Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

JENSEITS DER ANGST


The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 14.07.2020

Die kanadische Höhlentaucherin JILL HEINERTH, 55, erforscht Orte, die weniger Menschen besucht haben als die Oberfläche des Mondes. Das ist zwar irre gefährlich, aber auch wahnsinnig schön.


Artikelbild für den Artikel "JENSEITS DER ANGST" aus der Ausgabe 8/2020 von The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe, Ausgabe 8/2020

Selfie: Höhlentaucherin Jill Heinerth testet einen „Rebreather“ - ein System zur Wiederaufbereitung von Atemluft. Das erlaubt deutlich längere Tauchgänge.


Lockruf der Tiefe und des Ungewissen

In dieser Höhle unterhalb der mexikanischen Halbinsel Yucatán („The Pit“) hatte Jill Heinerth im Jahr 2000 einen Tauchunfall, der fast ihre Karriere beendete. Warum sie dennoch immer wieder hinuntermuss? „Es gibt keinen größeren ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,09€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2020 von WILLKOMMEN GENERATION OUTDOOR. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
WILLKOMMEN GENERATION OUTDOOR
Titelbild der Ausgabe 8/2020 von METRONOMY: Hits mit grünem Daumen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
METRONOMY: Hits mit grünem Daumen
Titelbild der Ausgabe 8/2020 von DER CLUB DERTOTEN DENKER: Wie klappt das zwischen Männern und Frauen?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DER CLUB DERTOTEN DENKER: Wie klappt das zwischen Männern und Frauen?
Titelbild der Ausgabe 8/2020 von Cody Cassidy: Jäger nach dem ersten Mal. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Cody Cassidy: Jäger nach dem ersten Mal
Titelbild der Ausgabe 8/2020 von Joseph Gordon-Levitt: Kreativstapler. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Joseph Gordon-Levitt: Kreativstapler
Titelbild der Ausgabe 8/2020 von Haiyti: „Angst hatte ich nie“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Haiyti: „Angst hatte ich nie“
Vorheriger Artikel
DER CLUB DERTOTEN DENKER: Wie klappt das zwischen Männern un…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Cody Cassidy: Jäger nach dem ersten Mal
aus dieser Ausgabe

... Thrill, als an einem Ort zu tauchen, an dem noch nie ein Mensch war.“

Verbotenes Wunderland

Um eine bizarre Unterwasser-Landschaft wie diese bei den Bermudas zu erleben, braucht man eine Spezialgenehmigung, denn die Höhle ist seit vierzig Jahren aus Sicherheitsgründen gesperrt. „Diese Schönheit hat mich immer regelrecht hypnotisiert“, sagt Jill. „Ich glaube, die Höhle gehört zu den tollsten Dingen, die ich jemals gesehen habe.“

In dieser Höhle gibt es Sand aus der Sahara

Tief im Inneren von „Dan’s Cave“ bei Abaco, nördlich der Bahamas. Diese 350.000 Jahre alte Höhle ist auch für Klimaforscher interessant: In ihr hat sich Saharasand abgelagert, der einst vom Wind über den Atlantik auf die Inseln getragen wurde. Die Untersuchung der Stalagmiten erlaubt die Bestimmung von Trockenperioden auf der Erde.

Nur keine Panik!

Für Höhlentaucher sind solche klaustrophoben Passagen normal. „Hier geht es darum“, erklärt Jill Heinerth, „das Gleichgewicht zwischen Angst und Selbstvertrauen zu bewahren.“

Palast der Finsternis

Im „Crystal Palace“ von „Dan’s Cave“ ist es normal stockfinster. Trotzdem gibt es Leben hier: Krustentiere ohne Pigmente und ohne Augen. Sie haben sich seit dem Aussterben der Dinosaurier nicht mehr verändert.

Kriegsdenkmal vor Neufundland

Dieses französische Schiff ist im November 1942 von einem deutschen U-Boot bei Bell Island vor Neufundland versenkt worden. Heute ist das Wrack als künstliches Riff Heimat vieler Meeresbewohner.

Eine Leine als Lebensversicherung

Jill Heinerths Tauchpartner beim Befestigen der Sicherheitsleine am Eingang der „Devil’s Eye Spring“-Höhle im Untergrund von Florida. Sie ist die einzige Orientierung für den gar nicht so seltenen Fall, dass aufgewirbelter Schlick die Sicht plötzlich auf null reduziert.

Jill Heinerth vor dem „Wookey Hole“ im Süd-westen Englands. Hier wurde im Jahr 1935 zum ersten Mal eine Unterwasserhöhle betaucht.


Die Wasserfrau

Wie Jill Heinerth ihre Leidenschaft entdeckte und sie zum Lebensinhalt machte.

Als kleines Mädchen wollte sie Astronautin werden. Gut, daraus wurde nichts. Dafür hat sich die aus Toronto stammende Kanadierin ihren eigenen Kosmos erobert: die Welt der Unterwasserhöhlen. Noch vor ihrem 30. Geburtstag warf Jill Heinerth ihre bürgerliche Existenz als Grafikerin über den Haufen, um ihren Traum zu leben - als Erforscherin des Unzugänglichen und Unentdeckten unter Wasser. Die inzwischen 55-Jährige hat die längsten, die tiefsten und die engsten Höhlen der Welt betaucht, unter anderem einen Eisberg in der Antarktis, was ihr dieses Jahr einen Platz in der „Scuba Diver Hall of Fame“ bescheren wird.

Natürlich ist es riskant, sich unter Wasser durch enge und komplett finstere Höhlen zu zwängen, jeder kleine Fehler kann fatal enden. Jedes Jahr sterben im Schnitt zwanzig Höhlentaucher. Aber dieses Risiko tauscht Jill gern ein gegen das erhebende Gefühl, an Orte zu kommen, an denen noch kaum jemand war. Angst? Doch, sagt Jill Heinerth, „aber du darfst ihr nicht erlauben, von dir Besitz zu ergreifen, weil du sonst du zu viel Luft verbrauchst“. Wie sie diesen mentalen Kraftakt bewältigt? „Im Angesicht der Gefahr atme einmal tief durch“, rät sie. „Und dann mach dich Schritt für Schritt an die Arbeit des Überlebens.“

Jills Tauchprojekte: intotheplanet.com

Das schickt der Himmel

Ein Sonnenstrahl bahnt sich seinen Weg ins Reich der ewigen Finsternis. „Ich nenne diese Aufnahme aus Yucatán ,Beam me up‘“, lacht Jill. Und man versteht sofort, warum die Maya die Karsthöhlen für den Sitz der Götter der Unterwelt hielten.

Tor zu Floridas unglaublicher Unterwelt

Der „Floridan Aquifer“, ein weit verzweigtes Netz aus unterirdischen Kanälen, versorgt 60 Prozent der Bevölkerung des US-Bundesstaats mit Grundwasser. Und er zieht furchtlose Höhlentaucher aus der ganzen Welt geradezu magnetisch an. Hier der Eingang zum „Orange Grove Sink Spring“ im Nordosten des Sunshine State.


Fotos JILL HEINERTH

SUUNTO UK