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Jerk, Jerk, BOOM! Ruck, Ruck, EINSCHLAG!


Petri-Heil - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 30.04.2019

Jerkbaits haben es in sich! Sie imitieren einen verletzten Beutefisch, während die meisten andern Kunstköder einen flüchtenden Beutefisch nachahmen. Warum auch im Jahr 2019 der Jerkbait für die meisten Fischer ein rotes Tuch ist und wie sich das am einfachsten ändern lässt, lernt Ihr in diesem Artikel.


Artikelbild für den Artikel "Jerk, Jerk, BOOM! Ruck, Ruck, EINSCHLAG!" aus der Ausgabe 5/2019 von Petri-Heil. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Petri-Heil, Ausgabe 5/2019

Jerkbait-Fischen ist zwar auf Youtube und Co. populär, doch bei uns ist es immer noch selten gesehen.


Keine andere Köderart schürt bei uns Fischern so viele Berührungsängste wie der Jerkbait. Zwar hat fast jeder irgendwo einen Jerkbait in seiner Box liegen, aber wenn die ersten Gehversuche nicht von Erfolg ...

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... geprägt sind, landet er schnell zuunterst in der Box und rostet vor sich hin! Woran liegt das? Zuerst gilt es zu erwähnen, dass Jerkbaits verhältnismässig teuer sind. Geht es beim Gummifisch bei ein paar Franken los, so muss man für einen Jerkbait schon zwischen 15 bis 60 Franken investieren. Die Lebensdauer eines Jerks übersteigt hingegen diejenige eines Gummis um ein Vielfaches.

Jerkbaits verlangen Führung

Die zweite, bedeutend grössere Hemmschwelle ist der Lauf, beziehungsweise die Führung dieser dekorativen Kanthölzer. Die meisten Jerkbaits haben bei gleichmässigem Einkurbeln kein oder nur ein sehr geringes Köderspiel. Paddeln Gummifisch oder Twister bereits bei leichtem Zug verführerisch, so kippt der Jerkbait höchstens leicht von einer Seite zur anderen oder schlenkert hin und her. Beim Jerkbait bestimmt der Angler die Aktion mit seiner Führung, und mit der passenden Ausrüstung kann man den Köder unnachahmlich tanzen lassen. Jerkbaits kann man nicht uneingeschränkt einsetzen, die meisten handelsüblichen Jerks laufen zwischen 0,5 - 2 m Tiefe. Wenn man etwas sucht, findet man auch mal Jerkbaits, die in vier Meter Tiefe noch sauber laufen, doch tiefer kann der Jerkbait kaum mehr seine Stärken ausspielen.

Zwei Arten von Jerkbaits

Zuerst muss ich hier ein Übersetztungs-Problem klarstellen: «to jerk» (engl.) bedeutet rucken. In Übersee ist mit einem Jerkbait ein hier als Twitchbait bekannter Wobbler gemeint, ganz klassisch mit Tauchschaufel im Bereich der Einhängeöse und Eigenaktion beim gleichmässigen Einholen. Hierzulande ist ein Jerkbait hingegen ein Hardbait ohne Tauchschaufel. Es gibt zwei verbreitete Arten von Jerkbaits. Zum ersten die «Glider» (Gleiter), welche mit der richtigen Führung wunderschön im Zick-Zack laufen und definitiv die bekanntere Kategorie der Jerks bilden. Und zum anderen sind da die nur wenigen bekannten «Diver» (Taucher), die bei Zug abtauchen und in der Pause wieder langsam auftreiben. Beiden ist gemeinsam, dass nicht eine Tauchschaufel für Aktion und Tauchtiefe sorgt, sondern diese Eigenschaften über Form und Gewichtsverteilung, Position der Einhängeöse und Ködergewicht bestimmt werden.

Bei Jerkbaits wird zwischen Floating, Slow Sinking, Sinking und Fast Sinking unterschieden. Das sind aber nur Anhaltspunkte, denn je nach Absinkphase und Führung sowie Schnur und Vorfach beeinflusst man die Lauftiefe eines Jerks ebenso.

Auch wenn man andere Fischarten mit dem Jerkbait fangen kann, bleibt der Hecht die unumstrittene Nummer Eins für die Jerkbait-Fischer.


Gliden im Zickzack

«Glider» haben einen attraktiven Lauf, sie brechen schön zur Seite aus und können variantenreich geführt werden. Der «Diver» hingegen läuft nicht so dynamisch, beim «Ruck» taucht er lediglich nach unten, um in der darauffolgenden Pause wieder langsam aufzusteigen. Aus der Perspektive der Hechte reizt dieses schnelle Abtauchen und langsame Auftreiben aber genauso. So hat jeder Köder seine Situation.
Jerkbaits gibt es in allen Grössen, aber der Fokus liegt hier ganz klar beim Hechtfischen, wo Jerks am häufigsten eingesetzt werden. Dies sind Köder zwischen 10 und 25 cm, sie wiegen zwischen 40 und 120 Gramm, es gibt aber auch Jerkbaits die über 200 Gramm auf die Waage bringen. Am gängigsten sind Köder aus Balsaholz, PU-Schaum oder Hartplastik. Einige Jerks haben Rasseln, andere sind «silent» (still), als zusätzlichen Reiz gibt es Jerks mit Federn oder Twisterschwanz. Und es gibt sie in allen möglichen Farbvarianten.

Es braucht starkes Gerät …

Um diese schweren Köder vernünftig werfen und mit der Rute animieren zu können, braucht es starkes Gerät. Seitliches Jerken ist auf Dauer sehr ermüdend für das Handgelenk. Die einfachste (und beste) Köderführung ist das Rucken nach unten. Deshalb verwendet man kurze Ruten mit einem Wurfgewicht von 80 bis 180 g. Traditionell sind Jerkruten bretthart und zirka 180 cm lang, aber ich empfehle eine etwas längere Rute mit leichter Spitzenaktion. Mit der längeren Rute lässt es sich von einer erhöhten Position wie der Bugplattform im Boot oder vom Ufer aus einfach besser jerken, zudem wirft man weiter und hat im Drill mehr Reaktionsmöglichkeiten. Längen zwischen 190 und 220 cm haben sich bewährt. Dass die «modernen» Jerkruten nicht mehr ganz so brettig sind, hat Vorteile bei der Köderführung, da die Spitze im Zug sich leicht auflädt und beim Stopp den Köder nochmal rausbeschleunigt.

Zahlreiche Jerkbait-Modelle um die 70 Gramm füllen den Köderkübel des Autors.


… und eine Multirolle

Um auf Dauer diese schweren Köder zu fischen, eignen sich Multirollen am besten. Beim Rucken wirken grosse Kräfte auf die Rolle; die Multi hat eine beidseitig gelagerte Spule und wird dieser Belastung deutlich länger standhalten als die einseitig gelagerte Stationärrolle. Bei den Übersetzungen der Multirollen scheiden sich die Geister. Meine Devise ist, lieber zu hoch als zu niedrig übersetzt, denn etwas langsamer zu kurbeln ist angenehmer.
Als Schnur kommt meistens eine robuste Geflochtene ab 0,20 mm zum Einsatz, ich empfehle besonders Neulingen eine dickere Schnur mit zirka 0,28 mm. Der Köderlauf und die Wurfweite werden dadurch nicht beeinträchtigt.

Kluge Vorfachwahl

Das Vorfach hat bei dieser Angelei einen zentralen Stellenwert. Ein zu dickes Vorfach bremst den Lauf des Köders zu stark ab, gleichzeitig muss das Material steif genug sein, damit der Köder das Vorfach nicht überholt und sich verheddert. Das Vorfach muss den scharfen Hechtzähnen und den hohen Belastungen im Wurf und Drill standhalten. Diese Anforderungen erfüllt für mich ein eindrähtiges Titanvorfach mit 40 bis 80 Pfund Tragkraft in 30 cm Länge am besten. Damit der Köder sein Spiel vollständig entfalten kann, kombiniert man das Vorfach mit einem starken Karabiner, vorzugsweise verwende ich hier einen Fastach Clip. Der Fastach Clip muss nicht mit dem Fingernagel ge-öffnet werden, sondern man fährt nur seinen Köder ein, das Material ermüdet nicht durch das Auf- und Zubiegen. Selbst mit Handschuhen lassen sich so blitzschnell Köder wechseln. Um unauffälliger zu fischen und etwas Dehnung in die sehr straffe Kombination von starker Rute und Geflochtener zu bringen, kann man zwischen Vorfach und Hauptschnur noch einige Meter Fluorocarbon in einem Durchmesser von zirka 0,45 mm einknoten.

Rucken ist nicht gleich schlagen. Von der Ausgangsposition (1) wird ein gleichmässiger Ruck nach unten ausgeführt (2), der damit endet, dass die Rute wieder gerade ist (3). Schnur wird nur in der Aufwärtsbewegung auf dem Weg zurück zur Ausgangsposition (1) eingeholt.


Ruck und Pause

Die Ausrüstung steht. Nun zur Führung. Wie eingangs erwähnt, kommt Jerken von Rucken, nicht von Schlagen! Gerade zur Anfangszeit dieser Technik benötigten einige Köder einen wirklich sehr starken Ruck, um zur Seite hin auszuscheren. Aber die Köder haben sich stark weiterentwickelt und so brauchen die moderneren Jerks heutzutage oft nur eine sanfte Beschleunigung und einen ruckartigen Stopp, um gut zu laufen. Der Bewegungsablauf besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Zuerst einen Ruck, dann Pause. Hier gibt es keinen Rhythmus, der immer funktioniert, weil jeder Köder etwas anders läuft. Wichtig ist, dass der Ruck in die etwas schlaffe Schnur erfolgt und man nach dem Ruck die Schnur auch noch straff lässt, damit der Köder Spielraum hat, um sich zu bewegen und zur Seite auszubrechen. Die Rutenspitze wird dazu ruckartig nach unten geführt und danach gestoppt. Die Spitze ist nun im unteren toten Punkt (UT). Jetzt lässt man den Köder stehen und führt die Rutenspitze wieder nach oben (zum Ausgangspunkt), während man gleichzeitig etwas lose Schnur aufnimmt. Wenn die Schnur nur leicht schlaff und die Rutenspitze wieder auf der Ausgangsposition ist, wiederholt man das ganze von vorne.
Das klingt hier sehr technisch, ist aber reine Gefühlssache. Der Jerkbait kann auch nur über die Rolle geführt werden, indem man zackig ankurbelt und abrupt stoppt, so verliert die Technik aber seine Variabilität und mein Jerkherz blutet.

Jerkbaits sind betont auffällige Köder. Der Biss erfolgt meist in der Pause, wenn der Hecht den Köder fixieren kann.


Jerken braucht Übung

Als Einsteiger nimmt man sich am besten etwas Zeit an einem klaren Gewässer, wo man direkt beobachten kann, was der Köder bei welcher Bewegung mit der Rutenspitze macht. Gebt nicht sofort auf! Wenn Euer Jerk nicht läuft, ist er ziemlich sicher nicht kaputt, sondern Eure Führung passt noch nicht. Wenn man mit der Führung, dem Köder und dem Gefühl für beides vertraut ist, kann man die Jerks tanzen lassen! Die variable Frequenz, die Länge der Schläge, die Geschwindigkeit und Pausendauer machen den Jerk zu einem der vielseitigsten Köder. Hinzu kommt noch das vom Köder gegebene Absinkverhalten. Flachlaufende Jerks bleiben in der Pause fast an Ort und Stelle stehen, und gerade launische Räuber packen in diesem Moment beherzt zu!
Wenn man sich erstmal mit dieser Köderfamilie vertraut gemacht hat, entwickelt sich ganz schnell eine Besessenheit zum Jerken! Die variantenreiche Führung lässt einem als Fischer viel Freiraum, die teils brachialen Bisse und spritzigen Attacken der Fische lassen einem den Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen und sorgen oft für zittrige Knie.