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Jeep Grand Cherokee: DER NOTARZT UND SEIN NEF


Rettungsmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 28.02.2020

Wer sein Einsatzfahrzeug 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, auf Abruf besetzt, muss seine Aufgabe mehr als Berufung denn als Beruf sehen. Das eigene Einsatzfahrzeug ist dann automatisch mehr als ein reines Arbeitsgerät.


Artikelbild für den Artikel "Jeep Grand Cherokee: DER NOTARZT UND SEIN NEF" aus der Ausgabe 2/2020 von Rettungsmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Rettungsmagazin, Ausgabe 2/2020

286 PS (210 kW) besitzt das Kinder-NEF, um das zusätzliche Gewicht der Ausstattung zu kompensieren.


Dr. Ingo Böhn ist nahezu täglich als Kindernotarzt im Einsatz. Sein eigenes Einsatzfahrzeug steht dafür stets startbereit vor der Haustür - entweder daheim in Waldsee (Rhein-Pfalz-Kreis) oder vor seiner Kinderarztpraxis in Mutterstadt. Dass Dr. Böhn auch während einer laufenden Behandlung ...

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... in der Praxis ausrückt, daran sind seine Patienten bereits gewöhnt.

Dass Dr. Böhn das Kinder-NEF heute allein besetzt, war seinerzeit nicht geplant. Ursprünglich gab es Überlegungen, das Fahrzeug auch durch andere Kinderärzte zu besetzen. Die Idee hat sich zerschlagen. Geblieben sind aber die vollumfängliche Vorhaltung und Integration in die Ressourcen, die der Rettungsleitstelle Ludwigshafen zur Verfügung stehen.

ca. 500 Notfalleinsätze übernimmt der Kinder-Notarzt pro Jahr.

So kommt es, dass der Kinderarzt mittlerweile parallel zu seiner Praxis pro Jahr zirka 500 Notfalleinsätze fährt - rund um die Uhr und an fast jedem Tag im Jahr. Nur bei einem privaten Urlaub wird das Fahrzeug außer Dienst genommen. Das bedeutet nicht nur ein hohes Maß an psychischer und physi- scher Belastung, sondern auch viel Verständnis seitens der eigenen Familie. 2018 wurde ihm aufgrund seiner Verdienste als ehrenamtlich tätiger Kindernotarzt und seines herausragenden bürgerschaftlichen Engagements die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.

Auch für Erwachsene im Einsatz

Von den rund 500 Einsätzen entfallen etwa 60 Prozent auf Kindernotfälle, der Rest sind Notarztindikationen bei Erwachsenen. Zu diesen Notfällen wird Dr. Böhn alarmiert, wenn sich das reguläre Notarzteinsatzfahrzeug bereits in einem Einsatz befindet.

Das Einsatzgebiet für Kindernotfälle erstreckt sich überwiegend in einem Umkreis von 30 Kilometern um Speyer. Allerdings kommt es regelmäßig zu Anforderungen aus dem Bereich der Nachbarleitstellen Kaiserslautern, Südpfalz oder Karlsruhe.

Dass das Fahrzeug einmal solch eine Einbindung in den Regelrettungsdienst erhalten würde, war anfänglich nicht abzusehen. Ende der 1990er-Jahre hatte sich Dr. Böhn Gedanken darüber gemacht, wie die pädiatrische Versorgung von Kindern auch im ländlichen Raum verbessert werden könnte. Seine eigene Erfahrung im Rettungsdienst spielte dabei eine große Rolle. Schon als Jugendlicher engagierte sich der heutige Kinderarzt ehrenamtlich im Rettungsdienst. Vor seinem Medizinstudium besetzt er zeitweise hauptamtlich einen Rettungswagen.

„Kindernotfälle stellen sowohl für Rettungsdienstmitarbeiter als auch Notärzte immer eine hohe psychische Belastung dar“, weiß Dr. Böhm. „Kinder sind eben keine kleinen Erwachsene, und die Unsicherheit bei der Behandlung junger Notfallpatienten ist auch bei Ärzten nach wie vor verbreitet“, sagt Dr. Böhn. „Hier wollte ich ansetzen.“

Als Defibrillator/EKG-Einheit werden ein Corpuls³, für die Sauerstoffversorgung ein Medumat 100 Transport genutzt.


Technische Daten

Förderverein finanziert das Kinder-NEF

Nachdem der Mediziner in den 1990er-Jahren in Mannheim ein Kinder-NEF mitinitiiert hatte, wollte er dies nach seinem Wechsel an eine Klinik in Speyer auch dort ins Leben rufen. Daraufhin wurde der Förderverein Kindernotarztwagen gegründet und nach Spendern und Unterstützern gesucht. Die Initiative wurde auch von der Politik und Verwaltung sehr positiv aufgenommen, sodass die Pläne in die Realität umgesetzt werden konnten.

2001 war es dann soweit: Der Förderverein konnte das erste Kinder-NEF auf einem VW T4 in Dienst stellen. Seitdem finanziert und unterhält der Förderverein das Fahrzeug. Wegen des Rettungsdienstgesetzes in Rheinland-Pfalz wird es offiziell aber vom DRK Ludwigshafen betrieben.

Dem ersten VW T4 folgten im Laufe der Jahre drei VW T5. Da Dr. Böhn allerdings mit dem letzten Fahrzeug qualitativ nicht zufrieden war und auch der Reifenverschleiß überproportional stark zugenommen hatte, sahen sich die Verantwortlichen nach einem neuen Fahrgestell um. Die Entscheidung fiel für ein Geländewagen- bzw. SUVFahrgestell. Aufgrund des Preis-Leistungs-Verhältnisses machte 2017 der Jeep Grand Cherokee das Rennen.

Aufgrund des Preis-Leistungs-Verhältnisses machte 2017 der Jeep Grand Cherokee das Rennen.


Die medizinische Ausstattung wurde in den letzten Jahren immer weiter verfeinert und auf Basis mehrerer tausend Einsätze auf die Bedürfnisse eines Kinder-NEF optimiert. Ursprünglich wurde beispielsweise ein getrenntes Rucksacksystem für Kinder und Erwachsene genutzt. Heute ist nur noch ein Rucksack an Bord, der so weit optimiert worden ist, dass mit seinem Inhalt Groß und Klein versorgt werden können.

Ausschlaggebend für das Ein-Rucksack-System war ein Einsatz, bei dem Dr. Böhn mit seinem Equipment hunderte Meter laufen musste. Vor Ort stellte sich dann heraus, dass der Patient kein Kind, sondern ein Erwachsener war. Mit dem falschen Material am Einsatzort zu sein, wollte Dr. Bohn kein zweites Mal erleben.

Als Defibrillator/EKG-Einheit werden ein Corpuls³, für die Sauerstoffversorgung ein Medumat 100 Transport genutzt. Ergänzt wird die Ausstattung durch Möglichkeiten zur Blutgasanalyse und spezielle pädiatrische Medikamente.


„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“


Dr. Ingo Böhn Kinder(-not)arzt

286-PS-Maschine

Beschafft wurde das Fahrzeug von einem Jeep-Händler in Fulda (Hessen). Er konnte bereits Erfahrungen mit anderen Sonderfahrzeugen auf diesem Fahrgestell vorweisen. Deshalb empfahl der Händler auch eine stärkere Maschine: Statt der regulären 250 PS (184 kW) besitzt das Kinder-NEF 286 PS (210 kW), um das zusätzliche Gewicht der Ausstattung zu kompensieren. Zudem wurde eine Brembo-Hochleistungsbremse eingebaut, wie sie üblicherweise sonst nur das Jeep-Topmodell, der 468 PS (344 kW) starke Cherokee SRT, besitzt.

Die medizinische Ausstattung wurde in den letzten Jahren immer weiter verfeinert und auf Basis mehrerer tausend Einsätze optimiert.


Auch beim Ausbau und der Installation der mehr als umfangreichen Sondersignalanlage ging man ungewöhnliche Wege. Die Firma Weippert Elektronik aus Darmstadt realisierte sowohl den Innenausbau als auch den Einbau der gesamten Sondersignalanlage.

Beim Ausbau wurden die Maße des Kofferraums optimal genutzt. Der gesamte Heckausbau ist beispielsweise als Auszug konzipiert. Alle Ausrüstungsgegenstände lassen sich dadurch gut erreichen bzw. entnehmen. Dazu gehört auch das zentrale Elektrofach.

Wie für ein Fahrzeug aus US-Produktion üblich, verfügt der Jeep über ein Automatikgetriebe, besitzt Allradantrieb und hat neben der standardmäßigen Klimaautomatik noch Annehmlichkeiten wie Lenkradheizung und elektrisch verstellbare Ledersitze zu bieten. Als Funkanlage sind sowohl ein Analoggerät als auch Digitalfunk verbaut.

Gehör verschafft sich das Fahrzeug mit verdeckt eingebauten Elektrohörnern sowie Pressluftfanfaren der Firma Martin. Für die optische Wirksamkeit sind auf dem Dach zwei Dachbalkensysteme Whelen Ultra Freedom verbaut, vier Frontblitzer Standby BL88-E Bulls Eye sind hinter dem Kühlergrill zu finden. Vier Intersectionlights Standby BL88-E Bulls Eye blinken zudem in den Außenspiegeln sowie an den Seiten der Stoßstange.

Öfters schon wurde Dr. Böhn gefragt, warum sein Jeep sowohl vorne als auch hinten je einen Blaulichtbalken auf dem Dach trägt. Seine verschmitzte Antwort: „Weil ein dritter Balken nicht aufs Dach gepasst hat.“ So ist das eben, wenn der Beruf eine Berufung und das Einsatzfahrzeug mehr als ein Arbeitsgerät ist.

UNSER AUTOR: Alexander Kup (Text und Fotos)

Informationen

Mehr über den Förderverein Kindernotarztwagen und das Kinder-NEF finden Sie im Internet unter www.kindernotarzt.org/