturkreis in Sehestedt, einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein. Obwohl das Dorf nur 800 Einwohner zählt, haben sich dort vor zwei Jahren auf Anhieb neun Frauen und ein Mann gefunden, um über Bücher zu sprechen: Krimis und Romane, die entweder in Schleswig- Holstein spielen oder von einem dortigen Autor geschrieben wurden. Jeden zweiten Dienstag im Monat triff t sich die Runde im Gemeinderaum zum Austausch. Journalistin Sabine Sopha, die sich auch beruflich mit dem Thema befasst und über Bücher aus der Region schreibt, moderiert den Kreis. Unterstützt wird sie dabei von Quotenmann Georg Moll.

Über das Leben gelernt

Jeder Teilnehmer hat drei bis vier Bücher im Gepäck und stellt sie kurz vor. Abgestimmt wird demokratisch, diskutiert leidenschaftlich. Zum Beispiel über Heike Denzaus „Dunkle Marsch“: eigentlich ein Krimi, in dem es aber auch um ein Mädchen mit Down-Syndrom geht – und die Verbrechen der Nazis. „Die meisten Bücher haben ein Thema, über das es sich zu reden lohnt“, hat Sabine Sopha für sich festgestellt. „Weil man für den Buchclub nicht nur zur Unterhaltung liest, sondern viel reflektierter.“ Sie jedenfalls hat in den zwei Jahren Buchclub eine Menge über das Lesen gelernt. Und über das Leben.

Lesen im Team

Rund 70 000 Buchclubs gibt es in Deutschland – Tendenz steigend. Ein paar Tipps für Einsteiger

Buchclub finden: In private Lesekreise kommt man oft nur schwer rein – am besten über Freunde und Bekannte. Perfekt zum Reinschnuppern sind dagegen öffentliche Lesekreise von Volkshochschulen, Literaturhäusern, Kirchengemeinden oder Bibliotheken: Wer will, kommt unverbindlich vorbei.

Buchclub gründen: Am unkompliziertesten lassen sich Leseratten im Freundeskreis rekrutieren. Etwas bunter wird die Mischung, wenn man sich über einen Aushang im Buchladen findet; sechs bis acht Leute sind eine gute Größe. Tipp für das erste Treffen: Jeder stellt sein Lieblingsbuch vor. Alles andere lässt sich verhandeln: Wie oft wollen wir uns treffen? Welche Bücher lesen?

Buchclub moderieren: Öffentliche Lesekreise werden meistens moderiert, weil die Gruppen größer sind und die Teilnehmer sich nicht so gut kennen. Privat geht es auch ohne: Wenn jeder den anderen ausreden lässt und mal der eine, mal der andere die Hintergrundinformationen recherchiert.

Buchclub füttern: Lesestoff muss fesseln. Polarisierende Charaktere sind prima. Die einen finden das Buch furchtbar und die anderen grandios? Das belebt die Runde! Es muss kein Bestseller sein, Hauptsache, die Sprache ist gut. Tipps geben Buchhändler, Verlagsportale für Lesekreise (z. B. die Internetseiten von Diogenes, Hanser und dtv) sowie Literaturmagazine.


Fotos: PR (3), privat (2), Selina Pfrüner; Illustrationen: Getty Images / frimages, Shutterstock.com