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electricar - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 04.03.2020

»In fünf bis zehn Jahren wird uns hier die wichtigste Industrie wegbrechen


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Bildquelle: electricar, Ausgabe 1/2020

Interview mit Frank Thelen

IN ZWEI SÄTZEN

Frank Thelen (44) ist Geschäftsführer der Freigeist Capital GmbH, finanziert und unterstützt damit technologie- und designfokussierte Gründer in der Frühphase ihrer Unternehmen. Außerdem kennt man Thelen als Juror der VOX-Sendung Die Höhle der Löwen, in welcher Startups und junge Unternehmer versuchen, die Investoren von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen.

Herr Thelen, vielen Dank, dass Sie sich für ein Interview mit uns Zeit nehmen.

electricar: Wir möchten gleich einmal mit einer ...

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Frank Thelen: Für mich war das Fahren mit einem Verbrennungsmotor nicht mehr vertretbar und Tesla bietet aktuell in meinen Augen die einzig sinnvolle Alternative. Ich würde auch gerne ein deutsches E-Auto fahren, aber Tesla ist in Sachen Reichweite, autonomes Fahren und Ladeinfrastruktur so weit vorne, dass es für mich aktuell die einzige Wahl ist. Ich freue mich, wenn ich eines Tages wieder zu einem deutschen Hersteller wechseln kann.

electricar: Liegt der Siegeszug von Tesla nur darin begründet, dass sie sich voll und ganz auf die Elektromobilität konzentrieren können, oder gibt es noch andere Gründe für deren Erfolgsgeschichte?

Thelen: Tesla konzentriert sich nicht nur auf die Elektromobilität, sie haben auch die führende Batterieforschung und -produktion, sie sammeln seit Jahren Daten, haben die schnellsten Chips und sind nach meinem Kenntnisstand am nächsten am Ziel, ein komplett selbstfahrendes Auto zu bauen. Tesla ist nicht nur ein Elektroautohersteller, sondern in erster Linie ein Technologie-Unternehmen. Das ist der entscheidende Vorteil und der Grund, warum ich an den Erfolg der Firma glaube.

electricar: Sie prophezeiten zuletzt VW und Co. eine düstere Zukunft auf dem Automobilsektor der Zukunft. Worauf begründet sich diese Annahme?

Thelen: Elektromobilität ist für mich aktuell die beste Wahl für Autos, Flugzeuge und mittelfristig sogar Schiffe. Tesla ist bei der Batterieforschung anderen Herstellern meilenweit voraus. Auch autonomes Fahren wird kommen und hier haben wir meiner Einschätzung nach bei Tesla bereits den iPhone-Moment erreicht: den Moment, in dem Tesla, ähnlich wie damals das iPhone, technologisch nicht mehr einzuholen ist. Die Sensoren und Kameras der Tesla-Autos sammeln bereits seit Jahren wertvolle Daten, während der Audi e-tron noch nicht mal mit Kameras ausgestattet ist. Ich sehe nicht, wie deutsche Hersteller diesen Rückstand aufholen woollen .

electricar:Was bedeutet diese Entwicklung für die deutsche Wirtschaft? Schließlich sind VW und Co. ja fundamentale Bausteine unseres Landes.

Thelen: Und genau das bereitet mir große Sorgen. Es wird glücklicherweise nicht von heute auf morgen passieren, da unsere Autobauer ja den meisten Gewinn mit Service-Leistungen verdienen. Aber in fünf bis zehn Jahren wird uns hier die wichtigste Industrie wegbrechen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir jetzt aufwachen und konsequent in neue Technologien investieren und in einem anderen Bereich Weltmarktführer aufbauen. Mit Lilium Aviation und Volocopter kommen gleich zwei führende Flugtaxi-Technologien aus Deutschland. Anstatt an alten, nicht mehr zeitgemäßen Industrien festzuhalten, sollten wir endlich wieder zu Vorreitern werden und uns auf die Zukunft fokussieren. Der Zeitpunkt für eine substanzielle Beteiligung an Tesla ist ja nun leider auch verpasst.

electricar: Können diese wirtschaftlichen Einbußen von einer in Deutschland produzierenden Gigafactory der Marke Tesla zumindest teilweise aufgefangen werden?

Thelen: Mit der Gigafactory entstehen Tausende Arbeitsplätze und ein Standort eines Unternehmens, das es in meinen Augen noch lange geben wird. Von daher profitiert Deutschland auch wirtschaftlich davon, ja. Aber wir stehen am Ende der Wertschöpfungskette. Tesla produziert nur hier, weil sie so noch mehr an unserem Konsum verdienen können .

electricar: Wird es Deutschland in absehbarer Zeit schaffen, etwa durch ein flächendeckendes Netz an Ladesäulen, die herkömmlichen Verbrenner abzulösen?

Thelen: Der Markt bzw. die Kunden werden das alleine regeln. Wir haben bald mit dem VW ID.3, dem Model 3 und Y von Tesla deutlich günstigere eAutos im Angebot. Zu Recht bietet der Staat Steuerreduzierungen und Zuschüsse für eAutos. Sie sind einfach sinnvoller, cooler und wertbeständiger. Ich denke schon 2021, wenn VW lieferfähig wird und Giga Berlin startet, werden wir eine drastische Verschiebung bei den Zulassungen sehen.

electricar: Wann ist der Zeitpunkt, an dem mehr Elektrofahrzeuge als Verbrenner verkauf werden? Und kommt es dazu überhaupt je?

Thelen: Nokia hat nach der Einführung des iPhones innerhalb von 3 Jahren 50 % Marktanteil verloren. Ich denke, wir werden jetzt eine exponentielle Entwicklung sehen und ab 2030 werden mehr eAutos als Verbrenner verkauft. Dies berücksichtigt, das viele neue erfolgreiche Challenger wie Sono Motors, BYD und Polestar im Markt sind.


Das Interview führte Christoph Lumetzberger.