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„Jeder soll auf dem Grasbrook leben wollen und leben können“


Unser Hafen - epaper ⋅ Ausgabe 3/2018 vom 06.06.2018

Er ist Mr. HafenCity, hat erfolgreich Hamburgs Vorzeige-Stadtteil großgezogen – jetzt mussJÜRGEN BRUNS-BERENTELG sich um das nächste städtebauliche Baby kümmern. Der Chef der HafenCity GmbH sprach mit uns über die Entwicklung des Kleinen Grasbrooks.


Herr Bruns-Berentelg, wird der Kleine Grasbrook eine zweite HafenCity?
Jürgen Bruns-Berentelg: Der Grasbrook wird ein ganz eigenständiger Stadtteil – allerdings mit ein paar Gemeinsamkeiten. So wird auch beim Grasbrook das Warftprinzip als Hochwasserschutzkonzept verfolgt. Auch die Bebauungsdichte wird ähnlich sein. In ganz Hamburg gibt es wegen der ...

Artikelbild für den Artikel "„Jeder soll auf dem Grasbrook leben wollen und leben können“" aus der Ausgabe 3/2018 von Unser Hafen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Unser Hafen, Ausgabe 3/2018

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Herr Bruns-Berentelg, wird der Kleine Grasbrook eine zweite HafenCity?
Jürgen Bruns-Berentelg: Der Grasbrook wird ein ganz eigenständiger Stadtteil – allerdings mit ein paar Gemeinsamkeiten. So wird auch beim Grasbrook das Warftprinzip als Hochwasserschutzkonzept verfolgt. Auch die Bebauungsdichte wird ähnlich sein. In ganz Hamburg gibt es wegen der Nachverdichtung ein hohes Konfliktpotenzial. Wenn wir einen neuen Stadtteil bauen, muss dieser – gerade für den Wohnungs-und Arbeitsmarkt – eine entlastende Wirkung haben.
Das klingt nach wenig Grünflächen…
Keinesfalls. Auf der Nordseite des Kleinen Grasbrooks werden wir die Uferzone zum Park umgestalten und es wird entlang der Elbe eine breite grüne Promenade geben. Wir werden die privaten Bauherren dazu verpflichten, Wohn-und Bürogebäude mit grünen Dächern und Aufenthaltsflächen zu bauen. Es soll die Anforderung geben, dass man überall mit dem Fahrstuhl aufs Dach fahren kann. Und natürlich sollen die Dächer auch mit Solarzellen für Mieterstrom ausgestattet, also auch ‚energetisch grün‘ sein.
Parkanlagen kann man ohne Weiteres aufs Dach legen, richtig. Aber wie sieht es mit dem Verkehr aus? In der HafenCity gibt es große Durchgangsstraßen, die viel Platz einnehmen. Auf dem Kleinen Grasbrook auch?
Wir werden im Stadtteil Grasbrook eine viel intimere verkehrliche Situation haben. Auf dem Grasbrook gibt es keine vierspurigen Durchgangsstraßen, da er nicht auf dem Weg zur Innenstadt liegt. Daher wird der Grasbrook weniger vom Straßenraum dominiert. In der HafenCity ist der Durchgangsverkehr viel größer, der Lkw-Anteil auf den Straßen liegt bei rund acht Prozent.
Wie wird das Straßennetz dann aussehen?
Im Stadtteil Grasbrook werden wir die Chance nutzen, ein intelligentes Konzept für die Verkehrsinfrastruktur zu entwickeln. Ein Großteil der Straßen wird als Anliegerstraßen auf Tempo 30 beschränkt. Und wir sollten darüber nachdenken, stärker mit Einbahnstraßen zu arbeiten. In Zukunft wird es einen großen Anteil autonomer Fahrzeuge geben, dadurch verändert sich auch das Parkverhalten. Die Menschen fahren nicht mehr selbst in die Tiefgarage, sondern verlassen das Fahrzeug häufig schon auf der Straße. Damit der fließende Verkehr dort nicht eingeschränkt wird, brauchen wir ein anderes Straßenkonzept – möglichst ohne Gegenverkehr.

Zur Person:

Jürgen Bruns-Berentelg ist seit 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH. Davor war er bei diversen britischen, amerikanischen und deutschen Immobilienfirmen in leitender Position tätig. Jürgen Bruns-Berentelg studierte Geografie und Biologie und ist derzeit auch als Professor für Integrierte Stadtentwicklung an der HafenCity Universität tätig.

Trotz Hafen-und Industrie-Nähe? Der Lärm könnte ein Problem sein.
Wir haben in unmittelbarer Nähe keine lauten Produktionsstätten. Im Hafenbereich gibt es dagegen eine Bananenreiferei und eine Autoverladung. Zudem planen wir einen Gewerbegürtel zwischen Hafen-und Wohn-Areale zu legen, zum Beispiel auf der Südseite des Moldauhafens .
Das wirkt?
Das funktioniert wie ein Lärmpuffer. Damit macht uns der Hafenlärm keine großen Probleme. Schwierigkeiten macht uns hingegen der Bahnbetrieb auf den Elbbrücken. Der generiert einen enormen Lärmpegel, nachts beträgt der Lärm mehr als 70 Dezibel. Das ist gesundheitsgefährdender Lärm, der nur mit Bürogebäuden als Schutz für die Wohngebäude und eventuell zusätzlich mit Lärmschutzwänden abgehalten werden kann.
Sie sprechen die Bahn selbst an. Wie wird der neue Stadtteil Grasbrook ans Schnellbahn-Netz angeschlossen?
Zunächst wird es eine Busverbindung, voraussichtlich mit selbstfahrenden Bussen zur U-und S-Bahn-Station Elbbrücken geben. Eine U-Bahn-Trasse in Richtung Süden wird frei gehalten. Ob die U4 in Richtung Süden zügig verlängert wird, hängt u.a. von der Finanzierbarkeit der Elbquerung ab. Bedarf für eine U-Bahn-Anbindung gibt es, und es ist viel kostengünstiger sie vor der eigentlichen Bebauung zu realisieren.
Aber in Wilhelmsburg wird doch massiv gebaut.
Das neue Wohn-Areal, das durch die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße entsteht, liegt aber bereits im Einzugsbereich der S-Bahn. Für eine verlängerte U-Bahn-Anbindung in den Süden müsste die Belastbarkeit der Wohnungsentwicklung abseits der S-Bahn-Trasse hergestellt sein. Für den Kleinen Grasbrook gilt, dass nach dem Aus für Olympia die zügige Realisierung wahrscheinlicher werden kann.

Was bedeutet das Olympia-Aus?

Was hat die Olympia-Bewerbung damit zu tun?
Damals durfte die U-Bahn nicht gebaut werden, weil sie zu nahe an den Olympischen Einrichtungen vorbeigekommen wäre. Sie hätte erst nachträglich realisiert werden können.
Klingt so, als wäre es gut, dass der Kleine Grasbrook ohne Olympia entwickelt wird.
Zunächst einmal glaube ich, dass Hamburg mit Olympia eine große Chance verpasst hat. Doch intelligente Stadtentwicklung hängt nicht von Olympia ab, sie ist auch ohne die Katalysatorwirkung eines großen Events möglich.


Fotos: Hosoya Schaefer Architects; Quandt