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”JEDER HATTE ANGST VOR BOLLETTIERI


tennisMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 90/2019 vom 16.08.2019

Der US Open-Halbfinalist von 1983,Jimmy Arias (55) , ist nach Jahren als TV-Experte und College-Trainer Leiter der IMG-Academy in Bradenton. Im Interview erklärt der ehemalige Weltranglistenfünfte seine neue Aufgabe, spricht über US-Talente und eine impulsive Begegnung mit Andre Agassi


Artikelbild für den Artikel "”JEDER HATTE ANGST VOR BOLLETTIERI" aus der Ausgabe 90/2019 von tennisMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: tennisMAGAZIN, Ausgabe 90/2019

ZURÜCK ZU DEN WURZELN: Seit Herbst 2018 ist Jimmy Arias Direktor der IMGAcademy in Bradenton.

Seit 30 Jahren war ich nicht mehr in Europa“, sagt Jimmy Arias, als wir uns während der French Open den Weg in den engen Gassen in Richtung Spielerrestaurant freischlagen. Er sei damals als Profi genug gereist. 1983 und 1984 galt er mit 19 als kommender Superstar. Doch an die starken Leistungen konnte einer der ersten ...

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... Schützlinge von Nick Bollettieri nicht anknüpfen. Mittlerweile ist er sein Nachfolger – und hat genaue Vorstellungen.

Jimmy Arias, als Direktor an der IMGAcademy sind Sie hauptverantwortlich für die Spielerentwicklung: Wie wollen Sie Ihre US-Talente beeinflussen, was ändern Sie?
In der Vergangenheit lag der Fokus in Bradenton ganz stark auf der Technikschulung und fast ausnahmslos auf der Verbesserung der spielerischen Elemente. Ich möchte aus meiner Erfahrung als College-Trainer (Arias war Assistenztrainer an der Universität in South FloridaAnm. d. Red. ) noch den Wettbewerb und die Individualität fördern. Seit ich da bin, spielen die Jugendlichen viel mehr Matches und erhalten direktes Trainer-Feedback während der Matches inklusive Videoaufnahmen. Wir wollen den Kids nicht nur beibringen, wie man schön spielt, sondern ebenfalls, wie man mit den richtigen Spielzügen Punkte und Matches gewinnt.

Sie waren einer der ersten Schüler in dieser Akademie, die der legendäre Nick Bollettieri aufgebaut hat. Hätten Sie damals für möglich gehalten, dass Sie eines Tages seinen Job übernehmen würden?
Nein, diesen Gedanken hatte ich niemals. Damals dachte ich ausschließlich daran, wie ich die Nummer eins der Welt werde und 100 Millionen Dollar verdiene – nun, das hat nicht ganz geklappt (lacht ). Glücklicherweise war ich nach meiner Karriere in der Lage, mit meinen Jobs als Tenniskommentator mir ein gutes Leben zu ermöglichen. Aber ich mag es, Training zu geben – und vor allem hier in Bradenton etwas zurückzugeben. Ich lebe seit 1978 in oder nach der Karriere in der Umgebung der Academy. Da musste ich nicht lange überlegen, ob ich den Job annehme.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Nick Bollettieri?
In den Anfangsjahren Ende der 70er hatte eigentlich jeder Schüler Angst vor Nick. Er war sehr hart zu uns, hat regelmäßig geschrien. Seine Venen sind dabei fast geplatzt (schmunzelt ). Ich war so ziemlich sein erster, ambitionierter Schüler. Ich komme aus der Nähe New Yorks und war auf Tennis-Urlaub in Florida. Nick hatte noch keine richtige Akademie, machte Clubarbeit. Eines Tages sah er mich spielen, kam auf den Platz gerannt, scheuchte alle anderen weg und begann, mit mir zu trainieren. Danach war ich leicht zu überzeugen, zu ihm zu ziehen. Heute sind wir befreundet. Ich habe den Eindruck, dass er meine Arbeit an der Akademie wertschätzt. Dabei verdient er die Wertschätzung.

Wie hat sich die Akademie seit der Anfangszeit verändert?
Zunächst hatte Nick ein Hotel mit zwei Tennisanlagen. Als es immer besser lief, hat ihm jemand mehr als zwei Millionen Dollar bereitgestellt, um eine Akademie zu verwirklichen. In den Jahren danach wurde alles größer, besser – das gilt noch heute auch für mittlerweile andere Sportarten. Das einzige, was zu meiner Zeit besser war: Wir hatten die Top 20 des Landes in Bradenton zentriert. Nach mir sind nach und nach die besten meines Alters dort hingezogen. Es war dermaßen kompetitiv, fast alle haben es später in die Top 100 gepackt.

Wie war und ist Ihr Verhältnis zu Spielern wie Jim Courier oder Andre Agassi?
Mit Andre habe ich die letzten 20 Jahre nicht wirklich viel gesprochen. Aber als wir in der Akademie aufgewachsen sind, hatten wir ein gutes Verhältnis. Ich habe ihn mal angeschrien, da war er vielleicht 14 Jahre alt und ich war in der Weltklasse angelangt. Ich tat das damals, weil er seinen Trainingspartner nicht gut behandelte. Er nahm die Kritik gut an und wurde ein richtig anständiger Kerl. Ein paar Aussagen in seiner Biografie dagegen empfand ich als respektlos gegenüber anderen Spielern. Mit Jim Courier habe ich nach der Karriere noch viel zu tun – zunächst auf der von ihm mitorganisierten Seniors Tour und dann bei unserer Arbeit für den US-Tennis Channel.

Trainieren Sie in Bradenton gerade vielleicht mit dem nächsten Agassi?
Heutzutage ist es so viel schwerer, Profi zu werden und es dann ganz nach oben zu schaffen. Die Tennis-Fertigkeiten haben viele Spieler. Die technische Ausbildung weltweit ist top. Auf der mentalen, kompetitiven Ebene arbeiten wir viel mit den Junioren. Wir haben mit Martin Damm und Toby Kodat (Sohn des ehemaligen tschechischen Doppelspezialisten Ales KodatAnm. d. Red .) zwei US-Boys in den Top 10 der Junioren-Weltrangliste, die bei uns trainieren und das Zeug dazu haben. Dazu begleiten wir den Japaner Shintaro Mochizuki, die Nummer eins in der Rangliste. Seine Übersicht ist herausragend.

Boris Becker war seiner Zeit einer der mental stärksten Spieler. Sie konnten ihn 1987 in Monte Carlo schlagen. Wie war das?
Einige Wochen später nach meinem glatten Erfolg besiegte er mich nach Satzrückstand im Achtelfinale der French Open. Am Netz tauscht man dann ja normalerweise ein nettes Wort miteinander aus. Nicht so Boris. Er stapfte ans Netz, schaute grimmig und sagte: „Jetzt steht es 1:1 zwischen uns.“ Ich antwortete etwas perplex: „Ja, da hast du recht.“ Dieses Siegergen fehlte mir. Deswegen hat Boris viel mehr gewonnen. Ich konnte diese mentale Stärke nicht so konstant abrufen.